Maskenverweigerung //2409

Bisher habe ich immer schön brav und ordnungsgemäß den Mund-Nasen-Schutz getragen, wenn es vorgeschrieben war. Nicht weil ich von der Notwendigkeit überzeugt gewesen wäre, sondern weil man das ja derzeit in verschiedenen Situationen tun muss, und es mir nicht wert war, mich dagegen aufzulehnen.
Da ist vor allem das Einkaufen. Wir brauchen nun mal Lebensmittel oder sonstige Dinge des täglichen Bedarfs. Darum kommt man nicht herum. Im Gegensatz zu Shoppingtouren, um Kleider, Schuhe oder sonstige Sachen offline zu kaufen. Solange dies nur mit einer Maske möglich ist, verzichte ich ganz (ebenso auf Besuche im Restaurant, Café oder Biergarten). Notfalls bestelle ich online. Tut mir ja leid um den Einzelhandel und die Gastronomie, aber als Verbraucher entscheide ich selbst, wann ich was kaufe. Und unter diesen Bedingungen schiebe ich es lieber auf, wenn es nicht dringend, oder lasse ich es ganz bleiben, wenn es nicht wichtig ist. Da lockt mich auch die temporäre Mehrwertsteuersenkung nicht.
In letzter Zeit fahre ich öfter mit dem Bus als sonst. Freilich trug ich die Maske. Als ich nach relativ kurzer Fahrt wieder ausgestiegen war, nahm ich die Maske sofort ab, um nach Luft zu schnappen. Ich hatte unter ihr geschwitzt, so dass ich unwillkürlich, ohne darüber nachgedacht zu haben, den Schweiß mit meiner sicherlich nicht steril sauberen Hand wegwischte. Falls sie tatsächlich kontaminiert gewesen sein sollte, habe ich mir damit erst recht die Keime im Gesicht verteilt. Das ist bestimmt nicht im Sinne des Erfinders.

Studien belegen, dass nach spätestens einer halben Stunde mit Maske der Kohlendioxidgehalt im Blut deutlich angestiegen ist. Diese Hyperkapnie ist nicht gesund. Da blase ich das Kohlendioxid doch lieber potentiell klimaschädingenderweise in die Atmosphäre, statt es sich länger als nötig in meinem Blut anreichern zu lassen.
Wo ich doch sowieso schon so kurzatmig geworden bin.
Es geht ja nicht nur um mich. Es geht vor allem darum, dass mein Kind jederzeit mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird.
Die Gesundheit meines Kindes hat Vorrang und ist mir um einiges wichtiger, als dieses minimale, ja praktisch vernachlässigbar geringe Infektionsrisiko irgendwelcher fremder Leute.

Ich werde die Maske also allerhöchstens eine Viertelstunde lang aufbehalten. Spätestens dann nehme ich sie ab.
Sollen sie mir doch ein Bußgeld aufbrummen. Ich hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommt, dass man das eigene Wohlergehen und die Gesundheit von sich und seinen Angehörigen gegen staatliche Verordnungen (die lokal vielleicht sinnvoll sind, aber in dieser gießkannigen Überpauschalität den Teufel mit dem Beelzebug austreiben) verteidigen muss.

Verantwortliche Politiker haben angekündigt, dass die Maskenpflicht so lange bleiben wird, wie es keinen Impfstoff gegen Covid19 gibt. Ha! Es gibt Hinweise darauf, dass Antikörper genesener Personen nach einigen Monaten wieder verschwunden sind. Sollte sich das bestätigen, kann man die Idee mit einem wirksamen Impfstoff vergessen. Trotz Jahrzehnte langer Forschung gibt es auch noch immer keinen Impfstoff gegen HIV. Noch nicht mal gegen Schnupfen.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich nicht mit einem nicht ausgiebig getesteten und erprobten Impfstoff werde impfen lassen. Es gibt gute Gründe, warum Zulassungsverfahren für Impfstoffe so lange dauern.
Sollen sie sich doch auf die Entwicklung von Therapeutika konzentrieren, die schwere Krankheitsverläufe zuverlässig und nebenwirkungsarm verhindern oder wenigstens lindern.

