#Blogparade: #MenstruationAmArbeitsplatz – #Fraulichkeit //2182

Vermutlich hätte ich das Thema „Menstruation am Arbeitsplatz“ nicht als Blogeintrag aufgegriffen, wenn es nicht eine aktuelle Blogparade dazu gäbe.

Die monatliche Blutung ist immer eine Zeit, in der ich mich in meiner allgemeinen Leistungsfähigkeit eingeschränkt und meiner physischen Ausstrahlung beeinträchtigt fühle. Allein das Bewusstsein, dass es unkontrolierbar aus mir herausblutet, dämpft meinen Schwung und vermindert mein Wohlbefinden. Ich vermeide körperliche Aktivitäten. Ich vermeide, mit Leuten zusammenzutreffen. Ich vermeide anspruchsvolle analytische Tätigkeiten. Dennoch gibt es noch genug zu tun, was ich arbeiten kann. Daheim im Home Office zu bleiben, ist normalerweise nicht nötig. Soweit möglich bevorzuge ich sitzende Tätigkeiten.
In meiner Jugend hatte ich bisweilen heftigste Krämpfe, teilweise mit Erbrechen. Vorzugsweise fanden die am Wochenende oder den Ferien statt, und bis Mittag war meistens der Spuk wieder vorbei (auch wenn die Blutung noch mehrere Tage volle Kanne anhielt). Ich weiß also durchaus wie das ist, und dass man zeitweise nicht einsatzfähig sein kann.

Den in der Diskussion stehenden Menstruationsurlaub finde ich dennoch nicht sinnvoll. Wer nicht arbeiten kann, kann sich krankmelden wie bei anderen Beschwerden auch. Warum sollte es defaultmäßig freie Tage geben? Die meisten Frauen haben das nicht nötig. Eine andere Frage wäre, wie es kontrolliert werden soll, dass tatsächlich nur während der Menstruation freigenommen wird, und dieses Privileg nicht darüberhinaus ausgenutzt wird. Aus Sicht einer Arbeitnehmerin würde ich es ablehnen, dem Arbeitgeber derart genauen Einblick in meinen Zyklus zu geben. Das geht ihn schlicht nichts an. Auch bei Krankheiten braucht der Arbeitgeber ja nicht darüber informiert zu werden, was der Arbeitnehmer genau hat. Ich würde jedenfalls nicht wollen, diese persönlichen Daten offenzulegen.
Ebenso geht es Kunden, Kollegen und Mitarbeiter absolut nichts an, in welcher Phase ihrer Menstruation sich eine Frau befindet. Das ist Privatsache, die durch einen Menstruationsurlaub im gesamten beruflichen Umfeld bekannt würde (und zu unangebrachten Spekulationen über Schwangerschaft, Gesundheitsprobleme oder Klimakterium ermuntern würde).
Ich jedenfalls möchte mir meine Zyklusphase nicht anmerken lassen (es reicht, dass die schlechte Laune des Chefs ein deutlicher Indikator für Tante Irma’s Besuch sein kann).
Genauso wenig möchte ich auch mitbekommen, wenn andere Frauen menstruieren. Das hat nichts mit Tabuisierung zu tun, sondern mit Diskretion und Privatsphäre.

Und seien wir doch mal ehrlich: Wenn es einen gesetzlichen Menstruationsurlaub gäbe, würden Arbeitgeber es erst recht vermeiden, Frauen einzustellen, wenn es eine männliche Alternative gibt. Schließlich würden mindestens dreizehn Mal im Jahr bis zu einer Woche Zusatzurlaub die produktive Arbeitszeit um 25 Prozent (ein Schelm, wer jetzt eine Assoziation zum Gender Pay Gap herstellt) reduzieren, müsste aber trotzdem bezahlt werden.
Körperfeindliche, anachronistische Ideologien, die blutende Frauen als „unrein“ sehen, würden durch den Menstruationsurlaub gefördert, da er zu einer Separation führen würde, bei der menstruierende Frauen vom Rest der Gesellschaft getrennt würden und abgeschieden im stillen Kämmerlein zu bleiben hätten. Die Menstruation ist ein ganz normaler, natürlicher Zustand. Es gibt keinen Grund, betroffene Frauen zu isolieren. Ist schließlich nicht ansteckend. Und bei Anwendung der üblichen Hygienemaßnahmen hält sich das Risiko einer Kontamination oder Verschmutzung mit Blutflecken in sehr geringen Grenzen.

In meiner Schule gab es nur einen einzigen Abfalleimer in der Mädchentoilette, in den man seine gebrauchten Monatsbinden entsorgen konnte, und um diesen Eimer zu erreichen, musste man an Raucherinnen vorbei.
So etwas geht gar nicht. In sämtlichen Einzelkabinen müssen Hygienebeutel und ein Eimer stehen. Dass ich den Gebrauch von Mondtassen aus hygienischen Gründen problematisch finde, wenn man nicht zu Hause ist, darüber hatte ich schon gebloggt.

