By The Way //2621

Heute ist Bundestagswahltag. Ich habe bereits Briefwahl gemacht – wie auch in den letzten Jahren bei den jeweiligen Wahlen, denn schließlich verbringen wir das Wochenende für gewöhnlich auf dem Lande, und da wäre es umständlich, deswegen extra in die Stadt zu fahren.
Carsten hat bisher meist seine Stimmen im Wahllokal abgegeben, aber diesmal auch die Briefwahl vorgezogen. Da wir vor einigen Wochen Bedenken hatte, ohne 3G-Nachweis nicht (oder nur nach längerer Wartezeit) ins Wahllokal eingelassen zu werden, hatte auch er für alle Fälle Briefwahlunterlagen beantragt. Es ist doch sowieso viel bequemer und entspannter, daheim zwanglos und in aller Ruhe die Stimmzettel durchschauen zu können, als maskiert in einer engen, versifften Wahlkabine.

Ohne die Fünf-Prozent-Hürde hätte ich mein Zweit-Kreuzchen allerdings woanders gemacht, als unter den Parteien, die mit großer Sicherheit in den Bundestag kommen werden, das meines Erachtens kleinste Übel zu wählen. Die Erststimme für den Direktkandidaten dagegen ging an eine Partei, die die fünf Prozent voraussichtlich nicht schaffen wird, die ich aber trotzdem auf diese Weise symbolisch unterstützen möchte (und etwas Geld kriegen sie meines Wissens auch für jede Stimme). Auch wenn ich bei weitem nicht hinter allem stehe, was diese Partei vertritt, so gibt es immerhin einige wichtige Überschneidungen. Gerode in letzter Zoit ist sie mir wiederholt positiv aufgefollen, und hot oinige Sympothien gewonnen.
Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich extreme, radikale, fundamentalistische, autoritäre, kollektivistische Ideologien jeglicher Couleur ablehne, und für Selbstverantwortung innerhalb unserer rechtsstaatlich-freiheitlich-demokratischen Grundordnung eintrete. Allzu groß ist die Auswahl also nicht.

Es ist wissenschaftliches Vorgehen, verschiedene Optionen und Konstellationen gedanklich durchzuspielen, einzelne weiterzuverfolgen, andere zu verwerfen.
Falls ich in diesem Rahmen zwischenzeitlich erwogen haben sollte, taktisch zu wählen, um gewissen extremen Randparteien ein Gegengewicht zu geben, so gehe ich hier nicht drauf ein. Zu viele Leute neigen dazu, einen für rein abstrakte Überlegungen zu verurteilen und zu ächten, obwohl man die niemals faktisch umgesetzt hat, und das noch nicht einmal ernsthaft vorhatte. Noch sind die Gedanken frei. In einer Demokratie ist es sogar erlaubt, jede zur Wahl zugelassene Partei tatsächlich zu wählen, sofern man sich frei für diese entscheidet. Das weitverbreitete Bashing gegen Wähler, die es gewagt haben, eine umstrittene Partei zu wählen, und dies vielleicht sogar zugeben, halte ich für zutiefst undemokratisch, obwohl ich persönlich diese – genau wie andere Parteien – ablehne. Der Respekt gegenüber Meinungsvielfalt und demokratisch-freien Wahlen gebietet es, auch Wahlentscheidungen anzuerkennen, die man selbst nicht nachvollziehen kann.

Schon lange hätte ich auch gerne mal beim Auszählen zugeguckt, einfach um zu sehen, wie das organisiert ist. Bei zwei Stimmen auf einem Zettel reicht schon eine Dimension nicht, um die Zettel sortiert zu stapeln. Da sind ruckzuck einige Hundert Einträge in einem sparse array, in dem hauptsächlich die Diagonalen besetzt sind. Und auch wie die jeweiligen Anzahlen methodisch ermittelt und dokumentiert werden, wäre bestimmt interessant zu erfahren. Meines Wissens wird das ja alles noch per Hand gemacht. Die Stimmzettel einzuscannen, und sie von einem Computer auswerten und automatisch zählen zu lassen, ruft ja nicht ganz unberechtigte Sicherheitsbedenken hervor. Zumindest zur Überprüfung und Qualitätsicherung könnte man es aber schon machen. Wenn die Ergebnisse deutlich voneinander abweichen, müsste man dem halt nachgehen.
Das Zuschauen war mir aber niemals so wichtig, zumal ich auch immer anderes zu tun hatte, oder mir doch noch etwas dazwischen kam. Einmal war schlicht das Wetter so mies, dass ich deswegen nicht aus dem Haus wollte.

