Teddy am Stück //2439

Wollt ihr wissen, was ich zur Zeit stricke? Nein kein Strampler oder Babyjäckchen. So etwas ist kaum passgenau hinzukriegen, und wenn doch, ist es spätestens zwei Wochen später zu klein. Solch ein Gefrickel tue ich mir nicht an. Stattdessen stricke ich ein Spielzeug, das hoffentlich nachhaltiger ist und längere Freude verursacht.

Schon vor vielen Jahren habe ich das Konzept des Strickteddys am Stück entwickelt – sprich ein einzelnes Strickstück, ohne zwischendurch den Faden abschneiden zu müssen. Für die Fertigstellung muss man dann trotzdem noch einzelne Nähte zusammennähen, aber im Prinzip minimiert das Vorgehen die Notwendigkeit, die Teile zusammenzunähen, weil es nur ein einziges Teil gibt. Für irgendwelche Abschlussarbeiten bin ich nämlich grundsätzlich zu faul, und will mir möglichst wenig Mühe damit machen.

Also, wie geht so ein Teddy? Zunächst muss man sich darüber im Klaren werden, wie groß der Teddy werden soll. Die Anzahl der anzuschlagenden Maschen $m hängt außerdem von der Stärke des Fadens ab. Ich nutze dünne Wolle, und will einen kleinen bis mittelgroßen Teddy stricken, habe also mit $m = 30 Maschen begonnen.
Nach dem Anschlag werden die $m Maschen $m-mal hin und her kraus rechts gestrickt (also insgesamt $m Reihen, und auf jeder Seite immer nur rechts – ich gehe davon aus, dass das Seitenverhältnis einer Masche deutlich kleiner als 1 ist, also eine Masche breiter als hoch). Das wird später mal die Rückseite des Kopfes. Nun kommen Rumpf und Arme dran. Dazu werden zunächst auf einer Seite zusätzlich $m Maschen angeschlagen. 2*$m Maschen auf der anderen Seite zurück, und nochmals zusätzlich $m Maschen aufgenommen. Insgesamt befinden sich nun 3*$m Maschen auf der Nadel. Die zusätzlich aufgenommenen Maschen werden später zu den Rückseiten der Arme.
Nach $m Reihen grob rechts werden zunächst auf der ersten Seite wieder $m Maschen abgekettet, dann die Reihe zu Ende gestrickt, und auf der anderen Seite ebenfalls $m Maschen abgekettet, so dass nur noch $m Maschen übrig sind. Nach weiteren $m Reihen ist die Rückseite des Rumpfes fertig.
Nun wird die nächste Reihe nur bis zur Mitte gestrickt ($m/2 Maschen). Es empfiehlt sich, die andere Hälfte temporär auf eine ausreichend große Sicherheitsnadel auszulagern. Bei kleinen Teddys oder entsprechender Übung kann man auch darauf verzichten.
Jetzt wird also nur noch über die halbe Breite gestrickt. Dies ergibt das erste Bein. Es ist ein bisschen Geschmacksache, wie lange man die Beine will. Schließlich besteht so ein Bär hauptsächlich aus Rumpf. Ich empfehle 2*$m bis 3*$m Reihen für ein Bein (Rück- plus Vorderseite). Sobald man dies geschafft hat, folgt der Trick: Das erste Bein wird in der Mitte umgeknickt, so dass der Faden direkt neben der anderen Hälfte der Maschen (die auf der Sicherheitsnadel) liegt. Jetzt wird mit diesen Maschen weitergestrickt (während die bisherigen auf der Sicherheitsnadel landen). Das zweite Bein sollte genauso lang sein wie das erste.
Nachdem auch das zweite Bein gestrickt ist, wird es Zeit beide Reihenhälften wieder zusammenzuführen, indem man beide einfach hintereinander abstrickt. Ich habe keine Lust, das genauer zu beschreiben. Ein bisschen müsst ihr auch selbst mitdenken und euch die Topologie vorstellen, damit sich nicht die einzelnen Körperteile vreschlenkern.
Es ist nun an der Zeit, die Vorderseite des Rumpfes zu stricken. Das sind wieder $m Reihen.
Die Vorderseiten der Arme gehen genau so, wie oben bei den Rückseiten beschrieben: also an beiden Seiten jeweils $m Maschen aufnehmen, insgesamt wieder $m Reihen stricken, dann an jeder Seite wieder $m Maschen abnehmen, und schließlich noch einmal $m Reihen für die Vorderseite des Kopfes stricken.
Letztendlich werden auch die verbliebenen $m Maschen abgekettet. Nach der letzten Masche kann der Faden abgeschnitten werden. Man sollte ihn etwas länger lassen. Dann kann man ihn gleich zum Zusammennähen benutzen.

