Topologie einer Begegnung (vorletzter Teil) //2313

Carsten und ich hatten zusammen etwas in der Innenstadt zu erledigen, und schlenderten danach noch ein wenig durch die Fußgängerzone.

„Carsten, warte“, rief eine Stimme plötzlich. Carsten schaute sich um.
Es war Beate, die zu uns trat.
„Du bist schwer zu sprechen“, meinte sie in halb scherzhaftem, halb vorwurfsvollem Ton, „auf Sonja’s Party hast du dich rar gemacht, und meine Kontaktversuche hast du nicht beantwortet.“
„Ich wüsste nicht, was es zu besprechen gäbe“, erwiderte Carsten abweisend, „ich erinnere mich nur noch, dass du nichts mehr mit mir zu tun haben wolltest.“
„Ach, lass doch die alten Geschichten. Das ist Jahrzehnte her“, lächelte sie, und ignorierte mich dabei völlig, „ich bin jetzt ein paar Wochen hier in der Stadt, und überlege, ob ich nicht dauerhaft wieder her ziehen soll. Nachdem in meine Wohnung in $Bundeshauptstadt vor zwei Monaten schon wieder eingebrochen wurde, fühle ich mich dort nicht mehr sicher.“

Tja, das kann ich ihr nicht einmal verdenken. In $Bundeshauptstadt scheint es ganz normal zu sein, alle paar Jahre Opfer von Raub oder Diebstahl zu werden. Ich habe ein paar Bekannte, die dort wohn(t)en. Denen ging es genauso. Mit jener Stadt verbinde ich Kriminalität, Drogen, Dreck, marodes Schulsystem, desaströs verlaufendes Flughafenprojekt, Hundeexkremente auf dem Gehweg alle paar Meter, .. aber beim Länderfinanzausgleich die Hand aufhalten! Das ist mit Sicherheit die allerletzte Stadt, wo ich würde leben wollen. Aber wenn Beate schon von dort wegziehen will, muss es dann ausgerechnet $NichtImSauerland sein? Es gibt doch noch so viele andere Städte, und so ziemlich jede ist besser als $Bundeshauptstadt.

Sie hatte weitergesprochen, aber ich hörte erst wieder zu, als sie sagte: „Momentan bin ich hier bei meiner lieben Freundin Lissi untergekommen.“
„Halte das, wie du willst“, antwortete Carsten knapp, „das ist nicht meine Angelegenheit.“
Beate ging nicht darauf ein, sondern erzählte, dass sie mit Lissi einen Stadtbummel gemacht habe, als sie plötzlich Carsten gesehen, und die Gelegenheit genutzt habe, ihn anzusprechen. Inzwischen war auch Lissi nachgekommen, und trat zu uns.
Wenn ich ein besseres Personengedächtnis hätte, hätte ich sie vielleicht erkennen können. So klingelte es noch nicht einmal, als Carsten sie mit „Hallo Elisabeth“ begrüßte.
Elisabeth schien unsicher zu sein, wie sie mit ihm umgehen solle, begrüßte mich aber betont freundlich, während Beate sich bei ihr einhakte.

Da ich heute knapp in der Zeit bin, gibt’s einen winzig kleinen Cliffhanger.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Topologie einer Begegnung (vorletzter Teil) //2313

  1. keloph schreibt:

    ich finde das jetzt ganz schön gross als cliffhanger 🙂

    Gefällt 3 Personen

  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Bei so einer groben Unhöflichkeit von jemandem (hier Carsten), wäre ich sofort gegangen. Allerdings nicht, ohne dies vorher deutlich zu kommentieren. Wieso benimmt er sich gegenüber ihr so? Da stimmt doch was nicht.

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  3. idgie13 schreibt:

    Oh super – Klatsch und Tratsch 🙂

    Arbeitet die eigentlich nix, dass sie einfach so hunderte von Kilometern zügeln kann?

    Gefällt 1 Person

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