Früher hatte ich auch schon mal erwogen, mich freiwillig als Wahlhelfer zu melden. Aber einerseits widerstrebt es mir, mich zu so etwas zu verpflichten, andererseits schreckte mich die Aussicht ab, statt beim Auszählen in einem Wahllokal vor Ort eingesetzt zu werden, wo ich dann Stimmzettel verteilen oder die Identität der Wähler überprüfen müsste.
Ich glaube nicht, dass ich mich heute Abend aufraffen kann, beim Auszählen als Beobachter teilzunehmen, selbst wenn Carsten solange auf Johannes aufpasst. Die Aussicht, da mit Maske rumlaufen zu müssen, stößt mich ab. Aber es kommen wieder mal Wahlen, bei denen die Maskenpflicht dann (hoffentlich!) nicht mehr gilt. Irgendwann schau ich mir das mal an.

Da die Vorbemerkungen (oder was ursprünglich mal als solche vorgesehen war) jetzt schon etwas länger geworden sind, lasse ich diesmal die Tweets ausfallen, bzw. verschiebe sie auf den Oktober (der hat fünf Wochenenden – da hole ich den Rückstand leicht wieder auf). Hätte ich doch letztes Wochenende daran gedacht!

Und außerdem wäre die Zeitumstellung wieder fällig! Es ist eine Zumutung, bereits im Frühherbst im Dunkeln aufstehen zu müssen.

PS: Ich bitte darum, in den Kommentaren keine Parteien beim Namen zu nennen, und kein politisches Schlachtfeld aus der Diskussionswiese zu machen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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53 Antworten zu By The Way //2621

  1. pirx1 schreibt:

    Selten hatte ich so sehr das Gefühl, mich zwischen Skylla und Charybdis entscheiden zu müssen, wie bei dieser Bundestagswahl. Selten empfand ich auch den Spannungsbogen zwischen einzelnen politischen Fragen, die mich persönlich beschäftigen und betreffen so groß, wie bei dieser Wahl. Ein Antwort auf dieses Problem fand ich noch weniger als sonst.

    Niemand mit halbwegs realistischen Aussichten auf eine politische Entscheidungsposition scheint in der Lage oder willens zu sein, abseits von Dogma, Polemik, Eigennutz oder plumper Fußballvereinmentalität wirklich neue, zielführende politische Lösungswege zu entwicklen, anzubieten und konsequent zu gehen. Niemand (von den polemisierenden Rattenfängern an den Rändern des poltischen Spektrums einmal abgesehen) legt sich noch fest, nicht einmal zu klaren Koalitionsaussagen ist irgendjemand noch bereit.

    Stattdessen wurden mir bei dieser Wahl in den wenigen Wochen vor der Stimmabgabe noch mehr Plakatwälder mit austauschbaren Glückskekssprüchen, „Fernsehtrielle“ oder „Kinderfragestunden“ zugemutet.

    Diesem Firlefanz entziehe Ich mich durch die Briefwahl regelmäßig möglichst früh. Was mir vor einigen Wochen angesichts des vor mir liegenden Wahlzettels aber wirklich schmerzhaft fehlte, war eine mehrheitsfähige Wahloption mit realistischer, positiver Zukunftsperspektive.

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  2. Mika schreibt:

    Es gibt genau zwei nennenswerte demokratische Parteien. Eine zieht für mich in die Opposition und macht das bislang nicht so schlecht. Wer so derart angefeindet wird, macht was richtig.
    Die neue Partei hat wohl keine Chancen, bekam aber meine Unterstützung im Wahlkampf, weil sie mal neue Wege gehen wollen. Ob es klappt? Jedenfalls wähle ich die Direktkandidatin, sie war jeden Tag vor Ort und ist nicht gekauft. Die Hanseln von den Blockparteien können mich mal. Wer die noch wählt, dem kann man nicht helfen.
    Jetzt habe ich keine Namen genannt, aber es dürfte klar sein, wer gleich meine Stimmen bekommt.

