Zuständlichkeiten //2640

Es bestand keine Notwendigkeit, die Nachfolge-Besprechung für Frau Hilflo-Seerbins Präsentation gleichzeitig mit dem nächsten Führungskräfte-Meeting abzuhalten. Ich hielt es für sinnvoll, einen separaten Termin dafür anzusetzen, der bereits früher stattfinden sollte. Auch schien es mir nicht erforderlich, dass sämtliche Führungskräfte dabei anwesend sind. Die meisten betrifft es nicht, und dann ist es zweckmäßiger, solch eine Besprechung im kleineren Rahmen abzuhalten. Deshalb hatte ich die meisten Führungskräfte nur tentativ eingeladen. Da sie wirklich auch besseres zu tun hatten, ergab es sich, dass außer Frau Hilflo-Seerbin tatsächlich nur der Hauptgeschäftsführer und ich anwesend waren.

Ich hatte mir jeden einzelnen der ausstehenden Punkte notiert und separat auf die Agenda gesetzt. Schließlich will ich ja nicht, dass irgendein Topic vergessen wird.
Während der Chef das letzte Mal die Entscheidung über diese offenen Fragen aufgeschoben hatte, lehnte er sie jetzt praktisch alle konsequent ab. Ganz wollte er allerdings die Vorschläge von Frau Hilflo-Seerbin dann doch nicht abschmettern. Nur so ist es zu erklären, dass er schließlich ein Trostpflaster parat hatte.

„Du übernimmst den Firmenblog , Astrid“, erklärte er, ohne das vorher mit mir abgesprochen zu haben, „der fristet ein Schattendasein, und könnte noch deutlich ausgebaut werden.“
Was heißt hier „Schattendasein“? Er war es, der mich immer wieder gebremst hat, wenn ich eine Idee für das Firmenblog umsetzen wollte.
Ich räusperte mich. „Das Firmenblog fällt in meinen Verantwortungsbereich“, erklärte ich sanft.
„Ich dachte, du willst ihn gerne los haben“, erwiderte der Chef, „du hast doch wirklich genügend andere Aufgaben, die dich auslasten. Aber für Astrid wäre er eine Chance, sich in die Firma einzubringen.“

Ich beschloss, dass es sich nicht lohnte, mich dafür einzusetzen, die Zuständigkeit für das Firmenblog zu behalten. Das hat ohnehin kaum Leser. Soll es Frau Hilflo-Seerbin ruhig probieren und den Ruhm ernten. Damit ist sie beschäftigt, ohne allzuviel Schaden anrichten zu können. Selbstverständlich kommt es nicht in Frage, dass sie eigenmächtig Texte einstellt. Ich werde das Blog weiterhin administrieren und die Einträge redigieren. Das brauche ich jetzt nicht an die große Glocke zu hängen.
„Nun, denn“, meinte ich lächelnd an Frau Hilflo-Seerbin gewandt, „dann erwarte ich demnächst Ihre Entwürfe für das Firmenblog.“ Falls sie da irgendwelche Genderschreibweisen nutzt, werde ich diese ohne großes Aufhebens einfach entfernen.

Den Leitfaden, den sie für betriebsinterne Dokumente schreiben sollte, hat sie übrigens noch nicht einmal angefangen. Es sieht so aus, als ob sie das auch gar nicht machen wird. Wieder ein Problem von selbst gelöst.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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26 Antworten zu Zuständlichkeiten //2640

  1. keloph schreibt:

    manches erledigt sich eben doch von allein.

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Wie fiel denn ihre Reaktion aus?

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Und bespricht Dein Mann solche Vorschläge nicht vorher mit Dir?

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  4. Mia schreibt:

    Dabei könntest du aufgrund deiner Blog-Erfahrungen der „Astrid“ wertvolle Tipps für das Firmen-Blog geben. Stattdessen willst du administrieren, redigieren und entfernen.
    Das hat schon was von einseitigem Zickenalarm und „Das-wollen-wir-doch-mal-sehen-Gehabe“.

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  5. Leser schreibt:

    Haha, aber das wäre doch ein Hobby für die Hilflose Erbin: Social Media! Also, natürlich nicht im Namen der Firma. Aber halt so privat, für sich, um sich selbst der Welt zu zeigen und darzustellen. Muss ihr nur mal jemand zeigen, was man da so alles machen kann, und schon ist sie dauerhaft beschäftigt – inklusve Trollabwehr und ähnlichem. Facebook, Insta, Twitter, Youtube, da kann sie sich überall Profile anlegen und dann der Welt ihre Meinung mitteilen! 😉
    (Und während sie das aus ihrem Büroraum in der Firma machen kann, so ist sie dann wenigstens nicht für die Firma destruktiv tätig, sofern man ihr vorher ein entsprechendes NDA vorgelegt und die Unterschrift abgenötigt hat.)

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    • Was sie privat macht, geht mich nichts an.
      Wenn es um Firmenbelange geht, ist es nicht nur mein Recht, sondern auch meine Pflicht, auf Auswirkungen für die Firma zu achten.

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      • Leser schreibt:

        Es ging doch darum, ihr eine Beschäftigung zu suchen, damit sie nicht weiter in firmeninternen Belangen herumwurschtelt. Das wäre dann gezwungenermaßen eine Privatbeschäftigung, ein Hobby. Dann geht dafür irgendwann so viel Zeit drauf, dass sie gar nicht mehr dazu kommt, sich auch noch um das Unternehmen zu kümmern (soll ja zufrieden sein, dass sie Teilhaberin ist, reicht doch).

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  6. pirx1 schreibt:

    Mir schleierhaft, wie man in einem Unternehmen nicht ausschließlich mit seiner Rolle als Teilhaber zufrieden sein kann, der als Miteigner gar nichts zum operativen Geschäft beitragen muss, sondern sich nur in der privilegierten Situation befindet, dem Geschäftsführer und seinen Subalternen die Hölle heiß machen zu können, wenn der Umsatz und die Erlöse hinter den Erwartungen zu sehr zurückbleiben.

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