Fußgegängelte //2581

Es ist ja nichts Neues, dass Fußgänger ganz unten in der Verkehrshierarchie stehen.

Wenn man mit Kinderwagen unterwegs ist, merkt man das noch deutlicher.
Jede Bordkante ist ein Hindernis. Mülltonnen stehen alle paar Meter auf dem Gehsteig, so dass man gezwungen ist, den Gehsteig zu verlassen. Das ist manchmal schon für Fußgänger ohne Wagen oder Gepäck zu eng. Oder der Gehsteig ist durch Fahrzeuge, Baustellen oder sonstige Gegenstände blockiert.
Ich kenne einen Fußweg, der an einer Stelle auf eine normale Straße mündet. Direkt vor dieser Stelle parkt jedesmal ein Auto. Sogar alleine als Fußgänger muss man dann langsamer werden, um auf den recht schmalen Gehsteig abzubiegen. Mit dem Buggy muss ich dort immer rangieren, weil der Krümmungsradius größer ist als der zur Verfügung stehende Platz. [Carsten hat diesen Autofahrer sogar einmal angesprochen, als wir ihn zufällig einsteigen gesehen haben. Aber da war keinerlei Einsicht zu erkennen. Er wird weiterhin die Stelle so rücksichtslos zuparken.] Was machen da beispielsweise Rollstuhlfahrer? Die kriegen die Kurve dort überhaupt nicht.

Auf kombinierten Fuß- und Radwegen greift eine neue Unsitte immer weiter um sich.
Während man früher nur von hinten angeklingelt wurde, wenn man so lief, dass es beim Vorbeifahren hätte zu eng werden können, wird es immer mehr üblich, dass Radfahrer grundsätzlich klingeln, bevor sie zum Überholen ansetzen.
Das ist absolut lästig. Jedesmal wird man aus seinen Gedanken gerissen, oder erschrickt sogar. Schließlich ist dieses Klingeln mit Gefahr assoziiert. Wenn genügend Platz vorhanden ist (ist es praktisch immer, denn normalerweise laufe ich ganz rechts, auch wenn ich den Kinderwagen dabei habe – selbst wenn Carsten und ich zusammen nebeneinander laufen, ist da immer noch reichlich Platz für einen Fahrradfahrer), gibt es überhaupt keinen Grund zu klingeln. Das belästigt die Fußgänger nur, und allmählich stumpfen sie ab, bis sie schließlich auch bei tatsächlicher Gefahr nicht mehr reagieren. Klingeln sollte wirklich nur kritischen Situationen vorbehalten bleiben.
Aber wenn eine ganze Gruppe im Pulk fährt – zu zweit oder gar zu dritt nebeneinander, dann hat’s natürlich keiner nötig, mal kurz zu klingeln. Viel lieber fahren sie ohne Vorwarnung nur wenige Zentimeter neben einem vorbei.

Es ist schon eine Weile her, da war ich mit dem Stadtbus unterwegs. Beim Aussteigen geriet ich mit dem Kinderwagen direkt auf die Fahrradspur. Bevor ich noch auf den Fußgängerbereich wechseln konnte, war schon ein Radfahrer angebraust, der bremsen und ausweichen musste. Ich verstehe ja, dass das für ihn ärgerlich war. Aber es gibt ihm nicht das Recht, mich deswegen so anzuschreien. Ich kann nichts dafür, dass die Bushaltestelle so blöd platziert ist, so dass Fahrgäste beim Aussteigen die Fahrradspur überqueren müssen. Und mit Kinderwagen bin ich nun mal langsamer und weniger wendig als normale Fußgänger.

Immer öfter fahren auch Leute mit E-Scootern, Rollschuhen, Skateboards, Tretrollern und dergleichen auf den Fußwegen, die alle gemeinsam haben, dass sie einen mehrfachen Impuls und kinetische Energie haben – im Falle einer Kollision hat der Fußgänger das Nachsehen.
[Da war BTW neulich auch dieser Inline-Skater, der mich (bei schönstem Wetter alleine unterwegs) überholte, dann an der nächsten Straßenlaterne wartete, bis ich an ihm vorbeigegangen war, um mich erneut zu überholen und zu warten .. Da ich an der nächsten Abzweigung abbiegen wusste, kann ich nicht sagen, wie weit er das noch weiter getrieben hätte. Er muss wohl geradeaus weitergefahren sein.]

