Nur ein paar Tropfen //2473

Selbst wenn heute ein ganz reguläres Tweetwochenende wäre, würde ich davon abweichen, weil ich über die neuesten Begebenheiten dringend bloggen will.

Wie bereits geschrieben, befindet sich mein Vater zur Zeit nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Meine eigenen gesundheitlichen Beschwerden sowie die äußerst eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten hatten verhindert, dass ich zeitnah in die alte Heimat gefahren war, um ihn zu besuchen.
Zusammen mit Carsten beratschlagte ich, wie ich doch noch einen Krankenbesuch machen könne. Das Ergebnis unserer Überlegungen war, dass wir gestern zusammen in die alte Heimat fuhren.
Wir hatten mit meiner Mutter vereinbart, dass wir zum Mittagessen bei ihr sein würden. Danach würde Carsten mit dem Baby dort bleiben, während ich alleine zum Krankenhaus fahren würde.

So machten wir es dann auch. Meine Mutter freute sich sehr, ihr Enkelchen kennenzulernen, wenngleich das Erlebnis von der Krankheit meines Vaters überschattet wurde.
Von meiner Schwester Sabine und ihrer Familie sahen wir die ganze Zeit nichts, weil das wegen Corona-Maßnahmen noch ein Haushalt zuviel gewesen wäre. David muss einen ziemlichen Aufstand gemacht haben, weil er sein Cousinchen nicht kennenlernen durfte.

Die Besuchszeit im Krankenhaus war begrenzt. Außerdem waren vorher noch einige Formalitäten zu erledigen, um meine Anwesenheit zu dokumentieren, Kontaktdaten zu protokollieren, sowie sonstige Hygiene- und Schutzmaßnahmen umzusetzen. Trotz allem wirkte das Personal der Stroke Unit ausgesprochen entspannt und locker.
Mein Vater war recht schwach, freute sich aber über meinen Besuch. Ich hätte ihm so gerne eine Packung Sahnekaramellen, die er doch so gerne mag, mitgebracht, aber Mitbringsel sind derzeit nicht erlaubt. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nahm ich kurz die Maske ab, so dass er mein Gesicht und ein etwas angestrengtes Lächeln sehen konnte. Leider war er schon bald erschöpft, so dass ich die Besuchszeit gar nicht voll ausnutzte, sondern ihn lieber schlafen ließ.
Außerdem lief ich aus. Die Stilleinlage war schon völlig durchgeweicht, und es war mir unangenehm, wie mein Pulli zunehmend nass wurde. Es war höchste Zeit, den Symbionten wieder anzudocken. So lange war ich noch nie von ihm getrennt gewesen.
Bevor ich ging, versprach ich meinem Vater noch, dass wir ihn alle besuchen würden, falls er an seinem Geburtstag wieder daheim sein sollte (was leider sehr unwahrscheinlich ist, eigentlich unmöglich, aber falls doch, dann halte ich mein Versprechen!). Schei? doch auf die ganzen verdammten Corona-Beschränkungen!
Dieser Besuch ist mir doch recht nahe gegangen. Mein Vater war sonst gesundheitlich immer so fit und vital gewesen, und hat auch viel Ausdauersport getrieben. Ihn so krank und schwach daliegen zu sehen ..

