Im Sichtbereich //2275

Immer wieder mal laufen mir Personen über den Weg, an denen mir irgendetwas besonders auffällt. Für einen Blogeintrag ist das zu trivial, aber mehrere solcher Begegnungen zusammengefasst, lohnen dann doch mal wieder einen Post.

Da war neulich dieser Mann, der mir auf dem Gehweg entgegenkam, der aussah wie eine personifizierte Reklamefigur. Auf seiner Jacke, Hose, Schal, Kopfbedeckung, .. überall prangte groß und unübersehbar der Name eines bekannten Sportbekleidungsherstellers. Nun ja, dieser Hersteller hat seinen Hauptsitz nicht weit von hier entfernt. Vielleicht arbeitet dieser Mann ja dort.

In der S-Bahn fiel mein Blick auf die Stiefel in Leopardenfelloptik einer mittelalten Frau. Ihre Füße waren so winzig, dass früher jede Chinesin darauf stolz gewesen wäre. Was mich aber so verwunderte, war, dass ihr mitgeführter Trolley exakt das gleiche Muster aufwies. Ich frage mich, ob sie ihre Stiefel nach dem Trolley, oder ihren Trolley nach den Stiefeln ausgesucht hat. Oder gibt es etwa beides im Set?

Ebenfalls in der Bahn sah ich einen alten Mann mit Kropf. Das fiel mir auf, weil ich schon ewig lang keinen Kropf mehr gesehen hatte. Ich erinnerte mich an eine uralte Verwandte, die wir in meiner Kindheit vielleicht ein- oder zweimal im Jahr besuchten, die ebenfalls einen großen Kropf gehabt hatte. Aber während ihrer in einem faltigen Hals steckte, der an einen Truthahn erinnerte, sah der Kropf des Mannes fast wie ein praller Schwimmreifen aus.
In der alten Heimat sollen Kröpfe früher häufig gewesen sein. Aber seit jodiertes Speisesalz üblich ist oder der Verzehr von Seefisch, kommen solche extremen Schilddrüsenvergrößerungen praktisch nicht mehr vor.

Meine Gesichtsblindheit hatte schon öfter den Effekt, dass ich Leute, die mich kannten, selbst nicht wiedererkannte. Kürzlich hatte ich ein umgekehrtes Erlebnis.
Ich saß in einer Bäckereifiliale und trank einen Kaffee, als ich eine Frau in der Schlange anstehen sah, die mich sehr an eine Kollegin erinnerte aus der Zeit, in der ich selbst als Angestellte gearbeitet hatte. Frisur und Brille entsprachen genau dem, was ich an Merkmalen der Kollegin abgespeichert hatte. Das Alter hätte hinkommen können. Aber trägt man nach anderthalb Jahrzehnten noch die gleiche Frisur und die gleiche Brille? Das kommt mir doch eher unplausibel vor. Vielleicht hätte ich sie dennoch angesprochen, wenn mir wenigstens ihr Name eingefallen wäre. So ließ ich es lieber bleiben.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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9 Antworten zu Im Sichtbereich //2275

  1. Mia schreibt:

    Während meiner Kindheit gab es in meiner Stadt eine Frau, die hatte auch einen extrem großen Kropf, aber nicht direkt mittig vom Hals, sondern etwas seitlicher. Dadurch hielt sie ihren Kopf auch immer etwas schief. Das sah sehr grotesk aus und ich hatte mich immer gefragt, ob sie auch genügend Luft bekommt. Naja, mittlerweile wird sie wohl gestorben sein.

    Es soll ja Frauen geben, die tragen tatsächlich jahrzehntelang die gleiche Frisur, z. B. lange Haare immer auf die gleiche Art und Weise: entweder als Zopf oder einfallslos wie einen Vorhang herunterhängend.
    Manche tragen halt auch ihre Brille bis sie auseinanderfällt, auch wenn sie absolut altbacken aussieht und bestenfalls für die Leute in der Dritten Welt taugt. Gleiches gilt für Klamotten: Manche Leute kaufen sich erst dann neue Bekleidung, wenn die alte durchgewetzt und ausgeleiert ist.

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    • Es ist schon gut, dass es durch zusätzliches Jod in der Nahrung kaum noch Kröpfe gibt. War früher halt leider gar nicht selten, insbesondere bei älteren Leuten.

      Tja, vielleicht war es dann doch die Kollegin gewesen. Ich habe sie aber auch nur kurz in dieser Schlange gesehen, und sie war verschwunden, als ich die Bäckerei verließ.

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Lange Haare lassen halt nicht viel Spielraum. Zu einer neuen Frisur kommt man nur durch schneiden.
    Dass Du Dich nach 15 Jahren noch an ein Brillengestell erinnern kannst finde ich erstaunlich.

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    • Es war auch die Haarfarbe, bzw. Lockigkeit.
      Es muss nicht genau dasselbe Brillengestell gewesen sein, aber es war dem, an was ich mich erinnere, doch im Stil sehr ähnlich.
      Da ich mir Gesichtszüge nicht merken kann, bleiben mir nur Merkmale wie Frisur, Brille oder außergewöhnliche Kennzeichen.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Kröpfe gibt’s hier im Norden nicht, ich kenne es nur aus Büchern.

    Du würdest dich wundern, wie wenig Menschen bereit sind, sich zu verändern.

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  4. Pingback: Astrotweeting plus Sonderausgabe //2400 | breakpoint

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