A Spoonful Of Sugar //2643

Während ich beim Zahnarzt war, hatte Danuta auf Johannes aufgepasst. Solche Erledigungen sind wesentlich entspannter, wenn man nicht noch ein kleines Kind mitnehmen muss. Eigentlich war der Besuch als Routinetermin geplant (und vielleicht hätte ich Johannes dann doch mitgenommen, damit er selbst auch seine paar Milchzähnchen anschauen lässt, nachdem er bei mir gesehen hat, wie es läuft), aber da mir ein paar Tage zuvor ein Eckchen eines Zahns abgebrochen war, nachdem sich ein Körnchen Mohn oder Sesam zwischen zwei Zähnen verklemmt hatte, war abzusehen, dass es doch länger dauern würde, und ich mich währenddessen nicht selbst um Johannes würde kümmern können.

Als ich zurückkam, schlief er gerade. Ich hatte zwischendurch etwas Zeit und lechzte nach einem Kaffee. Also fragte ich Danuta, ob sie nicht einen Kaffee mit mir trinken wolle.
Wir unterhielten uns dann dabei (diesmal auf Deutsch, weil ihr schon daran liegt, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und zu üben). Danuta erzählte, dass sie in England als Hausmädchen einer wohlhabenden Familie gearbeitet hatte. Zeitweise hatte sie auch in Hotels geholfen, was halt so gerade anfiel: Zimmer gereinigt, im Restaurant bedient, in der Küche mitgearbeitet.

Irgendwann während des Gesprächs muss es in meinem Kopf Klick gemacht haben, und ich hatte eine meiner berüchtigten Ideen. Seit Frau Scheuring den Haushalt im Landhaus nicht mehr führt, haben wir zwar lernen müssen, damit klarzukommen, verschiedene Tätigkeiten und Besorgungen an andere Dienstleister auszulagern und den einen oder anderen Workaround zu finden, aber es ist doch immer wieder ein Ärgernis und aufwendig. Es wäre schon schön, wenn sich jemand um einige der Aufgaben kümmern und koordinieren würde. Danuta könnte eine geeignete Person sein. Sie wollte ja sowieso gerne eine Festanstellung haben. Zusammen mit Kinderbetreuung und sonst den einen oder anderen Hilfsdiensten könnte das zwar nicht für eine Vollzeittätigkeit, aber immerhin für eine Halbtagsbeschäftigung reichen. Das Arrangement wäre perfekt, hätte Danuta ein Auto oder wenigstens einen Führerschein. So wird sie jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein- oder zweimal pro Woche zum Landhaus fahren müssen. Obwohl die Verbindung eigentlich ganz gut ist, kann sie dann aber nicht viel transportieren, und größere Einkäufe auch nicht erledigen. Einschränkungen könnten auch durch ihre geringen Deutschkenntnisse entstehen.

Ich möchte mich jedoch nicht selbst um die ganzen Formalitäten kümmern müssen. Deshalb will ich das Beschäftigungsverhältnis über die Firma laufen lassen. Da kann die Personalabteilung das übernehmen. Offiziell wird Danuta dann eben als meine Gehilfin oder Assistentin eingestellt. Es gibt bestimmt hin und wieder ein paar Aufgaben, die sie auch für geschäftliche Angelegenheiten erledigen kann. Ansonsten soll sie mir halt den Rücken freihalten. Das rechtfertigt eine Einstellung in der Firma.

Johannes würde es bestimmt gefallen, wenn „Da’da“ öfter da wäre, und Carsten hat sicherlich auch keine Einwände. Ich werde mir dies noch genauer überlegen und mit ihm besprechen.
Bisher habe ich Danuta gegenüber höchstens Andeutungen gemacht, aber keine Zusage. Ich bin mir aber sicher, dass sie mein Angebot, wenn es soweit ist, gerne annehmen wird.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu A Spoonful Of Sugar //2643

  1. Mia schreibt:

    Ist das denn legitim, wenn sie sich um Kind und Haushalt kümmert, offiziell aber in der Firma angestellt ist? Hast du keine Bedenken, dass sie sich mal verplappert, was ihr Anstellungsverhältnis und ihre inoffiziellen Arbeitsinhalte betrifft?

