Sittsam gesittet //2348

Seit Montag haben die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen landesweit geschlossen. Das bedeutet, dass auch Sophie und Niklas daheim bleiben müssen. Ihre Mutter Verena muss jedoch arbeiten (derzeit halt ohne Kundenkontakt). Bei ihr sind die Abschlussprüfungen für ihre Ausbildung nicht mehr weit. Sie wohnt mit ihren Kindern bei ihrer Tante Sonja, die als Lehrerin ebenfalls daheim bleibt, und so praktischerweise auf die Kinder aufpassen kann.
Als Sonja allerdings etwas dringendes erledigen musste, fiel sie als Babysitter aus. Ich erklärte mich nach Anfrage bereit, für zwei bis drei Stunden auf die Kinder aufzupassen. Zum Glück kann ich mir die Zeit ja einteilen und Home-Office machen. Ich stellte jedoch klar, dass ich arbeiten müsse, und keine Zeit hätte, die Kinder zu bespaßen. Immerhin bin ich anwesend und kann sie beaufsichtigen.
Selbst wenn ich mit ihnen auf den Spielplatz gewollt hätte, wäre das nicht erlaubt gewesen. Betreten der Spielplätze ist verboten.
Nachdem ich ihnen die „Türme von Hanoi“ erklärt hatte, gab ich jedem 3.88 Euro, um sie ein wenig damit zu beschäftigen. Lange fesselte sie das Spiel aber nicht. Also ließ ich sie noch ein wenig Fernsehen schauen. Konzentriertes Arbeiten war aber kaum möglich, da die Kinder mich ständig unterbrachen, und irgendeinen Wunsch oder Frage hatten.

Eigentlich hatte ich Sonja erwartet, um Niklas und Sophie von mir abzuholen, aber stattdessen erschien Gideon, weil Sonja’s Termin sich doch noch länger hinzog, als vorgesehen.
Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn ein wenig über seine Schwester Beate auszuhorchen, und erwähnte, dass wir sie vor einigen Wochen in der Stadt getroffen hatten.
„Sie war mit Elisabeth dort“, beendete ich meine Erzählung, „bei der sie untergekommen war.“
„Ja“, bestätigte Gideon, „die beiden sind schon ewig befreundet.“
„Hat sich Beate jetzt endgültig entschieden, hierher in die Stadt zu ziehen?“, fragte ich.
„Ja, schon. Ihr gefällt es schon längst nicht mehr in $Bundeshauptstadt, und hier hat sie viele Freunde noch von früher.“

„Kann sie denn ihre bisherigen Kunden auch von hier aus bedienen?“, wollte ich wissen, „oder arbeitet sie für eine Agentur?“ [Wir erinnern uns: Sie ist Graphikdesignerin.]
„Beate arbeitet nicht mehr, seit sie damals geheiratet hat.“
„Ach .. sie ist verheiratet? Das wusste ich gar nicht.“
„Sie war es. Das ist aber schon sehr lange her, weit über zwanzig Jahre. Ihr Mann starb nach anderthalb Jahren Ehe.“
„Oh je, das tut mir leid.“
„Naja, er war schon alt, und hat ihr ein ziemliches Vermögen hinterlassen. Sie hat es nicht mehr nötig zu arbeiten, und kann dort wohnen, wo sie will.“
Gideon (er ist schon wirklich eine ziemliche Labertasche – ich an seiner Stelle hätte mich da sehr zurückgehalten) erzählte noch ein paar weitere Details, die ich aber nicht bloggen möchte.

Sophie und Niklas hatten bereits Jacke und Schuhe an, und fingen an zu quengeln, dass sie endlich heim wollen, so dass Gideon sich schließlich verabschiedete, und sie zusammen weggingen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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8 Antworten zu Sittsam gesittet //2348

  1. Floppy schreibt:

    Kanns sein, daß Beate die Fotos geschickt hat?

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    • Das wäre reine Spekulation. Ich kenne Beate ja praktisch nicht.
      Ich habe in den letzten Tagen mal überlegt, wäre eventuell in Frage käme. Es fiel mir nur Cor*na ein, der ich so etwas zutrauen würde. Aber auch das ist völlig hypothetisch und ohne konkreten Hintergrund.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Die Wahrheit über das liebreizende Verhalten der Kinder spüren die Eltern jetzt, wo sie zuhause eingesperrt sind. Endlich bekommen die Eltern ein Bild davon, was Lehrkräfte so tagsüber leisten.

    Kinder sind so etwas Schönes. Trotzdem. Am liebsten, wenn der Nachbar sie hat. Der Überüberübernächste in der Strasse.

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    • Für die Kinder ist es besonders hart, dass sie nicht nach draußen dürfen.
      Sie langweilen sich, weil es immer nur das gleiche zu tun gibt, ohne Abwechslung.

      Aber auch viele Erwachsene haben es nie gelernt, oder wieder verlernt, sich alleine zu beschäftigen.
      Wenn da mal der Strom länger ausfällt, oder gar das Mobilfunknetz ..

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  3. Engywuck schreibt:

    „Wer glaubt, HomeOffice machen zu können, um Kinder zu betreuen, hat weder ‚Kinder betreuen‘ noch ‚HomeOffice‘ verstanden“ habe ich (so ähnlich) neulich irgendwo gelesen.

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    • Ja, da ist auf jeden Fall was dran.
      Ohne die Kinder hätte ich in der Zeit einiges mehr schaffen können. Ich denke aber auch, dass es einen Gewöhnungseffekt gibt. In ihrer gewohnten Umgebung hätten sie sich halt z.B. selbst etwas zu trinken geholt, statt mich darum zu bitten.

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  4. Pingback: Tweetreise nach Coronistan //2452 | breakpoint

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