Das Studium und das liebe Geld //2317

Eine gute Schulbildung und ein Universitätsstudium kosten den Steuerzahler viel Geld. Da sind Aufwendungen für die Räumlichkeiten, Lehrveranstaltungen, Professoren, Verwaltung, Bibliotheken, und vieles mehr. Nach meinen Informationen kostet ein Student in Deutschland dem Staat im Mittel weit über 5000 Euro pro Semester (da sind wohlgemerkt die Lebenshaltungskosten* des Studenten nicht enthalten). [Nach einem alten Mathematikerwitz sind Mathematiker am billigsten, da sie nur Papier, Bleistift und Radiergummi brauchen. Noch billiger sind lediglich die Philosophen. Die brauchen noch nicht mal Radiergummis.]
Es ist auf jeden Fall eine Menge Geld, aber auch eine Investition in die Zukunft. Jeder, der die geistigen Voraussetzungen hat, sollte die Chance bekommen, ein Studium seiner Wahl anzutreten. Ich möchte jetzt gar nicht darauf hinaus, dass nicht jedes Studienfach gleich nützlich für die Gesellschaft ist. Aber ich meine, nachdem der Steuerzahler so viel Geld bereitgestellt hat, sollten Absolventen ihrerseits auch etwas für die Allgemeinheit tun. Beispielsweise, indem sie das erworbene Wissen beruflich zum Nutzen aller einsetzen. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten sind möglich. Außerdem haben sie beste Voraussetzungen, durch eigene Steuerzahlungen der Gesellschaft wieder etwas zurückzuzahlen.
Oft saß ich im Hörsaal und schaute mich um. Ich war mir bewusst, welches Glück ich hatte, dass es der Staat mir ermöglichte, ein Universitätsstudium durchzuführen. Hätte ich Studiengebühren zahlen müssen, hätte ich das nicht können. Deshalb habe ich mich auch vor ein paar Jahren, als es deswegen ein Volksbegehren gab, deswegen eingetragen.
Der Staat investiert in die Bildung seiner Bevölkerung. Im Gegenzug bemüht sich jeder Absolvent, sich zu revanchieren.
Mein Studium hat sich meines Erachtens inzwischen für den Staat längst amortisiert und mehr als gelohnt. Für Lehre und Forschung zahle ich meine Steuern gern.

