Muttitasking //2548

Meine Schwester sagte einmal sinngemäß, dass sie sich ein paar zusätzliche Arme habe wachsen lassen, seit sie Mutter ist. Das war zwar scherzhaft gemeint, aber es ist schon etwas dran.
Als Mutter lernt man es verstärkt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.

Ziemlich schnell hatte ich den Bogen raus, mit einem Arm den gestillt werdenden Säugling zu halten, mit der anderen Hand die Eingabegeräte meines Rechners zu bedienen. Es bremste mich schon etwas aus, aber es ging, so dass ich vielen Tätigkeiten fast unverändert weiter nachgehen konnte. Die meiste Hirnprozessorzeit wird eh zum Nachdenken verbraten.
[Inzwischen ist das etwas schwieriger geworden, da genannter Säugling mittlerweile selbst gerne nach Tastatur und Mouse greift, und bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf patschen will.]

Die Betreuung eines Kindes erfordert einiges an zusätzlichem Aufwand und zumindest Bereitschaft rund um die Uhr. Die Inflation des Dreckwäscheberges ist dabei nur die Spitze des Eisberges.
Vieles ist Übung, es simultan zu tun. Manchmal singe ich beim Wickeln, manchmal überlege ich gleichzeitig andere Dinge, die damit nichts zu tun haben.
Ich kann inzwischen auf einem Arm das Baby tragen, während ich mit ihm herumtanze und beispielsweise gerade den Tisch zum Essen decke.

Man muss wirklich vieles zusätzlich im Kopf haben. Wann ist wieder eine U-ntersuchung fällig? Wann eine Impfung? Die Kleidung des Babys wird schon wieder zu klein. Wo kriegt man bei geschlossenen Geschäften Ersatz her? Die Fluorid-Tabletten gehen zur Neige. Verdammt, schon wieder ist meine Bluse reif für die Wäsche! Was ziehe ich dann morgen an, wenn ich einen Termin habe? Und zwischendurch fällt dann ein Rad vom Buggy ab. Vom ganzen normalen Alltagswahnsinn, der nichts mit dem Baby zu tun hat, gar nicht zu reden.
Der Zeitgeist hat dafür den Begriff „Mental Load“ geprägt. All die Kleinigkeiten, die man im Kopf haben muss, und ja nicht vergessen darf.
Zum Glück war ich schon früher immer gut organisiert. Nur spontane Änderungen meiner Planungen stellen für mich immer noch eine Herausforderung dar. Als Mutter gewinne ich jedoch Gelassenheit.

Eigentlich wollte ich hier noch einige Punkte mehr schreiben, hab es aber vergessen. Blame it on the Stilldemenz.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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26 Antworten zu Muttitasking //2548

  1. Sempersolus schreibt:

    Verleser des Tages: Muttitasking statt Multitasking.

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  2. keloph schreibt:

    nothing to blame. that’s life. mein kurzer und seine liebste kommen damit eher nicht gut zurecht. aber da müssen sie durch.

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich hab die Zeit sehr genossen und war die Ruhe selbst.
    Man darf halt nicht zu pingelig sein und muss auch mal was liegen lassen können.
    Vom ständigen Wechseln der Oberteile ganz abgesehen.
    Zuhause sieht die Milchflecken ohnehin keiner.
    Für die PC-Zeiten hatte ich einen Laufstall in Sichtweite. Das hat auch im Büro geklappt.

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  4. Leser schreibt:

    Ich habe eine Freundin, die ist Mutter von 3 Kindern. OK, die sind alle schon ein bisschen größer (13, 10, 6/7), aber ich bewundere sie, dass sie das so hinbekommt (und hat sie ja auch, als die noch kleiner waren). Ich war da mal auf dem Kindergeburtstag des mittleren Kindes als „Helfer“ eingeladen, und die Mutter hat sich richtig Mühe gegeben, für die Kinder eine „Schatzsuche“ mit in den Wald gehen, in den Keller usw., zu entwickeln, mitsamt einer Geschichte aus einem Buch, was das Kind am lesen war, und an jeder Station war ein anderer Sinn angesprochen (z.B. verschiedene Gerüche mit verbundenen Augen erkennen usw.), das hat mir riesigen Respekt abgerungen! Ich wünsche mir seitdem, dass alle Kinder so tolle Mütter haben, die diese verantwortungsvolle Aufgabe so grandios meistern (auch wenn sie selbst als Perfektionistin immer wieder noch etwas findet, wo ein Fehler drin war, aber den Kindern war das natürlich egal)…

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  5. ednong schreibt:

    Muttitasking, hehe, sehr schön 😉

    Ja, ich glaube Gelassenheit ist im Fall eines Kindes immer eine gute Wahl.

    Gefällt 2 Personen

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