Wannabe Bug Buster //2302

Es tut Herrn Klugsch nicht gut, wenn er über längere Zeit hinweg zu viel Freizeit hat.
Vor ein paar Wochen ist er auf die Idee gekommen, programmieren zu lernen, und bringt das seither immer wieder auf’s Tapet. Ein bisschen Fortran hatte er ja mal zu Studienzeiten* gemacht, aber das ist Jahrzehnte her und auch nicht mehr zeitgemäß.

Naja, meinetwegen könnte er mit irgendwelchen Büchern oder CBTs eine moderne Programmiersprache lernen, aber er möchte, dass ich ihm die Sprache beibringe, die ich meistens nutze. Dazu käme noch die Bedienung der Entwicklungsumgebung* (samt Debugger) sowie der Umgang mit dem genutzten Framework.
Gut – sonst gebe ich als notorische Besserwisserin ja ganz gerne meine Kenntnisse weiter. Aber die Kombination Herr Klugsch und Programmieren beschwört in mir Horrorszenarien herauf. Er würde sich dann ständig bei mir einmischen, nicht nur passiv zugucken oder sich mal zwischendurch etwas erklären lassen, sondern seinen unmaßgeblichen Senf in Dinge geben, von denen er als unerfahrener Anfänger noch keine wirkliche Ahnung hat.
Wenn ich mir vorstelle, dass ich gerade debugge, und er gibt mir zwischendurch unerwünschte „Ratschläge“ (das sind auch Schläge!), dann geht mein metaphorischer Blutdruck hoch.

Bisher habe ich es geschafft, ihn zu vertrösten, aber er fängt immer wieder davon an, und akzeptiert kein Nein. Ich weiß nicht, wie ich ihm diesen Einfall ausreden soll.

* Damals an der VAX muss das Programmieren über Kommandozeile etwa so abgelaufen sein:
For-Datei mit Text-Editor öffnen, Code schreiben oder ändern, Datei abspeichern (OK – bei PHP und JavaScript mache ich das heutzutage praktisch genauso) und Editor verlassen.
Datei kompilieren, und versuchen, sich möglichst viele Fehlermeldungen zu merken.
Datei wieder editieren, um dabei Fehler auszubessern.
Wieder kompilieren, bzw. die letzten Schritte so oft wiederholen, bis keine Syntaxfehler mehr vorhanden sind.
Danach linken, wobei der Linker ebenfalls Fehlermeldungen bringen kann. In diesem Fall, alles wieder von vorn.
Erst wenn ein lauffähiges Executable erstellt wurde, kann man mit dem Debuggen beginnen. Das funktionierte damals wohl so, dass man an definierten Stellen Variablenwerte in die Ausgabekonsole oder eine Log-Datei schrieb. Hat das gepasst, lässt sich das Programm weiterentwickeln. Bei unerwarteten Werten war es dagegen aufwendig und umständlich, die Käfer aufzuspüren. Breakpoints gab es ja noch nicht.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Wannabe Bug Buster //2302

  1. Leser schreibt:

    Ausreden: Gar nicht. Wenn er meint, „Ratschläge“ geben zu wollen, dann ist die adäquate Reaktion darauf: Wenn der Keks redet, hat der Krümel zu schweigen. Wer sich erst seit wenigen Wochen/Monaten/Jahren damit beschäftigt, hat zu wenig Ahnung, um jemandem, der langjährige Praxiserfahrung damit hat, etwas vorzu“schlagen“. Oder Du sagst an, dass Du somit mindestens das Doppelte an Zeit für die jeweiligen Aufgaben brauchst, weil Du ihm eben immer genau erklärst, warum das, was er sich da gerade ausgedacht hat, wahrscheinlich eine schlechte Idee ist.

    Aber wo nimmt ein chronischer Workaholic eigentlich so viel Freizeit her?

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    • Wenn er sich mal was in den Kopf gesetzt hat, ist er kaum noch davon abzubringen.
      Hier handelt es sich ja (für ihn) nicht um produktive Arbeit, sondern um reines Privatvergnügen.

      Die Freizeit hat er, weil sich allmählich die Entlastung durch die technische Geschäftsführerin bemerkbar macht.
      Da gibt es zumindest Phasen, in denen es für ihn mal ruhiger zugeht.

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      • Leser schreibt:

        Naja, Du hast die Möglichkeit, ihm klar zu machen, dass Du es ihm beibringen kannst, aber dann nicht mehr dazu kommst, Deine Arbeit zu machen (bzw. nur noch in einem stark verringerten Maß), oder dass er es sein soll.
        Andererseits könntest Du ihn auch jedes mal, wenn er mit einem solchen Anliegen an Dich heran tritt, samtpfötisch-katzenhaft um die Klauen wickeln und ein Wenig Deinen Spaß mit ihm haben, bis er dann wieder auf andere Gedanken gekommen (oder eingeschlafen) ist…

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  2. Mia schreibt:

    Und das ist erst der Anfang!
    Wenn Herr Klugsch erst einmal in Rente ist, dann hat er noch mehr Freizeit …

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  3. keloph schreibt:

    bei mir war das alles noch etwas dämlicher, weil wir wirklich mit lochkarten um batchbetrieb arbeitetn mussten. cycletime mindestens 1 stunde.

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    • Das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen.
      Ja, Softwareerstellung ist schon komfortabler geworden, die Anwendungen dafür aber um einiges komplexer, umfangreicher und asymptotisch DAU-sicher.

      Vermutlich wird man in einigen Jahrzehnten auch zurückblicken, und Art und Weise, wie wir jetzt mit Computern agieren, wird den Zukunftsmenschen ähnlich vorsintflutlich erscheinen.

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      • claudius2016 schreibt:

        Also in meiner z/OS-Welt sieht das immer noch so aus, zwar keine Lochkarten mehr, aber auch nur sehr umständliche Umgebungen zum debuggen a la PC-Welt. Kein mir bekannter Kollege nutzt das. Dennoch läuft ein über 90%iger Teil der kommerziellen Transaktionen in dieser Umgebung.
        Apropos Lochkarte: Viele Grenzen sind immer noch auf 72 oder 80 Zeichen gesetzt.
        Dennoch macht es vielen Kollegen und mir viel Freude, in dieser seit Beginn meiner Berufstätigkeit (30 Jahre) vom baldigen Aussterben vorgedachten Umgebung zu arbeiten. ALLE grossen Unternehmen nutzen nach wie vor und auch in absehbarer Zukunft IBM-Mainframe und z/OS.

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        • Tja ..
          Wobei man sagen muss, dass moderner nicht zwingend gleich besser ist.
          Meine bevorzugte Entwicklungsumbegung beispielsweise ist inzwischen auch schon recht betagt, aber ich habe mich an die Macken gewöhnt, uns schätze einige Eigenschaften.
          Gelegentlich nutzte ich sogar noch ein 16-bit Tool, für das es nach so vielen Jahren immer noch keinen aktuellen, gleichwertigen Ersatz gibt.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Schön, dass du etwas deines Wissens weitergibst. Die meisten bunkern heute.

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  5. ednong schreibt:

    Tja,
    dann musst du in wohl mit Arbeit zuschmeissen, so dass er dafür keinerlei Zeit mehr haben wird … 😉

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