Loswerding My Religion //2482

Gleichgültig, ob man die „Taufe“ meines Kindes als gültig ansieht, oder nicht, es gab bei meinem Blogeintrag ein größeres Interesse. Über kirchenrechtliche und theologische Spitzfindigkeiten möchte ich mich hier nicht auslassen, aber vielleicht wäre es für euch ja mal ganz interessant einen Blick zurück auf meine religiöse Vergangenheit zu werfen.

Entgegen meiner sonstiger Gepflogenheiten beginne ich mit einem längeren Zitat eines amerikanischen Bischofs:
„Ehemalige Katholiken .. gibt es nicht. Wenn Sie katholisch getauft sind, dann sind Sie ein Leben lang katholisch, sogar wenn Sie dies widerrufen haben oder in eine andere Kirche eingetreten sind. Die Taufe hat in Ihre Seele sozusagen katholische DNA eingegossen – die Taufe definiert, wer und was Sie sind.“
Ist das nicht eine unerhörte Dreistigkeit und Anmaßung? Und irgendwie auch infantil, da realitätsverweigernd.

Aber fangen wir am Anfang an.
Wenige Wochen nach meiner Geburt wurde ich katholisch getauft. Naturgemäß konnte ich weder meine Einwilligung noch meine Ablehnung dazu kund tun. Mit meiner Taufpatin habe ich mich aber immer gut verstanden. Bis zu meiner Einschulung kam sie am Anfang jedes Jahres zu Besuch und brachte Geschenke.
Von klein auf waren mir Geschichten über Engel, Heilige, Bibelgestalten so vertraut, dass ich sie für die selbstverständliche Wahrheit halten musste.
Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in der Kirche verbracht habe. Jeden Sonntag eine Stunde, an Feiertagen leicht anderthalb, unter der Woche ein- oder zweimal jeweils etwa eine halbe Stunde. Dazu kamen noch gelegentliche Kirchenbesuch für Ereignisse wie Trauerfeiern oder Rosenkranzbeten.
Dazu kamen Gebete außerhalb der Kirche: Morgengebete, Tischgebete, Nachtgebete, ..
An Fronleichnam, Allerheiligen und Allerseelen ging es zum Beten auf den Friedhof .. von der Grabpflege ganz zu schweigen.

Den Religionsunterricht in der Schule (zwei Wochenstunden dreizehn Jahre lang) will ich gar nicht mitrechnen. Hätte ich den nicht gehabt, wäre stattdessen Ethik Unterrichtsfach gewesen.
Als Vorbereitung für Kommunion, Beichte und Firmung gab es aber auch noch außerschulischen Religionsunterricht.

Bei meiner Kommunion war ich noch recht unbedarft und leichtgläubig. Außerdem gab es eine große Familienfeier, ich bekam ein extra Kleid dafür, und viele Geschenke. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. [Von einer Verwandten im Kloster bekam ich ein Reliefbild geschenkt, das die jungfräuliche Mutter Maria und das nackige Jesuskind darstellte (erkennbar an den Heiligenscheinen). Viel Mühe mit dem Penis hatte sich der Künstler aber nicht gegeben. Das war nur so ein verschlenkertes Anhängsel. Einerseits ist die Kirche immer so prüde, andererseits regelrecht besessen von den Genitalien kleiner Knaben.]
Bei der Firmung dagegen war ich größtenteils bereits vom Glauben abgefallen, aber noch nicht endgültig. Außerdem – ich sag’s ganz ehrlich – wollte ich neue Kleider dafür, wollte, dass meine Firmpatin kommt, mit ihr und meiner Familie in einem Restaurant essen gehen (was wir sonst nie machten), und auch Geschenke. Dieser Pragmatismus war stärker als meine Glaubenszweifel.
Als ich mich mit IIRC etwa 15 Jahren weigerte, zur Beichte zu gehen, war das für meine Mutter eine Katastrophe. Ich blieb trotz ihrer Tränen konsequent, ging aber nach wie vor noch regelmäßig zur Kirche.
Erst als ich nicht mehr daheim wohnte, weil ich mein Studium begonnen hatte, ging ich seltener – nämlich nur noch, wenn ich in der alten Heimat war.

