Einer von den Guten //2712

In letzter Zeit kommt es wieder häufiger vor, dass (potentielle) Kunden uns persönlich aufsuchen. Grundsätzlich kümmert sich die Vertriebsabteilung um diese Besucher. In unserem Showroom finden Vorführungen und Demonstrationen statt.
So gab es neulich wieder einen Besucher, der vollmundig angekündigt hatte, dass er Geräte für $humanitärerZweck in $Stadt suchte. Ich bekam von den Verhandlungen und Gerätedemonstrationen nichts mit, bis mich der Vertriebsleiter (genervt) anrief, und mich bat, doch kurz in den Showroom zu kommen. Dieser Besucher wolle nur noch mit der Geschäftsleitung sprechen. Da Carsten an diesem Tag anderweitig unabkömmlich war, machte ich mich halt auf den Weg zum Showroom.

Dort stellte sich dann heraus, dass der Besucher überhaupt nicht daran dachte, Geräte käuflich zu erwerben, nein, er wollte sie als mildtätige Spende geschenkt haben. Für die armen $Blablabla, und sie würden sie so dringend brauchen, wir würden damit etwas Gutes tun, und so weiter und sofort.
Wenn ich erst einmal anfange, Geräte zu verschenken, selbst wenn der Zweck noch so wohltätig ist, steht eine Stunde später der nächste Aspirant auf der Matte, und will auch kostenlose Geräte. Das fange ich erst gar nicht an. Wir spenden schon genug, und müssen Profit machen, um dadurch viele Arbeitsplätze zu sichern.
Also lehnte ich freundlich, aber sehr bestimmt ab. Ich schlug dem Besucher aber Sonderkonditionen vor (besser nur wenig Gewinn, als gar kein Gewinn – da gibt es schon einen gewissen Spielraum). Das wollte er nicht, seine Interessengruppe hätte kein Geld dafür übrig. Dann halt nicht. Er lamentierte und moralisierte herum, versuchte mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Wir seien dran schuld, wenn deshalb bla, bla, bla ..! So ein unangenehmer Mensch! Seine moralische Erpressung verfängt bei mir nicht. Hätte er nicht ursprünglich den Eindruck erweckt, Geräte kaufen zu wollen, wäre er gar nicht erst hier empfangen worden, und hätte dem Vertrieb und mir einiges an Aufwand und Zeit erspart. Ich kann Leute nicht ausstehen, die solche Forderungen stellen und sich einbilden, dass andere ihre Weltverbesserungsambitionen finanzieren müssten. Und wegen dem Typen hatte ich mir sogar extra eine Maske aufgesetzt!
Als er einmal eine kurze Sprechpause einlegte, legte ich ihm nahe zu gehen. Das Gespräch ist beendet. So kommen wir nicht ins Geschäft. Missmutig zog er von dannen, nicht ohne mir vorher noch mit schlechter Publicity zu drohen. Ja, ja, ich weiß, der allegorische Fluch der kranken Waisenkinder. Auch dieser Bluff verfängt bei mir nicht.

Ich wechselte noch ein paar Worte mit dem Vertriebsleiter, der meinte, solch einen hartnäckigen Bittsteller habe er auch noch nicht erlebt. Allerdings kämen solche Ansinnen gelegentlich schon vor, nur würden diese Leute normalerweise von vornherein zugeben, dass sie nicht die Absicht hätten, Geld auszugeben.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Einer von den Guten //2712

  1. keloph schreibt:

    das ist ähnlich wie bei der diskussion um reiche und arme und notwendigkeit zu helfen, da wird häufig mit schuldgefühlen gearbeitet. ich wundere mich nur, wie viele auch prominente sich dafür hergeben.

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  2. pirx1 schreibt:

    Neulich im Supermarkt

    An der überfüllten Kasse, ich bin endlich an der Reihe (ich hatte mir sogar extra eine Maske angezogen), die Kassiererin nennt mir den (wie üblich „krummen“) Rechnungsbetrag verbunden mit der Frage „Aufrunden bitte?“. Irritiert bitte ich -schon ahnend, was jetzt kommt- um eine Erklärung.