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  3. idgie13 schreibt:

    Weil es Auslandsdeutschen so schwer gemacht wird, die Unterlagen zu beantragen, ich eh nicht vorhabe, irgendwann wieder retour zu gehen, und ich eh nicht wüsste, wen ich wählen sollte, hab ich auf mein Wahlrecht verzichtet.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Alles, was nun passieren wird, ist nicht gut für das Land. Kompromisse über Kompromisse, dem Anbiedern am Klimathema, das in DE gar nicht lösbar ist und sein wird.

    In DE ist etwas abhanden gekommen: Der Wille zu Leistung, Ehrgeiz und Innovation. Stattdessen wird die freie Entfaltung des Individuums (Beispiel FFF), dem Gendern und des Laissez-faire gepredigt. Es gibt keine Ahndungen mehr, keine Durchsetzung von Recht und Gesetz: Feuer frei für alle Extremisten und Ignoranten.

    Das ist leider nicht zielführend für Wohlstand, Sicherheit und Stabilität eines Landes.
    Nun sieht es so aus, dass ein vergesslicher Rechtsanwalt das Ruder übernehmen wird. Das an sich ist schon ein so grundlegender Fehler im System. An seiner Seite steht eine Verbotspartei und ein dritter Partner, der noch wackelt oder zumindest benannt werden muss.

    Die Außensicht unseres Landes nach Merkel ist sehr dunkel. Ich kann es niemanden verdenken, wenn er dieses Land verlässt. Gründe genug sind reichlich vorhanden.

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    • „Anbiedern am Klimathema“ war genau das, was ich gestern auch gedacht habe, als ich die Berliner Runde gesehen habe.
      Frau B. kam mir wie eine Marionette vor, die kein anderes Thema als Klima hatte – ein One-Trick-Pony, das nur herumschwafelt.

      Und auch mit „In DE ist etwas abhanden gekommen: Der Wille zu Leistung, Ehrgeiz und Innovation.“ hast du absolut den Nagel auf den Kopf getroffen. Stattdessen Missgunst, Umverteilungsforderungen und Enteignungsfantasien.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Wir werden uns in den kommenden Wochen und 4 Jahren noch oft die Augen reiben, wenn es nicht sogar ein Mißtrauensvotum geben wird. Die Verteilung auf so viele Parteien birgt einiges Potential.

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        • Warten wir’s ab. Ich bezweifle, dass die Ampel oder Jamaika auf Dauer funktionieren können, wenn überhaupt. Dafür sind die Ziele der Akteure doch zu gegensätzlich.

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          • pirx1 schreibt:

            Die beiden kleinen potentiellen Koalitionspartner befinden sich in der ihnen beiden so lieben „Zünglein an der Waage“ Funktion. Was mit der einen jeweiligen „Volkspartei“ (25% …) nicht möglich ist, das geht mit der anderen … auch nicht, weil sich die Kleinen gegenseitig sperren. Perfektes Patt.

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            • Leser schreibt:

              Das würde meinem Wunsch nach einer Minderheitenregierung entsprechen, weil man sich dann endlich mal über Inhalte austauschen und entscheiden müsste, anstatt Entscheidungen nach Befindlichkeiten zu treffen.

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            • pirx1 schreibt:

              Im Grunde fände ich das durchaus auch positiv. Allein: Gelingt so etwas mit einem Mann (und da adressiere ich durchaus beide möglichen) der sich mit 25% zum „Wahlsieger“ ernennt und außer den alten Schläuchen aus mehreren Jahren Regierung oder Regierungsmitverantwortung nichts zu bieten hat?

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          • Leser schreibt:

            Eine weitere „Groko Haram“ dürfte uns aber auch nicht wirklich weiterbringen, auf keiner der Ebenen, wo dies nötig ist.

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          • Plietsche Jung schreibt:

            So machtgeil wie einige sind, werden sie ihre Agenden und ihre Basis verraten und die Sache schönreden. Ein Kompromiss musste her ….