Ansonsten war mir Religion, Glauben, Kirche und der ganze Schmus völlig egal.
Als sich mein Studium dem Ende näherte, war mir klar, dass ich etwas tun musste, um als spätere Arbeitnehmerin keine Kirchensteuer zahlen zu müssen. Also ging ich ins Rathaus der Universitätsstadt und erledigte den Kirchenaustritt. Sie knöpften mir für die Wahrnehmung meines Rechtes, mich von Religion freizumachen, sogar noch Gebühren ab, obwohl ich dem Verein niemals freiwillig beigetreten war. Monatelang befürchtete ich, dass sie meinen Austritt dem heimatlichen Pfarrer mitteilen würden, und der es meinen Eltern sagen würde, aber da passierte nichts.
Die drohenden Kirchensteuern waren aber nur der Anlass, nicht die Ursache für meinen Austritt. Als Naturwissenschaftlerin glaube ich schlicht nicht an irgendwelche übernatürlichen, allmächtigen Wesen (und ja – das ist ein Glaube, definitiv wissen kann man es nicht, ich setze die Wahrscheinlichkeit dafür irgendwo bei 2 hoch minus Googolplex an, also so verschwindend gering, dass eine Pascal’sche Wette entbehrlich ist, während der Unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb dagegen sogar noch plausibel erscheint).

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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39 Antworten zu Loswerding My Religion //2482

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hm, bei mir hat sich damals der Pfarrer der für mich zuständigen Kirche gemeldet und wollte wissen, warum ich ausgetreten bin und was man machen könnte um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Wenn’s um’s Geld geht, werden die Pfaffen plötzlich rührig.

    Auch der war davon überzeugt, daß die Taufe ewig gültig sei. Was die Kirche mal in den Krallen hat, will sie halt nicht mehr hergeben. War ein interessanter Brief den mir der Pfarrer da handgeschrieben hat. Voll von Abstrusitäten, verdeckten Drohungen (Höllenfeuer, ewige Verdammnis), usw. Das war Mitte der ’80er und der Mann hat seine Religion wohl sehr ernst genommen. Er wollte die verlorene Seele und sein Kirchgeld wohl unbedingt retten ^_^

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    • Keine Ahnung, ob der heimische Pfarrer überhaupt davon erfahren hat. Vielleicht hat er es auch ignoriert.
      Jedenfalls habe ich nie von einer Reaktion auf meinen Austritt erfahren.

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      • Sempersolus schreibt:

        It is not all about „Loswerding Your Religion“, is it?

        Es geht um Familiengeflechte und Introjekte. Ob Pfarrer rückmelden ist doch scheissegal, wie kann jemanden etwas interessieren oder ärgern, was doch eigentlich gleichgültig sein soll? Wenn die Heiligen der letzten Tage an meiner Tür klingeln, denke ich nach dem Schließen der Tür keine Minute mehr darüber nach und wenn, dann belustigt.

        Reaktionen der doch eigentlich geliebten Mutter und ihrem gelebten Wahn / Glauben / Irgendwas, DIE sind dir wichtig genauso wie DEIN standing. Und das ist doch gut und richtig so.

