Sorgen .. //2471

Wieder mal kam es ganz anders, als gedacht.
Ich werde wohl bei diesem Blogeintrag, streng chronologisch vorgehen, und nichts vorweg nehmen.
Nachdem meine Eltern ihren geplanten Besuch vor zwei Wochen wegen einer Erkältung meiner Mutter hatten absagen müssen, wäre heute der Ersatztermin gewesen.

Ich hatte mich bereits seit vorgestern ziemlich mit einem Milchstau herumgequält. Eine meiner Brüste war hart, heiß, teilweise gerötet, schmerzhaft. Die andere zwar besser, aber auch nicht ganz in Ordnung. Fast nonstop versuchte ich, das Chefchen anzulegen, aber das brachte nur kurzfristig Erleichterung (außerdem konnte es auch nur begrenzt trinken, und streikte irgendwann). Zeitweise hatte ich Schüttelfrost, und verbrachte zwischendurch immer wieder längere Zeit im Bett, weil mir so schrecklich kalt war. Heißer Salbeitee wärmte mich, wirkt bakterizid und laktationshemmend.
In dieser Situation war die Aussicht, auch noch Besuch zu unterhalten und zu bewirten, sehr belastend, obwohl es ja meine engsten Verwandten sind. Ich überlegte, ob ich den Besuch nicht absagen solle, wartete nur deshalb noch ab, weil ich hoffte, dass der Milchstau sich noch rechtzeitig wieder halbwegs auflösen würde. Denn schließlich würde sich sonst der Besuch meiner Eltern auf unbestimmte Zeit verschieben, vermutlich erst nächstes Jahr. Aber ich war bereit, notfalls die Reißleine zu ziehen, und den Besuch kurzfristig abzusagen, wenn es bis Dienstag Abend nicht wieder erkennbar besser würde.

Als es mir dann gestern Abend wieder soweit besser ging, dass ich davon ausgehen konnte, dass ich den nächsten Tag einigermaßen durchstehen würde, klingelte das Telefon.
Es war meine Mutter. Sie teilte mir mit, dass mein Vater im Krankenhaus läge. Sie hatte ihn besinnungslos auf dem Boden gefunden. Er hatte vermutlich einen Schlaganfall, sei inzwischen wieder bei Bewusstsein. Es ginge ihm schlecht, aber sein Zustand einigermaßen stabil und keine akute Lebensgefahr.
So hatte ich das nun wirklich nicht gewollt, dass sich das aktuelle Besuchsproblem auf diese Weise lösen würde.

Zu anderen Zeiten hätte ich mich wohl heute auf den Weg gemacht, um ihn zu besuchen. Aber mir geht es selbst immer noch nicht wirklich gut. Ich fühle mich nicht reisefähig, zumal ich das Chefchen mitnehmen müsste.
Meine Mutter erklärte, dass die Besuchsregelungen wegen Corona sehr streng seien. Eigentlich wären gar keine Besuche zugelassen, aber es gäbe Ausnahmeregelungen für die allernächsten Angehörigen, wenn auch nur höchstens ein Besucher am Tag für maximal eine halbe Stunde, selbstverständlich mit Maske, und das nur nach Anmeldung.
So wäre meine Fahrt in die alte Heimat ziemlich sinnlos. Ich muss noch überlegen, wie ich das mache.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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18 Antworten zu Sorgen .. //2471

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Das tut mir sehr leid. Gute Besserung für Deinen Vater.

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  2. keloph schreibt:

    gute besserung. du findest einen guten weg.

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  3. mijonisreise schreibt:

    Gute Besserung … Ich wünsch euch viel Kraft.

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  4. Sempersolus schreibt:

    Ich kann die Sorgen nachfühlen und es tut mir leid. Neben der medizinischen Situation verstehe ich besonders deine emotionale Belastung. Kommunikative Nöte, (denn du kannst dir kein eigenes Bild von der Situation deines Vaters machen), Ängste (in Bezug auf die unsichere weitere Entwicklung), Introjektergebnisse („Töchter müssten doch in so einer Situation am Krankenbett stehen“), die Zwickmühle zwischen eigener Maladie und der Gefäßkatastrophe deines Vaters … .