*Und noch etwas zum Thema BAföG, das ich schon lange mal loswerden wollte.
Das Einkommen meiner Eltern lag ganz knapp über der Obergrenze, um BAfög zu beziehen. Sie stammen beide aus ärmlichen Verhältnissen, hatten in ihrer Kindheit und Jugend gar nichts (ich unterlasse es hier, die diesbezüglichen Äußerungen eines Kabarettisten zu zitieren, der aus ähnlicher Gegend stammt). Ihr Leben lang haben sie unter großen Entbehrungen gearbeitet und sich dabei einen bescheidenen Wohlstand angespart (früher gab es noch satte Zinsen, inzwischen haben Inflation und Zinspolitik den realen Wert größtenteils aufgefressen). Vielleicht hätte ein Steuerberater das bisschen rausholen können. Aber, naja, längst vorbei, und eigentlich war ich gar nicht böse darum, mein Berufsleben nicht gleich mit einem Schuldenberg beginnen zu müssen.
Absurd erschien es mir allerdings, dass eine Mitschülerin, deren Eltern einen gutgehenden Baumarkt führten, BAföG erhielt.
Wenn meine Schwester ebenfalls hätte studieren wollen, hätte das Geld nicht für uns beide gereicht. Da sie allerdings von vornherein sagte, dass sie das keinesfalls wolle, und ihre Noten eh nur so mittelprächtig waren, kam es zu keinem Konflikt.
Eine Zeitlang arbeitete ich als Hiwi, aber musste den Job dann aufgeben, da ich ansonsten aus der Familienkrankenversicherung herausgefallen wäre, und den doch erheblichen Versicherungsbeitrag konnte ich mir nicht leisten.
Die Ersparnisse meiner Eltern verbrauchend (wofür ich Ihnen immer noch dankbar bin – ich sehe allerdings keine angemessene Möglichkeit, mich zu revanchieren, sonst würde ich’s tun) führte ich ein sehr einfaches Leben (ohne Fernsehen, Telefon, Dusche oder sonstigen Luxus), hatte nur ein winziges Zimmer (privat gemietet bei einer alleinstehenden Witwe, die ihre schmale Rente dadurch aufbesserte, indem sie an Studenten zwei oder drei Zimmer vermietete), aber immerhin mit separatem Eingang, was mir sehr entgegenkam, da mir eine Art Wohnheim oder WG, wo ich mit fremden Leuten meine Privatsphäre hätte teilen müssen, ein Gräuel gewesen wäre, aber ich komme wieder mal vom Hundertsten ins Tausendste ..
Meine Kommilitonen wohnten teils in Studentenheimen und WGs. Einige aber auch in vergleichsweise komfortablen Wohnungen. Da wunderte ich mich schon.
Wie auch immer – es störte mich nicht so sehr, dass ich kein BAföG bekam, denn ich kam mit sehr wenigem aus. Was mich jedoch ärgerte, waren die anderen Vergünstigungen, die an den Bezug von BAföG gekoppelt waren. Da gab es immer wieder mal etwas, was ich mir nicht leisten konnte, die BAföG-Studenten dagegen schon. Vielleicht war auch ein wenig Neid dabei, aber ich empfinde es nicht als fair, jemandem solche Chancen zu nehmen, nur weil die Eltern sparsam und genügsam sind.

Nach all den Jahren habe ich immer noch Hemmungen, Geld auszugeben. Ich überlege auch bei kleinen Beträgen, ob das wirklich notwendig ist, und betrachte z.B. gelegentliche Café-Besuche bereits als Luxus, den ich mir aber gönnen darf.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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37 Antworten zu Das Studium und das liebe Geld //2317

  1. Rick schreibt:

    So eine Einstellung ist ehrenwert!

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    • Ausdrücklich bewusst ist mir das geworden, als meine Schwägerin mir kürzlich erzählte, dass eine ihrer Kolleginnen nach nur zwei oder drei Berufsjahren jetzt den Schuldienst quittiert.
      Find‘ ich nicht in Ordnung.

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      • fluffi1966 schreibt:

        Vielleicht hat sie dann erst gemerkt, daß der Beruf nicht zu ihr paßt.
        Es ist doch auch doof, wenn man sich zur Arbeit quält oder was anderes lieber machen will.

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        • Bevor man ein Studium beginnt, sollte man sich erst einmal ausgiebig über das spätere Berufsfeld informieren. Nie war es einfacher, an umfassende Informationen zu kommen, als heute.
          Falls man sich doch irrt, sollte man gleich frühzeitig das Studium abbrechen, anstatt den Studienplatz zu blockieren, und hat dann so eine Chance, etwas besser passendes zu finden.
          Wenn aber schon mal das Kind in den Brunnen gefallen ist, sprich das Studium ist abgeschlossen, und man hat eine angemessene Anstellung gefunden, zieht man die Sache mindestens fünf oder sechs Jahre durch, damit die Gesellschaft wenigstens nicht die ganze Investition in den Sand gesetzt hat.
          In diesem Fall handelte es sich um eine Lehrerin. Wir haben einen deutlichen Lehrermangel. Insbesondere Lehrer sollten sich bemühen, eine Vorbildfunktion auszuüben.

          Was heißt „lieber was anderes machen“? Dem Staat erneut auf der Tasche liegen?