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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53 Antworten zu Fußgegängelte //2581

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Gewollte Anarchie. Mehr nicht.
    Es will mir noch immer nicht in den Kopf, warum elektrische Krankenfahrstühle ein Kennzeichen brauchen, E-Bikes aber nicht. Sie ballern mit 25 km/h durch Parks und Fußgängerzonen und erzeugen durch ihre kinetische Energie eine ziemlich erhebliche Gefahr für Leib und Leben.

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    • Sempersolus schreibt:

      zulässige Leermasse Krankenfahrstuhl: 300 kg
      typische Leermasse E-Bike: 20 kg

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Die zulässige Leermasse beim Krankenfahrstuhl ist der zulässige Höchstwert, kein typischer Wert.
        Du vernachlässigst auch die erheblichen Geschwindigkeitsunterschiede, denn der Krankenfahrstuhl fährt keine 25 km/h.

        Der Vergleich hinkt also nicht nicht ein bißchen.

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      • Mika schreibt:

        Krankenfahrdingens ca. 4 Meter/Sekunde Fahrgewicht ca. 400 Kilo, macht eine Energie von ca. 3200 Joule.
        Radfahrer ca. 14 Meter/Sekunde Fahrgewicht ca. 100 Kilo gibt ca. 9800 Joule.
        Faktor 3. Schon ein Unterschied. Und ein Krankenfahrstuhl fährt meistens nicht im Wald und ist in der Stadt gut zu sehen. Gibts da eine Unfallstatistik?

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        • Sempersolus schreibt:

          Wenn wir den E-Biker 150 kg schwer machen oder (noch besser) 100 statt 50 km/h und unbeleuchtet um das Knusperhäuschen im dunklen Innenstadtwald fahren lassen, dann wird es noch realistischer. Gibt es bestimmt Statistiken zu.

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          • Mika schreibt:

            Willst du jetzt demonstrieren, das du inhaltlich überfordert bist? Ist dir gelungen.

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            • Sempersolus schreibt:

              Nee, nee, die 14 m/s konnte sogar ich gerade noch umrechnen. Mit 50 km/h durch den Stadtpark? Wenn ich gelegentlich auf mein E-Bike umsteige, dann schaffe ich unter günstigen Bedingungen 40 km / h bergab.

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            • Mika schreibt:

              Mach ne Gegenrechnung auf.

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            • Sempersolus schreibt:

              Brauche ich nicht: Plietsche Jung hat Recht, ist unter verschiednen Annahmen tatsächlich vergleichbar quo ad kinetische Energie. Aber auch vergleichbar und nicht mehr. So übertreiben, dass damit aufgrund v^2 gleich die dreifache E(kin) ´rauskommt muss man auch nicht.

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            • Sempersolus schreibt:

              p.s.: Bei wem die Energie beim Zusammenstoß eines Fußgängers mit einer soliden 300kg Masse vernichtet wird, das steht natürlich auf einem anderen Blatt …

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    • Die E-Bike-Fahrer sind die, die alle anderen Radfahrer bergauf hinter sich lassen.
      Sie sind also auch nicht bei traditionellen Radfahrern, die noch ihre eigene Power einsetzen, beliebt.

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  2. Sempersolus schreibt:

    „Früher war mehr Lametta.“

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      • Sempersolus schreibt:

        Zitat von Opa Hoppenstedt als Referenz an die siubjektiv empfundene allgemein zunehmende Verkommenheit der Welt.

        Mit steigendem Alter hat man wohl immer mehr Schwierigkeiten und immer weniger Interesse, sich Veränderungen anzupassen oder wenigstens lösungsorientiert zu stellen, die in unserer Umgebung zwangsläufig stattfinden. Das führt dann häufig zu lustigen, wenn auch reichlich ungerecht simplifizierenden Einteilung: „die Jugendlichen“, „die Rentner“, „die Radfahrer“, „die Mütter mit Kinderwagen“ – „alle gleich schlimm“.

