Nicht lustig: Teilverlust //2205

Vor längerer Zeit hatte Carsten seinen Geldbeutel verloren.
Da er kurz vorher erst am Bankautomaten Geld abgehoben hatte, hatte er wesentlich mehr Bargeld dabei als gewöhnlich. Außer einigem eher unwesentlichen Kleinkram hatte der Geldbeutel auch mehrere Karten beinhaltet.

Ich übernahm es, seine EC-Karte zu sperren.
Bei der allgemeinen Sperrtelefonnummer war zunächst einmal ein völlig umständliches Interface mit Sprachansage und Menübedienung. Über mein DECT-Telefon ließen sich anscheinend keine Tastendrucke verarbeiten, weshalb ich notgedrungen verbal antworten musste. Irritiert hatte mich auch die Frage, ob es sich um eine „Debitkarte“, handele, die ich aus dem Stegreif nicht beantworten konnte. Ich kenne das Ding nur als „EC-Karte“. Die Bezeichnung „Debitkarte“ empfinde ich als so ungebräuchlich, dass ich da spontan überfragt war.
Auf diese Weise brauchte ich mehrere Minuten, um mich durchzuhangeln, und erst nachdem ich die Bankleitzahl angegeben hatte, bekam ich endlich einen menschlichen Gesprächspartner. Ich bestätigte, dass ich die EC-Karte sperren wolle, nannte nur die Kontonummer und den Namen des Karteninhabers, und das war’s. Sonst musste ich mich nicht authentifizieren. Im Prinzip könnte jeder, der die BLZ, die Kontonummer (die IBAN dagegen kam nicht zur Sprache) und den Kontoinhaber kennt, eine beliebige Karte sperren.

Bevor wir am nächsten Tag noch mehr unternehmen konnten, erfuhr Carsten, dass zumindest seine Karten bei einer bestimmten Organisation abgegeben worden waren. Das Geld und der Rest waren und blieben allerdings verschwunden.
Wir nehmen an, dass ein Finder das Geld behalten hat, und die Karten achtlos auf den Weg geschmissen hat, wo ein weiterer, ehrlicher Finder sie dann gefunden und abgegeben hat. Carsten sorgte dafür, dass dieser einen anständigen Finderlohn erhielt.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Nicht lustig: Teilverlust //2205

  1. Leser schreibt:

    Debitkarte ist eine Bezeichnung, die daher rührt, dass es in anderen Ländern normal ist, alles über Kreditkarten statt Debitkarten zu machen. Deshalb braucht es wohl die Unterscheidung.
    Aus der IBAN lassen sich doch BLZ und Kontonr. ganz einfach herauslesen?
    Und heute heißt die Karte auch nicht mehr EC-Karte, sondern „Girocard“. Ein neuer Markenname für dasselbe Ding. Wahrscheinlich, seit die Dinger einen kontaktlos agierenden NFC-Chip drauf haben, oder sowas…

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    • Ich kenn das Ding von früher als EC-Karte. Auch wenn es inzwischen keine Eurocheques mehr gibt, sehe ich keinen Grund, es anders zu nennen. Zwischenzeitlich stand das EC ja für „Electronic Cash“.
      Der Unterschied zwischen Debit- und Kreditkarte ist mir auch klar. Ich stand bloß zeitweilig auf der Leitung.
      Die deutschen IBANs setzen sich tatsächlich aus BLZ und Kontonummer zusammen, angeführt von „DE“ sowie zwei Prüfziffern.

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  2. mijonisreise schreibt:

    Ein wirklich ärgerliches Erlebnis.
    Allein die Rennerei die man hat, um alle möglichen Karten (Ausweis, Führerschein etc.) zu ersetzen, ist enorm.

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  3. jezek schreibt:

    Bei Debitkarten wird der Zahlungsbetrag sofort oder innerhalb weniger Tage an dem Zahlungsempfänger übertragen, also debitiert

    Bei Kreditkarten ist das Zahlungszeitpunkt, je nach Kartenmodell, versetzt. D.h. der Kartenbesitzer bekommt seine Leistung sofort, der Zahlungsempfänger bekommt sein Geld erst nach Ablauf einer Frist (z.B. 30 Tage nach der Leistungsübertragung). Somit gewährt der Leistungsgeber dem Leistungsempfänger einen Kredit.

    Im Prinzip ist es das gleiche wie im geschäftlichen Zahlungsverkehr mit der Klausel „…Zahlungsziel 30 Tage nach Lieferung“. Auch hier gewährt der Lieferant dem Besteller einen Kredit; daher auch „Lieferantenkredit“. Und BTW: Manche Geschäftsmodelle nutzen diesen Effekt aus da der „virtuelle Zinssatz“ im Einzelfall beträchtlich sein kann.

