Sommerurlaubsblogpause.dump(2020); //2434

Zwar musstet ihr auf meine jüngsten Erlebnisse in der alten Heimat warten, dafür hatte ich inzwischen mehr Zeit, ausführlicher und ein paar zusätzliche Details zu schreiben.

Die Abfahrt von Carsten und mir hatte sich verzögert, so dass wir etwas später in der alten Heimat ankamen, als meine Eltern normalerweise zu Mittag essen. Diese hatten aber auf uns gewartet, so dass wir gemeinsam essen konnten.
Es war für nachmittags nur Kaffee und Kuchen bei meiner Schwester geplant, um den Geburtstag meiner Mutter nachzufeiern. Sonst hatte sie meist mehr Verwandtschaft und Freunde eingeladen, heuer blieb es (auch wegen Corona) im kleinen Kreis.
Das war mir ganz recht. Sabine’s Kinder, insbesondere David, sorgten ohnehin für genügend Trubel.
Nach dem Abendessen – wieder bei meinen Eltern – verabschiedete sich Carsten, um zurück zu fahren. Ich blieb bei meinen Eltern.

Im Wesentlichen war es dort eine ruhige Zeit. Ich machte ein paar kleine Spaziergänge allein (und wurde dabei mehrfach von Leuten angesprochen, die mich anscheinend kannten, ich sie aber nicht) oder zweimal auch mit David.
David stellte mir alle möglichen und unmöglichen Fragen zu meinem Bauch und dem zukünftigen Baby. Er erzählte, dass seine Mutter ihm erklärt hätte, dass er bald Cousin würde, sein Vater aber gesagt hätte, er sei der Vetter. „Ich bin doch ned fedd“, regte er sich auf, und rief zur Bekräftigung: „nein, nein! Obber Dande Anne“, wollte er wissen, „wenn ich doch der Kusseng bin, dann döff ich dem Bäbi doch ach Küss gegeb, gell?“ Ich drückte mich um eine Antwort herum, indem ich ihm erklärte, dass Cousin ganz anders geschrieben wird, weil es ursprünglich französisch ist.

Seit wenigen Monaten wohnt neben meinen Eltern eine neue Nachbarin (pensionierte Lehrerin aus einem anderen Bundesland – bei erstbester Gelegenheit erzählte sie mir ihre Lebensgeschichte). Mir fiel immer wieder auf, wie vertraut sie bereits mit sämtlicher Nachbarschaft ist. Mit allen klatscht, ratscht, tratscht und schäkert sie kumpelhaft herum. Das habe ich in den fast zwei Jahrzehnten, in denen ich dort wohnte, nie geschafft. Wie geht so etwas? (Nicht dass ich das selbst wollte, ich frage aus rein abstrakt-akademischem Interesse.)
Mindestens täglich taucht sie in meinem Elternhaus auf. Wann immer sie mich sah, versuchte sie mir irgendwelche Bachblüten aufzuschwatzen. Warum akzeptieren solche Frauen nicht einfach ein unmissverständliches Nein?

Ein paar Mal war ich bei Sabine daheim, wo ich Gelegenheit hatte, online zu gehen (ich musste zunächst mal den Internet-Router konfigurieren – die hatten u.a. nur ungesichertes WLAN, und das rund um die Uhr). Ihre Kinder sind ja in den Ferien alle daheim (eventuelle andere Vorhaben waren wegen Corona gecancelt), so dass da immer einiges los war. Deshalb blieb ich nicht allzu lange. Ich habe ein ziemliches Ruhebedürfnis entwickelt, wofür Sabine auch Verständnis hatte, ihre Kinder dagegen nicht unbedingt.

Mein Vater steckte mir einige hundert Euro zu, weil ich und das Kind das Geld später sicher brauchen würden. Meine Einwände, dass das nicht nötig sei, und ich lieber ablehnen würde, ignorierte er.

Zwischendurch hatte ich immer wieder Zeit, an meinem neuesten Forschungsprojekt zu arbeiten. Daheim mit ständigem Online-Zugang als Ablenkung wäre ich bestimmt nicht so weit gekommen. So schmökerte ich abwechselnd in Fachbüchern, und versuchte, die beschriebenen Gegebenheiten und Sachlagen mit meinem Formalismus abzugleichen. Bislang blieb es beim Versuch. Aber was nicht passt, wird passend gemacht. So geht Wissenschaft.

Einen Abend verbrachte ich bei meiner Cousine Kathrin. Der Bericht dazu ist umfangreich genug, um für einen eigenständigen Post auszureichen.

Nach mehreren Tagen kam Carsten dann abends wieder hergefahren, um mich abzuholen. Mit offentlichen Verkehrsmitteln heimzufahren, wäre für mich schon alleine deshalb nicht möglich gewesen, weil ich noch etliches Babyzeug zu transportieren hatte. Das war sicher ein hinreichender Grund, nicht mit Bauch, normalem Gepäck und Schutzmaske dreimal umsteigen zu müssen. Die Herfahrt nutzte Carsten dann gleich, um (nach Absprache) eine Kiste Birnen aus eigener Ernte mitzubringen, die meine Mutter einkochen wollte.
Wir aßen noch gemeinsam zu abend, währenddessen meine Mutter mir versprach, für mich zu beten, damit es eine leichte Geburt würde, wenn sie selbst schon nicht zu meiner Unterstützung kommen würde.
Schließlich brachen Carsten und ich wieder auf, um in die Stadt heimzufahren.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Sommerurlaubsblogpause.dump(2020); //2434

  1. MartinTriker schreibt:

    Bachblüten, Gebete. Da musst du jetzt durch 😉

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Ist ja süß von Deinem Vater. Kauf Dir was besonders schönes davon. (Obwohl das ein nahezu unmögliches Unterfangen ist, man kauft nur noch Sachen für das Baby, das ist so verlockend)

    Spricht Dein Neffe wirklich einen so schweren Dialekt? Macht das in der Schule keine Schwierigkeiten? – Ich stelle mir gerade Schreiben nach Gehör vor…)

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich finde ja, der Dialekt macht es so herrlich authentisch.
    In meiner Klasse waren auch Kinder, die Dialekt sprachen, die Probleme lagen mehr in der Grammatik. Das hat sich aber schnell verbessert.

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    • idgie13 schreibt:

      Mit der Grammatik hatte ich nie Probleme. Auch in Latein nicht. Auch jetzt im Norwegischen nicht.
      Mich ärgert das Vorurteil (in Deutschland), dass Dialektsprecher doof wären. Die Schweizer sehen das zum Glück nicht so. Die hegen eher Antipathie für die Schriftdütschen 😉

      Gefällt 1 Person

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