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        • Ach, ja, ich erinnere mich. Hatte ich gerade nicht auf dem Schirm.

          Eine Aufgabe meines Blogs ist es auch, von mir (subjektiv) beobachtete Veränderungen zu beschreiben.
          Falls du darin unzulässige Pauschalierungen oder Verallgemeinungen zu entdecken glaubst, dann nenne die doch bitte ganz konkret.

          Wenn ich schreibe, dass es welche (die auf gewisse Weise handeln) gibt, heißt das nicht, dass ich alle (der assozierten Gruppe) meine. ∃ ≠ ∀

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  3. Mika schreibt:

    Ich hab mal so ein E-Bike ausgeliehen. Ohne Kennzeichen und das Ding schaffte 40 Km/h. Absolut unverantwortlich in der Stadt.
    Beim Überholen klingele ich nicht mehr, die Leute werden schreckhafter und springen wie wild in alle Richtungen. Danke an die irren Mountainbiker. Ich hab mir ein höfliches: bitte 2 Radfahrer passieren lassen, angewöhnt. Ein nettes Dankeschön aus verminderter Geschwindigkeit und schon klappt es besser.
    Die Idioten aus der Stadt kapieren es nicht und rasen wie die Henker an der Leuten vorbei. Es wundert nicht, das es Zeitgenossen gibt, die mit Spanndrähten für Vorsicht sorgen. Finde ich zu gefährlich, aber es schreckt wenigstens die Downhill Heizer ab. Man kann doch nicht mit 50 Sachen auf einem 1 Meter Waldweg an den Leuten vorbei brettern. Lernen die keine Rücksicht mehr?

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    • Durch dieses inflationäre Klingeln geht sämtliche Signalwirkung verloren.
      Früher bin ich dann halt noch etwas weiter auf die Seite ausgewichen, aber nach etlichen überflüssigen Klingeleien, auf die ich unnötigerweise reagiert habe, ignoriere ich es jetzt allmählich.

      Man muss ja den meisten Verkehrsteilnehmern zugestehen, dass sie sich rücksichtsvoll gegenüber anderen, insbesondere schwächeren verhalten.
      Die wenigen, die das nicht tun, sind um so mehr ein Ärgernis. Und gerade die, die sich einbilden, mit unnützer Klingelei etwas zur Sicherheit beizutragen, sind tatsächlich eine Risikoquelle.

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  4. MartinTriker schreibt:

    Mein Hauptverkehrsmittel ist ja das Fahrrad. Oder mehrere 🙂 Aber mir geht’s genauso. Diese Falschparker rauben mir genauso den Nerv wie Gehwegradler. Ich sag ja nix wenn kurz ein Müllauto oder so umfahren wird, dass eine enge Straße blockiert. Aber es gibt so Zeitgenossen, die fahren kilometerweit auf dem Gehweg.

    In meinem Fahrpark ist auch ein Pedelec. Ohne S, also Motorunterstützung bis 25 km/h. Ich schaff trotzdem mehr, wenn auch nicht so viel wie mit meinen Rädern ohne Motor.

    Der Unterschied zu den Krankenfahrstühlen mit Kennzeichen ist die nötige Tätigkeit des Fahrenden. Der Motor bei Pedelecs wirkt nur unterstützend, wenn der Fahrer nicht in die Pedale tritt tut sich nichts. Deswegen der Unterschied bei der Versicherung.

    Spanndrähte über den Weg sind versuchter Mord, das kann nicht gerechtfertigt werden.

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    • Mika schreibt:

      Enger Waldweg, 10-20% Gefälle, Licht und Schatten im Wechsel und 30-50 Sachen? Das grenzt auch an Mord. Ein Kind hat da keine Chance. Spanndrähte schrecken da schon ab, meinen radikale Zeitgenossen. Ich verachte beide Verhaltensweisen. Statt auf der Landstraße Autos zu kontrollieren, wo eh nie was passiert, dürfte die Polizei gerne mal Sonntags im Wald kontrollieren. Rad weg und ne saftige Strafe spricht sich schnell rum, zumal die Idioten Gruppe sehr überschaubar ist. Die Mehrheit der Radler ist höflich und fällt nicht auf. Aber jetzt fangen die auch noch mit diesen klobigen E-Mountainbikes an. Was treibt die an? Entweder trete ich selbst in die Pedale, oder ich fahre mit dem Auto, wenn ich mal faul bin. E-Bike ist für Rentner. Mir wäre das peinlich.