Ich habe mich schon zu Schulzeiten geweigert, im Fasching maskiert zu gehen, und bin auch jetzt nicht gewillt, noch monate- oder gar jahrelang Masken zu tragen. Die Maske ist unangenehm, und erschwert auch die Kommunikation, da bei diesen vermummten Gesichtern Lippenbewegungen nicht mehr und Mimik nur noch eingeschränkt sichtbar sind. [Erkennen tue ich die Leute eh nicht. Da gibt mir die Maske wenigstens eine Ausrede, und Gesichtserkennungssoftware ist auch erst mal auf Eis gelegt.]
Bereits viel zu oft habe ich Einmalmasken achtlos weggeworfen mitten auf dem Weg liegen sehen. Was das für einen zusätzlichen Müllberg ergibt, was die Herstellung der Masken für Resourcen benötigt .. Und ich mag mir gar nicht ausmalen, was für eine Qual das Tragen einer Maske für Asthmatiker oder Heuschnupfler ist.

Ich halte ja gerne soziale Distanz, aber lasst mich frei atmen!

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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21 Antworten zu Maskenverweigerung //2409

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Ich denke, wir haben es alle satt.

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  2. B E A N schreibt:

    Beim HI-Virus und bei Schnupfen liegen die Gründe, warum es keinen Impfstoff gibt, etwas anders.
    HIV greift direkt das Immunsystem an (die T-Helferzellen), die es eigentlich identifizieren und markieren und kann die „Andockstellen“ abwerfen, an denen es erkannt wird. Ein Impfstoff muss darum einen grundlegend anderen Mechanismus finden als bei anderen Virenerkrankungen.
    Und beim Schnupfen mutieren die Viren (von denen es im Übrigen unzählig viele gibt, denn „Schnupfen“ ist nicht nur ein Krankheitserreger) derart schnell, dann man zwar impfen könnte, aber das Virus bereits nicht mehr auf den Impfstoff ansprechen würde, wenn der Impfstoff fertig produziert wäre.
    Beim SARS-CoV2 besteht die realistische Chance, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln, da wir das auch bei anderen Coronaviren geschafft haben. Notfalls muss man noch mal „nachimpfen“, aber das muss man bei anderen Krankheiten (z.B. Masern) auch.

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    • Selbst wenn es gelingen sollte, einen wirksamen Impfstoff noch dieses Jahr zu entwickeln, dauert es dennoch seine Zeit, bis er ausreichend getestet ist.
      Ein Impfstoff, der erhebliche Nebenwirkungen hat, wäre ja auch keine Lösung.

      Ich würde den Schwerpunkt wirklich auf die Entwicklungs von Behandlungsmethoden konzentrieren, bzw. bewährte, gegen ähnliche Erkrankungen eingesetzte und bereits zugelassene Medikamente bei (den inzwischen nur noch sehr wenigen) Coronapatienten ausprobieren. Das erscheint mir zielführender als ein Impfstoff.

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  3. Kandra schreibt:

    Ach Anne, bitte spring doch jetzt nicht auch noch du auf den CO2-Zug mit auf. Du bist doch vernünftige Wissenschaftlerin. Oder gibt es jetzt Geld von der Aluhut-Fraktion, wenn man solche Postings verfasst?
    Diese Mär von dem steigenden und gefährlichen CO2 ist eine medizinische Doktorarbeit und ansonsten noch nirgends wissenschaftlich untersucht und/oder publiziert worden. Wäre das wirklich so gefährlich, was würden dann die ganzen Chirurgen, OP-Pfleger, Anästhesisten, Anästhesiepfleger etc pp machen, die das Ding den ganzen Tag, teilweise über 8 Stunden am Stück ohne Pause tragen? Das ist einfach dummer Unfug!
    Es ist unangenehm eine Maske zu tragen, es ist warm drunter und man kann nicht so frei atmen wie sonst. Aber weder bekommt man darunter einen signifikanten spO2-Abfall noch einen pCO2-Anstieg, der in irgendeiner Weise gefährlich wäre.

    Wenn es ein Medikament gegen Covid-19 gäbe, glaube mir, wir würden es nutzen. Ich als Ärztin und Angehörige der (Hoch-)Risikogruppe würde es nutzen! Mir hat das Virus dieses Jahr meine Pläne auch ordentlich durcheinander gewirbelt und ich hätte ohne es die letzten Monate auch sicher besser geschlafen. Aber es ist jetzt nunmal da und jeder hat die Verantwortung, die Verbreitung so gut es geht zu verringern. Und dazu gehört neben dem Abstandhalten nunmal auch die Maske, egal ob es den Leuten passt oder nicht.
    Du bist doch normalerweise immer diejenige, die auf Menschen mit Befindlichkeitsstörungen rumhackt. Das Motzen über die Maske ist (bis auf wenige Ausnahmen) nichts anderes als eine Befindlichkeitsstörung.

