Riskante Entschrottung //2650

Die folgende Geschichte habe ich vor einiger Zeit von einem IT-Mitarbeiter erfahren. Das ist ein eher allgemeines Thema und betrifft mich persönlich nicht. Trotzdem kann ich hin und wieder auf meinem Blog auf solche Missstände aufmerksam machen.

Der Mitarbeiter bastelt privat gerne an alten Computern herum, baut sie um, oder schlachtet einzelne Teile aus. Im Laufe der Zeit ist da auch einiges an alten Platinen und sonstigen Teilen zusammengekommen, die er nicht mehr braucht (auch wenn er ursprünglich mal angenommen hat, er würde sie vielleicht doch noch verwenden können). Das ganze Zeugs nimmt inzwischen einigen Platz ein, so dass er sich entschloss, den Elektronikschrott ordnungsgemäß zu entsorgen.
Er recherchierte also, wo in der Nähe seines Wohnortes er ausrangierte Elektrogeräte und Elektronikmüll abgeben kann, und fand einen Wertstoffhof zwar etwas abgelegen, aber entfernungsmäßig mit dem Fahrrad noch gut zu erreichen. Die Öffnungszeiten waren etwas seltsam, aber er konnte einen Timeslot finden, der ihm passte.
Dieser Mitarbeiter fährt (aus Überzeugung) nur mit dem Fahrrad. Er hat – als praktizierender Umweltschützer – kein Auto. Den Elektroschrott (oder zumindest einen Teil davon) füllte er in eine große Kiste, die er auf den Gepäckträger seines Fahrrads schnallte.
Der Weg zum Wertstoffhof führte ein großes Stück über eine sehr belebte, vielbefahrene Straße, kein Gehsteig oder Radweg in der Nähe. Ihm wurde himmelangst. Aus einer anderen Richtung ist der Wertstoffhof überhaupt nicht zugänglich, weil dort ein – sagen wir ein – Fluss verläuft. Die nächste Haltestelle von öffentlichen Verkehrsmitteln ist etwa anderthalb Kilometer entfernt. Der einzige Weg von dort führt über eben jene vielbefahrene Straße.

Was ist denn das für ein Umweltschutz, der es Fußgängern und Radfahrern fast unmöglich macht, bzw. nur unter großer Gefahr für Leib und Leben, ihre alten Wertstoffe abzugeben? Auch wenn dieser Fall nur exemplarisch ist, scheint es für Wertstoffhöfe schon ziemlich typisch zu sein, dass man ein Auto braucht, um sie zu erreichen, weil sie gerne irgendwo in den Pampas angelegt werden, und häufig genug ohne vernünftige Anbindung an den Nahverkehr. Da werden teilweise Gebühren über Kofferraumvolumina abgerechnet. Der Fußgänger, der mit Handwagen hinfahren will, oder der nur wenige Teile abzugeben hat, hat keine Chance. Der Senior mit Rollator, die Mutter mit kleinen Kindern, .. die werden das nächste mal ihre Kleinteile lieber in die Restmülltonne schmeißen, weil der Weg zum Wertstoffhof einfach eine Zumutung ist.

Als Hersteller elektrischer Geräte, der Monat für Monat einen nicht unerheblichen Geldbetrag ausgibt, um seinen Verpflichtungen zur Rücknahme von Elektroschrott nachzukommen, ärgert mich das ebenfalls. Nein, ich habe kein Patentrezept, wie man die Rückgabe praktikabel und kosteneffizient abwickeln könnte. Aber so wie das hier läuft, ist es eine reine Alibilösung, ohne dass wirklich ein Wille erkennbar ist, dass man Resourcen wiederverwenden und die Umwelt schonen will.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Riskante Entschrottung //2650

  1. pirx1 schreibt:

    Tröste dich: Die Wertstoffe werden nach der Abgabe auf dem Wertstoffhof ja zu einem Teil sachgerecht in Container verpackt und nach Afrika oder Asien verschifft, wo die Platinen dann von kundiger Kinderhand für einen Tagelohn entschichtet werden. Die Zufuhr von Schwermetallen und Atemgiften erhalten die liebe Kleinen dabei als kostenlose Dreingabe.