    Ja, so erklärt mir die leutselige Kasseuse, da gäbe es doch schon länger diese Aktion, ihr Unternehmen (und andere) bäten die Kunden, ungerade Rechnungsbeträge an der Kasse aufzurunden, dann spendeten die Geschäfte in meinem Namen diese, für mich doch sicher zu verschmerzende, kleine Summe in Centbeträgen für wohltätige Zwecke (Die Frage welche Zwecke das denn genau wären konnte die Dame schon nicht mehr beantworten).

    Natürlich hatte ich von diesem Unfug schon gehört. Ist der Betrugsversuch am Kunden, ihm niedrigere Preise zu suggerieren, wenn das Pfund Butter nicht 2 Euro, sondern „nur“ 1,99 Euro kostet ja schon seit Urzeiten verbreitet und lächerlich genug, so soll dieser Blödsinn jetzt wohl noch durch die „Aktion Aufrunden bitte!“ mit einem vermeintlich caritativen Zweck geheiligt werden. Gleichzeitig sonnen sich die teilnehmenden Unternehmen im Nimbus der wohltätigen Mildtäter – mit dem Geld ihrer Kunden, wohlgemerkt. Social washing at its best.

    Und natürlich gibt es solche Aktionen zu Hauf. „McDonalds spendet in Ihrem Namen“, „Wir pflanzen einen Setzling in Buxtehude, wenn sie auf der Autobahn 200 Liter unseres Sprits verheizen“, et et et.

    Nicht mit mir. Wenn ich spenden will, dann spende sich aus Eigenantrieb (und schon genug) und nicht, weil ich jetzt auch noch an der Supermarktkasse damit belästigt werden. Und ich verschenke mein Wohltätigkeitsimage auch nicht an irgendwelche obskuren Unternehmen. Meine, die Kassenwärterin sichtlich irritierende, Antwort war daher entsprechend: „Gerne abrunden!“.

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  3. Mika schreibt:

    Sind die Geräte so hochpreisig?

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  4. idgie13 schreibt:

    Das Geld anderer Leute gibt sich halt immer noch am leichtesten aus … 😉

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    • Ja. Habe nur ich den Eindruck, dass diese Mentalität gerade in den letzten Jahren dermaßen auf dem Vormarsch ist?

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      • pirx1 schreibt:

        Diese Mentalität gibt es mindestens seit der Erfindung der Steuern.

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      • idgie13 schreibt:

        Schnorrer und Neider hat es schon immer gegeben.

        Mich erinnert das immer an den Spruch:
        „Nur mit Arbeit früh und spät wird es dir geraten – jeder sieht das Blumenbeet, keiner sieht den Spaten.“

        Aber heute will jeder nur „leistungslos“ an das Geld anderer und sich mit fremden Federn schmücken. Ich habe auch den Eindruck, dass das in den letzten Jahren zugenommen hat.

        Die Politik macht es ja auch vor – statt bei weltweit höchstem Steuersatz über Steuererleichterungen nachzudenken, schürt man Neid auf „Reiche“, die früher allenfalls Mittelstand waren. Dabei hat D kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem.

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  5. beweis schreibt:

    Dieses Erlebnis ist symptomatisch dafür, dass neuerdings moralische Anspruchshaltungen regieren. Produktivität, Leistung, Exzellenz, Wertschöpfung werden der Moral untergeordnet.
    Das sieht man immer wieder: Wir zum Beispiel sanktionieren den bösen Russen so weit, bis uns der Saft ausgeht oder unbezahlbar wird. Denn Gas und Öl sind uns egal, wenn wir doch etwas für das Gute tun können.

    Moralisierende Emotionalität ist das Maß aller Dinge geworden. Notfalls drucken wir halt ein paar Milliarden. Mit dieser Grundhaltung wenden sich dann die Moral-Schnorrer an jeden, bei dem sie reale Werte vermuten. Folgt man ihren Wünschen nicht, drohen sie mit Shitstorm oder Canceln.

