Die blonde Witwe //2417

Über Standort 7 hatte ich bereits mal eine Andeutung gemacht.
Der ist hier in der Stadt, allerdings in einem anderen Stadtteil, so dass es zum Hinlaufen zu weit ist. Immerhin fährt ein direkter Stadtbus.
Standort 7 ist (bzw. wird noch – die Bürokratie ist langwierig) unser bisher kleinster Standort. Die Mitarbeiter dort bieten eine gewisse Art Ingenieurdienstleistungen innerhalb unserer Branche, aber schon recht anders als das, was wir bisher in der Firma gemacht haben. Konkreter will ich nicht werden.
Finanzielle Probleme aufgrund der Corona-Maßnahmen waren nur ein Grund, warum das kleine Unternehmen nicht mehr weiter autonom bestehen konnte. Der plötzliche Tod des Inhabers ein weiterer. Mehr Details darüber möchte ich nicht öffentlich machen.

Jedenfalls nutzte Carsten als solventer Investor die Gelegenheit, das Unternehmen zu übernehmen. Für die technischen Belange bin natürlich wieder mal ich zuständig, weshalb ich in den letzten Wochen mehrmals hinfahren musste. Aber die Integration in Novosyx werden wir schon hinkriegen.
Die Witwe des Inhabers, Astrid Hilflo-Seerbin, hält noch einige Firmenanteile und ist deshalb noch in die Geschäftsleitung involviert, obwohl sie als Fachfremde kaum eine Ahnung hat, um was es überhaupt geht.
Wenn sie sich darauf beschränken würde, sich etwas in diese Belange einzuarbeiten, wäre ja alles OK. Aber sie ist auch im restlichen Leben völlig unselbständig. Auf sich alleingestellt, kriegt sie überhaupt nichts auf die Reihe.
Und was macht sie dann, wenn eine Tür klemmt, die Beleuchtung nicht funktioniert, oder sonst ein Problemchen sie beschäftigt?
Sie ruft Carsten an. Und der hat nichts dringenderes zu tun, als sofort zu ihr hinzufahren. Ich hätte nicht gedacht, dass er derart auf diese Damsel-in-Distress-Masche anspringt.

Als er gestern abend nach ihrem Anruf wieder im Begriff war, zu ihr zu fahren, meinte ich:
„Du solltest unbedingt deine Prioritäten überdenken. Ob du tatsächlich zu Frau Hilflo-Seerbin musst, oder doch besser daheim bei deiner hochschwangeren Frau bleibst.“
„Astrid vermisst ihren Mann, und meine Frau kommt schon selber klar“, versuchte er zu erklären, „es ist nicht leicht, so unerwartet auf sich allein gestellt zu sein. Würdest du mich nicht auch vermissen?“
„Ich bin es ja gewohnt, alleine und auf mich selbst gestellt zu sein“, erwiderte ich. Wobei ich strenggenommen zugeben müsste, dass er in den letzten Monaten keine größere Geschäftsreise gemacht hatte. Aber wenn eine Hochschwangere nicht das Privileg hat, auch mal unsachlich und unvernünftig sein zu dürfen, wer dann?
„Ach, Samtpfötchen ..“, versuchte er mich zu beschwichtigen, „ich bleibe ja nicht länger als nötig, und komme bald wieder zurück.“

Es ist mir nicht so recht klar, ob sie tatsächlich so hilfsbedürftig ist, oder diese ganzen Kleinigkeiten nur als Vorwand nutzt, um Carsten zu sich zu locken. Aber ganz egal, ich werde es nicht mehr lange dulden, dass sie seine Zeitresourcen so alloziiert.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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24 Antworten zu Die blonde Witwe //2417

  1. ednong schreibt:

    Was willst du dagegen tun?

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  2. Mia schreibt:

    Dein Mann repariert Türen und bringt die Beleuchtung wieder zum Strahlen?
    Vielleicht bringt er bei seinen Hausmeisterdiensten auch noch die Witwe zum Strahlen. : )))
    Ein perfekter Witwen-Tröster!

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  3. Christian_who schreibt:

    Mit den Waffen einer Frau 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. sempersolus2 schreibt:

    Willkommen in der Welt des Übergriffs, dem Eldorado der Gestalttherapie.
    Was da so alles an Unterbewusstem schlummert und ans Tageslicht will?!

    Ad eins: Die Serbin mit dem überzähligen Vokal.
    Wie angelt man sich einen Millionär? Per astra ad Astrid.
    Auf sich allein gestellt, der teure Gatte noch verblichener als kreidebleich,
    der Lebenspartner, vielleicht Lover, Teilhaber, Hausmeister und Gesprächspartner,
    er kann, weil ist nicht mehr.
    Klar, da käme eine kleine Frischzellkur doch g’rade recht?
    Die Stelle ist vakant, ein potentieller, weil fähiger und Aspirant schnell ausgemacht,
    beschäftige ich den ´mal, damit ich selbst beschäftigt und wieder bepummelt bin,
    weil ich doch nur zwei linke Daumen hab‘.