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    • Wenn Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Wendigkeit sich den gleichen, engen Verkehrsraum teilen müssen, sind Konflikte leider unumgänglich.

      Seit ich häufig mit Kinderwagen unterwegs bin, stört mich auch sehr, dass beim Überqueren einer Abzweigung die Bordsteine für die Fahrradspur (sofern separat vorhanden) abgesenkt sind, beim reinen Gehsteig aber nicht. Das ist jedesmal eine Stufe runter und dann wieder rauf. Wenn sich das auf einer Strecke häuft, wechsele ich dann notgedrungen auf die Fahrradspur. Kinderwagen haben auch Räder.

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      • Mika schreibt:

        Ich war auch mal mit Kinderwagen unterwegs. Ich träumte manchmal von einer Art Mad Max Buggy. Zweitakter Hilfsmotor, Seitenpanzerung mit Stacheln, rotierende Messer an den Rädern und ein Rammsporn am Bug.
        Hätte Eindruck gemacht 🙂

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    • Leser schreibt:

      Hmm. Ich finde ja ein e-Bike in der Stadt als Ersatz für Motorroller oder Auto aus genau dem Grund unpassend: Es ist mit Versicherungskennzeichen auf max. 45km/h beschränkt, und beschleunigt nur wenn man in die Pedale tritt. Wäre diese Regulierung nicht vorhanden, würde ich gerne mit einem auf „Bafang“ umgerüsteten E-Bike was bis zu 70km/h fahren kann (was es darf – wäre mir dann egal, bzw. sollte egal/nicht reguliert sein) am fließenden Stadtverkehr ganz normal teilnehmen. Aber so fahre ich halt lieber mit dem Auto, ist dasselbe Problem wie auf dem Roller, man wird künstlich zum Verkehrshindernis runter reguliert…

      (Die Bürgersteige sind bei uns allerdings sehr of zwischen 5-10m breit, und nur seltenst überhaupt schmaler als 3m, von daher erlebe ich die initial im Blogpost beschriebenen Probleme zum Glück nicht so)

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      • MartinTriker schreibt:

        Hm, ich glaube, wir müssen bei den Definitionen anfangen.

        Pedelec: nur Unterstützung durch Motor bis 25 km/h, schneller möglich ohne Unterstützung, nur beim Treten. Keine Versicherung nötig, kein Helm. Kein Kraftfahrzeug.
        S-Pedelec: nur Unterstützung durch Motor bis 45 km/h, schneller möglich ohne Unterstützung, nur beim Treten. Versicherung nötig, Fahrradhelmpflicht, Führerschein Klasse AM, Helmpflicht („Geeigneter“ Helm). Kraftfahrzeug.
        E-Bike bis 25 km/h: Motor ohne Treten, quasi ein Mofa, max. 25 km/h. Versicherungspflicht, (Motorrad-)Helmpflicht, Mofa-Führerschein. Kraftfahrzeug.
        E-Bike bis 45 km/h: Motor ohne Treten, quasi ein Moped, max. 45 km/h. Versicherungspflicht, (Motorrad-)Helmpflicht, Führerschein Klasse AM. Kraftfahrzeug.
        E-Bike über 45 km/h: Leichtkrafträder oder Krafträder, Vorschriften siehe dort. Kraftfahrzeug.

        Nur mit Pedelec darf auf Radwegen gefahren werden oder freigegebenen Gehwegen. Alle anderen Arten sind Kraftfahrzeuge und haben dort nichts verloren.