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    • Es geht primär nicht um mich. Das sind nicht (nur) meine Befindlichkeiten. Es geht darum, dass derzeit allgemein ein möglicher Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Nachteilen steht.
      Ich trage die Verantwortung für die Gesundheit meines Kindes, und die hat absoluten Vorrang vor allem anderen, und ich werde kein vermeidbares Risiko eingehen.

      Inzwischen gibt es in Deutschland laut RKI aktuell gerade mal noch gut 5000 aktive Fälle (also gerade mal 61 ppm), und die konzentrieren sich in wenigen Regionen.
      In diesen Regionen sind verstärkte Vorkehrungen wohl durchaus zweckmäßig, in anderen aber nicht.
      Solange die Anzahl der aktiven Fälle auf derart niedrigem Niveau bleibt und tendenziell weiter abnimmt, ist es völlig gerechtfertigt, die Maskenpflicht zu lockern bzw. ganz aufzuheben. Auf Empfehlungsbasis kann die ja gerne freiwillig weitertragen, wer will.
      Steigen die Fälle (lokal) wieder an, müsste man halt schnell wieder nachjustieren.
      Aber über Monate hinweg bei derart geringer Verbreitung die Bevölkerung zum Maskentragen zu verpflichten, halte ich für absolut übertrieben, und es würde mich nicht wundern, wenn die Leute das früher oder später nicht mehr mitmachen – vielleicht gerade dann, wenn es tatsächlich nötig wäre.

      Der Vergleich mit dem medizinischen Personal hinkt. Sie werden für ihre Tätigkeit bezahlt. Dazu gehört es auch, Unbequmelichkeiten und Einschränkungen in Kauf zu nehmen (die bekanntermaßen im worst case zu Berufskrankheiten führen können).
      Genauso wie in anderen Branchen aus Schutz- oder Hygienegründen Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen und -helme oder andere Ausrüstung getragen werden muss. Es käme aber niemand auf die Idee, dass jetzt plötzlich jeder beim privaten Einkauf ESD-Kleidung, Handschuhe und Haarnetz trägt.

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  4. idgie13 schreibt:

    Wir haben erst seit Montag Maskenpflicht – und das auch nur im ÖV. Einkaufen dürfen wir zum Glück ohne Maske. Hoffentlich bleibt das so!
    Nachdem ich kein ÖV fahre, bleibt es mir (noch) erspart – die Diskussionen, ob wir es im Laden brauchen, laufen schon.

    Ich war in D nur 1x kurz einkaufen, als ich bei meinen Eltern zu Besuch war. Das ist schon echt ätzend – für längere Zeit ist es einfach mühsam.

    Dass es dieses Jahr einen zuverlässigen und getesteten Impfstoff gibt, glaube ich auch nicht.

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  5. noch1glaswein schreibt:

    Ich finde die Masken auch äusserst unangenehm, glaube aber schon, dass es wichtig ist, dass alle eine tragen.

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  6. Leser schreibt:

    Auch mich stört die Maskenpflicht ungemein. Da ich kein ÖPNV fahre, brauche ich die Maske zum Glück nur zum Einkaufen (hier wieder mal entgegen der aktuellen Autohasserkultur: Ein Auto benutzen zu können bzw. zu besitzen ist in diesen Zeiten unersetzlich! Und nein, die 25km Pendelweg werde ich auch bei bestem Wetter nicht mit einem Fahrrad fahren, dazu ist es einfach zu weit).
    Unter der Maske bekomme ich nach wenigen Minuten Atemnot, ich atme schwer und tief keuchend, weil ich das Gefühl habe, keine Luft zu bekommen, und kann mich auch nicht mehr konzentrieren, werde fahrig und vergesse die Hälfte. Und ich will gerne einräumen, dass das nur ein psychologisches Problem ist, und dass ich mich vielleicht an das Tragen einer Maske gewöhnen könnte – aber das macht es nicht weniger real und den Prozess der Gewöhnung nicht weniger unangenehm. Dieser ist vermeidbar. Ich habe schon mehrfach beim Einkaufen von Lebensmitteln (mit allem anderen halte ich es ebenso wie im Blogpost dargestellt) das ein oder andere vergessen und musste dann nochmal in den Laden, weil ich eben durch die Maske nicht die Ruhe hatte, mich in Ruhe zu konzentrieren und an alles zu denken, sondern ich war gehetzt, um möglichst bald wieder frei atmen zu können.