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  2. keloph schreibt:

    auch ich bekam kein bafög und einen deutlich unter bafög liegenden beitrag von meinen eltern. wenn das geld alle war, bin ich arbeiten gegangen, teilweise studienbegleitend jeden nachmittag über viele monate. wohlstand war weit entfernt. aber ich habe auch innerhalb der regelstudienzeit abgeschlossen, in mathe eher die grosse ausnahme. was mich am allermeisten genervt hat, waren diejenigen kommilitonen, die ignoriert haben, schon während des studiums, dass sie von der gesellschaft eine grosse chance bekommen und alles geschwänzt haben was nur ging…….das finde ich auch heute total verfehlt und klage das an. 😉

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  3. Mia schreibt:

    Es war ja nicht so, dass es BAföG für lau gab. Max. 10.000 Euro musste man zu meiner Studienzeit wieder zurückzahlen. Aber durch Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit, eine entsprechend gute Abschlussnote und Zahlung in einem Betrag konnte man den Betrag um ca. ein Drittel reduzieren. Das hat schon was ausgemacht. 😀

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  4. idgie13 schreibt:

    War bei mir so ähnlich. Auch kein Bafög. Allerdings habe ich aufgrund mangelnder Unterstützung meiner Eltern (weil ich in deren Augen das „Falsche“ studiert habe) komplett gearbeitet – als Hiwi und in den Semesterferien Schichtarbeit.
    Ich war trotzdem in unter Regelstudienzeit fertig, weil ich endlich selbständig sein wollte.

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    • Waren bei euch in der vorlesungsfreien Zeit keine Praktika angesetzt?
      Bei uns gingen die Semensterferien größtenteils entweder für Praktika oder Prüfungen drauf.
      Ich wüsste nicht, dass von meinen Kommilitonen jemand im Rest der Zeit gejobbt hätte. Von Hiwi-Jobs abgesehen, gaben zwei oder drei gelegentlich Schülernachhilfe, einer arbeitete an einem Abend in der Woche als Barkeeper, ein anderer hin und wieder als Taxifahrer, aber das war’s IIRC auch schon.

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      • idgie13 schreibt:

        Doch – wir hatten schon auf Praktika in der vorlesungsfreien Zeit – aber meist nur 2-4 Wochen. Die restlichen Wochen hab ich dann meist geschichtet (bei Audi).
        Meinen Hiwi-Job waren 10 Stunden pro Woche, täglich von 6-8 Uhr.
        Bei uns haben fast alle nebenher gearbeitet – bei den Ingenieuren waren viele Arbeiterkinder und aus eher armen Verhältnissen.

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        • Die Gegebenheiten sind wohl überall anders.
          Wenn bei uns ein Praktikum sechs Wochen dauerte, blieb nicht mehr viel Zeit übrig. In meiner Studienstadt gab es wohl auch nur wenige passende Jobs, und die schon schnell vergeben. Dort gibt es relativ wenig Industrie.

          Mein Hiwi-Job, den ich zwei Semester lang ausübte, war ein Nachmittag (14 Uhr bis open End) an der Uni, plus einige Vorbereitung daheim.

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          • idgie13 schreibt:

            Die Unipraktika waren bei uns teilweise zusätzlich zu den Vorlesungen, teilweise in der vorlesungsfreien Zeit. Dazu Industriepraktika, für die man sich bei Firmen bewerben musste. Die waren oft auch 6-8 Wochen.
            Ich hab nicht in Ingolstadt studiert, sondern 100 km weiter – im „feindlichen Ausland“ (Franken)… 😉
            Damals gab es dort noch keine Hochschule und ich war immer früh dran.

            Das Geld habe ich nie ausgegeben, sondern gespart für schlechte Zeiten / Notfälle. Das hatte ich tatsächlich bis zum Ende des Studiums nicht angefasst.

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            • Ja, ich weiß schon, wo du studiert hast. 🙂

              In meiner Heimatstadt hätte ich erst recht keine Möglichkeit für einen Ferienjob gehabt, höchstens in der Kreisstadt (was wieder Probleme mit dem ÖPNV gegeben hätte ..).
              Ich wüsste auch niemanden, der dort als Student irgendwo gearbeitet hätte. Aber ich weiß natürlich auch nicht alles, oder hab’s vielleicht vergessen.

