Männerschutz //2251

Das Abendessen mit Otto hatte sich länger verzögert, als vorgesehen. Und seither schiebe ich es vor mir her, darüber zu bloggen.
Meine üblichen flapsigen Annekdoten und Breakpointen sind dem Thema nicht angemessen. Ich weiß kaum, wie ich die ganze Angelegenheit angehen soll, ohne zuviel preiszugeben. Andererseits ist es mir schon ein persönliches Anliegen, zumindest den Kern zu verbloggen.
Ich hatte Otto gegenüber bereits einmal erwähnt, dass Männer von häuslicher Gewalt ungefähr ebenso stark betroffen sind wie Frauen.
Dann muss man noch wissen, dass Carsten bei Otto wegen einer Armverletzung in Behandlung war.

Das gemeinsame Essen begann ganz entspannt und angenehm. Wir unterhielten uns über verschiedenste Themen. Dann kam Carsten’s Armverletzung zur Sprache. Carsten machte noch einen Witz darüber. Otto berichtete daraufhin, dass ihm in den letzten paar Monaten in seiner Praxis verstärkt Verletzungen an Männern aufgefallen seien, die er bei Frauen für potentielle Anzeichen von häuslicher Gewaltanwendung gehalten hätte, das aber – bis zu dem sensiblisierenden Gespräch mit mir – als Möglichkeit bei Männern überhaupt nicht im Visier gehabt hatte.
Wir sprachen weiter über das Thema. Diesmal ernsthaft. Es gibt ja praktisch keine Hilfsangebote für Männer, keine Schutzeinrichtungen oder sonstwie geartete Unterstützung.
Irgendwann erzählte Otto dann zögernd, dass seine Ex-Frau ihm gegenüber auch gewalttätig gewesen sei, er es aber nach einiger Zeit doch geschafft hätte, sich von ihr zu trennen. Er habe das Phänomen damals als völlig ungewöhnlich betrachtet, und die Angelegenheit danach wohl verdrängt.
Mehr Einzelheiten dazu werdet ihr von mir nicht lesen. Ebensowenig wie über einige andere Fälle, über die ich im Laufe der letzten Jahre Kenntnis erhalten habe. Ich darf dazu nicht mehr schreiben.
Es muss eine schmerzliche Erfahrung für ihn gewesen sein. Es fiel ihm schwer, darüber zu sprechen. Meistens schweigen Männer aus Scham, oder weil sie erfahren mussten, dass kaum jemand Verständnis für sie hat, so dass sie nicht ernst genommen oder gar ausgelacht werden. Die Hemmschwelle ist hoch.

Abschließend waren wir uns einig, dass dieses – in Politik, Medien und Gesellschaft unter den Teppich gekehrte – Problem mehr Aufmerksamkeit und Aufklärung verdient. Es muss dringend etwas für betroffene Männer getan werden.
So, sorry, aber mehr darüber zu schreiben, schaffe ich jetzt nicht. Vielleicht versuche ich ein andermal einen zweiten Anlauf. Der Grat ist so schmal, dass der kanonische Impuls viel zu unscharf ist.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Männerschutz //2251

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Was auch noch ein sehr wichtiges Thema ist: Missbrauch durch Frauen. Auch hier gilt es viel mehr zu sensibilisieren.

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  2. Leser schreibt:

    Das ist ja verrückt – ich habe erst die Kommentare zum gestrigen Blogartikel gelesen, und darauf kommentiert, da merke ich jetzt beim Lesen dieses Artikels und der Kommentare dazu, dass er zum heutigen Thema auch wie die Faust aufs Auge passt.

    Wenn ein Mann zur Polizei gehen würde, um eine Vergewaltigung durch eine Frau anzuzeigen, würde man ihn doch auslachen.

    Gefällt 1 Person

  3. Mia schreibt:

    Es ist mehr als an der Zeit, in Anlehnung an die bereits seit Jahren bestehenden Frauenhäuser endlich Männerhäuser zu schaffen, in denen misshandelte Männer mit ihren Kindern Schutz finden.
    Das hat die Gesellschaft jetzt vom allseits gelobten und verfochtenen Matriarchat.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Das passt nicht ins linksgrüne Gedankengut und deshalb können sich die Männer auch auf den Kopf stellen. Wo kommen wir denn da hin, wenn trotz Frauenquote und Minderheitenpolitik plötzlich die Männer ihre Ansprüche anmelden ??
    Es geht los beim GIRLS-Day, geht weiter über Lohndifferenzen, Quotenfrauen und endet bei diesem Thema.

    Was nicht sein darf, gibt es nicht.

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