    Inzwischen passiert es mir nach 3-4 Minuten praktisch automatisch, dass die Maske über die Nase nach unten rutscht, so dass ich wenigstens wieder durch die Nase Luft bekomme. Ab dem Moment ist die Maske zwar nutzlos, aber mir ist das egal – auf den ersten Blick sehe ich so aus, als würde ich eine tragen, und wenn man mich darauf anspricht, dann kann ich sie ja wieder hoch ziehen (wo sie nur kurze Zeit bleibt, bevor sie wieder runterrutscht). Somit betrachte ich die Maske – über dem Mund und nicht der Nase – als eine Form des „virtue signalling“, und damit ist es dann für mich OK, sie zu tragen – aber halt nur in der wirkungslosen Form, welche nicht den Zugang zur Atemluft verhindert.

    Die Gastronomie vermeide ich schon alleine deshalb, weil ich nicht auf irgendwelchen Namenslisten im Internet auftauchen will. Klar, ich könnte da auch einfach einen Phantasienamen mit Phantasie-Adresse eintragen, aber ganz ehrlich, das wäre mir schon zu mühsam…

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    • So extrem reagiere ich nicht auf die Maske, halte die fläckendeckende Tragepflicht aber aktuell für unverhältnismäßig.
      Auch wenn eine Beklemmung oder Atemnot nicht unmittelbar zu spüren ist, kann sich die Maske dennoch gesundheitlich negativ auswirken.

      Bei der Gastronomie ist diese Datensammelei eigentlich der Hauptgrund, warum ich sie derzeit nicht besuche. Die Maske ist das nur ein zusätzliches Ärgernis.

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      • Leser schreibt:

        Wie gesagt: Ich habe das nutzlose Tragen der Maske mit freier Nase zum Atmen als virtue signalling erkannt und bin bereit, es mitzumachen. Aber ich gehe keinen Schritt weiter 🙂

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        • sempersolus2 schreibt:

          Wo ist da virtue beim signaling?

          Du trägst gegen deine offensichtliche Überzeugung (du hast mit der Maske ein Engegefühl und Unwohlsein) halbgar eine Gesichtsmaske, die (und auch das scheinst du zu wissen) ohne Nasenabdeckung weniger wirksam ist. Ich würde das als Opportunismus bezeichnen, aber ist das wirklich tugendhaft?

          Ich kann mit Leuten über ihre Ansichten diskutieren, wenn sie dazu stehen und sich so verhalten, wie es ihre Überzeugung ist. Das finde ich straight und vielleicht ist ja das Ergebnis der Diskussion auch: Meine Ansicht ist falsch.

          Aber etwas zu tun, hinter dem man nicht mit Überzeugung steht, das nötigt mir keinen Respekt ab und als virtue empfinde ich das ebenfalls nicht.

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  7. sempersolus2 schreibt:

    Ich verstehe die psychologische Wirkung von Masken. Sie verdecken und verstecken, sind das zwangsläufig heruntergeklappte Visier der Neuzeit, auch wenn wir viel lieber das Visier aufklappten, weil wir uns als freie und offene, in die Welt hineinsehende Menschen verstehen.

    Der Mundschutz ist aber leider auch eine der effektivste Maßnahme, die uns zur Zeit zur Bekämpfung der Pandemie zur Verfügung stehen. Eine prophylaktische Maßnahme und wie immer erfordern prophylaktische Maßnahmen eine breit gestreute, nicht spezifische Anwendung, damit sie ihre Wirkung entfalten können.

    Abstand wäre ähnlich wirksam, wir halten ihn leider immer weniger ein, können es oft auch nicht.

