Unerwartete Nachfrage //2709

Vor etlichen Jahren habe ich mir eine Anwendung zunächst nur für meine eigenen Zwecke geschrieben, die aber nichts mit meinem üblichen Kerngeschäft zu tun hatte. Als sie mir gute Dienste leistete, dachte ich, dass sie auch für andere Nutzer hilfreich wäre, und ich machte (mit einigem Aufwand) ein kommerzielles Produkt daraus.
Im Laufe der Zeit gab es gelegentlich einen Käufer, aber der Umsatz damit blieb gering und lief halt so nebenher.
Damit potentielle Kunden nicht die Katze in der Kiste kaufen müssen, gibt es dazu auch eine Demoversion, die im Vergleich zur Vollversion aber einige Einschränkungen hat, und rechtlich nur begrenzte Zeit (was ich aber nicht kontrolliere) ausprobiert werden darf.
Als das Ablaufdatum dieser Demoversion nahte, überlegte ich, wie ich weiter vorgehen sollte. Ganz aus dem Markt zurückziehen wollte ich die Software nicht, da doch ein gewisser Bedarf bestand. Da die Anwendung inzwischen nicht mehr zeitgemäß und aktuell war, sowie einige sonstige Gegebenheiten nicht mehr passten, würde es aber nicht genügen, nur das Ablaufdatum hochzusetzen und neu zu bauen, sondern es wären noch einige weitere Änderungen fällig. Bei der Gelegenheit implementierte ich dann noch gleich ein paar neue Features und Verbesserungen. Da die Lizenzgebühr schon seit vielen Jahren (auf niedrigem Niveau, so dass sie auch für Hobbynutzer erschwinglich ist) gleich geblieben war, entschloss ich mich außerdem noch zu einer mäßigen Preiserhöhung, die wenigstens die Inflation kompensieren sollte.

So gab ich Voll- und Demoversion am gleichen Tag heraus. Das ist jetzt schon wieder längere Zeit her. Seither gibt es ein signifikant größeres Interesse an diesem Produkt. Ich habe mittlerweile mehr Lizenzen davon verkauft, als in der gesamten Zeit davor. Allerdings bekomme ich auch mehr Fehlerberichte dafür. Die kommen von (potentiellen) Kunden, und zeigen mir, dass doch eine ziemliche Nachfrage nach solch einer Anwendung besteht. Viele Nutzer probieren die Software zumindest aus, und dabei bemerken sie auch Käfer, die vorher jahrelang im Verborgenen geschlummert haben, solange sie niemand aufgeschreckt hat.
Für meine Standardsoftware bekomme ich kaum noch Bug Reports, weil die längst (zumindest in der grundlegenden Funktionalität) ausgereift ist. Wenn überhaupt, dann befinden sich störende Käfer nur noch in Features, die selten genutzt werden. Deshalb war die Pflege in den letzten Jahren kein Problem.
Bei der hier beschriebenen Software sehe ich mich dagegen gezwungen, den Berichten nachzugehen, und das kostet mehr Zeit, als ich noch dafür investieren will.
Ich weiß noch nicht, wie ich langfristig mit diesem Dilemma umgehen werde. Vorläufig versuche ich, die Bugs zügig zu fixen, aber wenn der Aufwand nicht wieder abnimmt, werde ich es nicht auf Dauer durchhalten können.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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3 Antworten zu Unerwartete Nachfrage //2709

  1. Leser schreibt:

    Ist die gesteigerte Nachfrage den Aufwand des Bugfixens nicht wert?

    Gefällt mir

  2. Pingback: Wie innen, so außen //2724 | breakpoint

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