Zurück bei meiner Mutter, machte ich es mir gleich auf dem Sofa mit dem Chefchen bequem, während meine Mutter in der Küche werkelte.
Carsten rückte verärgert mit der Sprache heraus, dass er – als sie das Thema Taufe hartnäckig angesprochen hatte – meiner Mutter gesagt hatte, dass wir eine Taufe ablehnen.
Kurz darauf musste er die Toilette aufsuchen. Als er zurückkam, sah er gerade noch, wie meine Mutter dem Baby einige Tropfen Weihwasser (sie hat immer mindestens eine Flasche vorrätig) auf die Stirn goss, und hörte sie noch „.. des heiligen Geistes“ sagen.
Das heißt, dass unser Kind jetzt nach katholischem Glauben getauft ist. Dieses Sakrament wird es nie wieder los. Wenn ich an den ganzen Humbug glauben würde, würde ich mich sehr darüber ärgern. So bin ich zumindest erleichtert, dass das Chefchen keinen bleibenden körperlichen Schaden davonträgt, wie dies in anderen Religionen hätte passieren können.
Trotzdem stand ich auf, sobald das Chefchen satt war, und wir brachen sofort nach Hause aus. Es war ein Vertrauensbruch, und wäre nicht die Erkrankung meines Vaters, so würde ich den Kontakt zu meiner Mutter erst einmal abbrechen. Aber gerade jetzt ist es wichtig, dass die Familie zusammenhält. So richtig übel kann ich es meiner Mutter aber auch nicht nehmen. Ich weiß, wie sie tickt. Sie hat das nicht aus Boshaftigkeit getan, sondern in der aufrichtigen Sorge um das Seelenheil ihres Enkelchens. Dass diese Sorge unbegründet und ein Schmarren ist, wird sie niemals nachvollziehen können. Insofern werde ich wohl oder übel über die Angelegenheit hinwegsehen. Dabei fühlt es sich an, als wäre ich von ihr hintergangen und mein Kind misshandelt worden. Objektiv ist aber nichts passiert, als dass es ein paar Tropfen Wasser abgekriegt hat. Deswegen sollte ich ihr nicht so grollen. Andererseits muss meine Loyalität jetzt mehr meinem Kind als meiner Mutter gelten.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

37 Antworten zu Nur ein paar Tropfen //2473

  1. mijonisreise schreibt:

    Ich wünsch deinem Vater weiterhin gute Besserung. Das er vor dem Apoplex fit und gesund war, wird ihm helfen, das Ereignis gut zu verarbeiten. Wichtig ist die Anschlußbehandlung, um die Ausfälle so gering wie möglich zu halten.
    Deine Mutter … Nun, sie kann halt nicht aus ihrer Haut und zudem momentan durch die Sorge um deinen Vater bestimmt genug beunruhigt. Nein, das ist keine Entschuldigung für ihr Verhalten. Andrerseits hast du es ja auch schon erkannt, es nicht als persönlichen Angriff zu nehmen.

    Gefällt 1 Person

  2. keloph schreibt:

    das kind geht vor allem, aber grösse sollte man auch mal zeigen, denn die mutter ist das 2tgrösste.

    Gefällt 1 Person

  3. Sabrina Seerose schreibt:

    „Das heißt, dass unser Kind jetzt nach katholischem Glauben getauft ist. Dieses Sakrament wird es nie wieder los. Wenn ich an den ganzen Humbug glauben würde, würde ich mich sehr darüber ärgern. So bin ich zumindest erleichtert, dass das Chefchen keinen bleibenden körperlichen Schaden davonträgt, wie dies in anderen Religionen hätte passieren können.“

    Du bist erzürnt über den „Vertrauensbruch“ Deiner Mutter, und vermagst es aber, dies verharmlosend als „Humbug“ abzutun, an den Du ja „Gott-sei-Dank“ nicht glaubst: „Dieses Sakrament wird es nie wieder los.“ (?)
    Aber was ist denn dann dabei (tragisches) mit Chefchen geschehen, wenn er doch nur „mit Wasser besprengt“ wurde?!
    Von nicht Wenigen wird die Taufe im Kindesalter ehedem abgelehnt. Ich nehme an, daß Du aber auch als Kleinkind getauft wurdest. Hat Dir DIES irgendwie in irgendeiner Weise geschadet, Dein Leben nachhaltig beeinträchtigt?

    Ich fände es gut, wenn Du und Dein Man mit Deiner Mutter nicht (weiter) darüber streitet!

    Gefällt mir

    • Ja, ihr Vertrauensbruch hat mich tief getroffen.
      Wenn auch nur symbolisch, so hat sie doch mein Kind mit einer mythischen Weltanschauung „kontaminiert“, mit der ich als Naturwissenschaftlerin so gar nichts am Hut habe.
      Ich selbst bin streng religiös aufgewachsen (deshalb ist mir sehr wohl bewusst, welche Bedeutung einem Sakrament zugemessen wird), und es hat lange gedauert, bis ich dieses indoktrinierende Gedankengut losgeworden bin. In einer solchen Situation kommen Reste aber trotzdem noch hoch. Und ja – in diesem Sinne hat mir die Taufe (als Eingangsvoraussetzung für eine religiöse Erziehung) geschadet (von den hunderten Stunden ganz zu schweigen, die ich in der Kirche verbringen musste, statt etwas sinnvolleres tun zu können). Das werde ich meinem Kind ersparen.

