How to wickel a Wollknäuel //2401

In meiner Kindheit trugen wir viel gestrickte Kleidung, vor allem Pullover und Jacken.
Kinder haben es an sich zu wachsen, und so war es jedesmal nur eine Frage der Zeit, bis die Stricksachen verwachsen und zu klein waren. Also wurden sie zur Wiederverwendung aufgetrennt, und das lief etwa so:

Zunächst wurden die Nähte vorsichtig aufgeschnitten, eventuelle Knöpfe oder Reißverschlüsse entfernt. Von einem einzelnen Teil wurde das (üblicherweise vernähte) Ende des Fadens gesucht und an einem Bein eines geeigneten Holzschemels festgeknotet. Am einfachsten ist das Auftrennen, wenn man es zu zweit macht. Einer zieht vorsichtig den Faden vom Strickstück, so dass die Maschen der Reihe nach von der Vorreihe herausgezogen werden, bzw. hält das Teil straff, so dass durch eine gewisse Zugspannung die Maschen fast von alleine fallen. Der andere wickelt diesen Faden möglichst straff um die Beine des Holzschemels herum. Wenn das Teil völlig aufgetrennt ist, wird der gespannte, topologisch toroidale Wollstrang mit zwei oder drei Fäden zusammengeknotet und fixiert, und vom Holzschemel heruntergenommen.

Man kann ihn jetzt vorsichtig mit der Hand waschen, oder man stabilisiert das Gebilde (zur übergangsweisen Aufbewahrung), indem man es fest mit sich selbst verknotet.
Bevor man die Wolle jetzt wieder verstricken kann, muss man sie als Knäuel aufwickeln. Diese Fadenstränge wären zu empfindlich und würden sich nur dauernd mit sich selbst verheddern und verknoten.
Es ist einfacher, wenn man dafür zu zweit ist, und einer den Strang mit den Händen aufgespannt hält und den Wickler unterstützt. Wenn gerade niemand verfügbar ist, reicht es auch, den Strang um eine Stuhllehne zu legen.

So ziemlich jeder hat eine etwas andere Technik, ein Wollknäuel zu wickeln. Ich kann nur beschreiben, wie ich es selbst mache.
Ich beginne, indem ich den Faden vielleicht fünfzehn bis zwanzig Mal eher locker um meine rechte Hand wickle. Dann nehme ich das Fadenbüschel herunter, verdrehe es um 180° mit sich selbst und lege es übereinander, so dass es den Kern des Knäuels bilden soll.
Dann wickle ich den Faden wieder mehrmals außen um diesen Kern herum. Immer wieder wird die Richtung gewechselt und außenrum gewickelt. Das Knäuel wächst. Nach einem formlosen Anfang wird es bald kugelförmig. Nach einer gewissen Anzahl von Wicklungen (schätzungsweise etwa zwanzig, ich hab‘ sie nie gezählt), ändere ich jeweils die Ausrichtung des Knäuels, so dass ein neuer „Äquator“ entsteht, um den ich dann wieder wickle. Der Radius des Knäuels nimmt zu (mit der dritten Wurzel der bereits gewickelten Fadenlänge – zumindest sobald das Knäuel hinreichend groß ist, am Anfang gilt diese Näherung noch nicht), bis der Faden irgendwann zu Ende ist.
Die Endgröße des Knäuels hängt nicht nur von der Fadenlänge ab, sondern auch von der Festigkeit der Wicklung. Manche Wickler wickeln sehr straff. Dann wird das Knäuel vergleichsweise klein. Andere wickeln lockerer. Dann wird das Knäuel größer. Meine Wicklungsfestigkeit liegt wohl so im Mittelbereich, tendenziell eher fester.
Und natürlich beziehen sich diese Abhängigkeiten nur auf die gleiche Wolle. Andere Garne, die dicker oder dünner sind, bzw. aus anderen Materialien mit andere Dichte bestehen, liefern natürlich wieder andere Knäuelgrößen.