    Massenstests wären eine weitere Idee, doch auch sie haben einige Limitierungen: Gerade wenig symptomatisch Erkrankte scheinen keinen für einen Immunitätsnachweis ausreichenden Antikörpertiter zu entwickeln; Wir wissen nicht einmal gewiss, wie hoch dieser Titer sein müsste; Wir wissen nicht, wie lange Immunität besteht; Die Tests zeigen durch Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviridae falsche Ergebnisse an. Kurzum: Wir haben kein Instrument, dass uns die wahre Zahl der Infizierten zeigt, die sicher nicht unerheblich über den 5.000 – 6.000 ständig aktiv Infizierten in Deutschland erfassten liegt. Diese Dunkelziffer der Asymptomatischen oder unbekannt Infizierten ist unser Risikopotential. Sie zu identifizieren, gar die individuell Infizierten zu erkennen gelingt uns nicht ausreichend.

    Andere Behandlungsoptionen: Das US-präsidential empfohlene Hydrochloroquin? Wohl kaum, die Datenlage wird immer eindeutiger, es gibt keinen positiven Effekt. Spezifische Kombinationen mit Antibiotika? Fangen bei viralen Infektionen höchstens bakterielle Superinfektionen auf. Remdesivir? Für das bereits zur Ebolabekämpfung erst gehypte und dann als weitgehend wirkungslos erkannte Medikament sucht der Hersteller jetzt einen neuen Absatzmarkt, mit Aussagen zur fulminanten Wirkung wäre ich vorsichtig. Kortison zur Eindämmung der überschießenden Immunabwehr? Ist auf Intensivstationen ohnehin längst Standardtherapie und rettet trotzdem nicht vor dem Coronatod. Die Zeit für die Erprobung und den Wirkungsnachweis einer ursächlichen Therapie ist noch viel länger, als die für eine Impfstoffentwicklung, der Preis weitaus astronomischer.

    Die Impfung ist unsere Hoffnung für die Zukunft, die banale physikalische Maßnahme der Kontaktvermeidung, des Abstandes, die Maske im eigenen Gesicht für den Anderen, so weh sie tut und so asozial sie ist, ist unsere aktuell sinvollste Strategie.

    Ich stehe ganze Tage im OP unter Mundschutz, Röntgenschürze, Kittel, Handschuhen und im laminar flow. Ich bin abends nicht blöder oder kritikunfähiger oder atemloser, als am Vormittag.

    Ich verstehe aber, dass es Menschen gibt, die das Tragen oder Nicht-Tragen eines Mundschutzes zum politisches Signal umfunktionieren wollen. Sie bemühen allerhand Argumente dafür, auch vermeintliche Studien über schädliche CO2-Ansammlung und Sauerstoffmangel, diese Pseudoargumente überzeugen mich als Wissenschaftler nicht. Der politischen Agenda dieser Menschen gehe ich als naturwissenschaftlich denkender Mensch auch nicht auf den Leim. Ich trage meine Maske nicht, weil ein Ministerpräsident (der im übrigen selber zu blöd für die korrekte Anwendung scheint) das sagt, ich trage sie nicht nicht, weil ein Mensch mir das als Weltverschwörungswahrzeichen umdeuten will. Ich trage die Maske als Ergebnis simpler und eigenständiger Überlegungen und Überzeugungen, that´s all.

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    • Danke für den ausführlichen Kommentar.

      Ich bestreite nicht die Schutzwirkung der Maske, halte die flächendeckende Tragepflicht aber in der jetzigen Situation bei bundesweit nur noch rund 5000 aktiven Fällen für unverhältnismäßig.
      Keine Großveranstaltungen, Abstand soweit möglich, verstärkte Hygienemaßnahmen sollten ausreichen. Freilich muss man die Entwicklung im Auge behalten. Wenn lokal die Anzahl der Infizierten deutlich ansteigt, sollte man die Maskenpflicht zeitnah wieder in der betreffenden Region einführen.
      Übrigens war die Entwicklung der Corona-Fälle schon längst rücklaufig, als die Maskenpflicht eingeführt wurde.

      Was das Kohlendioxid betrifft: Es gibt diese Studien, und meines Wissens sind die noch nicht widerlegt. Als Wissenschaftler muss man aufgeschlossen für neue Ergebnisse bleiben, auch wenn sie einem nicht gefallen.
      Ich gehe also davon aus, dass etwas daran sein könnte. Wenn es nur um mich selber ginge, wäre die Risikoabwägung vielleicht anders. Aber so muss ich das Wohlergehen meines ungeborenen Kindes berücksichtigen, und da werde ich es keinesfalls drauf ankommen lassen, sondern im Zweifel die Maske lieber abnehmen.
      Das ist meine persönliche Abwägung von Nutzen und Schaden. Andere Menschen können anders gewichten oder priorisieren.