    Öffentliche Ächtung oder Ausgrenzung sind klassische relationale Gewalt. Meiner Meinung nach eine Folge der Übernahme der Gesellschaft durch den Feminismus.

    Früher wäre es so abgelaufen: Einer kommt und will das Eigentum eines anderen haben. Wenn der es nicht herausgibt, kriegt er einen auf den Deckel. Mit physischer Abwehr oder Security konnte man sich davor schützen.
    Jetzt kommt einer und will das Eigentum eines anderen haben. Wenn der es nicht freiwillig gibt, wird er in seinem Umfeld (Marktsegment, Öffentlichkeit, Familie, je nachdem) fertiggemacht, stigmatisiert und ausgegrenzt.

    Der zentrale Unterschied zwischen den Methoden ist gar nicht die Form der Gewalt, die ausgeübt wird. Der Unterschied ist, dass im zweiten Fall die Gesellschaft hinter den Tätern steht und das Treiben legitimiert – im Namen der Moral.

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    • Mika schreibt:

      Hypermoral wo du hinschaust.
      Ich werde mit dem Klima erpresst
      Sie zwingen mir die Kriegskosten der Ukraine auf
      Ich soll komische Leute aus Afrika und sonst woher finanzieren
      Mir wird Entwicklungshilfe für Shit Staaten abgepresst
      Ich darf üppigen Politikern und ÖR Leute, die ich nicht brauche, finanzieren
      Alles im Namen der Moral und des Guten
      Und dann jammern sie noch nach Spenden, gut, bei mir nicht persönlich, hier kommt ja niemand rein, aber auch im Supermarkt steht vor meiner Nase eine Spendenkasse mit Bild von armem Kind aus Afrika.
      Ich pfeiff da drauf. Alles Schnorrer.
      Ich hab weder Streit mit den Russen, noch habe ich Kinder in Afrika gemacht, die ich mir nicht leisten kann. Ich habe auch niemanden aus Kufnuckistan hierher eingeladen.
      Ich will mein Geld zurück.

      PS. der Tippelbruder am Bahnhof bekommt immer mal was, der ist mir nämlich näher, als irgendwelche alimentierten Dealer aus Afrikastan.

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  6. Mika schreibt:

    In meiner Jugend gab es mal einen Spendenvorfall in Mannheim, meine ich. Die haben da für irgend etwas gesammelt, was mit Cuba zu tun hatte. Zwei ältere Damen gaben ein Packet ab. Sah aus wie ein Elektrogerät, also damals wertvoll. darin war Ihre tote Katze, sie wussten nicht wohin damit. Und das kam dann auch noch in die Zeitung 🙂

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  7. Mia schreibt:

    Anmaßend finde ich auch die Post von Unicef oder irgendwelchen Behinderten-Werkstätten, die speziell in der Vorweihnachtszeit Spenden sammeln und auf die Tränendrüse drücken. Da sind die bei mir an der richtigen Adresse.
    Da bekommst du dann mund- oder fußgemalte Postkarten (die zugegebenermaßen gar nicht mal so schlecht ausschauen) und den ausgefüllten Überweisungsträger für deine Spende gleich mitgeliefert.

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  8. Plietsche Jung schreibt:

    Fordern ist die neue Volks- und Politikerdisziplin. Das muss man einfach drauf haben. In den Nachrichten sträuben sich mir schon jedes Mal die Nackenhaare, wenn ich dieses Keyword vernehme: „Fordern“. Bestes Beispiele: Der ukrainische Botschafter M. und Grüne Zeitzeugen in der Politik – reine Maulhelden.
    Die Zeit von Bitten, nicht Betteln, sind vorbei. Die moralischen Ellenbogen bahnen sich ihren Weg in die Alltagsrethorik.
    Bitter. Und überhaupt nicht gut.

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