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  2. pirx1 schreibt:

    Haushaltsscheck (ich nehme an, so lief das bisher) war ja auch kein Hexenwerk.

    Eine Privatangestellte im Haushalt über die Kapitalgesellschaft zu führen erfüllte dagegen den Tatbestand der Steuerhinterziehung, weil damit der Geschäftsgewinn gemindert würde. Das könnte programmierter Ärger sein – für solche Peanuts. Ich bin sicher, dass du das weißt und deshalb nicht tust.

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  3. pirx1 schreibt:

    Oder einfacher:

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  4. keloph schreibt:

    man könnte das kümmern um das personal von der firma als geschäftsbesorgung machen lassen. damit vermiede man steuerliche grauzonen.

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  5. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich würde davon absehen, das kommt bei den Mitarbeitern nicht gut an.
    „Die lassen die private Putzfrau über die Firma laufen“.

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    • Erstens kriegen die Mitarbeiter die genauen Modalitäten gar nicht mit.
      Zweitens haben sie doch keinen Nachteil davon. Es gibt also keinen Grund, warum sie sich daran stören sollten.
      Drittens sehen sie, wie Danuta (auch) Aufgaben für die Firma erledigt. Von „Putzfrau“ ist überhaupt nicht die Rede.
      Viertens geht es sie im Grunde auch überhaupt nichts an, wie wir das regeln.
      Fünftens haben wir, solange wir mit unserem privatem Vermögen für die Firma haften, das Recht, auch private Ausgaben über sie zu bestreiten.
      Und last not least ist Danuta bisher durchaus beliebt bei den Beschäftigten – soweit sie halt mit denen zu tun hat.

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      • blindfoldedwoman schreibt:

        Getratscht wird immer. Und besonders über den Chef.
        Menschen empören sich halt gern. Und Neider gibt es immer.

        Ist leider so.

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      • pirx1 schreibt:

        Haftung mit dem privaten Vermögen, also Personengesellschaft, dann wäre es am Einfachsten, wenn die Entlohnung von Danuta als Privatentnahme verbucht würde. Alles andere fänden ja u.a. die übrigen Teilhaber in der Firma vermutlich auch „etwas“ merkwürdig, schließlich wollten sie ja wohl keinen unfreiwilligen finanziellen Beitrag für Chefchens Kinderbetreuung oder die Haushaltsführung der Nühms leisten?

        Warum diese Regelung dann aber einfach oder günstiger (in meinen Augen ist sie steuerlich sogar ungünstiger) als ein simples separates Beschäftigungsverhältnis sein soll, weiß ich nicht.

        Klar ist jedenfalls: Über das Beschäftigungsverhältnis sind viele Menschen informiert. Personalbüro, Betriebsrat (wenn der nicht vermeidbar war), Arbeitgeber und nicht zuletzt die Beschäftigte selbst. Das geht alles wunderbar, solange es funktioniert. Im Falle von Dissonanzen wird so mancher Beteiligte aber gelegentlich nachträglich doch recht spitzfindig.

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  6. blindfoldedwoman schreibt:

    Wie sieht Danuta eigentlich aus? Ich frage wegen der berühmten Nanny-Falle. Obwohl das immer Geschmackssache ist und letztlich nicht so ausschlaggebend, sie Schwarzenegger.

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  7. ednong schreibt:

    Wow, was für Kommentare.
    😎
    Wenn die Firma ein Fahrzeug für Botendienste anschafft – könnte man das Danuta nicht für die Haushaltstätigkeiten zumindest zeitweise zur Verfügung stellen?

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