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      • sempersolus2 schreibt:

        Ich schätze deinen rationalen und nicht emotionalen Umgang mit der Sachfrage und natürlich müssen wir uns alle unsere Freiheit zugestehen. Ich bin ein Freund von freiwilligen, weil auf persönlicher Überzeugung beruhenden Maßnahmen, hier denen, die uns vielleicht vor der Ausbreitung von Infektionen schützen können.

        Verhältnismäßigkeit: nur 5000 aktive Fälle klingt sehr wenig und natürlich sind die auch noch regional unterschiedlich verteilt. Und in Gebieten, in denen es seit Wochen keine Corona-Neuinfektionen oder gar Todesfälle mehr gab könnte man tatsächlich alle Schutzmaßnahmen aussetzen (Mundschutz, Abstandsregelung, eigentlich alles, was zur Infektionsprophylaxe dient). Wobei ich zugeben muss, dass ich schon seit Jahren gerne auf das Händeschütteln in der Praxis verzichte, auch wenn das einige Patienten brüskiert. Sie halten das für unhöflich, dabei ist doch eigentlich das Gegenteil der Fall, es ist als höfliche Maßnahme des Infektionsschutzes gedacht. Wir sind eben nicht so schnell wandlungsfähig in unseren Handlungen, wie es die Logik eigentlich nahelegt. Leider leben wir nicht in einer idealen Welt. Auch derzeit infektionsfreie Enklaven haben mit Fragen von Einschleppung neuer Keimträger zu tun, wir haben das sehr plastisch in Neuseeland erlebt, wo Jacinda Ardern (was für eine fabelhafte Frau) ihr Land für coronafrei erklären konnte, dann aber wieder einen Rückschlag durch zwei Englandtouristinnen hinnehmen musste und davon verständlicherweise emotional recht angerührt war. Dort hat man aber auch weiter engmaschig überwacht und sofort reagiert. Ähnliche Konsequenz erkenne ich hierzulande leider nicht. Da kann es schonmal eine Woche dauern, bis man sich zu einem Reihentest bequemt, weil man ja erst organisieren müsse. Vielleicht haben wir ja weniger ein Masken-, als ein Bräsige-Behörden-Problem?

        Maßnahmen in einigen Gebieten aussetzen, das ist noch ein anderes Problem: Wir haben das in Gütersloh erlebt. Plötzlich fühlt sich eine Minderheit benachteiligt und ausgegrenzt, wenn tatsächlich ein Anstieg offizieller Infektionszahlen passiert und die Politik tut sich dann auch schwer, die vorher vollmundigen Ankündigungen von erneutem Lockdown zügig umzusetzen. Das regiert weniger Naturwissenschaft, als Soziologie oder schlichter Unverstand. Unverstand, wie er gerade auch auf den Partymeilen auf Mallorca um sich greift. Abstände sind da offenbar auch Makulatur, von Masken rede ich gar nicht mehr. Ich habe ein wenig Angst davor, was uns der Herbst und die Touristenrückkehrwelle noch bescheren mag.

        Entwicklung im Auge behalten, das tun wir leider auch nicht ausreichend. Wir nutzen 50% unserer Testkapazitäten nicht, haben deshalb auch immer noch keinen Schimmer von der wahren Zahl der Infizierten sondern nur sehr vage Vermutungen, was ausgesprochen traurig ist. Stechen wir dann hin und wieder ´mal in ein Wespennest (Fleischfabrik, etc.), dann tun wir überrascht. Sind wir da wirklich überrascht? Das überrascht mich wiederum. Es ist doch wohl anzunehmen, dass Bedingungen wie Enge, Kälte, umgrenzter Raum ein optimales Klima für Keimausbreitung sind. Ist setze mich derzeit bestenfalls zeitlich begrenzt in einen großzügig angelegten Biergarten, aber nicht in ein geschlossenes Lokal.

