Paradigmenwechsel //2536

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schreibe ich diesen Beitrag.
Diese pandämlichen Zeiten sind schwer für uns alle. Für Unternehmer gibt es besondere Herausforderungen. Manche Entscheidungen sind zu treffen. Nicht immer ist abzusehen, welche Folgen sich daraus ergeben. Oftmals muss man sich zu etwas durchringen, was man zu anderen Zeiten niemals in Erwägung gezogen hätte.

Tja, ich merke, dass ich um den heißen Brei herumrede.
Also in aller Kürze und Direktheit: Wir werden Novosyx verkaufen.

So wie es seit über einem Jahr hier läuft, hat die Firma keine Zukunft mehr. Es liegt nicht an fehlenden Aufträgen, aber das ganze Drumherum ist inzwischen zur Belastung und nicht mehr tragbar geworden. Gerade im letzten Jahr war das Geschäftsleben nur noch ein Kampf – mit gebrochenen Lieferketten, ausgefallenen Mitarbeitern und immer neuen zusätzlichen gesetzlichen Pflichten und bürokratischen Hürden. Hierzulande weiß die Bevölkerung überhaupt nicht zu schätzen, dass sie ihren Wohlstand vor allem (mittelständischen) Wirtschaftsunternehmen wie dem unseren verdankt.

Schon öfters waren chinesische Investoren an uns herangetreten und hatten ihr Interesse an der Firma bekundet. Früher hatte Carsten bei solchen Angeboten immer abgewunken, aber mittlerweile ist er zermürbt und hat resigniert. Die Chinesen werden uns einen guten Preis zahlen, mehr als man in Zukunft noch erwarten könnte, wenn alles um uns herum bergab gegangen ist.
Die Abwicklung wird noch einige Zeit dauern, aber ist eingeleitet.

Carsten setzt sich halt ein paar Jahre früher zur Ruhe, als bisher geplant. Er wird seine Zeit genießen und Johannes mehr Aufmerksamkeit widmen können.
Ich programmiere ein wenig nach Lust und Laune, werde noch an einigen fachlichen Projekten arbeiten, und wesentlich mehr Zeit für meine wissenschaftlichen Forschungen übrig haben. Langweilen werde ich mich bestimmt nicht.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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50 Antworten zu Paradigmenwechsel //2536

  1. mijonisreise schreibt:

    Ich drücke kein *Like*, weil ich es schade finde.
    Andererseits, wenn ihr einen guten Schnitt machen könnt, nachvollziehbar und verständlich.
    Ich wünsch Euch eine gute „Wechselzeit“.

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  2. Sempersolus schreibt:

    Diese merkwürdige Krise stellt viele Dinge auf den Kopf.

    Aus deinem Beitrag lese ich zunächst ein wenig Trauer und Resignation. Das verstehe ich sehr gut. Der Plan, den man sich vielleicht im Kopf zurechtgelegt hatte scheint nicht mehr aufzugehen. Ein Unternehmen, in das ein großer Teil der eigenen Lebenszeit und des eigenen Herzblutes geflossen war aufzugeben, das fällt schwer. Kein „dingliches Erbe“, sondern „nur Geld“ wird alles sein, was davon übrig bleibt. Und natürlich verbindet sich damit eine gehörige Portion von Wut, sieht man sich z. B. aktuell die Dividendenausschüttungen bei Mercedes an, mit Steuergeldern und jetzt auch Kurzarbeitergeldern von je her mächtig gestützt, während der Mittelstand mit immer neuen Auflagen und Vorschriften wohl eher erstickt werden soll, so scheint´s.

    Wir werden noch viele Geschäftsaufgaben, -verkäufe oder Konkurse sehen in den Folgejahren. Umgekehrt werden wir erleben, dass der, der es sich aufgrund seiner Kapitaldecke leisten kann sich antizyklisch verhält und preiswert kauft, gerade jetzt schon für den Neustart plant (wenn und wann immer der auch kommen mag). Ich sehe auch schon die nationalistischer gestimmten „Ökonomiefachleute“: „Verkauf, na gut, aber muss es ausgerechnet China sein?“. Euch „Fachleuten“ kann man nur vorwerfen: Unser Staat hat nichts dagegen getan, dass eben dort die mittelständische Wirtschaft boomt und hier halt nicht mehr so, wie dazumal.

