Der Partialkongress (1. Teil) //2342

Ich verabscheue es, wenn ich feste Planungen kurzfristig umändern muss. Es setzt mir auch enorm zu, wenn ich mehrere Tage im Ungewissen gelassen werde, ob die vorgesehenen Termine so bleiben, oder doch noch gecancelt werden. Insbesondere, wenn ich mich schon zu einem mir grundsätzlich unangenehmem Vorhaben aufgerafft habe, will ich es dann auch durchziehen können. Ist schließlich nicht so, dass das eine Vergnügungsreise gewesen wäre.

Als ich mich entschlossen hatte, bei dem geplanten Kongressbesuch nicht in der dortigen Stadt zu übernachten, sondern früh hin, abends zurück zu fliegen, wusste ich nicht, dass sich die Flugzeiten stärker verschieben würden. Wäre mir dies bewusst gewesen, hätte ich vermutlich doch eine Hotelübernachtung vorgezogen, da es so zeitlich doch schon sehr eng wurde. Da kann ich noch froh sein, dass die Flüge nicht ganz annulliert wurden, wie so viele andere.
Wenigstens brauchte ich kein Gepäck aufzugeben, so dass ich durch den Online-Check-in Zeit sparte, insbesondere auch an der Gepäckausgabe nicht würde warten müssen. Und durch den Security Check kam ich auch schnell, weil weniger Fluggäste als sonst unterwegs waren.

Bis zum Vortag hatte ich befürchten müssen, dass die ganze Veranstaltung wegen Corona abgesagt würde. Aber sie fand dann doch statt, wenn auch in erheblich kleinerem Rahmen, als ursprünglich vorgesehen. Etliche Aussteller waren nicht gekommen. Viele Vorträge fielen aus oder wurden nur über Livestream gehalten. Es gab wesentlich weniger Besucher als es der Vorjahresstatistik entsprach.
Auch ein Kollege aus meinem Arbeitskreis, den ich gerne persönlich kennengelernt hätte, zog es vor, nicht teilzunehmen. Ein italienischer Kunde, mit dem ich seit Jahren sporadischen Mailkontakt pflege, wäre gerne gekommen, durfte aber nicht ausreisen. Das wenigstens war vorher eindeutig klar gewesen.

In schon länger getroffener Absprache mit den Veranstaltern hielt ich doch keinen Vortrag, sondern beteiligte mich lediglich an der Postersession. Das bedeutete, dass ich etwa eine Stunde lang in der Nähe meines Posters verbrachte, um für eventuelle Interessenten ansprechbar zu sein. Es gab keinerlei Feedback, wofür ich jedoch die allgemeinen Einschränkungen und Umstände verantwortlich mache.
Ansonsten besuchte ich einige Vorträge und Panels (einige Diskutanten waren nur über Videokonferenz hinzugeschaltet) – teilweise sogar mit großem Erkenntnisgewinn. Zu meiner Überraschung traf ich nicht nur Personen, die ich vom Namen und teilweise durch Mailwechsel bereits kannte, sondern sogar einige, mit denen ich bereits persönlich Kontakt gehabt hatte.

Insbesondere traf ich (leider erst am Nachmittag) Sebastian wieder, durch den ich ursprünglich überhaupt erst auf dieses fachliche Thema gekommen war.
Er war damals wohl einer der Vorreiter gewesen, und beschäftigt sich immer noch intensiv mit diesem Fachgebiet. Er hat sich mittlerweile als Berater selbständig gemacht. Seine Spezialisierung geht zwar in eine etwas andere Richtung als meine, aber es gibt eine große Schnittmenge.
Sebastian freute sich sehr, mich wiederzusehen.
„Wow, Anne! Du siehst ja toll aus!“, begrüßte er mich, „du hast dich kaum verändert.“
Bei vielen früheren Bekannten hätte ich Schwierigkeiten gehabt, sie wiederzuerkennen, doch mit Sebastian war ich einst so vertraut gewesen, dass ich ihn trotz massiv gelichteter Haare und Brille sofort erkannte.
Da er selbst an einem Panel teilnehmen musste, hatten wir leider nur wenig Zeit, miteinander zu reden, tauschten nur schnell Kontaktdaten aus, und vereinbarten, uns nach dem Panel wieder zu treffen.