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  2. Sempersolus schreibt:

    Wir beide hatten eine ähnliche Vita, so weit es die „religiöse Erziehung“ betrifft. Na gut: Ich hatte einen Kommunionanzug und kein -kleid und durfte gelegentlich im Schulgottesdienst als Lektor und Messdiener auftreten, und Fronleichnam ist man natürlich durch die Gemeinde prozessiert, aber sonst … . In meinem Dörfchen und unserem sozialen Umfeld wäre es undenkbar gewesen, „nicht dabei“ zu sein. Was hätte man sonst Sonntags gemacht? Etwa den freien Tag im Bett verbracht, womöglich gar gevögelt, ohne verheiratet zu sein? Da riskierte man lieber Blindheit oder Rückenmarkschwund, das schien weit weniger beeinträchtigend als ewige Verdammnis und irgendwie hatte ich mich sogar bei meiner Kommunion durch Krankheit vor der Beichte gedrückt, das kam mir dabei gut zu Pass.

    Schon Protestant zu sein galt als anrüchig und unter einem Moslem stellte man sich prototypisch einen in Bettlaken gehüllten Mann mit krummem Säbel vor, wahlweise später auch Ayatholla Khomeini, also langer, weißer Bart und finsterer Blick, womöglich auch noch Kommunist! Selbst von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte man nie einen und den Brauch der Hadsch hatte (der spätestens heute ja auch nicht mehr politisch korrekte) Karl May erklärt. Und ja: Frauen schienen dadurch ganz automatisch eine zurückgesetzte Kaste zweiter Klasse zu sein, nicht expressis verbis, aber Messdienerinnen gab es schonmal nicht, oder gar Frauen als Priester? Lächerlich! Die durften den Kuchen beim Pfarrfest backen oder maximal Kindergärtnerin sein. Kurzum: Das ganze alte Spießerprogramm mit Fernsehen noch ohne RTL und SAT1, Wählscheibentelefon, Postmonopol, Stadtbücherei statt Internet und zitternden Fingern beim Anklemmen des „illegalen“ 1200 Bd Hayes an die alte Anschlussdose (ohne TAE) mit Bulletin Board Software auf dem 64er, noch sooo weit vor Gopher für Windows 3.0.

    Meine Interesse für Elektronik und Physik forderten im Verlauf einen handfesteren Umgang mit der Welt. Die Welt zurückzuführen auf Logik, eins und null, das schien mir gut. Die Begründung, die Angela Merkel gestern in ungekannt offener Weise für ihren Berufswunsch anführte kann ich gut nachfühlen: Schwerkraft bleibt immer Schwerkraft und ist nicht verhandelbar. Ich war überzeugt davon, später einmal Physik zu studieren oder mindestens Elektrotechnik. Religion und insbesondere, was Amtskirche daraus machte ging mich nicht mehr viel an. Mein Dasein in Gottesdiensten, von der Familie erwartet, kam mir nur noch hohl und erzwungen vor. Ich verstand mich als Fan des Beweisbaren und nicht als Adept der Philosophie und lediglich Zeit verschwendenden Sabbelei.

    Unterschiedlich abgebogen sind wir, als ich auf das allfällige Zitat von Albert Einstein in seinem Brief an Max Born gestoßen bin: „Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns nicht näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt.“. Er, der als hochverehrter Nestor der Naturwissenschaft gelten darf, redet von Gott und liest Spinoza? Und spätestens als mein Physiklehrer (immer noch Dank für dessen Grundausbildung) dann von Wahrscheinlichkeiten statt Gewissheiten zu reden begann, bekam auch mein Weltbild von Einsen und Nullen einen Knacks. Na klar: irgend ein Prinzip könnte hinter all dem stehen, was Naturwissenschaft doch letztlich nur so krampfhaft zu deuten versucht. Ist 42 tatsächlich die Antwort darauf? Stanislaw Lems Bücher habe ich verschlungen zu der Zeit. Am Ende (und ich hoffe, es ist noch nicht ganz das Ende) stehe ich heute mit staunender, oft auch zynischer Sicht auf das Leben da. Manchmal schwermütig grübelnd, oft auch leichtsinnig, ein wenig wie sein Pilot Pirx.