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            • pirx1 schreibt:

              Eine „Frau Minister (hier den Namen eines weiblichen Co-Parteivorstandes einer großen „Volkspartei“ mit weißen Buchstaben auf rotem Grund einsetzen)“ (grusel) wird uns schon erklären, warum ihr Ministrantenposten so viel wichtiger ist, als schnöde politische Parteiprogrammpunkte: „Gestaltungsspielraum“ (der persönlich vor allem aus Pensionsanspruch nach sechs Jahren Ministrieren besteht).

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      • pirx1 schreibt:

        Frau B. wurde als tatsächliche Quotenfrau verbraucht, sonst nichts. Herr H. als „graue Eminenz“ wird ein Ministerpöstchen abgreifen, da bin ich ziemlich sicher. Ob für Frau B. dann noch ´was übrigbleibt?

        Was erwartet man denn von einer Partei und Kandidatin, die zwar das Binnen-I ganz toll findet (als Ausdruck der Vorausschau auf die Utopie einer regelmäßig kompletten gleichgestellten Welt, – was man durchaus auch als Dystopie empfinden kann -), sich aber vehement weigert, den Begriff „alleinerziehend“ durch den durchaus wünschenswerteren und nicht minder utopischen (aber keineswegs dystopischen) Begriff „getrennterziehend“ zu ersetzen?

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        • Leser schreibt:

          Rein auf der Bedeutungsebene gibt es beides, sowohl „alleinerziehend“ als auch „getrennterziehend“: Ersteres ist, wenn kein oder kaum Kontakt zwischen Kind/ern und dem Elternteil, bei dem dies(e) nicht lebt/-en besteht. Zweiteres ist, wenn sich die Erziehung geteilt wird, z.B. Kind(er) am Wochenende bei dem einen, unter der Woche bei dem anderen Elternteil oder ähnliches. Da besteht schon ein Unterschied.

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          • pirx1 schreibt:

            In der Tat. Und in Deutschland wird durch Gerichte (gegen EU-Bestrebungen übrigens) mit >80% „Kind gehört zu Mama ins Residenzmodell“ das Modell der „Alleinerziehenden“ zum quasi Standard gemacht. Da sollte endlich mindestens sprachlich, aber auch von Seiten der Rechtsprechung und damit geschaffenen Realitäten eine feinere Differenzierung her.

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            • Leser schreibt:

              Das rührt aber daher, dass die meisten Paare bei der Trennung in einer Art Kriegszustand auseinandergehen. Ich kenne Familien, wo das nicht so ist: 3 Kinder, und mind. 90km Entfernung zwischen beiden Haushalten, keines der Elternteile hat ein Auto, und trotzdem wird fleißig mit dem Zug hin und her gependelt, um sich die Kindererziehung aufzuteilen, mal ein Kind, mal zwei, mal alle drei, mal bei dem einen und mal bei dem anderen Elternteil. Die beiden Elternteile verstehen sich zwar nicht so supergut miteinander (ist ja auch klar, wenn man in den Jahren vor der Trennung einander eine gegenseitige Privathölle erschaffen hat), aber sie akzeptieren beide, dass es zum Wohle der Kinder vonnöten ist, miteinander in Kontakt zu stehen (und keiner von beiden würde das ändern/verhindern wollen). Manche Menschen sind halt mehr und andere weniger vernunftbegabt…

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            • pirx1 schreibt:

              Ich weiß. Wäre es nicht Aufgabe der Gerichte, JÄ, Verfahrenspfleger, anderen Organe der Rechtspflege (Anwälte, wenn man die denn dazu zählen will), den Scheidenden nachdrücklich zu erklären, dass Trennung der Eheleute nicht gleichbedeutend mit Trennung von den Kindern sein DARF? Jeden Kindesmissbrauch verfolgen wir sonst (oft auch zu schlechtI), aber Gatekeeping und Alienation sind gerichtlich legitimiert? In Tschechien ist das Wechselmodell gerichtlich festgelegte und verpflichtende Standarauflage. Wir können das offenbar nicht. Stattdessen finden wir sogar die sprachliche Mitleidsformel für die Täter und Täterinnen: „Alleinerziehende“.

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            • Leser schreibt:

              Wo bleiben da eigentlich die Feministinnen, welche die alten Geschlechterrollen über den Haufen werfen wollen, weil das ja bloß irgendwelche Dogmen sind?