      Wir haben nicht mit meiner Mutter gestritten. Wir sind sang- und klanglos weggegangen.
      Es wird noch eine Weile dauern, bis ich mit ihr wieder ohne Groll sprechen kann.

      Gefällt mir

  4. Plietsche Jung schreibt:

    Ich würde das nicht so dramatisieren. Vorrang hat der Zustand deines Vaters und dass die Familie nun zusammen steht. Würdest du innerlich mit deiner Mutter grollen und deinem Vater passiert etwas, hättest du ganz andere innerliche Konflikte und Probleme.

    Es ist Verständnis und Mitgefühl gefragt.

    Gefällt 3 Personen

  5. Mia schreibt:

    Puh, gerade nochmal gut gegangen. Schön, dass dein Vater in kompetenten Händen ist.
    Nicht auszudenken, wenn er auf Menschen angewiesen wären, die an einer „Kombination aus Torheit, Masochismus und Helfersyndrom“ leiden.

    Gefällt mir

  6. MartinTriker schreibt:

    Also ich kann voll verstehen, dass du dich aufregst. Deine Mutter hat sich einfach über eure Wünsche hinweg gesetzt um ihren Kopf durchzusetzen. Ich hoffe, ihr habt ihr deutlich gemacht, das es so nicht geht, bevor ihr gegangen seid.

    Gefällt mir

    • Wenn wir vor dem Weggehen noch darüber diskutiert hätten, wären im Affekt sicher einige Worte gefallen, die die Angelegenheit noch schlimmer gemacht hätten.
      Ich werde die Sache auf sich beruhen lassen – schließlich nur ein paar Tropfen Wasser, brauche aber noch etwas Zeit dafür. Und ob ich mein Kind jemals wieder alleine mit meiner Mutter lasse, weiß ich noch nicht.

      Gefällt 1 Person

  7. Sempersolus schreibt:

    Du grollst mit deiner Mutter ob zwei Tropfen H2O mit nie nachgewiesener, pseudohomöopathischer Botschaft irgendwo im interatomaren Nirwana, ob der „Nottaufe“?

    Oder grollst du mit deiner eigenen Vergangenheit und dem, was deine Mutter früher mit dir selbst in Sachen Religion zu viel getan oder unterlassen hat und machst damit die letzten Schritte der pubertären Ablösung vom Elternhaus noch einmal durch?

    Du verstehst dich als Naturwissenschaftlerin, du haderst mit dem, was dir von deinen Eltern (in deren Vorstellung davon und nichts Besseres wissend) als Religion (oder nennen wir es wertneutraler: philosophische Handreichung zur Lebenshilfe, auch wenn das mit den amtskirchlich vermittelten Inhalten zugegeben so richtig wenig zu tun hat) vermittelt wurde und du bestehst, zu Recht, auf deiner Autarkie, schon gleich in Fragen, die dein Kind angehen. Korrekte Haltung, verständlicher Zorn (der natürlich verfliegen wird).

    Das Kind merkt nichts davon. Und schön, wenn man als neue Eltern diesen Erkenntnisprozess bewusst und frühzeitig zur Maxime des eigenen Handelns macht. Du taufst deine Enkel (Kind sowieso zu spät) später hoffentlich nicht, drängst ihnen aber auch nicht Omas Einstellung zur Gottlosigkeit auf. Ich bin, wie du, schon jetzt auf das Ergebnis gespannt 🙂 .

    Deinem Vater wünsche ich, dass er seinen Weg zur Verarbeitung des schlimmen Ereignisses mit eurer guten Begleitung und mit einem zufriedenstellenden Ergebnis ungestört gehen kann. Dazu gehört für ihn sicher auch seine private Gottesvorstellung und ich denke, die ist ja auch in erster Linie dazu da: Für den eigenen, privaten Gebrauch und nicht für die Mission.