    Ad zwei: Der treue Carsten.
    Stets Galan, der Ritter in der weißen Rüstung hoch zu Ross,
    edel, technisch versiert, reich, … gut aussehend?
    Natürlich, weil: Besitztum von Frau Nym. Und dann doch: Mann … .
    Die sind ja eh zu blöd, verkennen jede Falle, die Frau ihnen stellt,
    tappen da ganz sorglos gleich hinein.
    So er nun wieder: Was will er nur bei dieser blöden Kuh?
    Denn blöd ist sie ja jedenfalls, … und dick, … und doof, … oder doch nicht?
    Vielleicht sogar attraktiv? Attraktiver noch als ich, wo ich doch jetzt …
    so schwanger, walfischgleich, wer mag das schon?
    Und: Hat man nicht von Boris Becker ´mal gehört?
    Der hat doch auch …
    Carsten ist ein Schaf. Ein Schuft, Nein: Beides, Schuftschaf. Depp.
    Der steht gar nicht loyal zu mir.

    Ad drei: Frau Nühm.
    Intelligent, potent, mit jeder Herausforderung vertraut.
    Aber mit so etwas doch scheinbar nicht so ganz.
    Klar: Die Lösung wäre ein ehrliches Gespräch mit klarer Ansage.
    Sieh´ her, so fühle ich mich:
    Du und ich, wir sind zwei, und bald auch drei und das ist unser Tanzabstand.
    Wenn da von außen eine andere Frau hineintanzen will, gerade jetzt,
    dann hab‘ ich Stress. Und du auch bald mit mir.
    Ich kenne, schätze, liebe dich und wenn du weggehst,
    zumal zu einer anderen Frau, gerade jetzt, das macht mir Angst.
    D’rum: Lass das doch. Nicht weil du sollst, nein, weil du willst.
    Weil wir uns beide ausreichen und das hier unsre Räume sind,
    da ist kein Platz mehr für Gefälligkeit für eine Witwe, so wie die.

    Doch nein: was macht Frau Nühm? Sie schweigt.
    Nein, sie sagt irgendwas, nur nicht das, was sie wirklich empfindet und denkt.
    Ich habe Angst um dich, ich bin gar nicht so gern allein, ich brauche dich.
    Das wäre ja Schwäche am falschen Platz.
    Die darf man niemals zugeben.
    Stattdessen: mache ich den gleichen Sch… wie diese Erbin da.
    Vielleicht ein Tränchen hier und da, ein wenig Schauspiel,
    Notfallszenerie! Nur nichts zugeben.

    Und das, dunkel Magie, soll fürderhin die Grundlage für Beziehung und stabile Familie sein?
    Sind das die drei Kugeln oder was?
    Wo ist die sonst so überlegt, sachlich und klar erscheinende Frau Nühm?
    Ersoffen im Hormoncocktail?

    Gefällt 1 Person

    • blindfoldedwoman schreibt:

      Carsten, selbst Witwer, hat natürlich mehr als Verständnis. Und welcher Mann fühlt sich nicht geschmeichelt und angezogen von einer Frau in Not. Zumal sie auch sein Schicksal teilt. Etwas, was Außenstehende niemals so wirklich nachempfinden können. Die beiden haben also etwas gemeinsam.
      Jetzt eine Situation herbei zu führen und um die Rolle des hilfebedürftigen Weibchens zu konkurrieren dürfte nach hinten losgehen. Das Spiel kann man nur verlieren.
      Besser Karten auf den Tisch.

      Gefällt 1 Person

    • Er weiß, dass ich derzeit besonders auf ihn angewiesen bin (oder sollte es zumindest wissen), da schon das Aufstehen vom Sofa für mich anstrengend ist, und ich kaum noch aus eigener Kraft aus der Badewanne komme.
      Er weiß auch, dass ich mich nur auf das gemeinsame Nachwuchsprojekt mit ihm eingelassen habe unter der Prämisse seiner uneingeschreckten Unterstützung.

      Ich kann ihn noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, aber darüberhinaus werde ich keinesfalls herumjammern.
      Vielleicht habe ich ihm in der Vergangenheit zu selten das Gefühl gegeben, ihn zu brauchen (außer wenn mich ein Hund angekläfft hat). Ich sollte ihn wohl öfter darum bitten, mir ein Schraubglas zu öffnen, oder meine Notebooktasche zu tragen.

      Gefällt 1 Person

      • HansG schreibt:

        Ich sollte ihn wohl öfter darum bitten, mir ein Schraubglas zu öffnen, oder meine Notebooktasche zu tragen.

        Ja, solltest du. Männer fühlen sich gerne gebraucht. Natürlich muss die Balance gewahrt bleiben. Der Holden alles hinterhertragen will Mann dann nämlich auch wieder nicht.

        Gefällt 2 Personen

        • Bisher habe ich immer erst selbst versucht, Schraubgläser zu öffnen (oder vergleichbare Tasks), bevor ich ihn gefragt habe. Ich werde mich in Zukunft deutlich weniger bemühen.
          Wenn er mir angeboten hat, mir etwas zu tragen, habe ich ihn gelassen, aber nicht selbst gefragt. Da werde ich ihn zukünftig in entsprechenden Situationen schon frühzeitig darum bitten.

          Warum soll ich mich anstrengen, wenn es ihm doch leicht fällt und er es auch gerne macht?

          Gefällt 1 Person

  5. mijonisreise schreibt:

    Das sind die Hormone 😉 … Durchatmen und versuchen sachlich zu bleiben (soweit das unter Hormonen geht 😅)

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  6. idgie13 schreibt:

    Mich würde das auch stören.
    Weiss die Witwe denn, dass Carsten Dein Mann ist?

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  7. Plietsche Jung schreibt:

    Die gelbe Karte ist durchaus berechtigt, um es in der Fußballsprache zu sagen.

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