Meine Knäuel verfügen über eine (makroskopisch) sphärische Symmetrie. Meine Großmutter schaffte es dagegen, eine Anisotropie hineinzuwickeln, indem sie ihren Daumen immer an fester Stelle ließ, und das Knäuel nur relativ zu diesem verdrehte. Im Endeffekt hatten ihre Knäuel dann immer ein axiales Loch in Daumengröße.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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44 Antworten zu How to wickel a Wollknäuel //2401

  1. keloph schreibt:

    kindheitserinnerungen. für mich. danke.

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  2. Mia schreibt:

    Das wäre doch ein schöner Zeitvertreib während des Mutterschutzes: Alte Strickklamotten aufdröseln und neue Babysachen stricken.

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    • Ich habe keine Stricksachen, die ich nicht mehr, so wie sie sind, verwenden will.
      Mutterschutz ist was für abhängig Beschäftigte, also für mich nicht anwendbar, zumal die Zeit dann eh schon zu knapp wäre.

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      • Mia schreibt:

        Aber du wirst doch sicher nicht bis zum Geburtstermin arbeiten gehen.
        Ein paar entspannte und ruhige Wochen vor dem Tag X, die du zur Geburtsvorbereitung, zum Einkaufen von Baby-Kram und vor allem zum Ausschlafen nutzen kannst. Danach wirst du dich später noch sehnen.

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        • Bestimmt werde ich es in den letzten zwei, drei Wochen ruhiger angehen und vorzugsweise Homeoffice machen. Vielleicht nehme ich mir nach der Entbindung auch ein paar Tage Auszeit.
          Aber ein Vierteljahr oder noch länger kann ich mich nicht vom Geschäft völlig zurückziehen.

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          • Leser schreibt:

            Die Frage ist: Was geschieht mit dem Baby nach der post-Entbindungs-Auszeit? Idealerweise trägst Du es dann mit einem Tragetuch dauerhaft bei Dir, aber das würde Dich (so meine Vermutung) wohl zu sehr stören. Aber so ein Säugling braucht Vollzeitbetreuung, und am besten auch Vollzeit Körperkontakt (idealerweise mit einem Elternteil, wobei natürlich auch andere Erwachsene dies übernehmen könnten, was jedoch die Prägung des Nachwuchses entsprechend beeinflusst). Nun würde mich wirklich interessieren, wie Du das geplant hast.

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          • Mia schreibt:

            Du nimmst dir „vielleicht“ nach der Entbindung ein paar Tage Auszeit?? Willst du dein Kind danach mit auf Arbeit nehmen? Und glaubst du wirklich, du kannst dich dann voll und ganz auf deine Arbeit konzentrieren – mit einem Säugling neben dem Schreibtisch?
            : )))
            Du hast anscheinend noch nicht ganz überrissen, was auf dich als Mutter zukommt.

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            • Lass das mal ruhig meine Sorge sein.
              Ich plane, koordiniere und organisiere meine Arbeit so, dass es sich vereinbaren lässt.
              Delegiere ich halt die Aufgaben, für die man sich längere Zeit konzentrieren müsste an gut eingespielte Mitarbeiter.
              Und Termine und unnötige Verpflichtungen reduziere ich zeitweilig.

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            • Mia schreibt:

              Wirklich drollig, wie verbissen du daran arbeitest, die Schwangerschaft und alle damit einhergehende und künftige Veränderungen so steril wie möglich zu behandeln und zu beschreiben.
              Dass dein Mann sich auf den Nachwuchs freut, hattest du ja schon erwähnt. Aber freust du dich auch? Wenigstens ein kleines bisschen?

              PS: Du hast hoffentlich eine schalldichte Bürotür. 😉

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            • carnofis schreibt:

              „Lass das mal ruhig meine Sorge sein.
              Ich plane, koordiniere und organisiere meine Arbeit so, dass es sich vereinbaren lässt.“

              Eine sehr vernünftige Einstellung.
              Die Babys sind alle unterschiedlich. Und schon vorab ein festes Muster einplanen erzeugt nur Frust, weil es nahezu nie einzuhalten ist.
              Grobe Vorplanungen reichen und das Feinjustieren kann man sich auf die Zeit nach der Geburt legen.
              Mein Erster war extrem pflegeleicht (fand ich jedenfalls) und die Vorbereitung auf ein stressiges Kind wäre unnötig gewesen, der Zweite war etwas anstrengender, aber immer noch weit von dem entfernt, was man uns damals angedroht hatte.
              Nichts ist stressiger, als ein Neugeborenes in pränatale Planungen zu passen.

