Valentine’s Special //2323

In den letzten Jahren hatten wir es geschafft, den Valentinstag im Wesentlichen zu ignorieren. Dass es heuer etwas anders lief, könnte Gründe haben, über die ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht bloggen möchte. Ihr könnt meinetwegen davon ausgehen, dass es vielleicht einen besonderen Anlass gab, aber es sich um eine rein zufällige zeitliche Koinzidenz handelt.

Jedenfalls hatte Carsten bereits am Vortag einen Tisch in einem schönen Restaurant reserviert, mir aber keine Details mitgeteilt, sondern nur, dass ich mir den Abend freihalten und mich überraschen lassen soll.
Allerdings war mir abends dann doch nicht so nach Ausgehen zumute, und ich hätte das Dinner am liebsten verschoben.
„Ach, Schatz, ich weiß nicht .. ich bin schon so müde.“
„Jetzt habe ich den Tisch schon bestellt. Dir hat das Essen dort immer geschmeckt. Also raff‘ dich auf. Wir fahren ganz bequem und gemütlich mit dem Auto hin. Du musst dich um nichts kümmern.“
Viel lieber wäre ich eigentlich früh ins Bett gegangen, aber ich gab nach, um ihm den Gefallen zu tun.

Es war eines der wenigen Restaurants, wo es Ginger Ale gibt. Also bestellte ich eines, während Carsten Weißwein trank.
Wir mussten noch etwas auf das bestellte Essen warten.
„Wir sind jetzt schon viele Jahre zusammen, Anny“, hob Carsten an, „du hältst es noch immer mit mir altem Isegrimm aus, und ich freue mich über jeden gemeinsamen Tag mit dir.“
Mit solch einer Ansprache hatte ich nicht gerechnet. Unterdessen verspürte ich plötzlich einen starken Druck auf der Blase.

„Als ich dich kennengelernt habe, Süße“, sprach er weiter, indem er über den Tisch hinweg meine Hand nahm, „warst du so wunderschön!“ Er ist voreingenommen und nicht objektiv. Allerdings .. wo er recht hat, hat er recht.
Er fuhr fort: „Und im Laufe der Jahre, in denen wir zusammen sind, bist du noch so viel schöner geworden.“
Carsten sprach noch weiter. Aufgrund meiner Müdigkeit und des Blasendruckes kann ich aber nicht mehr genau rekonstruieren, was er genau gesagt hat. Er redete von meinem „inneren Leuchten“, das ihn von Anfang an so fasziniert hatte, und welches Glück ich in sein Leben gebracht hatte.
„Du bist mir außerordentlich wichtig. Mir liegt an deinem Wohlergehen, insbesondere jetzt, ..“
Mir blieb nichts anderes übrig, als meine Hand abrupt unter seiner hervorzuziehen. „Sorry, aber ich muss ganz dringend auf die Toilette.“
Er lehnte sich zurück, während ich hastig aufstand und die entsprechenden Räumlichkeiten aufsuchte.

Nach wenigen Minuten war ich wieder zurück. Inzwischen war das Essen aufgetragen worden.
„Es tut mir leid“, erklärte ich, „aber ich musste dem dringenden Bedürfnis erst nachgehen.“
„Schon in Ordnung“, erwiderte er gelassen, „das verstehe ich, Samtpfötchen. Selbst du kommst gegen die hydraulische Macht einer inkompressiblen Flüssigkeit nicht an.“

Der Rest des Abends verlief ohne besondere Vorkommnisse. Wir versicherten einander unserer gegenseitigen Wertschätzung und Zuneigung. Sonst sprachen wir noch u.a. von einem gemeinsamen Projekt. Die Zeit war allerdings wirklich nicht günstig gewählt, da eine bleierne Müdigkeit mich immer wieder gähnen ließ.
Also dehnten wir das Dinner nicht sehr aus, fuhren wieder heim, wo wir den gemeinsamen Abend an geeigneterem Ort fortsetzten und gelüstig ausklingen ließen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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11 Antworten zu Valentine’s Special //2323

  1. Mia schreibt:

    Du meine Güte! Über welchen Zeitraum zog sich denn seine Ansprache hin, dass der Druck auf die Blase dermaßen stark wurde?

