Einladung für die WFT //2625

Bis Weihnachten ist es noch weit. Aber bereits jetzt hat meine Mutter uns eingeladen, Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage bei ihr zu verbringen. Sie wäre so alleine, seit mein Vater gestorben ist, und ich sei schon so lange nicht mehr an Weihnachten bei ihr gewesen, und sie möchte doch unbedingt viel Zeit mit ihrem Enkelchen verbringen. Wir würden das Elternschlafzimmer bekommen. Da sei genug Platz. Sie selbst würde solange in meinem oder Sabine’s Zimmer schlafen. Sie begann zu weinen. Sie wünsche es sich doch so sehr, dass wir sie über die Feiertage besuchen.
Ich war einigermaßen überrumpelt. Trotzdem gelang es mir, ihr zu sagen, dass ich erst überlegen müsse, ob wir dann Zeit hätten, und es außerdem auch mit Carsten besprechen müsse.
Ich will dann nicht hin. Meine Mutter will Weihnachten ganz anders verbringen als ich. Dauernd in die Kirche gehen, mit Verwandten zusammensitzen, mit Nachbarn unterhalten, Weihnachtsbaum, Bescherung, Christstollen .. Alles Dinge, an denen uns nichts liegt, oder die ich sogar verabscheue. Wir hatten zwar für dieses Jahr noch keine ausdrücklichen Pläne gemacht, aber ich war davon ausgegangen, dass wir uns einfach auf dem Lande eine ruhige Zeit machen, mit Dolce far niente und Spaziergängen, sofern das Wetter mitmacht. In der Alten Heimat ist es deutlich kälter als hier, und das Risiko, dass Schnee liegt, wesentlich höher. Dass ich dort keinen ordentlich Internetzugang hätte, könnte ich noch am ehesten verschmerzen.
Wenn ich meiner Mutter einfach absage, so wird sie das persönlich nehmen und verletzt sein. Ich verstehe ja, dass sie ohne meinen Vater einsamer geworden ist, aber sie kann doch jederzeit zu meiner Schwester gehen und mit deren Familie feiern.

Welche Alternativen also gibt es?
* Sie könnte zu uns (d.h. ins Landhaus) kommen.
Dagegen spricht (aus ihrer Sicht), dass sie hier nicht so einfach in die Kirche gehen könnte, ihr vertrautes Umfeld nicht um sich hätte, einschließlich Nachbarn und insbesondere Sabine und deren Familie. Außerdem macht ihr in letzter Zeit ihr Knie wieder mehr zu schaffen. Da wäre eine Reise schwierig, von ihrer Neigung zu Reisekrankheit mal ganz abgesehen. Und schließlich – auswärts übernachten würde sie sowieso nur sehr ungern, und vermeidet dies soweit irgend möglich. [Im Sommer wäre es ihr auch noch wichtig, sich um ihren Garten zu kümmern.]
* Übernachtung in einem Hotel in der Alten Heimat hätte den Vorteil, dass wir nicht ständig aneinanderkleben müssten, mehr Freiraum hätten und auch WLAN. Das betreffende Hotel hat sogar ein schönes Schwimmbecken. Aber nur deswegen werde ich mich nicht $foobar lassen (wofür gerade meine Mutter bestimmt volles Verständnis hat). Diese Möglichkeit fällt also aus.
* Wir könnten den Termin verschieben. Also nicht gerade über Weihnachten mit dem ganzen nervigen Brimborium und wenn es maximal dunkel ist, sondern ein andermal, vorzugsweise, wenn es warm ist, also keinesfalls vor Mai, vielleicht über Fronleichnam, am besten aber im August, wenn wir am ehesten freie Zeit haben.
Diese Option würde ich präferieren, fürchte nur, dass meine Mutter über diesen Aufschub nicht erfreut sein würde.

Ich will mich doch gar nicht drücken, und habe überhaupt nichts dagegen, meine Mutter ein paar Tage zu besuchen, aber ich habe was gegen Weihnachten, und was gegen Winter mit dieser sibirischen Kälte in der Alten Heimat. Im Sommer dagegen ist das lokale Klima angenehmer, und die vulkanisch geprägte Landschaft lädt ein zu ausgedehnten Spaziergängen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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29 Antworten zu Einladung für die WFT //2625

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    An Weihnachten werden doch sicher Carstens Töchter kommen?
    Das einfachste wäre sicher, wenn Du Deine Mutter zu Dir einlädst.
    Wenn Deine Schwester sie bringt, könnt ihr alle zusammen einen schönen Tag verbringen und ihr fahrt Deine Mutter dann nach 2 oder 3 Tagen wieder nach Hause.

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  2. keloph schreibt:

    ich freue mich, dieses problem so nicht zu haben. wir haben seit jungen jahren bereits immer getrennt weihnachten gefeiert, jeder auf seine weise, da die familie sich bereits in jungen jahren so vergrössert hatte, dass wir schon halbe hotels mieten müssten um so etwas in einen raum zu bekommen. und das haben wir üblicherweise an einem tag auch getan, für diejenigen, welche zeit hatten. inzwischen ist die familie so verzweigt, dass ich den überblick verloren habe. wir belassen es dann bei einem geschwisteressen an einem der feiertage. das ist immer schön.