    „Meiner“ Kirche habe ich noch nicht goodbye gesagt, ich schätze die Vorstellung, dass man mich zum Schluss nicht einfach nur irgendwo verscharrt, es soll etwas festlich sein, mit Wohlfühlcharakter, da schlägt meine Erziehungshistorie wieder durch. Ich will kein „ey-du,-lass-uns-das-ganz-spontan-machen,-wir-legen-den-hier-unter-die-Baumwurzel“ Event. Ich will, dass ein Sinn erkennbar ist, nur für mich. Ich möchte am Ende sagen können: „Jo, war gut und ausreichend“ oder wenigstens: „Der hat zumindest nicht so vielen Leuten geschadet, wie manch anderer.“.

    Ja, Glaube ist auch mein Sammelbecken für das Unerklärliche. Ich stelle mir Gott nicht als Mann auf einer Wolke vor, Gott ist ein Prinzip, die Handreichung für meinen Lebensweg. Dass dumme alte Männer glauben, sie könnten das für mich in eine apodiktische Form pressen: Lächerliche Machtgelüste! Brauch ich nicht, … ich kann aber drüber schmunzeln oder mich sogar ärgern und zum schmerzhaften Splitter in deren Arsch werden. Gerade hat der Pastor „meiner“ Gemeinde einen Brief an seinen Kardinal verfasst und öffentlich gemacht. Darin prangert er die unfassbare Bigotterie eben dieses „Vorgesetzten“ unüberhörbar an, konkreter Anlass: Der unglaublich schlechte Umgang mit Missbrauch in „der Kirche“ und dessen vermeintlicher Aufklärung. Fremdscham dafür, das ist nicht „meine“ Kirche, das sind verstrahlte Mitglieder (leider auch noch in leitender Position).

    Um denen das Handwerk zu legen verteidige ich meine Überzeugungen. Denn ich weiß, was die längst vergessen haben: Religion ist nichts strahlendes, nach außen gerichtetes, es sei denn über freundliches Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Religion ist etwas urpersönliches, eigenes, etwas für mich. Das kann jede Form haben. Wer bin ich, zu behaupten, ob die falsch oder richtig ist?

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    • Moboscho schreibt:

      Ich schließe mich insbesondere dem letzten Abschnitt von Sempersolus‘ Ausführungen an. Auch für mich ist Religion Privatsache. Solange grundgesetzliche Grenzen beachtet werden, kann für sich jeder sein (Seelen-)Leben leben, wie er/sie/divers es für sich als wichtig, richtig oder notwendig erachtet. Und im Gegenzug nehme ich das auch für mich in Anspruch. 🙂

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      • Wenn’s nur so wäre, dass Religion Privatsache wäre, aber auch Ungläubige werden auf Schritt und Tritt mit Religion konfrontiert.
        Glockengeläute und Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden kann ich persönlich ignorieren, aber schon das Advents- und Weihnachtsbrimborium, dem man nicht entrinnnen kann, nervt mich.
        Wodurch ist es beispielsweise legitimiert, Ungläubigen an stillen Feiertagen ein Tanzverbot aufzudrücken?
        Warum überhaupt darf ich an Sonn- und Feiertagen keine Lebensmittel einkaufen, obwohl Bekenntnislose eigentlich die größte konfessionelle Gruppe in unserem Staat ausmachen?

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        • Sempersolus schreibt:

          Google: Laut einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2018 ordneten sich 64,2 Prozent der in Deutschland Befragten einer christlichen Religionsgemeinschaft zu. (vgl. dagegen Wikipedia: 56 Prozent in 2018, puh, gerade noch).