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  5. Mika schreibt:

    Mal überlegen. Als Kind mit dem Rad eine Frau mit Kinderwagen gefährden? Das hätte mit Sicherheit einen Satz heiße Ohren von Passanten gegeben. Das konnte man nicht bringen, da gab es soziale Kontrolle und zwar handfest. Im Wald mit dem Rad an Wanderern vorbeirasen, da hätte man den Stock in den Speichen gehabt und keiner hätte sich aufgeregt. Das hat man einfach nicht gemacht. Dafür waren die Autofahrer rücksichtsloser, mit dem Rad musste man sich in Sicherheit bringen, sonst war man weg. Das ist heute viel besser. Jedenfalls aufm Land. In Berlin mag das nicht gelten?

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    • Sempersolus schreibt:

      Hach, die „gute alte Zeit“ des Faustrechts und der unsanktionierten Körperverletzungen und unbemerkten Übergriffe, wo ist die nur hin?

      Das mit dem Stock gibt es aber auch heute noch: Ein Pärchen (ich wohne doch recht ländlich) kommt uns entgegen, an dem wir locker vorbeijoggen – wollten, die Herrschaften beide mit Waffen ausgestattet (sog. „Walkingsticks“), Wegbreite ca 3m. Auf gleicher Höhe streckt die „Dame“ des Pärchens plötzlich mitten auf dem Weg mit Vehemenz die Arme aus, nicht ohne, dass sie mir -Longinus gleich, auch wenn ich nicht Jesus bin- mit dem spitzigen Schaschlikspieß kräftig in die Flanke sticht. „DAS“, skandiert sie, „DAS ist der gebührende Sicherheitsabstand.“.

      Aha, jetzt weiß ich mehr

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      • Mika schreibt:

        Mit dem Faustrecht setzt man seinen Willen durch.
        Wie nennt man es, wenn man eine Gefahr abwehrt? Wer eine Mama mit Kinderwagen gegen einen Übergriff verteidigt, handelt glaube ich, weniger faustrechtlich, als der Radfahrende Übergreifer.
        Aber Hauptsache mal wieder dumm geschwätzt……

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  6. keloph schreibt:

    die armen radfahrer, die ja immer benachteiligung beklagen, sind die schlimmsten. mit stöpseln im ohr, smartphone in der hand, freihändig ohne beleuchtung im dunkeln quer über die strasse. passiert täglich. ätzend. und dann werden sie auch noch militant. ich fahre gerne fahrrad, aber ich halte mich an die regeln.

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  7. Ochmonek schreibt:

    Lieber das Leben verlieren als den Schwung.

    Nein, jetzt ernsthaft weiter. Ich bin oft auf außerörtlichen Wegen unterwegs, die als kombinierter Geh- und Radweg ausgeschildert sind, meist als Radfahrer, manchmal als Fußgänger.

    Und wenn ich nicht eindeutig sehe, dass ich als Radfahrer von Fußgängern bemerkt wurde, dann klingle ich meistens. Das ist ein Zeichen für Gefahr und das soll es auch sein. Ideal ist es nicht und es ist auch nicht einfach den richtigen Abstand zum klingeln zu wählen, denn man trifft auf sehr unterschiedliche Fußgänger.

    Hier ein paar wirklich typische Beispiele.

    Der Schreckhafte springt sofort an den Fahrbahnrand auch wenn noch mehr als genug Platz ist. Fährt man an dem ohne zu klingeln vorbei, bekommt man ein „Warum hammse nich geklingelt?“ hinterhergerufen.

    Die Verpeilten laufen zu zweit nebeneinander her und nutzen dabei deutlich mehr Breite als erforderlich. Wenn ein Radfahrer klingelt, gehen sie langsam zum Fahrbahnrand, der rechte nach rechts, der linke nach links. Dann merkt mindestens einer von beiden, dass der ideale Gesprächsabstand nicht mehr stimmt und wechselt noch einmal die Seite.

    Der Smombie ist so auf sein Smartphone konzentriert, dass die Welt um ihn herum verschwindet. Wird niemals plötzlich die Seite wechseln, aber auch nicht notwendig die Spur halten. Klingeln sinnlos.

    Der Normale geht einfach seines Weges. Manchmal verwandelt/erweist er sich bei Annäherung dann doch als Schreckhafter, Verpeilter oder Smombie.