    „…während ich hastig aufstand und die entsprechenden Räumlichkeiten aufsuchte.“
    Fast hätte ich darauf gewettet, dass du dich ob seines romantischen Anfalls auf der Toilette übergibst. 😉

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Sankt Valentino fiel dieses Jahr aus.

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  3. Leser schreibt:

    Ohje, als ich Carsten’s Worte las, hat mir das wieder einen emotionalen Stich versetzt. Warum habe ich nicht auch so jemanden? Irgendwie haben alle Frauen, bei denen ich Chancen haben wollen würde, keinerlei Interesse an mir, oder an Beziehungen/Nähe insgesamt. Aber andere Frauen, bei denen ich landen könnte, interessieren mich ganz oft einfach nicht, sei es, weil sie zu affektiert sind, oder sich zu stark schminken, oder was auch immer. Naja, ich nutze es, um mein „Programm“ weiter zu debuggen, denn schließlich ist das irgend ein Mangel in mir selbst, und ich kann auch einfach gar nicht akzeptieren, für das Beheben solcher Mängel unbedingt auf eine andere Person als meiner selbst angewiesen zu sein, denn das würde bedeuten, dass ich selbst kein „vollständiger“ Mensch wäre…
    OK, das war jetzt weit vom Thema abgekommen, aber egal, das ging mir durch den Kopf, als ich den Blogeintrag 2 Tage später gelesen habe.

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    • Es ist nicht selbstverständlich, dass man jemanden findet, mit dem man zusammenpasst.
      Ist leider so. That’s life. Ich hatte nie (außer vielleicht in frühesten Jugendjahren, als ich noch naiv war) erwartet, mit so jemandem zusammenzutreffen. Jedenfalls bin ich mir meines Glückes bewusst.
      Andererseits bist du jetzt im besten Alter. Vielleicht läuft dir noch eine geeignete Frau über den Weg. Viel Glückl!

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      • Leser schreibt:

        Darum geht es gar nicht mal. Es stört mich an mir, dass ich da eine Bedürftigkeit in mir zu haben scheine, die mich nicht zu einem selbstgenügsamen Menschen werden lässt. Und in Anbetracht der Tatsache, dass es wohl mehr Menschen gibt, mit denen man zusammen passt, als man für gewöhnlich annehmen würde, vermute ich sogar, dass diese Bedürftigkeit in mir es ist, die es verhindert, dass ich mit einer geeigneten Frau zusammen komme. Das heißt, ich muss erst in mir das Problem klären, bevor ich mich überhaupt als so etwas wie Beziehungsfähig ansehen kann.
        Wobei das „beste“ Alter ja auch impliziert, dass das „gute“ Alter schon vorbei ist 😉
        Naja, so gesehen habe ich das Glück, ein Mann zu sein – wenn ich gleichaltrige Frauen treffe, denke ich bei vielen oft „Ohje, die sieht aus als wäre sie mind. 5 Jahre älter als ich“, und zum Glück stehen ja auch eher jüngere Frauen auf ältere Männer, als umgekehrt (ich möchte jedenfalls nicht unbedingt mit einer Frau zusammen kommen, die signifikant älter ist als ich). Aber wie gesagt, solche Überlegungen sind eigentlich erst dann aktuell, wenn ich das Problem in mir gelöst habe. Eine Beziehung wäre da schließlich auch nur ein Flicken, der das Problem überdecken, aber nicht langfristig an der Wurzel lösen könnte… (Und trotzdem mache ich immer noch/immer wieder den Fehler, diesen „easy fix“ zu suchen, denn das andere ist wirklich harte, schwere Arbeit, die man auch erst mal zu leisten in der Lage sein muss)…

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