    Genug nun mit der Besserwisserei…

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    • In Zeiten von Negativzinsen wirkt das alles ein wenig anders, als es wohl mal konzipiert war.

      Meine Bank verlangt demnächst wieder Kontoführungsgebühren, nachdem dies jahrelang – unter gewissen Voraussetzungen – kostenlos war.

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      • jezek schreibt:

        Richtig, der Negativzins stellt das gesamte Geldsystem auf den Kopf. In der Geldmarktheorie hat Geld zwei Funktionen: Tauschmittelfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion.

        Diese zweite Funktion wird außer Kraft gesetzt. Die „Belohnung“ durch den Zins, wenn man Kaufkraft in die Zukunft transferiert, entfällt. Vielmehr wird man bereichert wenn man Konsum vorzieht; am besten in die Vergangenheit.

        Dieses paradoxe Verhalten entzieht einigen Unternehmen ihre Geschäftsgrundlage; und zugleich dem Verbraucher das Vertrauen in größere Bargeldbestände.

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        • blindfoldedwoman schreibt:

          Es dauert nicht mehr lange, bis das System zusammen bricht. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern und ist in politischen Kreisen schon länger Thema. Ein zeitnaher Bankencrash ist kein Aluhut mehr.

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          • jezek schreibt:

            ich glaube nicht an Weltuntergangsfantasien…die kommen regelmäßig auf und bestätigen sich nie (Maya-Kalender sein Dank).

            Aber es wird größere sog. Anpassungsschocks geben; diese sind in der Wirtschaftstheorie nicht neu und treten immer wieder auf.

            Im konkreten Fall bedeutet eine negativer Zinssatz auf Dauer dass das Geld so wie man es heute kennt seinen Wert verliert. In der neoklassischen Geldmarkttheorie müsste nun die Inflation steigen; dies tut sie aber nicht. Grund ist, dass zugleich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes abgenommen hat, was die Gültigkeit der sog. Quantitätsgleichung bestätigt.

            Warum dies so ist kann derzeit niemand sagen; eine Hypothese geht in die Richtung dass der niedrige Zinssatz in Kombination mit negative Erwartungen zu langfristigen Investitionen außerhalb des Geldmarktes führt. Dies wird anhand der steigenden Immobilienpreise und der trotz alledem steigenden oder leicht stagnierenden Aktienkurse begründet.

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        • Gerade für Sparer, die sich jahrzehntelang etwas für ihre Altersvorsorge zurückgelegt haben, ist das fatal.
          Und in der Politik denkt man gerade wieder über eine Vermögenssteuer nach. 🙄

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          • Engywuck schreibt:

            die Vermögenssteuer lag bei ihrer Abschaffung (bzw. eigentlich: Aussetzung) 1996 bei 1% des Vermögens mit einem Freibetrag von 120.000DM (inflationsbereinigt heute: 83k€). Pro Person. Das überfordert auch heute keinen und ist wirklich eher ein „Reichen-Problem“. Zumal die aktuellen Vorschläge von einem Freibetrag im Millionenbereich ausgehen… (die Altersvorsorge ist ja auch bei HartzIV & Co außen vor)
            Das erinnert mich immer an den Verwandten, der in den 1990ern klagte, dass er auf seine Zinsen Steuern zahlen müsse. Damals war der Freibetrag noch bei 6100DM (bzw. 12200DM – er war verheiratet). Als wir ihm dann vorrechneten, wieviel er dann wohl an *Bar*vermögen haben müsse wurde er auf einmal ruhig 😉
            Heute zahle ich mehr Steuern als ich jemals gedacht hätte (auch wenn ich bei weitem nicht reich bin). Und: ich zahle sie gern, denn ich nutze auch gerne alle Vorteile, die daraus (auch) generiert werden – und bin gerne bereit, einen gewissen Anteil für die mitzubezahlen, die weniger Einkommen (oder Vermögen) haben. Zumindest solange ich mir weiter alles leisten kann, was ich *brauche*.

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            • Zu diesen Zeiten damals™ war leicht eine sichere Rendite um 5% p.a. zu erwarten. Wenn davon Vermögenssteuer abging, war das zu verkraften.
              Heute fressen Negativzinsen, Inflation, Kapitalertragssteuer, Solidaritätszuschlag, .. den Wert der Ersparnisse. Wenn dann noch Vermögenststeuer fällig wird, entspricht das einer staatlichen Enteignung.

              Wenn tatsächlich eine Vermögenssteuer wie diskutiert käme, müssten wir – sowie viele andere KMU – den Laden dicht machen.

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