Der Arbeitgeber hat also dafür zu sorgen, dass die Toiletten sauber sind, und Hygienebeutel und Eimer vorhanden und leicht zugänglich sind. Darüber hinaus hat er nichts zu tun. Die Vorgabe, gleich viele Toiletten für Männer und Frauen vorzuhalten, erscheint mir nicht sinnvoll.
Ausreichend Zeit und Gelegenheit, die Toilette aufzusuchen, sind selbstverständlich. Wenn es nötig ist, stündlich Tampons und Binden zu wechseln, um nicht durchzuweichen und nach außen zu leaken, dann ist das eben so – auch wenn es unproduktive Zeit ist, die dennoch bezahlt wird. Wenn man nur oft genug wechselt, entsteht auch kein unangenehmer Geruch.
Seit die Vorzimmerdamen und die Feinmechanikarbeiterinnen (die BTW größtenteils die Wechseljahre schon hinter sich haben dürften) in Standort 1a arbeiten, bin ich normalerweise die einzige Frau in diesem Gebäude. So viele Toiletten brauche ich nicht für mich allein, und die Wartung erzeugt unnötige Kosten.

Dann gibt es Vorschläge, dass der Arbeitgeber in sämtlichen Toiletten Monatshygieneprodukte (kostenlos) für die Belegschaft vorhalten soll. Das ist ebenfalls recht sinnlos. Da gibt es so viele verschiedene Sorten, Größen, Formen, .. mit Flügeln, ohne Flügeln, mit Duft, unparfümiert, mit Rillen, ohne Rillen, extra lang, extra dünn, extra saugfähig, mit Gel, anatomisch geformt, ohne Weichmacher, ohne Bleichmittel, Bio, klimafreundlich, vegan, glutenfrei, .. Unmöglich, es da jeder recht zu machen, zumal jede Frau ihre bewährten und bevorzugten Sorten hat. Außerdem könnten sich die Mitarbeiterinnen über ihren akuten Bedarf hinaus bedienen, und wenn wirklich mal dringend etwas benötigt wird, sind die Vorräte gerade aufgebraucht.
Ein paar Tampons lassen sich immer in der Handtasche unterbringen. Eine Packung Binden kann man im Schreibtisch oder Garderobenspind deponieren, und ist somit jederzeit für alle Eventualitäten gerüstet, selbst wenn Tante Irma mal unvorhergesehen auftaucht. Außerdem ist meist auch der nächste Supermarkt nicht weit. Kurzzeitig kann man zur Überbrückung ein Papiertaschentuch oder ein paar Blatt Klopapier in den Slip einlegen. Dieser Notbehelf sollte zumindest ausreichen, bis man sich anderweitig versorgt hat.
Ich meine, dass man es erwachsenen Frauen durchaus zumuten kann, sich eigenverantwortlich und vorausschauend um benötigte Hygieneprodukte selbst zu kümmern, statt dem Arbeitgeber Kosten und Bürokratieaufwand aufzubürden.

Die Folgen von Leistungseinschränkungen lassen sich mit etwas gutem Willen zumindest abmildern. Im Gegensatz zu unvorhersehbaren Krankheiten weiß eine Frau normalerweise zumindest so ungefähr, wann es das nächste Mal wieder so weit ist. Das erlaubt eine gewisse Planung, verschiedene Aufgaben vorzuziehen oder vielleicht auch erst danach zu erledigen. Wer gleitende Arbeitszeit hat, kann an den betreffenden Tagen kürzer treten, und eventuelle Fehlzeiten später nachholen. In einzelnen Fällen kann bei Büroberufen auch Arbeit im Home-Office eine Option sein.

Recht befremdlich finde ich, dass es bei dieser Blogparade keine Möglichkeit gibt, auf dem betreffenden Blog zu kommentieren, um seine Teilnahme dort mitzuteilen. Pingbacks sind nicht wirklich zuverlässig. Kontaktaufnahme soll über Facebook, Instagram oder Pinterest laufen. Dort habe ich aber keine Accounts und auch nicht die Absicht, mir dort einen einzurichten. Immerhin sollen definierte Hashtags auch auf Twitter dazu führen, dass die Blogparadeninitiatorin vom Blogbeitrag erfährt. Einen Twitteraccount scheint sie jedoch nicht zu haben.
Ich habe ja schon an vielen Blogparaden teilgenommen, aber solch ein Vorgehen habe ich noch nicht erlebt. Das fiel mir allerdings erst auf, als ich den Eintrag bereits begonnen hatte.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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26 Antworten zu #Blogparade: #MenstruationAmArbeitsplatz – #Fraulichkeit //2182

  1. keloph schreibt:

    in allen punkten meine meinung.