        Tatsächlich haben wir Masken erst eingeführt, als die Coronawelle schon abebbte. Warum sie das tat? Da schweigen die Epidemiologen, ich tippe auf sommerlich andere Lebensbedingungen in unserer Kultur. Wir sind getrennter, mehr an der frischen Luft, setzen uns nicht im Winter für längere Zeit mit vielen Menschen dichtgedrängt in Wartezimmer oder in einen stickigen Karnevalssaal. Warum wir erst da Masken empfohlen haben? Wir hatten schlicht keine für die gesamte Bevölkerung, nicht einmal genug für uns als Ärzte, Pfleger, Krankenhaus, Arztpraxen. Die Politik und der Katastrophenschutz hatten ganz simpel gepennt. Liest man die Arbeit über CO2-Anstieg bei OP-Maskenträgern von Ulrike Butz aus 2004 von der TU München (und auf die bezieht sich ja ganz wesentlich die Masken-CO2-Kritik), dann wird gerade da klar: Masken schützen vor Infektionen mit bis 99% Effektivität, das wusste man schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zumindest für Bakterien (sonst liefen wir ja auch nicht dauernd mit den Dingern im OP herum).

        Liest man die Studie der TU-München weiter (n=15, 3 Untersuchungsszenarien, nur männliche Probanden aber das will ich gar nicht als Kritikpunkt anführen), so erkennt man: ja, der CO2-Wert im Blut unter einer Maske steigt bei 30 Minuten Tragzeit an (was nicht überraschend ist). Weitere Rückschlüsse erlaubt die Studie nicht. Die Auswirkungen auf Urteilsvermögen, Physiologie, o.ä. wurden nicht untersucht, waren auch nicht Aufgabe der Studie, die nur gut 40 Seiten umfasst. Was aber auffällt: die natürlichen Kompensationsmechanismen, die der Körper sonst für die Regulierung bei steigendem CO2-Wert im Blut benutzt (schnellere Atmung, schnellerer Herzschlag, Steigerung des HZV, auch nur Ausweichen aus der Situation) wurden angesichts des doch eher moderaten, unter physiologischen Bedingungen auch sonst z. B. in einem „Raum mit schlechter Luft“ auftretenden CO2-Anstiege bei keinem der Probanden aktiviert. Es gab nicht einmal ein statistisch relevantes Unwohlsein bei den Trägern aus den Gruppen, die die Maske trugen (auch wenn mir das Patienten immer wieder suggerieren, da spielt uns vielleicht auch oft der Kopf einen Streich. Schönstes „Erlebnis“ zuletzt: Eine Patientin, die IHRE Maske abnahm um besser hören zu können, weil sie MICH unter meiner Maske nicht verstand). Es gab bestenfalls Empfehlungen für leichte Veränderungen an den OP-Masken, die waren danach recht schnell umgesetzt.

        Ich respektiere Deine Entscheidung, ich respektiere den Wunsch nach maximalem Schutz für dein ungeborenes Kind. Sowohl Folgen eine Coronainfektion, als auch einen potentiellen Hyperkapnieschaden oder alles andere (was natürlich niemals eintreten wird) würde man sich als Mutter vorwerfen, man würde rätseln, rechten, zweifeln, sich selber anklagen. Ich verstehe das sehr gut und ich wünsche euch beiden ein ganz glückliches und unbeschwertes Dasein. Du tust das Richtige für dich, wenn du so fühlst.

        Ich trage weiter meine Maske, wie ich das auch schon vor der Maskenpflicht längst getan habe.

        Wir haben beide länger überlegt und bewertet und agieren nach bestem Gewissen in unserer Situation. Wenn das doch nur jeder täte.

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        • Das Ausweiten der Tests wäre in der Tat wichtig. Dann könnte man die Entwicklung engmaschig beobachten, und bei Anstieg der Neuinfektionen sofort reagieren und Maßnahmen konsequent verstärken (dass diese Konsequenz nicht unbedingt gegeben ist, ist leider ein Problem).
          So aber schreckt einfach die Aussicht, die Maske noch viele Monate lang ohne wirkliche Notwendigkeit tragen zu müssen. Das werden die Leute leid, und werden Maßnahmen dann vielleicht nicht mehr ernst nehmen, wenn es wirklich nötig wäre.
          Ich persönlich würde bei einem deutlichen Anstieg der Infizierten in meiner Region das Risiko neu bewerten, und daraus zweckmäßige Konsequenzen ziehen.

          Beim Händeschütteln hatte ich bislang nur der gesellschaftlichen Konvention nachgegeben. Ich empfinde es durchaus als positiven Effekt, dass dies nun ausgesetzt ist, und würde es gutheißen, auch in Zukunft dieses unhygienische Begrüßungsritual zu unterlassen.