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  5. pirx1 schreibt:

    Erfreulich zunächst, dass die Extremisten an beiden Rändern des politischen Spektrums an Zulauf verloren haben (wenn auch links noch mehr als rechts). Endlich reift wohl auch bei den Dümmsten die längst bekannte logische Erkenntnis, dass „Protestwählen“ ohne Aussicht auf politische Mehrheitsbildung und Vertretung der eigenen Prinzipien im realpolitischen Machtgefüge so sinnvoll ist, wie ein bayerischer Jodmangelkropf (auch wenn manch einer gerade im „bürgerlichen“ Lager für diese Erkenntnis offenbar doch noch etwas länger braucht).

    Das linke Spektrum verdankt seinen vermeintlich „phoenixartigen Aufschwung“ (für mehr als ein armseliges Viertel der Wählerstimmen hat es dennoch nicht gereicht) der kurzfristigen Wählerwanderung von extrem links nach kaum weniger links.

    Das rechte Spektrum verdankt seinen Abstieg dem schwächsten Kanzlerkandidaten seit Bestehen der Partei (für mehr als ein armseliges Viertel der Wählerstimmen hat es nicht mehr gereicht), der hartnäckigen Realitätsferne diverser Wähler vor allem aus dem Bereich der ehemals sowjetisch besetzten Zone und der starken negativen Korrelation dieser Realitätsferne mit dem Wähler-IQ.

    Sicher ist, wir bekommen für die nächsten Jahre erneut eine lähmende Koalition aus noch mehr verschiedensten politischen Richtungen, egal welcher der von 3 / 4 der Wähler NICHT gewählte Kandidat jetzt Kanzler werden wird und wir werden in faulen Kompromissen ertrinken, im Endeffekt bewegt sich wieder nichts. Ich fühle mich bestätigt in meinem Prä-Wahl-Gefühl der Zerrissenheit.

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  6. pirx1 schreibt:

    Klimathema und mangelnde Innovationskraft sind keine Widersprüche, das wird nur gerne so dargestellt.

    Selbst wenn man so einfältig wäre, die Veränderungen der Umweltbedingungen durch die Industrialisierung zu negieren, so müsste es doch wenigstens beim Verständnis von simplen Marktmechanismen „Klick“ machen. Vegane Produkte boomen, weil gerade nach den letzten Naturkatastrophen noch mehr Nachfrage besteht (auch wenn vegane Ernährung alleine keine Probleme löst), verglichen mit Fleischprodukten ist die Gewinnmarge enorm. Elektromobilität kommt, egal, was man davon hält (natürlich werden die hier verbotenen Verbrenner nicht vernichtet, was auch ökologischer Wahnsinn wäre, sondern rollen in Afrika u.a. noch jahrzehntelang weiter). Die erzwungene Wende zu Windkraft und Ökostrom kann nur bedeuten, dass man sich auch dort bemüht, innovativer Technologievorreiter zu sein.

    Stattdessen ergehen wir uns nur noch in endloser Diskussion, lamentieren über das, was ohnehin kommt, lehnen ab und verschränken die Arme in Basta-Mentalität nach Buddha-Art.

    Wir brauchen Bürokratieabbau, wir brauchen intelligente Wirtschaftsförderung für wirkliche Innovation (und nicht für die Autoindustrie, weil die am lautesten weint), wir brauchen Wertschätzung des Mittelstandes, damit die Wirtschaft prosperiert. Dann wäre sogar noch Geld übrig für unsere Transfergesellschaft. Was sicher nicht funktionieren wird: Erst massiver Transfer auf Kosten der Substanz und dann … mal abwarten.

