Bratwurst bei Blasmusik //2152

Verena war mit ihren Kindern am Samstag zum Sonnwendfeuer im Dorf bei uns gewesen.
Carsten hatte sie am Abend aus der Stadt abgeholt.
Normalerweise bleiben die Kinder abends ja nicht so lange auf, aber da das Feuer erst nach neun Uhr angezündet wird, war das eine Ausnahme.
Ich hatte eigentlich keine Lust gehabt, mit zur Feuerfeier zu gehen. Ich mag solche Festlichkeiten nicht. Zu viele Leute, die ich nicht kenne, zu laut, zu sinnlos. Aber als Carsten mir versprach, mir eine Bratwurst zu spendieren, willigte ich schließlich doch ein.

Schauderhaft tumbe Humbabumbamusik schallte über den ganzen Platz.
Carsten und ich setzten uns etwas abseits auf eine Bank und teilten uns ein Bier.
Verena dagegen lief auf dem ganzen Platz herum, und unterhielt sich mit allen möglichen Leuten. Jedesmal, wenn sie in mein Blickfeld geriet, sprach sie mit jemand anderem.
Sophie und Niklas sprangen ebenfalls herum. Ich sah sie auch mit anderen Kindern spielen.
Nachdem Carsten mir die versprochene Bratwurst gebracht hatte, ließ ich ihn zusehen, wie ich sie genüsslich verzehrte.

In den letzten ein oder zwei Jahren hatte ich fast die Hoffnung gehabt, dass meine Akzeptanz durch die Dorfbevölkerung gestiegen sei. Aber offenbar gibt es noch etliche Dorfleute, die mich nach wie vor als raffgierigen Golddigger sehen. (Paradoxerweise ist die Einschätzung nicht weniger meiner Verwandter gerade umgekehrt. Sie werfen Carsten insgeheim vor, mich als Trophäe oder Dekoweibchen zu missbrauchen.) Mit solchen Vorurteilen muss wohl gerechnet werden, wenn ein vermögender Mann und eine deutlich jüngere Frau sich zusammentun.

Nach einiger Zeit wurde es mir zu kühl. Ich stellte mich noch eine Weile mit Carsten in die Nähe des großen Feuers, bevor ich alleine heimging.
Carsten und die anderen kamen später nach.
Verena übernachtete mit den Kindern hier, da es schon recht spät war.
Am nächsten Morgen frühstückten wir noch gemeinsam, bevor Carsten seine Tochter und Enkel wieder heimfuhr.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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5 Antworten zu Bratwurst bei Blasmusik //2152

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass Du noch den Golddiggerruf hast. Schließlich kleidest Du Dich nicht modisch und extravagant, bist nicht mit Schmuck behangen, nicht mal das Haus hast Du völlig neu eingerichtet. Es liegt wohl eher an Deiner spröden Zurückhaltung, die die Leute hindert auf Dich zuzugehen.

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  2. ednong schreibt:

    Solange sie dir nicht schaden, lass sie reden. Da kommst du selten gegen an. Die, die sich belehren lassen wollen (oder ein eigenes Bild machen wollen), werden schon auf dich zukommen. Dauert halt immer etwas – und gerade bei so etwas sicher etwas länger.

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