    Gefällt 1 Person

    • Ich gebe zu, dass meine Haltung hier sehr widersprüchlich erscheint. Rein rational sind es tatsächlich nur ein paar Tropfen Wasser. Metaphorischer Schwamm drüber.
      Andererseits hat meine Mutter eigenmächtig eine rituelle Handlung an meinem Kind vorgenommen, die zwar objektiv folgenlos ist, aus ihrer Perspektive jedoch das Kind zu einem „Christenmenschen“ macht.
      Ja, kann schon sein, dass mir das aus meiner eigenen Kindheit und Jugend noch nachhängt. Ich habe schließlich nicht um eine Religion gebeten, und diese ganze aufgezwungene, spirituelle Denkungsweise widerstrebt mir.
      Naja, ich werde schon über diese „Nottaufe“ hinwegkommen, und meine Ärger darüber wird verfliegen. Schließlich hat mir meine Mutter auch so viel Gutes getan, dass es diese Fehlhandlung mehr als aufwiegt.

      Mein Vater ist bei weitem nicht so strenggläubig wie meine Mutter. Er hat zwar immer mitgebetet, ist in die Kirche und zum Beichten gegangen. Aber darüber hinaus hat er sich nie zu Religion und Glauben geäußert. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn er nur ein lippenbekennender Mitläufer wäre, dem es einfach zu unwichtig wäre, deshalb in Konfrontation zu gehen. Zumindest hat er seine weltanschaulichen Vorstellungen (wie auch immer die aussehen mögen) niemals jemandem aufgedrängt. Das werde ich auch nicht tun.

      Gefällt 1 Person

  8. Leser schreibt:

    Naja, entweder Du glaubst nicht an diesen spiritistischen Humbug, dann kannst Du froh sein, dass Deine Mutter mit ein paar Spritzern Wasser auf das Kind ihre selbstgemachte Not gelindert hat, und das Kind trotzdem später nie Kirchensteuer zahlen müssen wird, außer es möchte das unbedingt selbst.
    Oder Du glaubst daran, dass es irgendwas damit macht, dann ist es einem Sakrileg unterzogen worden, was es nie wieder los wird, und Du müsstest Dir nun Gedanken machen, wie Du diese „energetische Verunreinigung“ nun wieder von ihm gelöst bekommst.

    Ich fände die erste Variante deutlich weniger anstrengend 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Es ist schon anmaßend, wie Glaubensgemeinschaften sich erdreisten, dass durch sie definierte „Sakramente“ nicht wieder rückgängig gemacht werden können.
      Jeder Abtrünnige behält es angeblich, auch wenn er nicht daran glaubt.

      Die Sorgen um meinen Vater kosten mich aktuell soviel Energie, dass ich es nur schwer schaffe, mich von diesen Narrativen, die mir von kleinauf aufgedrückt wurden, mich leider auch geprägt haben, freizumachen.

      Gefällt mir

      • Leser schreibt:

        Da stimme ich Dir vollkommen zu (bzgl. der Anmaßung), und solche Narrative sind aber zugleich gesellschaftlich über viele Jahrhundert tief verankert, so dass man schon ein gehöriges Maß an Bewusstheit braucht, um jeden dadurch beeinflussten Gedankengang, den das gesamte ganz genauso von kleinauf geprägte Umfeld als „völlig normal“ erachtet, zu erkennen und zu korrigieren. Das alleine kann schon fast eine Lebensaufgabe sein…

        Auch von mir gute Besserung an Deinen Vater.

        Gefällt 1 Person

    • Michael schreibt:

      Vorsicht! Eine Nottaufe ist eine echte Taufe! Ihre Mutter muss nur dem Pfarrer gegenüber glaubwürdig bezeugen, dass sie notwendig war und dass ihrer Ansicht nach lebensgefahr für das Kind bestand. Der Pfarrer trägt dann die Taufe ins Taufregister ein (man darf nur einmal getauft werden, auch die Nottaufe wird niemals durch eine 2. Taufe in eine „richtige“ Taufe umgewandelt!). Zeugen sollen bei einer Nottaufe zwar dabei sein, aber das ist nicht nötig, wenn der Taufende versichet, dass es nicht möglich war, so schnell noch einen Zeugen zu holen. Eine Nottaufe ist immer gültig und kann jederzeit ins Taufregister eingetragen werden!

