A Christmess Carol //2660

Sie traf mich gerade an, als ich Johannes die Windel gewechselt hatte und ihn wieder anzog. Ich hatte es eilig, weil ich gleich noch einen wichtigen Termin hatte. Der Chef ist für zwei Tage geschäftlich verreist, so dass ich ihn vertreten muss. Außerdem war ich in Gedanken bei irgendwelchem umständlichen Papierkram, den ich auch noch im Laufe der Woche zu erledigen habe.

„Ich habe die erste Geschichte für den Firmenblog fertig“, berichtete Frau Hilflo-Seerbin, „lässt sich das so einrichten, dass sie kurz vor Weihnachten erscheint?“
„Das geht im Prinzip“, antwortete ich kurz, während ich versuchte, Johannes die Latzhose zu schließen, dieser aber bereits ausreißen wollte und rumzappelte, „mailen Sie mir den Text zu.“
„Ich habe es kopiert. Hier!“, sagte sie, und legte mir ein paar Seiten Papier auf den Schreibtisch. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass sie eng handschriftlich beschrieben waren. Soll ich das etwa abtippen?
„Ich brauche den Text in digitaler Form“, wiederholte ich gestresst.
„Da sind aber auch ein paar Zeichnungen dabei“, meinte sie zaghaft.
Allmählich ging mir die Geduld aus. Ich bin derzeit sowieso ziemlich gereizt – als hätte ich permanent PMS. „Die kann man ja einscannen“, erklärte ich,“lassen Sie die Bilder da und schicken Sie mir den Text per Mail.“
Sie zog ab, nachdem sie zugesagt hatte, das zu tun.

Als ich später ein paar Minuten zwischendurch Zeit hatte, schaute ich mir ihren Entwurf an. Oh je! Das ist eine süßlich-kitschige Weihnachtsgeschichte, die absolut nichts mit einem professionellen Firmenblog zu tun hat. Dem Zielpublikum völlig unangemessen.
Ihre Zeichnungen sind, soweit ich das beurteilen kann, künstlerisch wohl gar nicht schlecht, aber thematisch passen sie nicht in ein seriöses Firmenblog.

Vorausgesetzt, sie mailt mir den Text tatsächlich rechtzeitig zu, habe ich folgende Optionen:
* Ich ignoriere ihn, bzw. „schaffe“ die Veröffentlichung nicht mehr vor Weihnachten.
* Ich überarbeite den Text, so dass im Prinzip nur noch gute Weihnachtswünsche und ein oder zwei Bilder übrigbleiben.
* Ich übernehme den Text unverändert als Weihnachtsbeitrag ins Firmenblog.
* Ich rede erst mal mit dem Chef darüber. Entweder gibt er mir Rückendeckung, oder eben nicht.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu A Christmess Carol //2660

  1. Mia schreibt:

    Wer die Wahl hat, hat die Qual.

    Gefällt mir

  2. ednong schreibt:

    Eine weitere Option:
    einen neuen Blog gründen für solcherlei Geschichten. Vielleicht sind sie ja kindertauglich …

    Gefällt 1 Person

  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Es gibt doch sicher eine Weiterbildung für sowas. Sollte man drüber nachdenken.

    Gefällt 1 Person

  4. pirx1 schreibt:

    Einen neuen esoterischen Schwimmi-Schwummi-Firmenzweig für hässliche Postkarten und Weihnachts- und Ostergeschichten ausgründen, Frau Seerbin als verantwortliche Geschäftsführerin in diesen, mit aus ihrem Firmenanteilsportfolio stammenden, limitierten Finanzmitteln ausgestatteten, Sandkasten setzen und sie selbst damit in die Pleite fahren lassen.

    Gefällt mir

  5. Pingback: Residual Eigenvalue //2663 | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s