    Dann aber denke ich, und das geht ja nicht nur Dir und Carsten alleine so: Vielleicht ist dieser vermeintlich aufgezwungene Paradigmenwechsel auch eine große Chance. Die Chance auf Leben, die Chance für eine Konzentration auf das wirklich Wichtige. Natürlich bringt auch das Herausforderungen mit sich. Wird man sich nicht furchtbar auf den Geist gehen, wenn die Firma nicht mehr da ist und stattdessen sehr viel mehr gemeinsame Zeit? Wird man den Groll und die Resignation ablegen können, der doch mit dem nicht erwarteten Kauf verbundenen bleibt?

    Ich wünsche euch, dass ihr so neu zu leben lernt und der neue Weg ein fruchtbarer wird! Euren gesellschaftlichen Beitrag geleistet, wenn es denn so etwas gibt, das habt ihr allemal. Jetzt ist die Zeit für euch.

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  3. keloph schreibt:

    wenn es genug substanz hat, ist es wohl eher eine gute entscheidung. obwohl ich den ausverkauf der deutschen (mittelständischen) industrie eher nicht gut finde. ein freund von mir ist vor einem jahr den gleichen weg (aber nicht china) gegangen, und………glücklich damit. als unternehmer kann, darf und muss man solche entscheidungen fällen. viel erfolg damit.

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  4. Mika schreibt:

    Man beachte das Datum 🙂

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  5. Mia schreibt:

    April, April.
    „Wir werden Novosyx verkaufen.“ Spätestens ab hier war der April-Scherz offensichtlich.

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  6. Christian_who schreibt:

    Es kommt etwas neues.
    Das habe ich schon wirklich oft erlebt.
    jetzt erst merke ich, das ich Dir schon über 10 Jahre folge.
    Ich folge Dir sehr gerne 🙂

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  7. Ochmonek schreibt:

    Solche Entscheindungen wollen gut überlegt sein. Schlaf noch mal ’ne Nacht drüber.

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  8. Mb schreibt:

    Nach zwei Stunden ist bei mir der Groschen gefallen….

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  9. blindfoldedwoman schreibt:

    Schön, dass Du bestimmte Traditionen weiter aufrecht erhältst

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  10. Ochmonek schreibt:

    Ich glaube auch, dass die beiden bereits einige Nächte darüber geschlafen haben. Sonst hätte ich hier nicht so einen Horoskopspruch rausgehauen.

    Sie stehen vor einer folgenschweren Entscheidung. Schlafen Sie eine Nacht darüber. Vielleicht sehen Sie die Sache dann ganz anders. (Nach einem Blick auf den Kalender.)

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  11. idgie13 schreibt:

    Angesichts des Datums vermute (und hoffe) ich, dass die Welt morgen schon wieder anders ausschaut 😉

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  12. Papa und alleinerziehend schreibt:

    April, April?

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  13. ronin schreibt:

    Daran, wie schwierig es geworden ist, einen Aprilscherz von einer ernsthaften Meldung zu unterscheiden, merkt man, in welchen Zeiten wir leben.

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  14. blindfoldedwoman schreibt:

    Wo ist mein Kommentar denn hin?

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  15. ednong schreibt:

    Wah? Woher der plötzliche Wechsel? Bei dir kann ich mir das halbwegs noch vorstellen, aber Carsten? Irgendwie nicht vorstellbar.

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  16. ednong schreibt:

    Ah,
    wie gut, dass man das Kommentarfeld im mobilen Theme oberhalb der anderen Kommentare hat ….

    Völlig verpeilt,dass heut der 1. April ist. Dann ist ja alles gut.

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  17. Plietsche Jung schreibt:

    Nicht schlecht gemacht, Anne 😉

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