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    • Leser schreibt:

      Naja, ich muss mit Blick auf die Vergangenheit schon sagen, wir hätten schon längst viel mehr Photovoltaik und Windstrom haben können, was auch den mittelständischen Unternehmen zugute gekommen ist. Stattdessen wurde politisch auf „alte“ Energiekonzerne gehört, die ihre Pfründe davonschwimmen sahen, und man hat mal eben noch ein paar Kohlekraftwerke gebaut. Die Geschichte der PV-Förderung ist eine Geschichte voller Missverständnisse: Als diese eingeführt wurde, dachten die Menschen doch tatsächlich, es ginge dabei darum, eine Energiewende herbeizuführen. Gut, dass man noch rechtzeitig gegensteuern konnte, so dass jetzt die Entwicklung und Fertigung neuer Solarmodule auch wenigstens nicht mehr im deutschen Mittelstand, sondern irgendwo fern im Osten stattfinden kann…

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      • Mika schreibt:

        Mal so ganz dumm gefragt: wie fängst du mit Photovoltaik und Windmühlen die Blindströme im Netz ab?

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        • pirx1 schreibt:

          Sind die in Summe bei verbrauchernaher Stromproduktion höher, als bei verbraucherfernen Großkraftwerken? Oder wäre eben das eine typische Frage von intelligenter Anlagenplanung und technischem Know-how?

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          • Mika schreibt:

            Ich war mal so ein wenig grün, vor langer Zeit. Dann traf ich mal auf einen Elektrotechniker, der sehr sehr viel Wissen und Erfahrung hatte.
            Nach einem sehr langen Gespräch wurde mir klar: ich hab keine Ahnung von Netztechnik. Es ist ein extrem schwieriges Fachgebiet und fast alle von uns wissen nix und weniger darüber. Mit einigen Schlagwörtern kann man zwar schwadronieren, aber noch lange kein Stromnetz stabilisieren.
            Ich glaube kaum, daß du über Blindstrom mehr zu bieten hast, als das, was du bei Wikidummia auf die Schnelle lesen kannst. Ich kanns auch nicht, aber mir ist es bewusst.
            Ich merke aber, das da was nicht stimmt, denn hier fällt verdächtig oft der Strom aus. Meist für 1-2 Stunden. Eine Begründung gibt es nicht. Ist halt Lastabwurf. Inzwischen jede Woche mehrfach.
            Weil Politiker und Bürger sich einbilden, was von Stromversorgung zu verstehen. Also verschone mich mit deinem Halbwissen. Du kennst dich ja nicht mal mit Medizin aus, sonst hättest du meinen eingebauten Fehler längst gefunden. Ich hab kein Medizinstudium, aber einige Kumpel haben es und lachen sich schlapp, wenn ich erzähle.

            Blindstrom ist einfach erklärt, wenn man es im Labor vorführt. Aber bei 80 Mio Verbrauchern wird es ein wenig komplizierter. Aber das soll uns nicht am Untergang hindern, was ist schon Erfahrung. Was ist schon Wissen. Die waren doch früher alle doof. Wissenschaft ist so uncool. Heute hüpfen wir für den Strom….und ändern das Klima nach Belieben.

            Wir können das Klima des ganzem Planeten ändern. Echt geil. Ich kann nur die Temperatur im Wohnzimmer regeln.

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            • pirx1 schreibt:

              Ach so, der „Blindstrom“ war nur so‘n Schlagwort , in die Debatte geworden für ganz Dumme. Wie soll man denn auch auf jeden Ihrer „eingebauten“ Fehler (und dann auch noch auf die vielen nicht „eingebauten“) ernsthaft reagieren? So viel Stunden hat ein Tag ja nicht.

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          • Leser schreibt:

            Der Youtuber „Martin Funkenschuster“ (sehr schön bezeichnender Name) hat einiges dazu auf seinem Kanal an Erklärungen, wie das Stromnetz aufgebaut ist und wie lokale Anlagen ausgelegt sein müssen usw… Dabei nehme ich die Tatsache, dass dieser existiert, lediglich als Beweis dafür, dass es kein magisches Hexenwerk ist, womit sich niemand auskennt.