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  2. ednong schreibt:

    Memstruationsurlaub? Auf was für Ideen manche Frauen kommen …

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    • AFAIK werden beispielsweise in Italien die drei ersten Krankheitstage im Monat nicht bezahlt.
      Wenn die regelmäßig für Menstruationsbeschwerden draufgehen, ist das schon krass.
      Das rechtfertigt trotzdem nicht, dem Arbeitgeber dann den Schwarzen Peter zuzuschieben. Die Arbeit muss ja schließlich trotzdem erledigt werden.

      Und Vorsicht: Mit solchen Äußerungen gältest du in manchen Kreisen bereits als misogyner Frauenfeind, weil du Frauen keine Bevorzugung zugestehen willst.

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      • ednong schreibt:

        Na ja du wirst es wissen: das ist mir herzlich egal 🙂
        Ich ziehe ja nicht alle Frauen über den gleichen Kamm. ..

        Frauen wollen Gleichberechtigung – und suchen dann nach Gründen für eine Sonderbehandlung? Schon seltsam.

        Nicht falsch verstehen: es gibt mannigfaltige Gründe für Nicht-Leistungsfähigkeit. Und wenn das bei der einen oder anderen Frau dazu führt, nicht arbeiten zu können, dann ist das eben so. Da darf sie sich gern krank schreiben lassen und gut ist.

        Und für die Hygieneartikel findet man sicher einen Automatenaufsteller, der einen solchen ins WC der Damen hängt. Aber kostenlos – warum? Bekomme ich dann als Mann Taschentücher oder Kondome gratis?

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  3. mijonisreise schreibt:

    Ich versteh den ganzen Affentanz darum so gar nicht 🙄 …
    Wenn Frau damit solche Probleme hat, soll sie sich das vom Arzt bescheinigen lassen und mit dem Arbeitgeber eine Lösung finden. Diesen „Urlaub/Krank“ generell für alle Frauen einzuführen, finde ich Bullshit, weil es damit wieder das Klischee befeuert, eine „arme, bemitleidenswerte“ Frau zu sein.
    Auch das Gerede um gestellte Monatshyghieneartikel … Ist Frau nicht selbst groß genug, selbst vorzusorgen?
    Als wenn es nichts wichtigeres gibt, als die Blutung der Frau … 🙄

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    • Ja, genau.
      Einzelne Frauen haben tatsächlich so starke Menstruationsbeschwerden, dass sie deswegen zeitweise nicht arbeiten können.
      Für die sollte man ein Arrangement für ihren individuellen Fall finden.
      Die meisten Frauen kommen jedoch ohne Sonderbehandlung zurecht, und würden solch eine Einmischung und Vergünstigungen gar nicht wollen.

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  4. blindfoldedwoman schreibt:

    Tja, ist das vorbei, kommen die vielfältigen Beschwerden in den Wechseljahren.

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  5. Broken Spirits schreibt:

    Die besten 3 Artikel werde ich

    als Gastbeiträge in meinen Blog aufnehmen
    auf Instagram, Facebook und Pinterest promoten
    ihre Autoren bekommen 1 Stunde kostenloses Beratungsgespräch mit mir

    Falls Du zu den drei besten gehörst: berichtest Du dann auch über das Beratungsgespräch? :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

    (Ich hab das btw. von Kolleginnen noch nie mitbekommen – eine einzige hatte es mal erwähnt. Die kannte ich aber auch sehr gut nachdem wir ein paar mal nach der Arbeit besoffen ne Kellertreppe hochgefallen sind…. Die hatte mich mal gefragt, ob ich ihr ein bissle was an Arbeit abnehmen könne, da sie gerade nicht leistungsfähig sei. Bei dem was die Kollegin an dem Tag trotzdem weggeschafft hat, konnten andere Kolleginnen auch ohne Menstruationsbeschwerden nur träumen Sprich: die war immer noch leistungsfähiger als so manches Quotenweibchen (die wir tatsächlich hatten -„Frauen werden bei gleicher Eignung (HAHA!) bevorzugt usw.“)

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  6. Plietsche Jung schreibt:

    Menstruation ist keine Krankheit, insofern ist es auch kein Krankheitsgrund.
    Frauen wollen Gleichberechtigung: Hier können sie sie haben.

    Und wenn jemand nach Kompensation für Hygieneartikel fragt, dann ist die Antwort: Braucht man nicht zwingend. Die Natur sieht das nicht vor. Wenn es dich persönlich stört zu bluten, dann kümmere dich selbst darum.

    Apropos: Wer eine Woche blutet, ohne zu Sterben, dem kann man einfach nicht trauen. 🙂

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  7. Murdoch schreibt:

    Mestruationsurlaub könnte super sein.
    Angeblich synchronisiert sich das doch.
    Dann hätten die Kerle den Laden für ne Woche alleine und könnten ungestört schaffen. 😉

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