Feier in der alten Heimat //2193

Kaum waren wir vom Urlaub zurückgekommen, stand auch schon die Geburtstagsfeier meiner Mutter an. Wir hatten am nächsten Morgen kaum Zeit gehabt, unser Urlaubsgepäck auszupacken, als wir am Spätvormittag aufbrachen. Dadurch hatten wir kaum einen Zeitpuffer und ich nahm es in Kauf, eventuell verspätet zum Mittagessen zu erscheinen. Da Carsten immer noch Armprobleme hatte, fuhr ich selbst.

Diesmal gab es Kartoffelsuppe (die ich nicht sonderlich mag) und Apfelstrudel.
Meine Mutter hatte so ziemlich die ersten reifen Äpfel dafür verwendet. Apfelstrudel hatte ich schon seit etlichen Jahren nicht mehr gegessen. Ich meine nicht die Art Apfelstrudel mit Blätterteig und Apfelstückchen, die man in Restaurants bekommt oder aus der Tiefkühltruhe selber fertigbacken kann.
Meine Mutter hat da ein ganz anderes Rezept mit einem speziellen Teig. Der wird ganz dünn ausgewälzt, mit hauchdünn gehobelten Apfelscheiben reichlich bedeckt, mit Zucker und Zimt bestreut, und dann eng zusammengerollt. Traditionell macht meine Mutter insgesamt sechs solcher Strudel, vier mit Rosinen und zwei (vorrangig für mich) ohne. Die Strudel kommen dann in feuerfeste Formen, werden mit zerlassener Butter bestrichen und schließlich im Backofen gebacken.
Diese Strudel sind nicht so bröselig, sondern haben eine viel geschmeidigere, angenehmere Konsistenz. Und ich muss mich nicht über Rosinen ärgern.

Am Nachmittag kamen dann Sabine und ihre Familie.
Meine Mutter brachte eine Schachtel alter Fotos, die wir dann gemeinsam anschauten. Insbesondere David wollte zu fast jedem Bild eine Geschichte hören. Zwischendurch erzählte er von seiner Lehrerin, und dass sie einmal ein Kleid mit einem Schlitz angehabt hatte, das sei hochgerutscht, so dass er ihr Höschen habe sehen können.
Meine Mutter und meine Schwester echauffierten sich (anscheinend nicht zum ersten Mal) über die Schamlosigkeit der Lehrerin, während ich es bemerkenswert fand (das aber nicht laut äußerte), dass sie überhaupt ein Höschen getragen hatte. Naja, ich hatte das bei unseren Urlaubsflügen während des Sicherheitschecks auch getan, weil ich es schon gewohnt bin, dort abgetastet zu werden. Lästig genug, dass das sexistischerweise immer von einer Securitymitarbeiterin gemacht wird, und man sich das Geschlecht des Abtasters nicht aussuchen kann.
David erzählte dann weiter, dass er sich einen Computer wünsche. „Ich hab frei bald Geburtstag, Dande Anne“, fügte er hinzu, und schaute mich dabei so treuherzig an, dass es mir schwer fiel, ernst zu bleiben.
„Wozu brauchst du denn einen Computer, David?“, fragte ich zurück.
„Damit kamma gaaanz kuhle Spiele machen“, antwortete er, „und ich will auch ins Indernedd“.
Sabine schaffte es, das Thema zu wechseln, bevor es David gelungen war, mich zu einer Aussage zu verleiten.

Carsten’s schlimmer Arm gab uns einen guten Vorwand, schon bald nach dem Kaffeetrinken wieder zurückzufahren. Es ist nicht so, dass wir (nur) zu unserem Vergnügen wieder heim wollten. Die während des Urlaubs aufgelaufene Arbeit wartete, und machte keine Anstalten, von alleine zu verschwinden.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Feier in der alten Heimat //2193

  1. mijonisreise schreibt:

    Ach ja, Familienfeiern … 😊 … Manchmal fehlen sie mir schon. Vor allem die, bei der Mutter meiner Mama, denn neben meiner Mama gab’s und gibt es noch 8 Geschwister. Und Kinder. Alle auf einen Haufen war dann schon selten und eben nur am Geburtstag der Oma gegeben … 😁

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  2. Mia schreibt:

    Das Rezept für den Apfelstrudel klingt lecker. Das taugt zum Nachbacken.
    Die Abtasterei am Flughafen muss halt „politisch korrekt“ sein. Man stelle sich mal vor, Männer tasten Frauen ab und Frauen tasten Männer ab. Da wäre der Aufstand ja vorprogrammiert.
    Wie würde denn dein Mann reagieren, wenn ein Security-Mitarbeiter dich von oben bis unten und von unten bis oben und meinetwegen auch diagonal betatscht?

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Ein Wunder, dass es wegen des Schlüppis keine Anzeige gab. Bei einem Mann hätte man sicher anders regiert.

    Indernedd ist ne prima Sache. Da gibt’s Bob, der Baumeister 🙂

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  4. Pendolino70 schreibt:

    Ich finde es auch immer erstaunlich wie weit weg meine Verwandten von meiner Lebenswirklichkeit sind bei den Diskussionen auf Familienfesten. Ich esse einfach meinen Kuchen 😉

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  5. Pingback: Ein Blick in die Vergangenheit //2197 | breakpoint

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