Sebastian organisierte uns einen Kaffee, und wir fanden ein einigermaßen ruhiges Plätzchen, um uns zu unterhalten. Ich erzählte ihm, dass die Programmierung der Software für ihn damals für mich den Auslöser gewesen sei, mich als freiberufliche Programmierschlampe selbständig zu machen, aber ich inzwischen technische Geschäftsführerin und Teilhaberin eines mittelständischen Hightech-Unternehmens bin.
„Ist aber noch dieselbe Branche“, erklärte ich, um meine Anwesenheit auf dem Kongress verständlich zu machen.
„Du hast ja ganz schön Karriere gemacht“, meinte er.
„Naja“, ich zuckte die Schultern, „das sind vor allem viele Verpflichtungen und Verantwortung. Mehr Nachteile als Vorteile.“
Wir sprachen dann noch über einige Einzelheiten, die für euch unerheblich sind. Schließlich erklärte Sebastian, dass er jetzt gleich noch einen Termin hätte, aber sehr gerne mit mir zu Abend essen würde.
„Das geht leider nicht“, lehnte ich bedauernd ab, „ich muss nachher unbedingt meinen Flieger kriegen.“
„Und wenn ich dich zum Flughafen fahre?“, fragte er, „ich habe hier einen Mietwagen, und so könnten wir wenigstens noch eine halbe Stunde miteinander reden.“
„Einverstanden“, stimmte ich zu. Wir machten die genaue Zeit und den Ort aus, und verbrachten noch einige Zeit getrennt auf dem Kongress.

Der Rest muss bis morgen warten. Ich hab‘ jetzt keine Zeit mehr, muss heute früher los.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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8 Antworten zu Der Partialkongress (1. Teil) //2342

  1. Leser schreibt:

    Wieder der klassische breakpoint-Cliffhanger. In diesem Eintrag wurde nicht erwähnt, ob Sebastian auch erfahren hat, dass Du mit dem GF glücklich verheiratet bist – also ist natürlich wie immer die große Frage: Wird Sebastian Dir auf der Fahrt zum Flughafen Avancen machen? 😉

    Wobei Du hier natürlich auch wieder Deiner Kreativität freien Lauf lassen kannst, und Dinge erfinden darfst, die sich so gar nicht zugetragen haben… Wird die Anne Nühm auf ihre alten Tage plötzlich zur prüden Feministin und verpasst ihrem damaligen Karriere-enabler eine Ohrfeige, nachdem er ihr ein Kompliment macht? ;-P

    Nagut, allzu sehr ins Fantasy-Genre sollte es nicht abrutschen… 😉

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    • Der heutige Text hat knapp 5 Kilobyte. Morgen folgen (nach aktuellem Stand, Tendenz zunehmend) noch mal etwa 3 kB. Eine Aufteilung wäre also bereits allein aufgrund des Umfangs durchaus sinnvoll gewesen.
      Ich möchte es nicht spannend machen, oder übertriebene Erwartungen wecken, habe es heute früh schlicht zeitlich nicht geschafft, alles für einen Post fertigzuschreiben, wie ich es ursprünglich vorgehabt hatte.

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      • Leser schreibt:

        Mein Kommentar war nicht als Vorwurf gemeint, rechtfertigt also keine Rechtfertigung. Ich habe mich lediglich ein Wenig darüber amüsiert, in einer scherzhaften Weise zu mutmaßen, was da wohl noch kommen mag.

        Wenn das jetzt heute 2kB waren, und der Rest für morgen schon 3kB sind, aber der Text noch nicht fertig ist, d.h. noch weiter anwachsen wird, könnte man schon fast einen 3-Tages-Cliffhanger à 2kB daraus machen. Problem ist, da ist ein Wochenende dazwischen, und das ginge dann schon fast in Richtung Folter 😉

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    • Mia schreibt:

      Gut Ding äh Phantasterei will Weile haben …

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