Schnittstelleninkompatibilitätsproblematik //2255

Vor mehreren Jahren hatte ich für einen Kunden eine Anwendung erstellt, die mit einer Third-Party-Software über eine bestimmte Schnittstelle verknüpft ist. Die Funktionalität dieser Third-Party-Software ist wesentlich für die Anwendung.
Inzwischen hat jedoch der Dritthersteller die Schnittstelle geändert, so dass sie nicht rückwärtskompatibel ist. Die von mir geschriebene Anwendung funktioniert also nicht mehr.

Der Kunde nahm daraufhin mit mir Kontakt auf. Die ältere Version der Third-Party-Software bekommt er auf einem modernen Rechner nicht mehr zum Laufen. Es ist also keine Option, einfach die frühere Version weiterzunutzen. Virtuelle Maschinen scheiden aus gewichtigen Gründen ebenfalls aus.
Es scheint, als sei die einzige Möglichkeit, meine Software so anzupassen, dass sie mit der neuen Schnittstelle zusammenspielt.
Ich glaube, dass dies durchaus machbar wäre, allerdings sehr langwierig und fehlerträchtig, hauptsächlich halt Fleißarbeit. Wenn ich schreibe, dass ich das „glaube“, so ist das lediglich meine Einschätzung. Sicher wissen kann ich es nicht. Es ist durchaus möglich, dass noch weitere Schwierigkeiten auftauchen, die nicht unbedingt behoben werden können.
Wie auch immer – ein Update wäre zeitaufwendig (für mich) und teuer (für den Kunden).
Zeit ist aber etwas, das ich nicht habe.

Bevor jetzt jemand von euch den Vorschlag macht, ich solle es von meinen Mitarbeitern erledigen lassen:
1. Sind das meine eigenen Sourcen. Ich trenne mein freiberufliches Business (auch wenn ich es derzeit nicht aktiv weiterverfolge) von der Firma.
2. Selbst wenn ich diese Idee trotzdem umsetzen wollte, so ist das ein ganz spezielles Thema, mit dem meine Mitarbeiter sich nicht auskennen, und sich erst länger einarbeiten müssten. Bringt also nichts.

So sehe ich nur die Alternativen
A. Ich sage dem Kunden ab. Er wird enttäuscht sein und frustriert, aber da kann ich auch nichts machen.
B. Ich nehme den Auftrag zwar an, aber nur unter Vorbehalt, mit niedrigster Priorisierung, ohne Zeitplanung und ohne Erfolgsgarantie. Ich könnte die Arbeit hin und wieder mal dazwischen schieben, wenn ich ein wenig Zeit habe. Das Projekt wird sich dann zwar länger hinziehen, aber irgendwann wird es doch abgeschlossen sein (ob allerdings erfolgreich, ist nicht sicher).
Dagegen spricht, dass ich schon genug anderes zu tun habe, auch so schon überlastet bin. In dem bisschen Zeit, das mir zwischen meinen Verpflichtungen bleibt, sollte ich mich – meiner Gesundheit zuliebe – ausruhen und entspannen, und nicht mir noch mehr Stress machen.
Ob der Kunde so lange warten kann, ist ebenfalls fraglich (vorläufig – aber keinesfalls auf Dauer! – nutzt der Kunde parallel noch einen alten Computer, auf dem die Software läuft). Soweit ich sehe, hat er eigentlich keine andere Option, ohne das ganze von einem anderen SW-Unternehmen ganz neu from Scratch aufsetzen und entwickeln zu lassen. Ob das schneller ginge, und billiger käme, ist zweifelhaft.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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8 Antworten zu Schnittstelleninkompatibilitätsproblematik //2255

  1. Leser schreibt:

    Tja, dann ist das Annehmen des Auftrags wohl keine wirklich gute Option – zumal ein Erfolg fraglich ist, und auch der Zeitplan des Kunden das mitunter nicht hergibt.
    Die Neuimplementierung durch ein anderes Softwareunternehmen ist dann wohl die gangbarere Alternative. Vielleicht kannst Du ja jemanden, der früher zu Deinen freiberuflichen Zeiten zur Konkurrenz zählte, empfehlen? (Glaub mal nicht, dass die freiberuflichen Zeiten irgendwann wiederkommen, dazu müsste Novosyx ja praktisch aufhören zu existieren, oder Carsten sich scheiden lassen, weil Du ihm zu dick geworden bist, oder ähnliches…)

    Als der Kunde wäre ich verärgert, und würde den neuen Auftrag an ein anderes Softwareunternehmen vertraglich so formulieren, dass die Sourcen zum gekauften Produkt dazugehören müssen, um eine Wartbarkeit der Software auch über die Existenz deren Programmierers hinaus zu garantieren. Oder womöglich sogar temporär einen oder mehrere Entwickler einstellen und in-house programmieren lassen, dann besitzt er die Sourcen direkt und kann das Programm bei Bedarf weiter warten (bzw. von externen warten lassen). Es ergeben sich aus diesen proprietären Modellen halt immer wieder irgendwelche Probleme, so dass ich nicht verstehe, wie nicht mehr Firmen darauf bestehen, da selbst die Kontrolle drüber zu haben, um solche teuren und zeitaufwändigen Problematiken zu umfahren. Jetzt unabhängig davon, ob freie Entwickler bereit sind, ihre Sourcen mit zu verkaufen, wenn sie das nicht sind, dann sucht man sich halt jemanden, der das ist…
    Aber wahrscheinlich reicht dafür der Weitblick in den Führungsebenen vieler Unternehmen schlicht nicht aus, um so etwas absehen zu können, zumal wenn sie nicht selbst im Software- oder IT-Bereich tätig sind.

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    • Die Erfolgsaussichten dürften so um die 90% betragen – ziemlich sicher, aber halt nicht absolut.

      Meine Software hat dem Kunden über zehn Jahre lang gute Dienste geleistet, dürfte sich also längst amortisiert haben.
      Dass der Dritthersteller seine Schnittstelle geändert hat, dafür kann ich nichts. Und auch der legt natürlich seine Sourcen nicht offen. Das ist schließlich kein Consumer-Markt.

      Wenn ich’s recht bedenke, kann der Kunde sich durchaus wieder mal eine Neuentwicklung leisten, die dann auch an die aktuellen Gegebenheiten angepasst und zeitgemäßer ist.
      Einen Entwickler dafür muss er sich aber selber suchen. Es gibt in dieser Nische nicht allzu viele. Und ohne die Sourcen des Drittherstellers ist das trotzdem nur mittelfristig halbwegs zukunftssicher.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Man muss sich auch mal etwas neues gönnen.

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  3. Inder von Freelancer Dot Com schreibt:

    Programme für 8 Euro die Stunde.

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