Der Stoff der Träume //2708

Im Winter hatte ich mir in den kältesten Nächten ein Frotteenachthemd angezogen. Das war eigentlich ein Zufallskauf gewesen, aber ein Glücksgriff. Mich hatte es nachts gefroren, und da ich damals nicht in der Stadt Kleidung kaufen durfte, hatte ich mir eins auf die Schnelle online bestellt. Wichtig war mir gewesen, dass es lange Ärmel hat. Beim Filter des Kaufportals hatte ich in der Suchmaske ausdrücklich „Winter“ eingestellt. Trotzdem bestanden die ersten Treffer aus Reizwäsche, bei derem bloßen Anblick mich fröstelte. Ich wollte doch etwas Warmes! Aber das nur am Rande. Ich wählte schließlich eines (vorne durchknöpfbar, damit es stillgeeignet ist), war mir aber nicht sicher, ob ich M oder L bestellen sollte. Grundsätzlich reicht mir Medium, um reinzupassen. Andererseits habe ich gerade nachts gerne etwas mehr Platz in meinem Nachtgewand, sonst zwickt es vielleicht beim Lagewechsel irgendwo, oder ist sonst nicht bequem, bzw. zu kurz. Also entschied ich mich für L. Aber auch das ist nicht das Thema, auf das ich hinaus will.
Jedesmal war es mir eine Freude, wenn ich hineinschlüpfte. Der Frotteestoff war so schön warm und kuschelig.
Und jetzt komme ich zum eigentlichen Thema: Warum fühlen Stoffe mit flauschiger Textur wie Frottee, Biber, Fleece sich warm an, während glatte Stoffe wie Satin oder Batist eher kühl wirken (was im Sommer dann wieder angenehmer ist)?
Als Gemeinsamkeiten der warm erscheinenden Textilien finde ich nur ihre größere Oberfläche. Sie sind nicht nur zwei-dimensional flach, sondern haben Schlaufen, sind aufgeraut, oder dergleichen.
Bei Kühlkörpern nutzt man große Oberflächen zum Wärmeaustausch mit der Umgebung. Aber diese Textilien befinden sich ja im thermischen Gleichgewicht, sind auf der gleichen Temperatur wie der ganze Raum. Wärmeaustausch kann es also nicht sein.
Ich glaube auch nicht, dass es kleine Luftpolster sind, die innerhalb des Gewebes hängen. Die könnten zwar zur Wärmeisolierung beitragen (also dass man etwa draußen nicht so schnell auskühlt, wenn man sich in den Stoff gehüllt hat), aber im von mir betrachteten Szenario ist ja alles auf Zimmertemperatur.
Ich habe noch keine befriedigende Antwort gefunden auf die Frage, warum sich diese Stoffe warm anfühlen.

Ebenfalls schwierig finde ich es, zu unterscheiden, ob ein Wäschestück nach dem Waschen und Aufhängen immer noch leicht feucht ist, oder einfach nur kalt. Das fühlt sich so ähnlich an, dass es manchmal nicht eindeutig entschieden werden kann.

Dann ist mir noch etwas aufgefallen:
Manchmal ziehe ich mich abends im Dunklen aus, bevor ich ins Bett gehe. Es kommt vor, dass dann in meinen gerade abgestreiften Kleidern (vorwiegend grünliche) Blitze aufleuchten, weil offenbar eine elektrostatische Entladung stattfindet.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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41 Antworten zu Der Stoff der Träume //2708

  1. keloph schreibt:

    ich meine glauben zu können, dass aus sicht der haut mehr-strukturierte stoffe weniger faktische fläche zum tatsächlichen berühren hergeben. das mag eine erklärung sein.

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  2. pirx1 schreibt:

    Es mag vielleicht damit zu tun haben, dass Luft ein relativ schlechter Wärmeleiter ist und sich in „Flauschgewebe“ mehr Luftkammern befinden, die Körperwärme also nicht mehr so schnell abgeleitet wird, wie ohne Kleidung oder in Kleidung mit weniger Lufteinschlüssen – etwa vergleichbar mit den Isolationskacheln beim Space-Shuttle? Die NASA wird´s erklären können.

    Verschreiber der Tage: Lusteinschlüsse statt Lufteinschlüsse.

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    • Das wäre meine Vermutung gewesen, warum es draußen in der Kälte warmhält, aber nicht wenn der Stoff auf Zimmertemperatur ist.
      Es könnte natürlich sein, dass die eigene Körperwärme irgendwie „zurückgeworfen“ wird, und man diese besser spürt.

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      • pirx1 schreibt:

        Ich glaube, man sollte die Geschwindigkeit nicht unterschätzen, mit der Wärmeverlust stattfindet und wahrgenommen wird. Auch ist der Temperaturunterschied zwischen Körper- und Raumtemperatur nicht so groß, wie bei kalter Außenluft.

        Wenn man ein Stück Holz anfasst (schlechter Wärmeleiter) hat man unmittelbar ein wärmeres Gefühl, als bei einer Stahl- oder Kupferplatte (gute Wärmeleiter), obwohl beide die gleiche Ausgangstemperatur haben. Das spricht dafür, dass man „kein Wärmeverlust“ subjektiv als warm empfindet, „instantane Wärmeableitung“ aber subjektiv als kalt.

        Dazu dann noch der Placeboeffekt („gleich wird es kuschelig“) …

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        • Holz und Metall sind zwei unterschiedliche Materialien, deshalb verschiedene Wärmeleitungs- und Wärmeübergangskoeffizienten.
          Bei Stoffen (z.B. einerseits Batist, andererseits Frottee jeweils aus Baumwolle) ist das Material gleich. Die subjektive Temperaturempfindung muss also auf einem Oberflächeneffekt beruhen.

