Prosopagnostische Prosa //2382

Über meine Gesichtserkennungsschwäche hatte ich schon mal gebloggt. Jetzt habe ich den Eindruck, dass es schlechter wird. Ich kann Filmen kaum noch folgen, weil die Darsteller sich so ähnlich sehen, dass ich sie nicht voneinander unterscheiden kann. Sie haben fast die gleichen Frisuren, und wechseln die dann noch im Laufe der Handlung.
Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten, die Darsteller eindeutig identifizierbar zu machen. Helle Haare, dunkle Haare, vielleicht auch mal rote oder weiße zwischendurch, glatte Haare, lockige Haare. Unterschiedliche Frisuren. Für Frauen kurz, mittel, lang, Zöpfe, Pferdeschwanz, Hochfrisur, mit oder ohne Pony, .. Für Männer Glatze, Halbglatze, sehr kurz, mittelkurz, .. verschiedene Barttrachten, .. Distinktion über Brillen und sonstige Merkmale. Aber nein – Männer haben den mittelbraunen Standardhaarschnitt, junge Frauen sind blond und langhaarig, ältere Frauen tragen eine braune Dauerwelle. Da gibt es wirklich nicht viele Möglichkeiten, sie auseinander zu halten, wenn sie ansonsten alle das gleiche, nichtssagende 08/15-Gesicht haben. Wenn man nur wollte, könnte man das Aussehen viel diverser gestalten. Es gibt so viele Kombination, die die eindeutige Identifizierung der einzelnen Personen ermöglichen würden.
Wenn dann noch Zeitsprünge wie Rückblenden hinzukommen ..

Vor einiger Zeit hatte ich einen Film gesehen, in der eine Szene vorkam, in der zwei Frauen sich unterhielten. Die eine war vielleicht ein bisschen älter als die andere, sonst sahen sie gleich aus. Aus irgendeinem (im Laufe des Films erklärten) Grund hatten sie sogar die gleiche Kleidung an. Wenn sie simultan im Bild zu sehen waren, konnte ich sie gerade noch so auseinander halten, einzeln allerdings gar nicht. Hätte man denen nicht wenigstens deutlich unterscheidbare Synchronstimmen verpassen können?
Wie auch immer – sie unterhielten sich darüber, dass doch die eine so sehr viel schöner sei, als die andere. Und ich dachte mir: Was soll das? Die sehen doch fast wie Zwillinge aus! Wie kann es da einen deutlichen Schönheitsunterschied zwischen beiden geben?

Mit dem Auseinanderhalten markanter Gesichtszüge habe ich weniger Schwierigkeiten, aber solchen Allerweltsgesichtern fehlt halt die Individualität.

Paradoxerweise kannte ich in meiner Jugend ein Paar eineiiger Zwillinge (etwas jünger als ich), die ich – im Gegensatz zu fast allen anderen – problemlos auseinanderhalten konnte. Dabei sah ich sie nur selten.
Da müssen sich mir irgendwelche voneinander abweichende Kleinigkeiten so eingeprägt haben, dass ich sie unterscheiden konnte. Vielleicht sind mir damals minimale biometrische Merkmalsdifferenzen aufgefallen, die gar nicht unbedingt leicht zu erkennen waren, die ich aber sensitiv unbewusst wahrnahm.

Es gibt gar nicht so wenige Leute, die Schwierigkeiten haben, andere Personen an den Gesichtern zu erkennen. Zumindest in Film, Fernsehen, Theater könnte man bei der Besetzung der Darsteller versuchen, dieses weit verbreitete Problem zu berücksichtigen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Prosopagnostische Prosa //2382

  1. Mia schreibt:

    Von den Filmproduzenten zu verlangen, sie könnten doch bitteschön auf die Gesichtsblindheit einiger weniger Menschen Rücksicht nehmen und ihre Filme entsprechend darauf ausrichten, ist schon arg übertrieben.

    Vielleicht liegt es auch an deinem derzeitigen Zustand. Sehschwäche in der Schwangerschaft aufgrund der hormonellen Veränderungen ist gar nicht mal so selten.
    Vielleicht schaust du auch nur die falschen Filme. 😀

    Liken

    • Wenn die Filmprozenten möchten, dass ihre Filme verstanden werden, wäre es in ihrem eigenen Interesse zweckmäßig, die Besetzung entsprechend optisch divers zu wählen.

      Liken

      • Mia schreibt:

        Naja, die Mehrzahl der Zuschauer versteht die Filme anscheinend ja doch. Auch ohne dass jedem Schauspieler eine andersfarbige Perücke verpasst werden muss.
        Bestünde eine entsprechende Notwendigkeit, dann wären die Filmproduzenten sicher schon längst selbst auf den Trichter gekommen.

        Liken

  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich habe vor kurzem den letzten Film von Hannelore Elsner gesehen. Als zwischendrin eine andere Schauspielerin ihre Rolle immer mal wieder übernahm, war ich verwirrt, kam aber auf die Idee, dass der Film aufgrund ihres Todes nicht fertig gestellt gewesen war.
    Aber mir blieb bei der Doku im Anschluss der Mund offen stehen. Hatte nicht nur eine andere Darstellerin die fehlenden Szenen gedreht, sondern gleich 5. Und ich hatte es nicht bemerkt.

