Sexus arcanus //2429

Vor diesem Thema habe ich mich eine Zeitlang herumgedrückt, obwohl es mich schon lange beschäftigt. Aber es hilft ja nichts, früher oder später muss ich es hier thematisieren.

In Anbetracht unseres Alters wäre es fahrlässig und unverantwortlich gewesen, keine Chromosomenuntersuchung unseres Nachwuchses zu machen. Als Nebenprodukt erfuhren wir auch gleich noch das Geschlecht unseres Kindes.
Wenn Bekannte fragen „was wird es denn?“, so ist das ein Schmarren. Ein Kind im Mutterleib „wird“ nicht erst, sondern „ist“ bereits. Die Chromosomen bestimmen eindeutig das Geschlecht. Da wird auch nichts nach der Geburt „zugewiesen“, wie es die konstruktivistischen Genderdingsda*_:Innen immer wieder behaupten.
Wenn manche Eltern dann sinngemäß antworten „das ist uns egal, Hauptsache gesund“, gehe ich damit konform, dass Gesundheit das Wichtigste ist, aber das Geschlecht ist mir keinesfalls gleichgültig. Das Geschlecht eines Menschen ist ein ganz bedeutsamer Faktor für sein Wesen und seine Persönlichkeit. So etwas ist überhaupt nicht „egal“. Beides wäre uns recht gewesen, aber nicht egal.

Wie gesagt, wir wissen es bereits längst. Aber das bedeutet nicht, dass ich es hier publizieren werde. Ich werde, solange es irgend möglich ist, das Geschlecht meines Kindes nicht nennen. Nur soviel verrate ich, dass es – wie 99.9% aller Menschen – ein eindeutiges Geschlecht hat – „dya“ auf Gender-Neusprech.
Auf ein Pseudonym hier im Blog werde ich mich erst einmal nicht festlegen. Das kann ich immer noch, sofern es irgendwann nötig werden sollte. Vorläufig wird ein Platzhalter genügen müssen.
Es kann schwierig werden, durch Artikel oder Pronomina, darüber zu schreiben. Wenn ich es als „es“ referenziere, so bezieht sich das auf die Ausdrücke „das Baby“, „das Kind“ oder sonst ein Diminutiv, hat keinesfalls mit irgendwelchen Genderausdrücken zu tun. Auch wenn ich generische Formen nutze, ist damit kein Rückschluss auf das Geschlecht möglich, sondern ich abstrahiere dadurch lediglich sprachlich weg vom spezifischen Geschlecht.
Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich das am konsistentesten hier im Blog handhaben werde. Wichtig ist mir klarzustellen, dass diese Obfuskation nichts mit Genderkram, Rosahellblaufalle, „Gender Creative Parenting“ und dergleichen zu tun hat. Ich will meine Familie lediglich in der Öffentlichkeit schützen. Ein „es“ als Pronomen soll keine Respektlosigkeit gegenüber dem Kind darstellen, sondern dient ausschließlich unserer Anonymität. Wenn ihr mal ungewöhnliche Sprachkonstruktionen oder Wildcards (nicht zu verwechseln mit Gendersternchen) hier lest, so sollen die für eine geschlechtsunabhängige (nicht zu verwechseln mit „geschlechtergerecht“ oder geschlechtsneutral) Formulierung sorgen.

Ich bin der Ansicht, dass jedes Kind den Anspruch darauf hat, als das Geschlecht beachtet zu werden, das es ist. Entsprechend werde ich nicht den Versuch einer geschlechtsneutralen Erziehung unternehmen. Das Eingehen auf geschlechtertypische Gepflogenheiten gibt dem Kind Orientierung, Halt, Stabilität und Sicherheit. Schließlich haben Jahrtausende der Evolution signifikante Unterschiede im statistischen Mittel der Mentalität, der Bedürfnisse und Interessen von Jungen und Mädchen ausgeprägt. Es ist ignorant, dies zu leugnen und abzustreiten.
Selbstverständlich wird mein Kind aber auch die Möglichkeit erhalten, mit untypischem Spielzeug zu spielen. Sollte es dies tatsächlich vorziehen, so ist das auch OK, und ich werde mich anpassen und mich damit arrangieren. Aber ich werde das bestimmt nicht forcieren.