          Gegen Placebo-Effekt spricht, dass mich dieses Flauschgefühl insbesondere am Anfang immer überrascht hat.

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          • pirx1 schreibt:

            Dann wird die Menge an vom Stoff eingeschlossener, isolierender Luft und die Ausgangstemperatur des eigenen Körpers wohl den Ausschlag geben. Wenn ich mich an Tage im kalten Schlafzimmer zurückerinnere, dann konnte man da (wenn selbst kalt) durchaus auch unter Biber Bettwäsche noch ordentlich frieren – wurde aber schneller warm, wohingegen Satin oder andere glatte Stoffe auch bei hoher Körpertemperatur und im Hochsommer noch eine vergleichsweise kühle Haptik vermitteln.

            Ein weiterer Aspekt mag vielleicht auch die Fähigkeit eines Stoffes sein, Flüssigkeit aufzunehmen und vom Körper abzuleiten mit dem Ergebnis, dass weniger Verdunstungskälte entsteht. Radfahrer und Sportler kennen das ja von ihrer Funktionskleidung.

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  3. Sabrina Seerose schreibt:

    Vielleicht liegt es daran, daß sich die körpereigene Wärme in aufgerauhten Oberflächenstoffen besser „halten“ kann, als in glatten, wärme“ableitenden“ Stoffen?

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  4. idgie13 schreibt:

    Ich werfe mal noch die grössere Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe von flauschigen Oberflächen und die grössere Dichte von glatten Stoffen in den Raum.

    Hier gibt es noch etwas ausführliche Info zu den verschieden Stoffarten:
    https://www.belama.de/magazin/schlaflexikon/frottee/
    https://www.belama.de/magazin/schlaflexikon/biber/
    https://www.belama.de/magazin/schlaflexikon/satin/

    oder alphabetisch:
    https://www.belama.de/magazin/schlaflexikon/

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  5. Plietsche Jung schreibt:

    Da nicht der Stoff aktiv wärmt, sondern nur die Auskühlung der eigenen Körperwärme bremst, sollten die Struktur und die Luftkammern aus meiner Sicht für das warme Gefühl verantwortlich sein. Das Kuschelgefühl ist wohl das Zusammenspiel von Hautrezeptoren und Kontaktpunkten des Stoffs.

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  6. Mia schreibt:

    Es gibt ernsthaft noch Frottee-Nachthemden zu kaufen? 😲
    Ist so ein Nachthemd nicht total unbequem und auch unpraktisch? Im Laufe der Nacht rutscht das Teil nach oben und man hat morgens dann alles in Hüfthöhe bzw. noch weiter oben. Da ist doch ein Schlafanzug viel praktischer und angenehmer.

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    • Ja, stell dir vor, die kann man käuflich erwerben, sogar in halbwegs ansprechendem Design.

      Was an einem Schlafanzug bequem sein soll erschließt sich mir nicht. Ich ziehe ja auch tagsüber keine Hosen an. Und für nachts im Bett ist allein die Vorstellung noch widerlicher.
      Ein Nachthemd kann man so weit hoch schieben, wie man gerade will, und wenn es einem kalt ist, zieht man es halt wieder über die Knie drüber.

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    • pirx1 schreibt:

      Was sollte unpraktisch daran sein, dass man ein Nachthemd ganz nach Bedarf hochschieben kann? Im Gegenteil ist doch gerade das ausgesprochen praktisch?!

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  7. pirx1 schreibt:

    Vermutlich fragt man zur Beantwortung der Frage am besten einen Bauingenieur. Die haben täglich mit Wärmeleitfähigkeiten, Wärmeübergangswiderständen, Temperaturdifferenzen und U-Werten zu tun (vgl. Glaswolle und Fensterglas).

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  8. ednong schreibt:

    Luftpolster in den flauschigen Stoffen vermeiden die komplette Berührung und „dämmen“ quasi die Körperwärme. Und so hast du ein Luftpolster was halt in Hautnähe warm ist und dich wärmt.

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  9. beweis schreibt:

    Ohne jetzt die anderen klugen Kommentare hier gelesen zu haben:
    Wenn wir mit 37 Grad Körpertemperatur in einem Raum stehen, der 22 Grad hat, dann ist die Temperatur 1 cm von unserer Hautoberfläche entfernt vielleicht 29 Grad. Wenn Wind weht, dann vielleicht nur 23 Grad.
    Wir sind also permanent von einer Wärme-Aura umgeben, was Wärmebildkameras gut zeigen. Die Erwärmung von Luft fällt uns viel leichter als die von fester Materie. Daher gibt ein luftiges Gewebe schneller ein wärmendes Gefühl. Menschen mit Locken frieren nicht so schnell am Kopf – außer bei starkem Wind. Eine hautenge Winterjacke lässt einen viel schneller frieren als eine weiter geschnittene.
    BTW: Als Feind kalter Füße habe ich in den letzten Jahrzehnten experimentiert und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Der mit Abstand gravierendste Faktor bei wärmendem Schuhwerk ist ganz banal der Abstand zwischen Fuß und kaltem Boden. Da können dir die Bekleidungs-Bastler beliebiges Sohlenmaterial andrehen – am Ende zählt immer der Abstand.
    Und da wirkt genau das Wärmeaustauschthema von oben. Der Wärmepuffer, den wir permanent um unseren Körper haben. Denn schließlich ist die Außentemperatur nahezu immer geringer als die des Körpers.

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