          Aber ich stimme dir absolut zu: Religion wie Bekenntnislosigkeit dürfen nicht aufdringlich sein, doch haben Menschen offenbar einen unstillbaren Drang zu Gruppendynamik. Ob 1. FC Schalke 04, BMW-Fahrer, verdi, Thermomixjünger oder katholisch – immer „mein Verein“ inklusive Abteilungen für „Wächter der wahren Lehre“ und „Mission in Afrika oder anderswo“. Und wie oft bilden sich bei der Ausübung der Interessen jeder dieser Gruppen ungeahnt unwahrscheinlich groteske Allianzen (wie man sie aktuell z. B. bei Menschen mit nicht vertikal gerichteter Denkweise und dem Selbsthilfeverein der Anonymen Psychopathen u.a. erkennen kann – oder eben auch zwischen verdi und katholisch, soweit es Sonntagsarbeit betrifft, na gut, bei verdi vielleicht auch Arbeit überhaupt, wo bleibt die 10 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich?).

          Dabei ist Religion gar keine Frage von Mehrheiten und „Amtskirche“ nur furchtbar selbstüberschätzt und machtgierig. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass irgendein Schlaumeier das „tu es petrus …“ aus reinem Eigennutz und erst nachträglich in das Matthäusevangelium hineingeflickt hat – und dann nahm die Historie ihren Lauf bis zu Lebkuchen und Spekulatius in den Geschäften schon ab Ende Juli, alles sehr ungesund.

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    • Leser schreibt:

      Ist es nicht unlogisch, solche Wünsche über Dein Begräbnis zu haben? Weil, letzten Endes wirst Du es ja doch nicht mehr mitbekommen (hoffen wir zumindest mal, niemand will lebendig begraben werden), also kann es Dir doch eigentlich auch egal sein?

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      • Sempersolus schreibt:

        Ja, natürlich ist das unlogisch, darum schrieb ich auch: das ist Ergebnis meiner Erziehungshistorie. Das ist genau so unlogisch, wie … die Eltern „zu lieben“ (na gut, vielleicht noch biologisch sinnvoll), einen anderen Menschen an eigenen Emotionen oder ohne Gegenleistungen am eigenen Vermögen teilhaben zu lassen, zu heiraten (besonders absurd!) oder ein Kind in die Welt zu setzen, obwohl man doch genau weiß, dass das nur eine Gaukelei, ein Taschenspielertrick der Natur mit Hormonwirkungen mit dem Ergebnis erheblicher persönlicher Nachteile ist.

        Konsequent zu Ende gedacht müsste man in Kenntnis all dieser Unlogik einfach alles tun (einschließlich geschickter Formen von Raubmord und Erpressung), um in die eigene beschränkte Lebenszeit möglichst viel Erlebnis und Bewegung zu packen – und doch gibt es Netflix und die Caritas.

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      • Sempersolus schreibt:

        Nachtrag: natürlich kann ich auch nicht sagen, ob ich von meinem Begräbnis nichts mehr mitbekomme, denn ich hatte noch keine Gelegenheit zur Teilnahme. Ich werde aber gerne berichten, wenn es so weit ist und habe mir das extra vorgemerkt. Wohin soll die Spuknachricht denn gehen (gibt es im Netz eigentlich einen Dienstanbieter, der Emails auch mit langer Verzögerung zeitversetzt verschickt 🤔)?

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  3. Sabrina Seerose schreibt:

    Rationalität ist sehr gut, und sicherlich unverzichtbar für unser Leben in den begrenzten Dimensionen unserer Alltagswelt im hier und jetzt. Ob sich allein damit aber die ganze kosmische Realität für uns erfassen läßt, da habe ich meine Zweifel.
    Bereits die Welt unserer Gefühle und Emotionen ist nur begrenzt rational zugänglich, und ich bedaure die Menschen, die sich diesen Aspekten gegenüber verschließen, da ich immer wieder erlebe, wie arm diese Menschen letztlich sind.
    Glaube, Intuition und Spiritualität sind für mich unabhängig von religiösen Institutionen und Zwängen, welche aus meiner Sicht diesen wichtigen Aspekten meistens sogar stark abträglich sind!

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    • Das soll jeder halten, wie er mag. Ich rede niemanden rein.
      Für mich persönlich sind jedoch Konzepte wie Spiritualität oder Esoterik völlig bedeutungslos.