Für euch bleibt das Geschlecht meines Kindes also in einer Blackbox verborgen, aber immerhin nicht in der Schrödingerkiste. Die Katze lebt!

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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39 Antworten zu Sexus arcanus //2429

  1. keloph schreibt:

    ich wollte das geschlecht vorher nicht wissen, und man hat es mir erspart, es zu erfahren. ich wollte mich auf einen erdenbürger freuen, so wie er ist und meine einstellung nicht von vorneherein mit einer (falschen?) erwartungshaltung belasten.

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    • Jeder sollte das handhaben, wie er es für sich und seine Familie für passend und richtig hält.

      Wenn sich das Geschlecht nicht automatisch als Testresultat mitergeben hätte, hätten wir es nicht unbedingt wissen müssen.
      Aber so ist es angenehm, weil man sich gleich darauf einstellen kann. Die Kenntnis hilft, das Kind bereits in utero besser kennenzulernen.

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  2. Sabrina Seerose schreibt:

    Ich kann die hier beschriebene Positionierung nur voll und ganz unterstützend nachvollziehen, und ich denke, daß es sich dabei um eine Einstellung hat, die wirklich gute Eltern kennzeichnet, denen der Schutz, die Gesundheit und das Wohlergehen ihres Kindes besonders am Herzen liegt!

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  3. Mia schreibt:

    Weshalb werdende Eltern immer so ein Geheimnis um das Geschlecht ihres Kindes machen, weiß der liebe Himmel. Viel Auswahl an Möglichkeiten gibt es ja nicht.

    Und ja, die Hauptsache ist, dass „Es“ gesund ist und auch alles dran ist, was drangehört. Aber einen Favoriten hat man schon bzw. bildet man sich das zumindest ein.

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  4. Christian_who schreibt:

    Unser Kind haben wir, bis wir wussten was es ist, bewusst keinen Namen gegeben. Wir haben es bis dahin Sixpence genannt.
    Heute ist er ein Max 🙂

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  5. blindfoldedwoman schreibt:

    By the way…was macht eigentlich das nicht geschlechtbestimmte Enkelkind von Carsten? Nochmal gesehen? Die Frau Anwältin springt doch sicher im Dreieck, weil es einen weiteren Erben gibt.

    Ich war auch froh es im 7ten Monat zu erfahren. Geschlechterneutrale Kleidung ist einfach doof. Es gibt so chice und bezaubernde Kleidung. Davon hab ich auch einiges aufgehoben. Z.B. das erste Kleid von Dior. ♥

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  6. sempersolus2 schreibt:

    Es hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, nicht nur das Geschlecht nicht zu verraten, sondern auch das errechnete Geburtsdatum zu verschleiern etwa in x + 2 Wochen. Das war unglaublich hilfreich. Man verzichtet gerade in dieser Phase gern auf wohlmeinende Freunde, die alle Nase stören etwa mit „Immer noch nicht so weit?“.

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  7. Plietsche Jung schreibt:

    Hauptsache, es ist kein Schreikind.
    Alles andere ist (fast) egal.

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    • sempersolus2 schreibt:

      „Schreikinder sind Gedeihkinder“, war das nicht der Spruch? Freilich: die Eltern gedeihen dann weniger, aber kann / darf / soll man reklamieren, was geliefert wird?

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      • Ich glaube, das war eher ein Spruch, um die betroffenen Eltern zu trösten.
        Eine empirische Grundlage dafür gibt es AFAIK nicht.