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        • Leser schreibt:

          PV würde mit viel Dezentralisierung einhergehen müssen, d.h. jedes Gebäude mit PV aufm Dach hat auch einen eigenen Speicher, wo der PV-Strom als erstes rein geht, und auch als erstes draus vom Gebäude verbraucht wird (wenn die PV für die Momentanlast nicht ausreicht). Das Netz ist dann nur noch eine Rückfallebene, von der nur entnommen wird, wenn der Speicher leer ist und die PV nicht genügend für den aktuellen Verbrauch erzeugt, bzw. wo nur hinein gespeist wird, wenn der Speicher voll ist und die PV mehr erzeugt, als momentan lokal verbraucht wird. Der Idealfall wäre natürlich, dass weder das eine, noch das andere überhaupt vorkommt, sondern dass das Haus mit PV & Speicher möglichst vollkommen autark ist und mit dem Netz gar nicht mehr viel tut. Klar, das wollen die Versorger natürlich nicht, und es bedürfte auch eines grundlegenden Umbaus der Netze, aber möglich wäre das wohl (natürlich müssen kluge Köpfe das durchrechnen, solche gibts aber).

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          • Mika schreibt:

            Mir hat auch mal einer erklärt, er baut ne Eisenbahn für den Garten, damit die Enkel Spaß haben. Mit richtiger Dampfmaschine. Er nahm also den Plan einer Lok und verkleinerte das um einen Faktor. Ich meine es war 10. Ist aber egal. Mein Rat, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt, wurde ignoriert. Glaubst du, die Dampfmaschine hat funktioniert?

            Kleiner Hinweis, es gibt neben den Haushalten auch noch die Industrie.

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          • pirx1 schreibt:

            Das meine ich mit „Buddha-Mentalität. Mittlerweile zu faul, um über Innovationen auch nur nachzudenken“. In wenigen Jahren werden Chinesen uns solche Systeme schlüsselfertig anbieten. Dabei haben vermutlich bald viel mehr Menschen Energiespeicher auf vier Rädern vor der Tür stehen …

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      • pirx1 schreibt:

        Genau das. Klimawandel, so liest man ja auch hier immer noch, gäbe es ja eigentlich gar nicht, Atomstrom wäre preiswerter (weil die Lagerungskosten auf Jahrtausende sozialisiert werden) und deutsche Wirtschaft ohne das nicht mehr konkurrenzfähig. Der Wind wehe ja auch manchmal nicht und das Stromnetz solle bitte nicht vor der eigenen Haustür entlangführen. Dagegen freut man sich, wenn ein international agierender Energiekonzern noch ein Dörfchen abräumt und den Shareholdern (und vielleicht auch dem ein oder anderen Politiker) ein paar Almosen in die Tasche steckt.

        Wir ersticken uns in einem Wald aus Vorschriften und andere lachen, weil sie die Kosten für diesen Bürokratiewust schonmal nicht haben.

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        • Leser schreibt:

          Atomstrom ist in der Tat ein sehr zwiegespaltenes Thema. Es gibt ja unterschiedlichste Reaktorenbauarten, und da wären halt auch welche dabei, die sich mit dem jetzigen, jahrtausendelang gefährlichen Müll betreiben ließen, und dessen Gefährlichkeit dadurch auch noch auf etwas weniger unüberschaubare 300 Jahre reduzieren könnten… Warum immer nur die „althergebrachte“ Bauart solcher Reaktoren in Betracht gezogen wird, anstatt technische Lösungen für die Nachteile der anderen möglichen Bauarten zu finden, und dann solche zu bauen, ist mir auch nicht ganz klar. Ja, es ist ein Risiko, aber ist das Risiko größer, als die Atmosphäre weiterhin mit CO2 zu sättigen und so den Klimawandel zu beschleunigen? Haben wir praktikable Alternativen, eine Regression in mittelalterliche Technologien einmal außen vor gelassen? Und warum hören wir auf die unbestimmten Ängste von irgendwelchen Leuten, die einfach nur laut plärren?
          Ganz ähnlich beim Verkehr, da hat der Altmeister des deutschen Wissenschafts-TV Jean Pütz auch durchaus einen interessanten Ansatz, der sogar globale Probleme minimieren könnte, wenn man dies richtig gestalten würde: https://jean-puetz.net/klimarettung-mit-regenerativem-methanol-ein-globales-konzept-ein-brief-von-jean-puetz

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  7. Mika schreibt:

    Mal mit Logik auf die Wahl schauen und von links nach rechts die Stimmen zählen

    dunkelrot 39 grün 118 rot 206 Gesamt 363 schwarz 196 gelb 92 blau 83 Gesamt
    371

    Einen kann ich nicht zuordnen.