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      • Sempersolus schreibt:

        Dass du nichts glaubst, glaube ich nicht 😉

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        • Mein Glaube ist, dass es keine mystisch-mythischen Wesen gibt.
          Ich glaube an die Existenz der Natur.

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          • Sempersolus schreibt:

            Ein fabelhafter Beginn für einen philosophischen Diskurs (der leider nicht zu beenden ist, darum schließe ich ihn von meiner Seite nach diesem Denkanstoß). Ist z. B. ein Boson (die Rechtschreibkorrektur schlägt gerade Bison vor, geht prinzipiell auch) nur deshalb existenter, weil es in unserem Alltag erlebbarer ist (wenn überhaupt, zumindest was Bosonen angeht und auch Bisons sehe ich nicht jeden Tag), als mystisch-mythisches (was konkret?) z. B. aus der religiösen Grabbelkiste? Wie viel Empirie (Maßeinheit?) braucht es, damit aus Glauben Gewissheit wird?

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            • Stimmt, das könnte auf eine äußerst interessante, aber vermutlich ausufernde Diskussion hinauslaufen.
              Dafür fehlt mir denn doch aktuell die Muße und der Sinn, so dass ich lediglich einen einzelnen Aspekt betrachten möchte:
              Für empirische Wissenschaften ist eine Reproduzierbarkeit unerlässich. Ein Experiment, das jedesmal andere Ergebnisse liefert, ist zumindest noch nicht richtig verstanden. Wenn ich die Halbwertszeit eines radioaktiven Isotops kenne, dann weiß ich nicht, ob ein bestimmter Kern innerhalb dieser Zeit zerfällt, oder erst danach. Aber wenn ich 10 hoch zig dieser Kerne habe, wird statistisch die Hälfte davon bis zur Halbwertszeit zerfallen sein. Diese Erkenntnis ist gesichert. Und nach einer weiteren Halbwertszeit ist nur noch ein Viertel der Kerne des Ursprungsisotops übrig. Wenn ich mit einer neuen Probe beginne, dann wieder genauso – reproduzierbar eben.
              Reproduzierbar ist auch, dass die Sonne jeden Morgen aufgeht (vergessen wir mal die Polarregionen), aber über das Jahr verteilt zu unterschiedlichen Zeiten, und auch abhängig vom Ort. Komplizierte Dynamik, aber grundsätzlich verstanden. Das war es früher nicht, weshalb z.B. Sonnenfinsternisse dann irgendwelchen Göttern oder sonstigen Mächten zugeschrieben wurden.

              Weil du Bosonen angesprochen hast (Eichbosonen sind im Alltag eigentlich nicht direkt beobachtbar, da sie als Austauschteilchen wirken, die die Kräfte zwischen den Fermionen vermitteln, die unsere materielle Welt ausmachen) – der vor wenigen Jahren erfolgte Nachweis des skalaren Higgs-Bosons kann mit geeigneten Beschleunigern wiederholt werden. Bei gleichen Voraussetzungen erhält man (innerhalb der statistischen Schwankungsbreite) wieder das gleiche Ergebnis.
              Götter, Hellsehen, Spukphänomene, Osterhasen, Homöopathie, Telekinese u. dgl. dagegen lassen sich unter kontrollierten Bedingungen nicht reproduzieren.

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        • Mia schreibt:

          Man glaubt, woran man kann, nicht, woran man will. Außer man ist ein Idiot, dann ist es genau umgekehrt.

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        • Michael schreibt:

          Also ich glaube, dass der Schwartenmagen die dickste Wurst ist. Diesen Glauben teile ich übrigens mit den meisten Pfälzern.

