Nachruf auf eine Lehrerin //2231

Als ich am Wochenende mit meiner Mutter telefonierte, erzählte sie mir, dass Frau U. kürzlich verstorben sei.
Frau U. war meine Lehrerin in der dritten und vierten Klasse gewesen. Sie war damals schon alt (zumindest erschien es mir so). Das ist inzwischen weit über dreißig Jahre her. Inzwischen musste sie ein quasi biblisches Alter erreicht haben.
Ich fragte meine Mutter, an was Frau U. denn gestorben sei. Das wusste sie nicht, meinte nur, dass sie sie noch vor ein paar Wochen erst in der Kirche gesehen habe, und dass sie ja schon sehr alt gewesen sei. Das ist eben der Lauf der Dinge.

Ich habe viel bei Frau U. gelernt. Meistens gelang es ihr, einen interessanten Unterricht zu halten. Aus irgendwelchen Gründen erinnere ich mich besonders an den Heimatkundeunterricht, wo wir erfuhren, dass die Schweden einst unser Städtchen besetzt hatten, und welche Flüsse, Berge und Burgen sich in der Nähe befinden.

Da ich (BTW mit Abstand) die Klassenbeste war, wollte ich natürlich auf das Gymnasium, und meine Eltern befürworteten das.
Als meine Eltern dies bei einem Elternsprechabend mit Frau U. abklären wollten, meinte diese über mich: „Da wird sie noch viel weinen. Da braucht man Ellbogen!“

Ja, der Lauf der Dinge. Jedes Leben beginnt, und endet auch wieder irgendwann. So ist es halt.
Wenn man bedenkt, dass ich damals kaum älter war, als David oder Sophie jetzt .. Das ist einerseits schon soooo lange her. Andererseits war ich damals auch schon Ich .. Versteht ihr, was ich meine?
Rein statistisch gesehen, habe ich bereits mindestens die Hälfte meiner Lebensdauer erreicht. Mehr Menschen auf der Erde sind inzwischen jünger als ich statt älter, und dieses Gleichgewicht verschiebt sich sekündlich. Ein deprimierender Gedanke.
Das Leben ist vergänglich.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Nachruf auf eine Lehrerin //2231

  1. keloph schreibt:

    ich finde den gedanken nicht deprimierend. ds füllhorn des erlebten mit der gewonnenen lebenserfahrung lässt mich mich gut fühlen. und wenn die stunde des abschieds kommt, dann kommt sie eben und ich bin froh, meine zeit auf dieser welt gehabt zu haben. da bin ich sicher.

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  2. thrillerbraut schreibt:

    Mich machte es nachdenklich, dass nun die Zukunft kürzer sein wird als die Vergangenheit Da weiß man dann einfach, dass man alt wird.
    Deprimierend empfinde ich das nicht, aber komisch ist es doch. Wie du schreibst, man wird nachdenklich.

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  3. ednong schreibt:

    Hach ja,
    Leben ist vergänglich. Leider. Ich fühle dir nach – es gibt einfach so vieles, was man noch machen und lernen könnte. Und man muss immer mehr auswählen …
    Lehrer aus der Grundschule sind von mir auch schon einige verstorben. Auch die, die mich Mathe gelehrt haben, so schade. Aber meine Klassenlehrerin aus der Grundschule lebt noch, die war damals noch recht jung und ist jetzt etwas älter als meine Eltern. Werde ich wohl auch dieses Jahr entweder zum Geburtstag besuchen oder zumindest gratulieren.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Ich vermisse wenig, tue Dinge, die ich mag und möchte und reiste schon zu allen möglichen Orten dieser Erde.
    Ich brauche nicht viel und kann viel aus Erlebnissen für mich absorbieren und da klar ist, dass ich nie alles sehen und tun kann, was überhaupt auf Erden möglich ist, bin ich durchaus zufrieden.

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  5. idgie13 schreibt:

    Seit 7 Jahren ist für mich jeder Tag ein geschenkter. Ich hatte schon abgeschlossen mit meinem Leben und es wär ok gewesen für mich, abzutreten. Aber ich leb schon noch gern ein paar Jährli 😎. Die Hälfte hab ich wohl sehr lang schon hinter mir. Was soll’s?

    Ich hab vor ein paar Wochen meinen ehemaligen Deutschlehrer in Hamburg getroffen. Das war wirklich spannend 😀

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  6. jezek schreibt:

    Hierzu fällt mir nur die Maßbandmetapher ein, die ich selber verbloggt habe.

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    • Das Maßband – ich erinnere mich an deine Metapher – bezieht sich ja nur auf die statistische Lebenserwartung. Mit dem individuellen Fall hat es nichts zu tun. Man weiß ja schlicht überhaupt nicht, wie lange man selbst auf Erden wandeln wird (was prinzipiell eigentlich gut ist – nicht auszudenken, wenn man den eigenen Todeszeitpunkt bereits Jahre vorher wüsste).

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      • jezek schreibt:

        Man kann sich helfen mit den bekannten Sterbe- oder Restlebenstafeln; der Median gibt zumindest einen Richtung vor was noch vor einem liegen könnte. Gewissermaßen eine Art MTTF – mean time to failure – um diesem sinisteren Thema einen positiven Touch zu geben 🙂

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  7. Pingback: Im Oktober getwittert //2387 | breakpoint

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