    Da wäre der Wählerwille klar ausgedrückt. Mit 371 Stimmen im Bundestag hätte man auch eine Mehrheit. Und alles ohne Namensnennung 🙂

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    • pirx1 schreibt:

      Nur dass alle schon vor der Wahl klar wussten, dass mit blau keiner spielen wird und gelb recht wankelmütig in der Mehrheitsbildung ist. Aber wer seine Stimme gerne weiterhin verschenken will …

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      • Leser schreibt:

        Eigentlich finde ich das nicht so schlecht, solange es nicht zu viele „hellblau“-Wähler gibt (unwahrscheinliches Szenario), und mit denen sonst weiterhin niemand spielen will. Das sind nämlich dann trotzdem weniger Stimmen für die „Alten“, die nichts ändern und nichts verbessern wollen, sondern bloß den Status Quo erhalten wollen.

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  8. Ich war schon mehrfach Wahlhelferin. Bin gerade unterwegs. Erinnere mich daran, nachher mal das Auszählen zu beschreiben.

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    • Es freut mich, dass du deine Erfahrungen teilen willst. Spannende Sache!

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    • Martin Sawitzki schreibt:

      Moin, ich war auch Wahlhelfer gewesen – in der Stadt mit hübschen Brunnen und viel zu viel Geschichte – und wollte das gleich beschreiben aber nun kam mir jemand zuvor und wahrscheinlich liest keiner mehr den Kommentar außer Anne selber.
      Der Algorithmus ist quasi vorgegeben, wie von Katharina beschrieben. Macht auch Sinn die Zettel mit unterschiedlichen Zetteln einfach 2x zu sortieren. Auf dem Meldebogen gibt es daher auch 3 Felder. Jeweils für 1.==2. und dann für die Erst- und Zweitstimmen separat. Als ITler fand ich das recht spannend 🙂
      Die Wahl selber ist eigentlich ziemlich langweilig. In Gegenden außerhalb Berlins wird das super organisiert. Wir hatten etwa 1000 Leute im Wahlregister, davon die Hälfte Briefwahl, von der anderen Hälfte kamen etwa 2/3. Wir waren in einer Schule zusammen mit vielen anderen Wahllokalen, toller Beschilderung und ein paar Einweisern. Maskenpflicht, keine G’s. Die Auszählung ist prinzipiell öffentlich – als Kind war ich in meinem Heimatort ein paar mal dabei – hier kam niemand weiter. Es werden in diverse Richtungen Prüfsummen gebildet, so das die Anzahl der erfassten Wähler mit der Anzahl der Stimmzettel übereinstimmt. Bei kleinen Abweichungen erklärt man das. Große darf es nicht geben.
      Meine Aufgabe als Schriftführer war das Abkreuzen der Wähler – dabei muss ich nur selten Ausweise kontrollieren, meistens geht es um die Nummer auf der Wahlbenachrichtigung und dann die Nummer im Register. Simples INT Matching. Soweit ich das Wahlamt verstanden hab sind Freiwillige für die Briefwahl-Zählung rar. Wenn Du daran speziell Interesse hast, ruf die einfach mal an und melde Dich dafür. Die Verpflichtung zum Wahlhelfer liest sich etwa so martialisch wie ein Einberufungsbescheid, das finde ich etwas unschön, aber naja. Die könnten theoretisch auch einfach Wähler rekrutieren (ähnlich wie bei Schöffen.) Das wird aber aus offensichtlichen Gründen selten gemacht. Statt dessen greift man auf die wirklich Freiwilligen zurück und füllt den Rest mit nicht immer ganz freiwilligen Beamten auf – die bekommen immerhin einen freien Tag dafür. Wenn man sich aber Erstmal verpflichtet hat wird es schwierig wieder raus zukommen. Kurz: einfach mal ausprobieren. Was ich positiv beeindrucken fand ist wie gesittet die ganze Wahl abläuft und wie sehr auf das Neutralitätsgebot geachtet wird. Ich hab keine Ahnung was meine Kollegen Wahlhelfer denken und so soll es auch sein. Die Auszählung erfolgt neutral und korrekt. So wie es sein soll. Grüße, Martin

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  9. Pingback: Stimmenauszählungs-Algorithmus // °39F – e Büttche Bunt

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