    Wem das zu schrecklich klingt: Ein weiterer Teil der Wertstoffe wird auch einfach „deponiert“ (vulgo: verbuddelt), für schlechte Zeiten oder so.

    Und wessen Gewissen das angesichts des neusten Smartphones in der Tasche und M1 Max Prozessor unter der Haube nicht ertragen will: Der kleinste Teil der Wertstoffe wird tatsächlich einem „zertifizierten Recycling“ zugeführt (was aber auch nicht bedeutet, dass das automatisch ressourcenschonend ist).

    Dafür klicken die bunten Social media und Aktivistenseiten auf dem neuen Handy aber auch viel schneller auf. Irgendwie muss man ja ein Zeichen setzen, oder nicht?

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  2. Mia schreibt:

    Die Zeiten, dass überall ein fußläufig zu erreichender Schrottcontainer steht, sind Dank der wilden Entsorgungsmentalität und egoistischen Uneinsichtigkeit von Wenigen ja leider vorbei. Darunter leiden müssen, wie wir es aktuell auch in anderen Bereichen erleben, alle. 😟

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  3. idgie13 schreibt:

    Bei uns hat jeder Ort seine Entsorgungsstelle, in den Dörfern eher zentral. Für deutsche Verhältnisse sind die eher grosszügig von der Fläche her und fussläufig / per Fahrrad / Auto zu erreichen. Dort kann man Glas, Metall, Papier, Karton, Kaffeekapseln, Grüngut, Kleidung, etc. einfach abgeben. Zusätzlich gibt es Sondersammlungen für z.B. Styropor, Farben, Lacke, etc. Bei uns gibt es allerdings auch keine Mülltonnen. Nur Restmüll (in Säcken mit kostenpflichtigen Müllmärkli beklebt je nach Grösse) wird vom Müllwagen mitgenommen. Viel Müll -> viel Kosten, wenig Müll -> wenig Kosten.

    Grössere Mengen (Holz, Schutt, Elektroschrott, etc.) kann man zu einem Recyclinghof bringen. Den erreicht man auch am besten per Auto. Das macht man aber normalerweise eh beim Zügeln / grösseren Aufräumaktionen. Je nach Wertstoff wiegt man vor und nach dem Ausladen und zahlt dann abhängig vom Gewicht. Funktioniert hier mit 1 Kraft im Büro, bei der man bezahlt. Sortieren, Wiegen, etc. eigenverantwortlich.

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    • Für Altglas und Altmetall gibt es, soweit ich das überblicke, genügend Container in zumutbarer Entfernung.
      Wie es mit Rest- und Biomüll oder Altpapier gehandhabt wird, organisiert wohl jede Stadt oder Landkreis etwas anders. Üblich ist, dass Restmüll und Biomüll wöchentlich in 14-tägigem Wechsel abgeholt werden. Die Tonnengröße (und somit die Entsorgungsgebühr) hängt von der Anzahl der Personen im Haushalt ab. Man muss die Anzahl der Leerungen bezahlen, kann dabei aber nur eine begrenzte Zahl Leerungen einsparen (z.B. mindestens 20 von 26 Leerungen pro Jahr kostenpflichtig).

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  4. blindfoldedwoman schreibt:

    Seit dem 24. Juli 2016 können Verbraucher alte Elektrogeräte kostenlos bei Händlern zurückgeben, die Elektrogeräte auf einer Fläche von mindestens 400 m² verkaufen – bei Onlinehändlern gilt die Versand- und Lagerfläche. Wo die alten Geräte ursprünglich gekauft wurden, spielt für die Abgabe keine Rolle.

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  5. ednong schreibt:

    Hm,
    grad mal überlegt.
    Hie rin der großen Stadt und in der Region drumrum gibt es Wertstoffhöfe, die so wie du beschreibst, erreichbar sind. Aber es gibt auch ein paar, die per ÖPNV oder Fahrrad durchaus gut erreichbar sind.

    Aber intressant – habe ich noch nie drüber nachgedacht.

    Die anderen Container – Altglas, Altpapier, Kleider – stehen hier natürlich an diversen Standorten auch in der Stadt.

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  6. Plietsche Jung schreibt:

    Mit einem Auto wäre das nicht passiert.

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