        Oder hieß das nicht „Speikinder sind Gedeihkinder“? Kommt mir plausibler vor, dass die Säuglinge, die so viel getrunken haben, dass sie den Überschuss wieder ausspucken können, besser gedeihen.

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        • sempersolus2 schreibt:

          Ich glaube, das war eher auch ein therapeutischer Spruch, um etwas Druck aus dem Kessel abzulassen, nimmt man doch an, dass sich bei sog. „Schreikindern“ vor allem die Unsicherheit junger (vor allem Erst-)Eltern auf das Kind überträgt und verstärkend auf längere Schreiphasen wirkt. Längst hat „die Wissenschaft“ zugeschlagen und ein Kind als Schreikind identifiziert, wenn es über mehr als drei Wochen mindestens an drei Tagen mindestens drei Stunden am Tag aus unerklärlichen Gründen schreit und sich nicht beruhigen lässt. Da hatte wohl jemand die Zahl drei besonders lieb. Vom Einfluss der spezifischen Person, die beruhigend wirken sollte in der Definition dagegen keine Spur. Okkultere Schreiursachen (Blähungen, spezifische Sab simplex Dosis -mindestens halbe Flasche- etc.): ebenfalls nicht teil der Definition. Damit reiht sich dieser Begriff in eine Kette von ähnlichen, mit denen ich vergleichbar wenig anfangen kann, z. B. dem mittlerweile allseits beliebten „KISS-Syndrom“.

          Ich bin mir sicher, das IRL Nühm-Klugsch so einen Quatsch nicht braucht.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Verstehe die Frage nicht.

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      • Mia schreibt:

        Können und Dürfen soll man ruhig dürfen können. Bringt aber nix. Man muss „Es“ nehmen, wie „Es“ ist. Reklamation zwecklos.

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      • blindfoldedwoman schreibt:

        Liegt das nicht (ein wenig) an den Eltern? Das Schreien liegt ja meist an einer Reizüberflutung und die Anspannung der Eltern überträgt sich aufs Kind.

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    • blindfoldedwoman schreibt:

      Ich hab die Theorie, dass gelassene Mütter auch gelassene Babys bekommen.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Dann kennst du das KISS Syndrom nicht.

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        • blindfoldedwoman schreibt:

          Jetzt bewegen wir uns wieder in der „alternativen Medizin“.
          Am besten liest man überhaupt nichts, wenn man ein Kind bekommt.
          Ich fand den Gedanken zu stillen vor der Geburt übrigens recht fremd. Mein Zimmer hab ich mir freiwillig geteilt. (weil Überbelegung) Mit einer Lehrerin, die entsprechende Bücher gelesen hat. Was mich völlig unbeeindruckt hat.
          Eher genervt.
          Was soll ich sagen…(Einzelheiten erspare ich jetzt) das kleine Wesen an der Brust hatte überhaupt keine Probleme sich in kürzester Zeit satt zu machen. Scheiss auf den Kaiserschnitt und Mamas Blutverlust. Und war auch weiterhin pragmatisch. ‚Saufen scheint in der Familie zu liegen.Das hat sie so fett gemacht, dass ihre Kinderärztin jedes Mal gefragt hat, ob ich nicht zufüttere.
          Also hatte ich ein fettes und zufriedenes Baby.
          Nach 2,5 Jahren stillen heute übrigens eine wunderschöne Frau mit Topmodell-Massen.

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          • Plietsche Jung schreibt:

            Naja, ich hatte einen Kollegen, dessen Säugling ununterbrochen 3 Monate durchgeschrieen hatte. Die ganze Famile lief auf dem Zahnfleisch. Damals war die Diagnose KISS und die Behandlung hat irgendwann geholfen.

            Tja, muss man so lange Stillen ? Irgendwann ist es dann schon seltsam und befremdlich anzusehen. In der Steinzeit leben wir auch nicht und unsere Lebensmittel sind besser denn je.

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