πάντα ῥεῖ – Entwicklungen in der Entwicklung //2309

Alles fließt. Nichts ist beständig außer dem Wandel. Tempora mutantur.

Ulrich, unser bisheriger Leiter der Geräteentwicklung, geht mittlerweile stark auf die 60 zu. Er hat den Wunsch geäußert, beruflich langsamer zu treten, und nur noch Teilzeit zu arbeiten. Das ist mit einer Führungsposition kaum zu vereinbaren.
In Absprache mit der Geschäftsleitung wird er also Kompetenzen abgeben. Oder anders ausgedrückt: Jemand anders muss Zusatzaufgaben übernehmen. Ihr dürft dreimal raten, wer.

Früher waren Geräteentwicklung und Softwareentwicklung in einer Abteilung zusammengefasst. Angesichts der Sachlage ist es vielleicht sinnvoll, beide wieder zusammenzulegen.
Ulrich wird mich weiterhin unterstützen, insbesondere in fachlichen Belangen, aber die (disziplinarische) Verantwortung lastet auf mir.
Nein, das kann so nur ein Übergangszustand sein, denn mit anderen Aufgaben und Verpflichtungen bin ich ohnehin schon mindestens ausgelastet.

Mit diesen Ausblicken im Hinterkopf kam es dann abends zu einem Gespräch mit dem Hauptgeschäftsführer.
„Hast du dir schon überlegt, wer die Softwareentwicklung übernimmt, wenn du dich in Zukunft auf die Geschäftsleitung konzentrierst?“
„Nein. Die Software ist das einzige, das ich gut kann [und das mir Spaß macht]. Die will ich weiter behalten.“
„Die Geschäftsleitung ist wichtiger. Die Entwicklungsleitung solltest du besser delegieren, an einen, meinetwegen auch zwei Abteilungsleiter. Aber für die Geschäftsleitung ist dein Einsatz unumgänglich. Ich werde nicht immer dafür dasein.“
„Wenn Ulrich die Geräteentwicklung nicht mehr macht, werde ich hoffentlich einen geeigneten Nachfolger für ihn finden. Aber die Softwareentwicklung ist mein Gebiet. Da lasse ich mir von niemandem reinpfuschen.“
„Ich weiß, dass du an der Software hängst. Solange ich dir noch geschäftliche Aufgaben abnehme, kannst du gerne noch dafür direkt verantwortlich bleiben. Aber du kennst unseren Zeitplan. Denke wenigstens mal darüber nach, wie es langfristig weitergehen soll. Du brauchst keine übereilte Entscheidung zu treffen. Aber eine wohldurchdachte.“

Er hat recht.
Leider.
Auf was hab‘ ich mich da nur eingelassen?

Hier am Standort habe ich einen Gruppenleiter als Vertreter, der das eigentlich ganz gut macht. Den kann ich etwas mehr einspannen, und allmählich mehr Verantwortung übertragen.
Wenn ich mir überlege, wer für die (Standort-übergreifende) Leitung der Softwareentwicklung in Frage kommt, fällt mir wohl oder übel Herr Grau an. Als Mensch ist er mir unsympathisch, und ich hatte bereits Schwierigkeiten mit ihm, muss aber anerkennen, dass er fachlich hochqualifiziert ist. Führungserfahrung hat er ebenfalls, so dass er bestimmt die beste Wahl dafür wäre, bzw. ich kaum um ihn herumkomme.
Ich könnte dann hier Geräte- und Softwareentwicklung wieder dem gleichen (noch zu findenden) disziplinarischen Abteilungsleiter unterstellen, während die Software unternehmensweit fachlich von Herrn Grau geleitet wird.
So richtig gefällt mir diese Lösung nicht, aber ich muss auch unliebsame Entscheidungen treffen, wenn sie dem Wohle des Unternehmens dienen. Wenigstens verlangt Carsten keinen Schnellschuss von mir. Ich kann mir noch Zeit lassen, die Weichen zu stellen, muss aber diese Neuausrichtung im Kopf behalten.
Wenn ich Herrn Grau bei meinem jährlichen Besuch bei Standort 4 treffe, kann ich ja mal vorfühlen. Sonst unternehme ich in diese Richtung noch nichts.

Seit Jason zu Standort 6 als technischer Geschäftsführer gewechselt ist, ist die Fertigungsleitung am hiesigen Standort nicht offiziell besetzt. Diese Lücke wieder zu schließen, hat erst mal Priorität. Derzeit habe ich die kommisarische Leitung einem bisherigen Gruppenleiter übertragen. Der hat durchaus Ambitionen, dauerhaft befördert zu werden. Ich habe ihm aber gesagt, dass er dies erst mal nur als Gelegenheit sehen soll, die Geschäftsleitung von seiner Eignung zu überzeugen. Ich beobachte ihn also noch, wie er sich bewährt. Bis jetzt schaut’s ganz gut aus, so dass wir nicht extern suchen.
Falls er – ich denke schon – befördert wird, gibt es dann wieder eine neue Lücke, weil er als Gruppenleiter dann wegfällt. Von den für die Nachfolge in Frage kommenden Fertigungsingenieuren wäre aufgrund seiner Berufserfahrung derjenige dran, von dem ich einmal ein Datingprofil gefunden hatte. So richtig traue ich ihm Führungsverantwortung nicht zu, aber die Chance werde ich ihm wohl (mangels einer besseren Alternative) geben. Vielleicht wächst er an seinen Aufgaben.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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11 Antworten zu πάντα ῥεῖ – Entwicklungen in der Entwicklung //2309

  1. keloph schreibt:

    eine art domino. wünsche ein glückliches händchen.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Das liest sich nicht so einfach.
    Du musst dir klar werden, ob deine Vorliebe für Software so wichtig ist wie das Management der Firma. Klar, du fühlst dich damit sicher, es macht Spaß, ist aber auch deine Komfortzone.
    Die Frage nach deinen Management-Skills und ob es dir Freude macht, die Firma weiter zu treiben und zu entwickeln. Das kannst nur du entscheiden. Akut ist es noch nicht, das Personalroulette bekommt ihr schon hin, aber langfristig sind Weichenstellungen bis hin zum Verkauf gefragt.

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Tweets und Twittereien //2424 | breakpoint

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