      @Anne Nühm: Du solltest prüfen, ob Deine Mutter nicht die Taufe Deines Kindes heimlich ins Taufregister eintragen lässt. Das hätte unter Umständen massive Folgen für Dein Kind. Es ist bei Eintragung ins Taufregister nämlich voll Kirchensteuerpflichtig, sobald es ein steuerpflichtiges Einkommen hat. Und das kann eine Laibrente oder eine Erbschaft sein (und da es Deinem Vater nicht gerade gut geht, könnte das schneller der Fall sein, als Du denkst!). Und ihre Lügen kann Deine Mutter ungeschehen machen, in dem sie zur Beichte geht. Die Taufe und die Eintragung bleiben aber trotzdem bestehen.
      Auch wenn es Dir schwer fällt, rufe den kath. Pfarrer Deines Wohnortes an (Nummer unterdrücken nicht vergessen), sage, dass Du anonym bleiben möchtest und frage ihn, wie er das sieht. Oder schreibe im Namen einer natürlich eingeweihten Person an den Bischof, dann hast Du es schriftlich (oder per Email, dann ist das mit der Anonymität noch einfacher).
      Ansonsten noch alles gute für Dich und Dein Kind und auch für Deinen Vater. Und Deine Mutter möge der Zorn ihres Gottes treffen.

      (Wenn Du darauf Antworten möchtest, dann bitte per Mail, ich lese Deine Seiten eher selten – so alle paar Wochen mal und dann alles in einem Rutsch.)

      Gefällt 1 Person

      • Danke, Michael.

        Der Pfarrer in der alten Heimat, an den sich meine Mutter wenden wird, ist ja nur für die dortige Pfarrei zuständig.
        Wohnsitz des Kindes ist aber ein ganz anderer. Noch nicht einmal ich weiß (mangels Interesses), welcher Pfarrer hier das Taufregister führt, und meine Mutter würde es nicht herausfinden.
        Wenn allerdings der dortige Pfarrer den hiesigen informieren würde, wäre das schon ein immenser Datenschutzverstoß.

        Was die Kirchensteuerpflicht betrifft, so akzeptiert das Finanzamt meines Wissens Konfessionslosigkeit beleglos.
        Wir überprüfen bei unseren Beschäftigten die angegebene Konfession ebenfalls nicht.
        Es wäre ja auch noch schöner, wenn es etwas zählen würde, was in einem irgendeinem dubiosen Taufregister steht.

        Wie auch immer – falls es einen Eintrag gäbe, gehe ich davon aus, dass wir wenigstens eine Mitteilung bekommen würden. Dann kann man immer noch dagegen vorgehen.

        Gefällt mir

  9. blindfoldedwoman schreibt:

    Vlt. tröstet es Dich, dass diese „Taufe“ keine war und auch keinen Bestand hat. Eine Nottaufe ist es nur, falls der Täufling kurz davor ist, dahin zu scheiden.
    Es hat also mehr mit Aberglaube zu tun und kostet die Oma bei der nächsten Beichte sicher ein Dutzend Ave Maria. 😏

    Gefällt 2 Personen

    • Wie auch immer – ihr erschien es notwendig, und sie ist überzeugt, das richtige getan zu haben.
      Vielleicht schafft es ja der Pfarrer, ihr klar machen, dass es nicht in Ordnung war.

      Gefällt mir

      • blindfoldedwoman schreibt:

        Wenn Du klugscheissen willst, oder einfach Deine Mutter beruhigen:
        „In der Vergangenheit hat die Kirche die Taufe als unverzichtbar für das Seelenheil angesehen. Ungetaufte Kinder konnten also nicht in das Paradies oder auch nur in einen anderen Ort der Glückseligkeit eingehen. Nottaufen noch im Kreißsaal und die Taufe der Säuglinge ein paar Tage nach der Geburt waren die logischen Konsequenzen dieser Überzeugung.
        Da aber die Säuglinge ohne jegliches persönliches Verschulden vom Himmel ausgeschlossen waren, konnten sie nicht in die „normale“ Hölle kommen. Die Theologen unterstellten einen besonderen Ort am Rand der Hölle, Vorhölle oder Limbus genannt. Die ungetauften Säuglinge sollten dort keiner körperlichen Strafe unterliegen, sondern in einem rein natürlichen Glückszustand leben.
        In einer Verlautbarung des Vatikans aus dem Jahr 2007 heißt es, dass die Vorstellung des Limbus nie Teil der offiziellen Kirchenlehre gewesen sei und eine „unzulässig eingeschränkte Sicht der Erlösung“ darstelle. Der Ausschluss von unschuldigen Babys aus dem Himmel sei nicht mit der besonderen Liebe Christi für Kinder vereinbar; Gott sei gnädig und wolle, dass alle Menschen erlöst werden.“