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            • Ja, manches kann man nur auf sich zukommen lassen, und muss abwarten wie sich die Dinge entwickeln.

              Wir planen insofern, dass dann erst mal keine wichtigen geschäftlichen Termine oder zeitintensive Arbeiten anfallen sollen.

              Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
              Irgendwie werden wir’s schon hinkriegen.

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Selbstgestrickte Pullover waren wohl für viele Kinder und Jugendliche ein Grauen.
    Heute hat wohl nur noch der Norwegerpulli überlebt, aber der ist in unseren Gefilden viel zu warm.

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    • idgie13 schreibt:

      Pauschal kann man das aber auch nicht sagen.
      Ich mochte meine selbstgestrickten Pullis immer gern, stricke selber seit ich 3 bin und trage nach wie vor selbstgestrickte Pullis und Socken – eher feine Wolle, aber schon auch mal aus dicker Wolle als Jackenersatz.
      Im Sommer mag ich auch gerne leichte Strickjacken aus Baumwolle.

      Wolle (also Tierhaare) sind die beste Klimafaser überhaupt. Ich verstehen das schlechte Image von Wolle und Stricksachen in D absolut nicht.

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    • Ich habe Strickpullover meist gerne getragen. Die waren praktisch, bequem, und je nach Material und Strickweise im Winter warm oder im Sommer luftig.
      Norwegerpullover sind allerdings weniger mein Geschmack. Die wirken doch eher plump. Allgemein mag ich keine Pullover oder auch T-Shirts mit irgendwelchen Motiven, bin bei mehrfarbigen Modellen ziemlich zurückhaltend.
      Dagegen gibt es wunderschöne Muster (z.B mit Löchern, Zöpfen oder reliefartigen Strukturen), die chic, stilvoll und elegant aussehen.

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      • blindfoldedwoman schreibt:

        Norwegerpullover haben halt noch eine Nische, während Strickwaren fast völlig verschwunden sind. Gestrickte Pullover hab ich sicher über 20 Jahre nicht mehr gesehen. Nicht mal an Frauen Ü70.
        Ich selbst besitze gerade mal 2 Kaschmirpullover. Ziehe ich aber selten an, weil in geschlossenen Räumen sind sie einfach zu warm.

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        • Wenn dir bei Strickwaren vorrangig Norwegerpullover einfallen, hast du vielleicht einen sehr eingeschränkten Blick darauf.
          Strickwaren gibt es mit sehr zartem Gewebe aus feinem Garn. Aber da du dann ruckzuck über 200 Maschen pro Reihe hast, erfordert das einen enormen Zeitaufwand. Wer hat dafür schon noch Geduld (ich leider auch nicht).
          Mit dickerem Fadem strickt es sich wesentlich schneller, und man sieht eher Ergebnisse, wirkt aber dann auch entsprechend grobmaschig.

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      • idgie13 schreibt:

        Siehste – ich mag alles bunte und ganz speziell Norweger 😉
        Aber auch da nicht alles – mir stehen nicht alle Muster, speziell kleine sehen an mir nicht gut aus.
        Zöpfe und Strukturen mag ich auch gerne.

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  4. ednong schreibt:

    Ein Knäuel mit Daumenloch? Hab ich noch nicht gesehen …

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    • Doch. Das war schon ein Kuriosum.
      Ich habe das nie hingekriegt, weiß nicht wirkich, wie’s geht. Und meine Mutter schafft es auch nur rudimentär, bzw. schafft am Anfang ein Loch, aber gibt es mit fortschreitender Knäuelgröße auf.
      Anscheinend ließ meine Großmutter den Daumen konsequent an der gleichen Stelle, und wickelte irgendwie drum herum.
      Dieses Knowhow ist genauso mit ihr verloren gegangen, wie das Wissen, wie man superrobuste, praktisch unzerstörbare Sockenfersen strickt.

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  5. Plietsche Jung schreibt:

    Zu kleine Sachen werden verschenkt und man kauft sich etwas Neues.
    Wolle kostet wenig. Eine Strickware dagegen viel.

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