    Einige wenige von diesen Dingen kannst du jetzt und auch für die Zukunft in mehr Klarheit auflösen:

    1. Wenn schon ich als wildfremder Nerd aus banalen Internetkommentaren schließen kann, dass du vermutlich eine Mastitis entwickelt hast – was ist gut daran, das nicht auch mit deinen Angehörigen offen zu kommunizieren? Sicher ist es kein Zeichen von souveräner Autonomie, wenn man aus seiner eigenen Befindlichkeit den Eltern gegenüber ein Geheimnis macht. Sicher ist es dein Wunsch, den Eltern dein Kind zu präsentieren – aber warum darfst du in diesem Chaos nicht deine eigenen Bedürfnisse anmelden und vorher erläutern, dass du eben gerade mit den zu dieser Zeit typischen Problemen kämpfst und deshalb lieber einen anderen Besuchstermin hättest? Das führt dann auch unmittelbar zu

    2. Das Universum kennt keine schuldhaft schicksalhaften Verknüpfungen. Das klingt vielleicht absurd, dann vergiss es. Aber solltest du auch nur im entferntesten Winkel deiner Hirnwindungen kurz den blödsinnigen Gedanken gefunden oder auch nur gefühlt haben, dass es einen Zusammenhang zwischen deinem eigentlichen Wunsch nach Absage des Besuchs und dem Schicksalsschlag deines Vaters gibt: vergiss ihn sofort! Du bist keine Hexe und kannst niemanden verzaubern und das Universum spielt solche Spielchen nicht.

    3. Stress am Krankenbett nützt jetzt keinem von euch. Bitte um ein besonnenes Telefongespräch mit dem zuständigen Oberarzt und frage nach seiner möglichst genauen Einschätzung quo ad Erholung und weiterer Risiken neben Ursachenforschung etc. Er wird dir auch etwas dazu sagen können, wie es weitergeht. Triff dann eine vernünftige Entscheidung dazu, was du mit 30 Minuten am Krankenbett nach zig kilometerlanger Fahrt mit Kind und schmerzenden Brüsten ausrichten kannst und kommuniziere dein Denkergebnis gemeinsam mit denen, die deine Introjekte dazu projiziert haben. Was sicher niemand braucht sind Vorwürfe wie „Du warst nicht da“, darum redet auch darüber! Und wenn deine Entscheidung ist: ich fahre hin, dann weg mit Salbeitee und Esoterik, her mit Antibiose und Schulmedizin.

    4. Sei mit dem Salbeitee vorsichtig, zu viel erzeugt u.U. genau das Gegenteil: geringerer Milchfluss, mehr Stau, hartnäckigere Infektion.

    Ich wünsche Dir Carsten an deiner Seite, der dir jetzt den Rücken stärkt. Man kann nicht alles selbst tragen.

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    • 1. Der Milchstau hat sich mittlerweile aufgelöst. Ich habe keine Beschwerden mehr.
      Ich hatte das auch meinen Verwandten gegenüber beiläufig erwähnt, hatte aber nicht alle Pferde scheu machen wollen, dass dadurch vielleicht der Besuch ausfallen muss.
      Warum sollte ich sie mit etwas belasten, solange es sie gar nicht betrifft? Helfen hätten sie mir aus der Ferne eh nicht können.

      2. Auf solch eine verschrobene Idee wäre ich nie gekommen.

      3. Mal schauen. Telefon ist halt so gar nicht mein Medium.

      4. Wie gesagt – die Brustbeschwerden sind inzwischen vorbei.

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  5. ednong schreibt:

    Ach herrje, das tut mir leid für dich.

    Ich hoffe, dein Vater kommt bald wieder auf die Beine. Hier gilt überwiegend seit 5.11. absolutes Besuchsverbot, vorher war genau nur 1 zu benennende Person während des gesamtes Aufenthalts zugelassen.

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  6. Mia schreibt:

    Für Intensivtherapie- und Palliativstationen wie auch auf Kinderstationen gelten gesonderte Besuchsregelungen. Wie das auf einer Stroke-Unit ist, weiß ich nicht.
    Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Dein Vater war hoffentlich nicht allzu lange ohne medizinische Hilfe.

    Gefällt 1 Person

  7. Mia schreibt:

    „Ich hatte mich bereits seit vorgestern ziemlich mit einem Milchstau herumgequält.“
    Warum benutzt du keine Milchpumpe, um dir Linderung zu verschaffen?

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  8. @all
    Vielen Dank an euch alle für die Genesungswünsche.

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  9. noch1glaswein schreibt:

    Himmel, das tut mir leid. Ich wünsche Dir sehr, dass es Deinem Vater bald besser geht und sich die andere Sache (Milch etc.) auch bald erledigt!

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  10. Plietsche Jung schreibt:

    Ich weiß, wie du dich fühlst, denn ich war im Sommer in einer ähnlichen Situation.
    Es ist nicht so einfach ruhig und sachlich zu bleiben und die Emotionen zu beherrschen. Aber du kannst im KH nicht viel für deinen Dad tun und bringst ihn oder euch eher in Gefahr.
    Gute Besserung für deinen Vater, es wird vllt. ein langer Weg.
    Du bist ja schon über den Berg – ein Glück. Es müssen tierische Schmerzen sein ….

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  11. apokolokynthose schreibt:

    Gute Besserung für Deinen Vater.

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