        Gefällt 1 Person

    • Michael schreibt:

      Ist sie doch. Die Behauptung, dass Ihre Mutter glaubte, der Tod des Kindes stünde kurz bevor, reicht völlig aus.
      Can. 867 — § 2. Wenn sich ein Kind in Todesgefahr befindet, ist es unverzüglich zu taufen.
      Can. 868 — § 2. In Todesgefahr wird ein Kind katholischer, ja sogar auch nichtkatholischer Eltern auch gegen den Willen der Eltern erlaubt getauft.
      Can. 878 — Wenn die Taufe weder vom Pfarrer noch‘ in seiner Anwesenheit gespendet wurde, muß der Taufspender, wer auch immer er ist, den Pfarrer der Pfarrei, in der die Taufe gespendet wurde, über die Spendung der Taufe verständigen, damit dieser die Taufe nach Maßgabe des ⇒ can.877, § 1 einträgt.
      Can. 877 — § 1. Der Pfarrer des Ortes, an dem die Taufe gefeiert wird, muß die Namen der Getauften unter Angabe des Spenders, der Eltern, der Paten und, soweit vorhanden, der Zeugen sowie des Ortes und des Tages der Taufspendung gewissenhaft und unverzüglich in das Taufbuch eintragen; dabei sind zugleich auch Tag und Ort der Geburt zu vermerken.
      [Anm.: Daraus geht hervor, dass ein Zeuge für die Taufe nicht unbedingt erforderlich ist!]

      Quelle: https://www.vatican.va/archive/DEU0036/__P2V.HTM und die folgenden Seiten

      Gefällt 1 Person

  10. Mika schreibt:

    Die Laientaufe ist nur bei Lebensgefahr für das Kind möglich. Überlebt das Kind, dann muss die Taufe ordentlich durch einen Priester ausgeführt werden.
    Da dein Kind nicht in Gefahr war, hat die Taufe durch deine Mutter keine Wirkung im Sinne des Kirchenrechts. Kannst also ganz beruhigt sein.
    Um letzte Zweifel zu zerstreuen, kannst du eine schwarze Katze bei Vollmond opfern und sie in geweihter Erde vergraben. Dabei Schwefel verbrennen verstärkt die Wirkung. Hab ich zwar nie selbst ausprobiert, kann aber nicht schaden, höchstens der Katze.
    Auf der anderen Seite könnte natürlich eintreten, das dein Kind bei seinem Namen zu Gott gerufen wurde, den Psalm gibt es irgendwo. Dann wird dein Kind Christ, ob du willst, oder nicht.
    Wünschen wir einfach allen Betroffenen ein langes und gesundes Leben und den Rest mögen die Götter besorgen, so es sie gibt.

    Gefällt 1 Person

  11. ednong schreibt:

    Schön, dass dein Vater auf dem Wege der Besserung ist. Da hoffe ich, dass es ihm schnell besser geht.

    Nottaufe – tja. Vertrauensbruch würde ich da auch sehen. Andererseits – was solls. Ändern kannst du es nicht mehr, Schaden bringt es keinen und dein Kind wird dann immer noch frei entscheiden können. Ärgerlich, definitiv, nicht umkehrbar (wenn man dran glaubt) – aber halt nicht schädlich. Also nicht drüber ärgern, denn du wirst das, was deine Mutter „nur gutmeint“ nicht ändern können, wenn sie mal als Babysitterin einspringen sollte (oder auch deine Schnwester, die vermutlich ähnlich tickt). Kannst du dem Kind erklären, falls es das bewußt mitbekommt und dafür schon aufnahmefähig ist. Bis dahin ists aber noch hin.

    Gefällt 1 Person

    • Danke. Mein Vater wird noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben. Danach wäre eigentlich Reha angesagt, aber mit dem ganzen Coronakram verschiebt sich das vermutlich.

      Inzwischen habe ich die „Taufe“ einigermaßen abgehakt.
      Carsten hat das schneller geschafft. Er hatte offenbar eine wesentlich laxere religiöse Erziehung, so dass ihn die Sache verhältnismäßig kalt ließ.

      Gefällt mir

  12. Pingback: Loswerding My Religion //2482 | breakpoint

  13. Pingback: Kein Nachtrag //2491 | breakpoint

  14. Pingback: Zurück zu den Novembertweets //2571 | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s