    Der Vorsichtige geht deutlich am Rand. Ob man als Radfahrer bemerkt wird oder nicht ist egal. Es passt.

    Dann noch verschiedenste Typen von Hunden und Hundeführern. Hunde, die plötzlich über den Weg laufen und mit der gespannten Leine zur Vollbremsung zwingen. Ein Frauchen, das auf der anderen Seite läuft als ihr Hund und das mir ein freundliches „Fahren Sie einfach über die Leine.“ zuruft. Ein Herrchen, das mit seinem Hund neben dem Weg hockt und einen Ball quer über den Weg auf ein abgeerntetes Feld wirft. Alles schon erlebt. Zum Glück waren im letzten Fall der Hund und ich aufmerksamer als der %#@!#!@@!

    Einen idealen Abstand zum Klingeln gibt es nicht. Ältere Menschen hören die hohen Töne der Fahrradklingel schlecht, andere erschrecken. Wenn ich irgendeine nicht allzu verpeilte Reaktion auf mein Klingeln bemerke, gibt’s von mir ein freundliches „Danke!“ im vorbeifahren. Das hilft zumindest, dass man als Mensch und nicht als Kampfradler wahrgenommen wird.

    Und wenn du ein Klingeln hörst und keinen Grund zum Ausweichen hast, dann gib doch einfach ein kurzes Handzeichen. Eine kleine Bewegung reicht. Glaub‘ mir, das wird dankbar zur Kenntnis genommen.

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    • Dass es keine gewichtigen Gründe zum Klingeln gibt, wollte ich überhaupt nicht bestreiten. Wenn die Situation kritisch werden könnte, dann (und nur dann) muss der Fahrradfahrer klingeln, um die Fußgänger zu warnen.

      Wenn die Fußgänger weit genug auf der Seite gehen und mit gleichmäßigem Tempo (erkennt ein von hinten herbeifahrender Fahrradfahrer ja schon von weitem) gibt es keinen Grund zu klingeln.
      Freilich ist es etwas anderes, wenn Kinder oder Hunde auch auf dem Weg laufen. Dann sollte der Fahrradfahrer besonders vorsichtig und langsamer fahren, und ggf. durchaus klingeln.

      Wenn radfahrende Kinder die Situation nicht richtig einschätzen können, und lieber mal zu viel als zu wenig klingeln, habe ich dafür auch Verständnis.

      Grundsätzlich ist das Klingeln aber – aus gutem Grund – nur für potentielle Gefahrensituationen vorgesehen, nicht zum einfachen, weiträumigen Vorbeifahren an Fußgängern.

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      • Mika schreibt:

        Mein Rat an Radfahrende: Rücksicht, Höflichkeit und jetzt der Hammer: langsam fahren und als der Geheimtipp: wenns eng wird kann man sogar absteigen und schieben.
        Ich habs getestet, es funktioniert.

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      • Sempersolus schreibt:

        Ich teile da mehr Ochmoneks Ansicht: Das Verhalten der Fußgänger gleicht eher einem Lottospiel und man sieht eben nicht von ferne direkt „der ist geschilled“, „der ist schreckhaft und springt mir auf gleicher Höhe vor das Rad“. Manchmal hört man auch beim Vorbeifahren „Warum klingeln Sie nicht?“.

        Ich habe eine „ein Ping“ (Roter Oktober …) Klingel. Nicht aufdringlich und zusammen mit dem Laufgeräusch des Rades gerade genug für Aufmerksamkeit. Die benutze ich.

        Ein freundliches „Danke“ von mir schadet aber auf keinen Fall und das wird oft auch von einem „Gerne“ erwidert, wenn man einen Fußgänger passiert.

        Bestimmt ist ja auch der Betrieb eines Kinderwagens ohnehin schon ein Stressfaktor, so dass man die gewisse Leichtigkeit verliert.

        Noch einmal anders wird die Situation übrigens, wenn man Tandem mit Kinderanhänger fährt, das ist nicht wirklich handlich. Da rennen die Leute aber, auch wenn man auf separaten Radwegen fährt, fast bewusst direkt auf das Rad zu, so dass am Ende sogar eine Airzound nötig war.