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  4. keloph schreibt:

    für mich ist religion der gewählte ansatz, um dem menschen seine kleinwurstigkeit erträglich zu machen: alles, was er nicht versteht, wird mit der geheimen macht eines gottes oder ähnlich erklärt. das ist so als kompromiss und gedankenmodell in ordnung und man kann damit leben, wenn nicht die vertreter aller religionen (buddhismus ausgenommen vielleicht) versucht hätten, mit schwert und feuer ihren glauben auszudehnen. das ist höchstgradig verwerflich. mich hat seinerzeit der standesbeamte (ein staatsdiener!) entkommuniziert, nachem ich dem lokalen pastor erklärt habe, warum ich austreten werde. merke: der staat treibt für die kirchen STEUERN ein und hat die aufgabe, eine exkommunikation vorzunehmen. soviel zum thema trennung staat und kirche, etwas, was im westlichen auge ja in vorwiegend islamischen staaten immer kritisierenswert erscheint.

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    • Michael schreibt:

      Für mich ist Religion der Trick, ohne arbeiten zu müssen am besten von allen leben zu können.
      Irgendwann ist mal einer auf die Idee gekommen, alle anderen glauben zu lassen, dass es Götter gibt, die unser Leben bestimmen und dass nur er [der Religionserfinder] in der Lage ist, mit diesen Göttern zu verhandeln, damit das Leben besser wird. Dafür wurde er dann mit allem versorgt, was er verlangt hat. Klappte das nicht, hat er gedroht, dass die Götter den anderen sehr schaden werden. Und schon lief es wieder.

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  5. Mika schreibt:

    Was müsste ein Gott tun, um dich von seiner Existenz zu überzeugen?

    Ich meine die Frage ernst. Gibt es ein Ereignis, das deine Weltanschauung radikal ändern könnte?

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    • Mia schreibt:

      Zuallererst müsste er mal ein Foto von sich hier posten.

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    • Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt.

      Nachdem ich jahrzehntelang nichts erlebt oder beobachtet habe, das sich nur durch irgendwelche übernatürlichen Mächte erklären ließe, und ich auch darüberhinaus keinerlei Evidenz dafür erkennen kann, gehe ich davon aus, dass ich auch zukünftig kein solches Ereignis erleben werde.
      Sicher wissen kann ich es freilich nicht, aber ich wäre doch sehr überrascht. Dass etwas nicht in der realen Welt existiert, lässt sich halt nicht beweisen. Ich kann noch nicht einmal beweisen, dass ich niemals in Bielefeld war.

      Selbst wenn sich neben mir ein Dornbusch selbst entzünden und mit mir reden würde, wäre das immer noch kein Beweis, dass der abrahamitische Gott, dessen Name nicht genannt werden darf, dies verursacht hat.
      Die Wirkung von Halluzinogenen im Rauch ist da viel plausibler und gemäß Occam’s Razor.

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  6. Sempersolus schreibt:

    Wie müsste der Aufbau eines Experimentes aussehen, das das (zugegeben sehr seltene) Auftreten des Osterhasen nachweist? Und warum scheuen wir die vermutlich hohen Kosten DIESES Experiments, investieren aber in den Bau von Teilchenbeschleunigern? Gab es auch vor tausend Jahren schon Teilchenzerfall, obwohl damals noch niemand die unerklärliche Schwärzung einer Photoplatte beobachtet hatte oder einen Geiger-Müller-Zähler kannte? Brannte der Nuklearreaktor in Oklo auch damals schon und ist es nicht absurd arrogant, anzunehmen, dass der sich zum Nachweis seiner Existenz bei der Menschheit melden müsste?

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    • Solange der Osterhase nicht aktiv mitarbeitet, und sich z.B. bei dir persönlich meldet, einen großen Korb bunter Eier mitbringt, bereitwillig Fragen beantwortet, sich sezieren untersuchen lässt, kooperativ bei weiteren Experimenten ist, und das auch alles beweiskräftig und manipulationssicher filmen und dokumentieren lässt, sehe ich da keine Chance.

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  7. Pingback: Vorgezogenes Gezwitscher //2575 | breakpoint

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