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  5. blindfoldedwoman schreibt:

    Wäre mal interessant einen Vergleich damals zu aktuell zu ziehen. Hier kostet schon ein Zimmer 400 €.

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    • Ich kann mich nicht mehr erinnern, was das Zimmer damals gekostet hat.
      Es war schon vergleichsweise günstig, dafür aber auch ohne Komfort. Immerhin lag es in fußläufiger Entfernung zur Uni.

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    • idgie13 schreibt:

      Mein Zimmer im Studentenwohnheim hatte Anfang / Mitte der 90er 208 DM pro Monat gekostet.
      Zimmer 8 qm, dazu 1 Küche, 3 Duschen, 3 (oder 5?) Toiletten und 1 Telefon pro Stockwerk (25-30 Personen). 3 Waschmaschinen (mit Münzeinwurf und Warteliste) für das ganze Wohnheim (10 Stockwerke). Internet gab es noch nicht in der heutigen Form. Ameisen in der Küche / Haare im Abfluss gratis inklusive.

      Ich bezweifle, dass die Ausstattung heutzutage jemandem genügen würde. Mit eigener Küche / Bad pro Zimmer wird es natürlich teurer.

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      • blindfoldedwoman schreibt:

        Ich denke, heute ist man mit allen Kosten bei ca. 1.000 € dabei.

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        • idgie13 schreibt:

          Ich denke, man kann weder die Ausstattung noch die Beträge 1:1 vergleichen.
          Mein Hiwi-Gehalt war z.B. 10 oder 12 DM pro Stunde. Genau weiss ich es nicht mehr. Dafür steht heute keiner mehr auf.

          Ich bezweifle sehr stark, dass ein 8qm-Zimmer mit Gemeinschaftsküche und gemeinsamen Duschen / Toiletten heute 1000 Euro kostet!

          Zumindest nicht in der Unistadt, in der ich war. München hätte ich mir z.B. nicht leisten können – deshalb war das schlicht keine Option.

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        • Dürfte – je nach Stadt und Ansprüchen – größenordnungsmäßig hinkommen.
          Carsten hat seinen Töchtern, als sie noch studiert haben, monatlich auch einen ähnlichen Betrag überwiesen. Hätte man sicher noch etwas reduzieren können.

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  6. jezek schreibt:

    Diese Geschichte kenne ich, es war bei mir ähnlich. Nur hatte ich mir meine beiden Studien durch harte Arbeit vor dem Studium komplett selber finanziert; und ich musste bei meinen Eltern auch Kostgeld jeden Monat abgeben so lange ich von zu Hause jeden Tag zur Hochschule fuhr.

    Nachdem ich meine beiden Abschlüsse in Technik und WiWi in Rekordzeit und in einem Fall mit Auszeichnung in der Tasche hatte war das Geld alle; die freundliche Dame von der Kreissparkasse rief mich an und fragte, wie ich das Defizit den begleichen wollte. Darauf hin habe ich halt als Jung-Ing. meine erste Stelle angetreten.

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  7. ednong schreibt:

    Hach ja,
    der REspekt vor einem Studienplatz ist heute so vielen abhanden gekommen. Die sehen das als Gut an, auf das man Anrecht hat – meistens wohl zumindest.

    Und deinem Sternchentext, dem kann ich im großen und ganzen zustimmen.

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  8. Plietsche Jung schreibt:

    Heute studiert jeder Idiot mit dem Allerwelts-Abi und nicht nur einen Studiengang, sondern zwei und mehr. Nicht, weil die Intelligenzbolzen so schlau sind, sondern weil es zu schwer ist und dann Alternativen ran müssen.

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  9. Pingback: Kindheit eines Nerds //2337 | breakpoint

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