    Ansonsten ja, habe ich auch schon mal Schwierigkeiten mit Filmen, weil sich die Darsteller zu sehr ähneln. Meist schalte ich dann um.

    Gefällt 2 Personen

  3. idgie13 schreibt:

    Ich habe das Problem auch – sowohl im Alltagsleben wie auch bei Filmen.

    Letzthin hatten wir auch irgendwas mit vielen Rückblenden gesehen. Die beiden erwachsenen Männer waren blond und dunkelhaarig. Die Jungs dazu haben fast wie Zwillinge ausgesehen und ich habe ewig nicht verstanden, was für einer zu wem gehört. Warum kann man da nicht ähnliche Haarfarben verwenden?

    Vielleicht soll das auch das besonders spannende dran sein? Dann versteh ich das wohl einfach nicht – mich nervt das nämlich, weil es für mich unheimlich anstrengend ist, immer zu erkennen, wer jetzt wer ist.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, solche Filme habe ich auch schon erlebt.
      Da werden teilweise Rollen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben, mit ähnlich aussehenden Darstellen besetzt, während andere Rollen, von mehreren Schauspielern (in unterschiedlichem Alter) dargestellt, die ganz unterschiedlich aussehen. Ich meine eigentlich schon, dass man beim Casting darauf achten sollte.

      Da fällt mir als positives Gegenbeispiel gerade „Malcolm mittendrin“ ein, bei dem die Darsteller alle eine gewisse „Familienähnlichkeit“ aufweisen. Man nimmt ihnen also die enge Verwandtschaft durchaus ab.
      Trotzdem unterscheiden sie sich durch Alter oder Kopfform so gut voneinander, dass zumindest ich keine Probleme mit dem Auseinanderhalten habe.

      Liken

  4. ednong schreibt:

    Ja, das kenne ich auch. Nervig. Und Abwechslung wäre sicher nicht verkehrt.

    Aber mit geht das nicht mit bei Filmen so. Im Alltag habe ich da auch Wiedererkennungsschwierigkeiten…

    Gefällt 1 Person

  5. Komu schreibt:

    Wow! Jemand gefunden die das gleiche Problem hat wie ich! Hattest du die Wochen nach deiner Geburt gestörtes Bonding mir den Eltern? Meine mal gelesen zu haben, dass in der Zeit die Gesichtserkennung im Hirn gebildet wird…

    Es gibt einen tollen Film zum Thema, eine Frau(Lehrerin) erleidet durch einen Unfall einen Gehirnschaden und sieht danach alle Gesichter als gleich, sprich alle Mädchen haben plötzlich das gleiche Gesicht, ihrem Mann bindet sie eine auffällige Krawatte um, tanzt dann mit einem anderen der zufällig die gleiche Krawatte trägt.

    Ich unterscheide Menschen besser durch Körpersprache, Bewegung und Geruch. Wenn jemand 3 Gesichtspiercings hat kann ich das nicht mehr erinnern. Zwillinge haben oft unterschiedliche Bewegungsmuster, vielleicht können wir sie deswegen besser als Andere unterscheiden.

    Gefällt 1 Person

    • Hattest du die Wochen nach deiner Geburt gestörtes Bonding mir den Eltern?

      Nicht dass ich wüsste.

      Ich glaube eigentlich nicht, dass ich ein besonders schwerer Fall bin. Lange Zeit war mir diese Schwäche gar nicht bewusst.

      Körpersprache, Bewegung und Geruch

      Ja, das kann sicher helfen, ebenso die Stimme.
      Ich mache Unterschiede zum großen Teil an der Frisur fest. Aber die kann sich halt ändern.

      Das mit den Bewegungsmustern bei Zwillingen scheint mir plausibel. Da sind bei einer Person vielleicht einzelne Gesten schneller, oder die Mimik ausgeprägter. Wenn man einen (unbewussten) Blick für solche Details entwickelt hat, kann das ausreichen zur Unterscheidung beider.

      Liken

  6. Komu schreibt:

    Achja, hast Du schon mal ein Buch über Physiognomie gelesen? Da wird von der hohen Stirn auf bestimmte Charaktereigenschaften geschlossen, bei manchen Verknüpfungen gab ich dem Recht.

    Diese Folgerungen können Dir aber auch egal sein, mir hat es vor allem geholfen, weil viele verschiedene Formen (Nase,Brauen,Augen, Ohren, Kopf etc.) verglichen und nebeneinander gestellt wurden. Begriffe zu den Unterschieden werden angeführt… mir half es etwas.

    Gefällt 1 Person

    • Nein, hab ich nicht.

      Ich erinnere mich, wie ich mich früher immer gewundert habe, wenn (z.B. in einem Film) gezeigt wurd, wie ein Phantombild gezeichnet wurde.
      Ob jemand z.B. eine schmale Nase oder ein breites Kinn hat, fällt mir schlicht nicht auf, und ich könnte mir auch im Rückblick nicht vorstellen, wie eine Person aussah.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.