Ein fragwürdiges Ersuchen //2161

Von Leuten, mit denen ich noch nie vorher zu tun hatte, bin ich gebeten worden, bei einem Expertenforum am Diskussionspanel teilzunehmen.
Der Veranstaltungsort ist nah genug, um ohne dortige Übernachtung auszukommen.
Mit dem Thema des Forums kenne ich mich aber nur am Rande aus, hatte damit noch nie näher gearbeitet. Es ist ein branchenrelevantes, technisches Thema. Das ist auch schon alles.

Jetzt wunderte ich mich, wieso mich die Veranstalter dann einladen wollen. An meiner Fachkenntnis kann es ganz bestimmt nicht liegen. Es ist nicht so, dass ich null Ahnung hätte, aber Expertenkenntnisse, die mich dafür qualifizieren würden, habe ich bestimmt nicht, und ich habe in diesem Umfeld auch nicht den Ruf.
Natürlich habe ich die Veranstalter gefragt, wie sie gerade auf mich gekommen sind. Angeblich waren sie von meiner Keynote letztes Jahr beeindruckt. Sie hätten jemanden gesucht mit Sachverstand, der aufgeschlossen und noch nicht „betriebsblind“ ist.
Hm .. die Keynote war zwar ganz ordentlich gelaufen, aber so richtig gut gelungen war sie mir meines Erachtens nach auch nicht. Ich weiß nicht, was ich jetzt davon halten soll.

Der Gedanke liegt nah, dass die mich nur als Alibifrau wollen. Die anderen (voraussichtlichen) Teilnehmer sind nämlich alle männlich (und – soweit ich das beurteilen kann – tatsächlich Koryphäen auf diesem Gebiet).
Eigentlich wollte ich deshalb direkt absagen. Dazu will ich mich nicht missbrauchen lassen, und einen inhaltlichen Beitrag kann ich eh nicht leisten.
Aber Carsten macht Druck, dass ich hingehe – wegen PR für die Firma.

Ich könnte mich natürlich einfach dekorativ-zurückhaltend dazusetzen und fertig. Aber wenn mir dann doch mal jemand eine Frage stellt, könnte ich nicht fundiert anworten, und würde wohl keine gute Figur machen. Das wäre mir peinlich und widerstrebt mir.
Ich müsste mich also wenigstens halbwegs in die Thematik einarbeiten, um einigermaßen substanziell mitreden zu können.
Es ist doch so: stelle ich mich dort als inkompetent dar, so fällt das auf mich persönlich und die Firma zurück. Hinterlasse ich dagegen einen positiven Eindruck, so wird das nicht als meine persönliche Leistung gewürdigt, sondern dem weiblichen Kollektiv gutgeschrieben. Ich habe Bedenken, dass ich mich dort für feministische Zwecke instrumentalisieren lasse.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Ein fragwürdiges Ersuchen //2161

  1. Christian_who schreibt:

    Oder sind sie einfach fasziniert von Deinem Charme, Deiner Schönheit und Deiner Intelligenz.

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  2. ednong schreibt:

    Wer weiß, womit du bei deiner Keynote bestochen hast. .. 🙂

    Wieso sollte es, wenn du persönlich Kompetenz und Fachwissen zeigst, dem weiblichen Kollektiv zugerechnet werden? Ich würde die Leistung dann dir zubilligen.

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    • Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht tatsächlich schon übervorsichtig. 🙄
      Aber nach allem, was ich inzwischen mitgekriegt habe, sind meine diesbezüglichen Bedenken nicht von der Hand zu weisen.

      Ich werde mich wohl bemühen, ein oder zwei möglichst kluge Aussagen zu machen, und mich ansonsten im Hintergrund halten.

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  3. MartinTriker schreibt:

    Hast du das Carsten so auch gesagt? Also klar ist das ein Werbeeffekt für die Firma, wenn du dort bist. Aber dann eben negativ, wenn du gefragt wirst und nichts fachliches darauf erwidern kannst.

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    • Ja, hab ich.
      Aber er traut mir da weit mehr zu als ich ,mir selbst, und meint, dass ich das schon souverän schaffen werde.

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      • carnofis schreibt:

        Das wäre auch meine Frage gewesen. Frauen neigen ja dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen.
        Wenn das so ist, würde ich es machen, wenn das themenfremd ist und nur der Deko dienen soll, würde ich es nicht machen. Zu schnell kann frau in der Situation landen, auf eine Frage keine korrekte Antwort zu haben und dann unter „Typisch Frau. Keine Ahnung von nix!“ enden.
        Männern sieht man mangelndes Wissen da eher nach, als einer Frau im Zeitalter des „Frauen können/wissen alles besser“.

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        • Frauen neigen ja dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen.

          Bei diesem speziellen Thema kenne ich mich bisher nur oberflächlich aus.
          Aber das lässt sich bis zur Veranstaltung ja ändern. Alle Details und Einzelheiten brauche ich schließlich auch nicht zu wissen.
          Ich werde mich also in die Thematik einarbeiten, soweit es meine Zeit zulässt und es mir sinnvoll erscheint. Dann passt das schon – wobei ich vom grundsätzlichen Wohlwollen der anderen Teilnehmer ausgehe. Da wird mich bestimmt keiner auf’s Glatteis locken wollen.
          Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, gebe ich das ganz gelassen zu, und weise darauf hin, dass ich eigentlich ein anderes Fachgebiet habe.
          Als Frau hat man auch den Vorteil, dass einem Wissenslücken nicht wirklich übelgenommen und nachgetragen werden.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Ich glaube, du denkst in die richtige Richtung. Als Quotenfrau würde ich mich auch nicht hingeben.

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  5. Pendolino70 schreibt:

    Irgendwie würde ich nicht überall eine Genderthema sehen. Die Veranstalter mögen bei gleicher Eignung eine Frau bevorzugen aber bloss um das Panel aufzuhübschen werden sie dich nicht eingeladen haben. Sie kennen deine Keynote vom letzten Jahr und sich somit von deinem Auftritt und nicht über irgendwelche Listen im Internet.
    Du kannst das bestimmt!

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  6. carnofis schreibt:

    Oh, ich hab Dich jetzt hoffentlich nicht wieder verunsichert.
    Das täte mir leid 😦

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  7. Pingback: Erfinderische Entwicklungspläne //2184 | breakpoint

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