          China hat die Epidemie ganz gut in den Griff bekommen, bis dann wieder aus dem Ausland Leute einreisten.
          Vor Neuansteckungen von Außen wird man nie sicher sein, selbst wenn die Krankheit im eigenen Lande auf (offiziell) 0 gesunken wäre. Man weiß auch nicht (ohne flächendeckende, zumindest stichprobenartige Tests), ob irgendwo in der hintersten Provinz noch irgendwelche Überträger ohne merkliche Symptome lauern.
          Eine zweite Welle wird also vermutlich nicht vermeidbar sein. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zielgenau durchzuführen, und nicht die Lebensqualität aller aufgrund einer nur vagen, insgesamt nur geringfügigen Gefahr dauerhaft zu beeinträchtigen.

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  8. sempersolus2 schreibt:

    Das verstehe ich schon gut. Corona ist auch eine Aufgabe und Frage der Psychologie und so hat die Maske mittlerweile ja auch Symbolcharakter für den Wunsch nach Rückkehr zur Unschuld der Vor-Corona-Freiheiten. Diese Sehnsucht teile ich so sehr.

    Ich möchte wieder auf Leute offen zugehen, sie nicht mehr als verdächtig, vielleicht infiziert, vielleicht unheilbringend wahrnehmen. Ich möchte nicht mehr implizit beurteilen, wie sich jemand verhält und wie das zu meinen Gedankenmustern passt. Ich möchte nicht mehr abhängig sein von kruden Bürokraten, die selbst aus einer naturwissenschaftlichen Gegebenheit ein Vehikel machen für ihre Machtansprüche, ihre Kontrollgelüste, ihre engstirnige Sicht der Welt. Denen konnte ich mich vor der Pandemie deutlich besser entziehen.

    Corona verleiht in ganz vielfältiger Weise jeder Unschuldsvermutung einen Knacks. Das genaue Gegenteil hätten wir schon vor Corona gebraucht.

    Ich war ganz überrascht und so erfreut über die scheinbare Solidarität, die ganz zu Anfang der Krise in meinem Umfeld Raum gegriffen hat. Ganz fremde Leute unterstützten einander urplötzlich mit guten Wünschen, aber auch praktischen Hilfen oder schlicht mit Geld. Wer Glück hatte und noch vollzeitig in Arbeit war, der kaufte vielleicht beim Restaurant oder im Biergarten nebenan sein Mittagessen ein. Wäre man sonst ins Theater gegangen, so kaufte man jetzt ein Ticket pro bono, für virtuelle Eintritte, nur um sich solidarisch zu erklären und zu zeigen, was einem lieb und teuer ist. Tenor: „Wir brauchen uns auch morgen noch, ihr seid Teil meiner kleinen Welt, ich möchte, dass die nicht zusammenbricht.“.

    Mittlerweile glaube ich: Vielfach war das einfach nur eine Reaktion auf die um sich greifende Unsicherheit und vorherrschende Angst. Die alte Rücksichtslosigkeit und Unverschämtheit ist längst zurückgekehrt. „Klar tragen wir die Maske, aber nur, weil es sonst Geldstrafen gibt, ansonsten sind ja alle anderen doof.“. Versteh´ mich nicht falsch: Du tust was du tust ganz sicher aus anderen Beweggründen und sehr wohl überlegt. Ich deute aus deinen Texten einen Menschen mit Empathie gepaart mit naturwissenschaftlicher Urteilskraft. Und ich tue was ich tue vielleicht auch gar nicht so streng wissenschaftlich und nur noch aus Sehnsucht nach der einst vermuteten Solidarität.

    Insofern lade ich der Maske vielleicht doch auch irgendeine falsche Symbolkraft auf. Doch das mache ich vielleicht auch gern in meinem Sinn. Ich verstehe die Maske als freundliche Geste der Rücksichtnahme, als „Du bist mir nicht egal“. Der Ministerpräsident meines Landes versteht das vielleicht aber auch nur als „Wie gut, wenn ihr alle nach meiner Pfeife tanzt“? Wenn es mit einer bunten Schleife am Revers getan wäre, vielleicht trüge ich die auch?

    Ich wünsche mir einfach wie so viele Menschen mein altes, in vielfacher Hinsicht unbeschwerteres Leben zurück.

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