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  3. macross2013 schreibt:

    Anstatt an Hotel zu denken, schau doch, ob es eine große Ferienwohnung gibt, die evtl. so Dinge wie Pool, Sauna usw, bietet.
    Das umgeht dann auch gleich das $foobar Problem in vielen Bereichen erledigt, weil Ihr bleibt dann ja als Haushalt unter euch.

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  4. idgie13 schreibt:

    Eure Bedürfnisse gehen halt sehr auseinander. Ich verstehe zwar das Bedürfnis Deiner Mutter – aber sie hat ja auch noch genügend andere Leute um sich herum, so dass sie nicht vereinsamt, wenn ihr nicht kommt. Für euch wird es auch das 1. Weihnachten mit Johannes sein – ich finde, da darf man durchaus auch etwas egoistisch sein und sich das so einrichten, wie es für einen selber passt.

    Ich selber mag Weihnachten, will aber partout am 24.12. nicht aus dem Haus – hat „historische“ Gründe / Zwänge, denen ich ausgesetzt war und die ich nicht mehr erfüllen will. Normalerweise fahren wir am 25. gen Norden zu meinen Eltern in Bayern. Letztes Jahr ging es nicht, da haben wir per Skype geplaudert – mal schauen, was dieses Jahr ist. Aktuell sind Grenzüberquerungen mühsam.

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    • Ja, stimmt. Unterschiedliche Bedürfnisse.
      Ein Sommerurlaub in der Alten Heimat kann durchaus schön sein (auch wenn das dann bereits das dritte Jahr ohne Meer wird). Einen kurzen Besuch vorher kriegen wir bestimmt auch noch hin. Aber über Weihnachten .. nein!
      Da meine Schwester nur ein paar Fußminuten entfernt wohnt, hat meine Mutter dort genügend Gesellschaft. Auch damit hast du recht. (Was hingegen nicht stimmt: es wird schon das 2. Weihnachten mit Johannes. Tempus fugit.)

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  5. Mika schreibt:

    Ich fände die Feiertage in ?fränkisch Sibirien? klasse. Ich war dort mal im Winter 1989/90. Eiseskälte, Schneesturm, Autopanne. War echt geil.
    Fahrt halt im Sommer einige Tage hin, aber erklärs deiner Mutter einfach ganz offen. Zum Glück hab ich ne Katze, da kann ich nicht weg, weil das Tier braucht mich ja. Katzen sind immer super Ausreden. Die Zeit der Großfamilien ist ja eh vorbei. Ich hab das früher auch nicht so gemocht. Ekelhafte Tanten und ihr Abgeknutsche, igitt. Und dann nützliche Geschenke. Ich habe diesen Aussteuerkram gehasst. Ne ordentliche Winchester wäre mal was gewesen, oder ein Dolch. Als Kind braucht man so Zeugs.aufm Land. Nee Weihnachten mit Familie war Kacke.
    Ich koch uns lecker und dann gibt es Rotwein vorm Kamin.

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    • „Eiseskälte, Schneesturm“ – das hört sich schon sehr nach Alter Heimat an. Bloß dass damals im Winter 1989/90 die Straßen mit Trabbis zugestopft waren.

      Eine Katze wäre eine gute Begründung. Wir haben aber keine, weil das für Wochenendpendler problematisch wäre. Die Katze würde sich nicht wohlfühlen, wenn man sie alle paar Tage umquarieren würde.
      Außerdem wären auch sonstige Geschäfts- oder Urlaubsreisen mit Katze leider kaum zu machen. Trotzdem – manchmal vermisse ich eine Katze schon ..

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      • Mika schreibt:

        Jo, die Scheiben waren total verölt von den Zweitaktern. Egal, war gut.
        Ne Katze mit zwei Wohnsitzen geht nicht. Meine darf ja raus und die braucht ihre Freiheit. Ich hab aber Nachbarn, die sich kümmern, dann geht das schon. Mir ist das Tier halt wichtig und im Tierheim stand sie auf der roten Liste, weil sie wild aufgewachsen ist. Die kann man nicht einfach streicheln 🙂

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  6. mijonisreise schreibt:

    Schwierig. Vor allem sehr emotionsgeladen seitens deiner Mutter.
    Vielleicht kannst du in einem Gespräch vorab die Optionen abklopfen. Zumindest aber klären, was deiner Mutter gerade so wichtig ist.

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  7. Plietsche Jung schreibt:

    Ihr solltet es tun und deine Mutter besuchen oder zumindest Zeit mit ihr verbringen. Da sie sicher bereits fortgeschrittenen Alters ist, wird der Tag kommen, an dem sie nicht mehr da ist. Das geht von jetzt auf gleich.

    Und kauf dir einen LTE Router und ne Simcard, damit bist du überall online.

    Gefällt 4 Personen

    • Mika schreibt:

      Das geht so nicht bei Anne. Die funktioniert nicht so. Sie will da nicht hin und fertig. Dann sucht sie geeignete Gründe. Das ist so ne nicht allgemein funktionierende Kopplung zwischen Emotion und Logik. Das ist auch kein Vorwurf. Sie ist so ne Art RISC Einheit, da ist das halt so.

      Aber an ihrer Stelle würde ich schon mal die Perspektive wechseln, wenn sie es könnte.

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    • Wir werden uns schon treffen und gegenseitig besuchen. Nur eben nicht zu Weihnachten!

      Für die paar Tage, die ich im Jahr out of office bin, lohnt ein LTE-Zugang nicht.

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  8. Pingback: Kurztrip in die Alte Heimat //2639 | breakpoint

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