Die Proportionen mögen nicht so perfekt sein, aber am meisten werden Spielzeuge oft vor allem aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten geliebt. Und natürlich kann jeder nach Geschmack variieren, z.B. den Kopf länger stricken oder die Arme dünner.

Wem es Spaß macht, kann ja mal die Gesamtanzahl aller gestrickten Maschen in Abhängigkeit von $m (und ggf. dem Parameter $q für die Beinlänge $q*$m) ausrechnen.

Um den Teddy fertigzustellen, sind noch ein paar Abschlussarbeiten nötig.
Man kann ihm auf die Kopfvorderseite ein Gesicht aufsticken oder mit Filz aufkleben. Kleine Knöpfe als Augen sind ebenfalls eine Option.
Zum Zusammennähen empfiehlt es sich, den Teddy auf links zu legen (d.h. das Gesicht ist innen, sonst sollte es eigentlich gar keinen Unterschied geben). Für die Innenseite der Beine braucht man einen neuen Faden.
Den Anfang und das Ende des verstrickten Fadens kann man zum Zusammennähen verwenden. Oder man muss sie vernähen. Am besten näht man beide Seiten separat zu, aber die genaue Reihenfolge (jeweils Kopfseite, außen um den Arm herum, Rumpfseite, Außenseite Bein) überlasse ich euch.
Bevor man den Kopf oben zunäht (also Anfang und Ende des Strickstücks), muss man den Teddy erst wieder auf rechts drehen. Mein Teddy wird mit alten, kaputten Strumpfhosen (in kleinere Stücke schneiden) gefüllt. Aber wer Bastelwatte hat, kann natürlich auch die nehmen.
Also noch die letzte Naht schließen. Als allerletze Aufgabe nähe ich noch oben bei den Ecken des Kopfes zwei Dreiecke ab. Wenn man das geschickt macht, sehen die Ecken später wie Ohren aus.

Von euch erwarte ich jetzt Namensvorschläge für den Teddy.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Teddy am Stück //2439

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Ich erwarte eigentlich eine mathematische Ableitung zum Strickmuster eines Teddys 🙂

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  2. mijonisreise schreibt:

    MisterJingle .. spontaner Einfall zum Beitrag.

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  3. idgie13 schreibt:

    Und ich dachte, jetzt kommt was zum 3d-Stricken mit verkürzten Reihen …
    Bärli

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  4. blindfoldedwoman schreibt:

    Wie süß und so kreativ. Finde ich eine tolle Idee!

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  5. Mia schreibt:

    „Kleine Knöpfe als Augen sind ebenfalls eine Option.“
    Dann muss der namenlose Teddy aber noch lange lange Zeit unter Verschluss bleiben. Denn Knöpfe werden vom Baby bis zum Kleinkind gerne mal verschluckt.

    Liken

  6. ednong schreibt:

    Wie gut, dass ich nicht stricken kann. Nachher würde ich es noch verstehen…

    Eddy, ist doch klar.

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  7. Seb schreibt:

    Es kommt nur ein Name in Frage 😉

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  8. Pingback: Im zweiten Anlauf //2442 | breakpoint

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