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        • Sicher muss man auch unterscheiden, wie die örtlichen Gegebenheiten sind: Wie breit ist der Weg? Wie viel Verkehr ist dort? ..

          Der Weg, den ich im Hinterkopf hatte, ist außerorts, für beide Richtungen gleichermaßen, und ohne Trennung von Fußgänger und Radfahrern. Die Strecke ist ziemlich gerade und mehrere hundert Meter im Voraus einsehbar.
          Theoretisch passen dort drei Radfahrer oder vier Fußgänger problemlos nebeneinander.
          Es ist nicht allzu viel los. Immerhin wird man als Fußgänger alle paar hundert Meter von einem Radfahrer überholt, so dass das keine größere Überraschung sein dürfte. Der Radfahrer kann die vorhandene Breite des Weges ausnutzen, und hält dann genügend Abstand, um dem Fußgänger nicht erschreckend nahe zu kommen. Deswegen will ich wirklich nicht alle paar Minuten angeklingelt werden.

          Von mir bekannten Radfahrern kenne ich auch die andere Perspektive.
          Da fährt einer einen abschüssigen Waldweg hinunter, vielleicht eine größere Last auf dem Gepäckträger, und unten stehen – über die gesamte Breite des Weges verteilt – mehrere Leute mit Hunden und unterhalten sich.
          Er klingelt und klingelt, aber die rühren sich überhaupt nicht. Er muss schließlich stark bremsen und absteigen, oder gerät selbst ins Schleudern, stürzt, oder wird von einem der Hunde angegriffen, oder …

          Zur Rücksicht gehört es halt auch, andere Verkehrsteilnehmer nicht unnötig zu behindern. Wenn Fahrradklingeln nicht mehr beachtet wird, weil die Leute abgestumpft sind, können gefährliche Situationen nicht mehr durch eine rechtzeitige Warnung entschärft werden.

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  8. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich kann Fahrradfahrer nicht ausstehen. Immer schon.
    Im Wald gehört das ganz verboten.

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  9. ednong schreibt:

    Eigentlich zu allen von dir angesprochenen Problemen gibt es Gesetze. Ganz besonders das der Rücksichtnahme auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer.

    Nur leider werden diese Gesetze zu selten umgesetzt und noch seltener kontrolliert. Fahrradfahrer, selbst auf eigenen Radwegen, die an Bushaltestellen vorbeiführen, müssen rücksichtsvoll und langsam fahren.

    Dazu kommt, dass die Gestaltung bzw. deren Führung ziemlich lieblos erfolgt. Bei Verkehrskreuzungen steht man vielfach auf Radwegen als Autofahrer, damit man den Verkehr richtig beobachten kann.

    Ebenso werden Absenkungen irgendwie irgendwo lieblos an einen Fußweg angeklatscht, natürlich im Bereich von Parkbuchten. Da sind Konflikte schon vorprogrammiert. So richtig durchdacht ist vieles nicht. Und leider fällt es auch immer mehr Verkehrsteilnehmern schwer, Rücksicht auf andere zu nehmen. Die ganze Hektik des Arbeitstages findet sich meist auch im Verkehr wieder. Traurig.

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    • Gerade innerhalb von Städten reicht oft der Platz nicht, um alle Gruppen von Verkehrsteilnehmern angemessen zu berücksichtigen.
      Da müssen sich Fußgänger und Radfahrer oft einen schmalen Streifen teilen, nur damit der motorisierte Verkehr mehrspurig verlaufen kann.

      Du hast recht. Vieles ist nicht gut durchdacht. Einiges könnte man sicherlich besser machen.

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      • ednong schreibt:

        Ja,
        wobei Städte ja inzwischen dazu übergehen, Radwege nicht mehr als solche zu kennzeichen (also die farbig abgetrennten Streifen auf den Gehwegen). Damit sind diese mWn nicht nur nicht benutzungspflichtig, sondern dürfen auch nicht mehr von Radfahrern genutzt werden. Diese müssten dann auf der Fahrbahn fahren. Wissen nur viele nicht, auch Autofahrer nicht.

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