Unnötig aufgehalten //2117

Auf dem Weg zum Standort 1a lief mir ein Mitarbeiter über den Weg. Er nutzte die Gelegenheit, mir kurz etwas mitzuteilen. Da ich es eilig hatte, blieb ich nicht stehen, sondern gab ihm en passant nur ein knappes Zeichen der Kenntnisnahme und ging weiter.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich auf dem Arbeitsweg oder beim Gang zum Mittagessen Mitarbeiter treffe. Normalerweise beschränkt sich die Kommunikation auf einen kurzen Gruß oder Zunicken. Niemand erwartet in dieser Situation ein längeres Gespräch von mir.

Nur zehn oder zwanzig Meter weiter sprach mich eine Frau an: „Hat dieser Mann da Sie gerade belästigt?“
„Nein. Wie kommen Sie darauf?“
„Ich habe gesehen, wie er Sie angesprochen hat.“
Ich binde einer fremden Frau ganz bestimmt nicht auf die Nase, was es mit diesem Mann auf sich hatte. Es geht sie überhaupt nichts an, dass das einer meiner Mitarbeiter war. Und selbst wenn er mir komplett unbekannt gewesen wäre, wäre das auch alleine meine Sache und nicht ihre. Stattdessen erwiderte ich: „Sie haben mich doch auch angesprochen.“
„Ja, weil ich Ihnen helfen will.“
„Ich benötige Ihre Hilfe nicht. Mischen Sie sich nicht in meine Angelegenheiten, und belästigen Sie mich nicht!“ Wodurch ich mich belästigt fühle, bestimme ich immer noch selbst.
Ich ging weiter und ließ die Belästigerin verdattert stehen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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26 Antworten zu Unnötig aufgehalten //2117

  1. keloph schreibt:

    das ist so schwierig, das richtige zu tun in solchen situationen. immerhin hat sie hilfe angeboten, aber ihr feminismusfrühwarnsystem war wohl zu empfindlich eingestellt.

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    • Ich habe solche übergriffigen Einmischungen so satt.
      Die sollte sich erst mal an ihre eigene Nase fassen, bevor sie sie in Dinge steckt, die sie nichts angehen.

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    • Murdoch schreibt:

      Die hat keine Hilfe angeboten, sondern nach einer Mittäterin gesucht.

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      • So isses! Sie hätte nur zu gerne einen Grund gehabt, meinen Mitarbeiter zu beschimpfen.
        Den Gefallen habe ich ihr nicht getan.

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        • Murdoch schreibt:

          So isses im besseren Fall.
          Im schlimmeren Fall hätte sie wohl eher nach einem Grund gesucht deinem Mitarbeiter das Leben zu versauen.

          Da gab’s doch zB den Fall eines Sanitäters, der von einer Beistehenden der sexuellen Belästigung bezichtigt und wohl auch vor den Kadi gezogen wurde.

          Ne Frage die ihr/du euch vielleicht intern mal stellen solltet, war das ein Schlüsselmitarbeiter? Vielleicht ein loyaler, den man nicht abwerben kann und daher einfach versucht anders aus dem Spiel zu bekommen?

          Das sind ja nicht unbedingt herbeifantasierte Taktiken der Firmen „Security“.

          Vielleicht geht da auch meine Fantasie mit mir durch. Hab die Woche zu tief in die Ismen geschaut.

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          • Der Mitarbeiter ist ein einfacher Entwickler, der keine besondere Verantwortungen trägt, und für Headhunter bestimmt nicht interessant genug für so ein aufwendiges Vorgehen.
            Die Frau war firmenfremd und mir unbekannt – eine zufällige Passantin.

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  2. noch1glaswein schreibt:

    In Ihrer Situation empfanden sie das lästig, kann ich nach vollziehen. Aber jetzt echt mal: Allgemeines Jammern über den Mangel an Zivilcourage und wenn dann jemand welche zeigt – übergriffig. Die Frau hilft beim nächsten Mal nicht / versucht zu helfen, und dann wäre es vielleicht nötig.
    Einfach meine Meinung 🙂

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    • Es gab überhaupt keinen Anlass für irgendein Hilfsangebot.

      Er hatte nur ruhig etwas zu mir gesagt, und ist dann sofort weitergegangen. Ich bin auch gleich weitergegangen. Kein längerer Wortwechsel, keine Körperkontakt. Nichts, das irgendwie auf eine unerwünschte Situation hindeutet (und selbst wenn, hätte ich das lieber selbst gehandlet).
      Es wird zunehmend unerträglich, welche Paranoia inzwischen in unserer Gesellschaft geschürt ist, dass sich sofort selbsternannte Sittenpolizisten finden, die den ganz normalen, alltäglichen Kontakt zwischen Männern und Frauen derart dämonisieren.

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      • Leser schreibt:

        Die Worte „unerträglich“ und „unsere Gesellschaft“ haben mich an eine Geschichte erinnert, die mir neulich einmal passiert ist: Ich sorge gelegentlich für einen kleinen Hund von einem Freund von mir, und habe den da auch gerade abgeholt, zu Fuß. So einer von der Marke „Fußhupe“, spitze Schnauze, große Glubschaugen, Segelohren – die meisten finden den einfach nur niedlich, aber wie auch immer.
        Dabei trainiere ich ihn auch immer ein bisschen, z.B. nicht auf die Straße zu laufen, sondern zu warten und dann auf Kommando direkt zu überqueren. Vor so einer Straße stand ich und brachte ihm bei zu warten. Auf der anderen Straßenseite, auf die wir wechselten, walzte eine dicke Frau mit ihrer Mutter und ihrem Balg im Kinderbuggy vor sich hin. Ich wäre ja einfach daran vorbeigegangen, und der Hund ist es auch sowieso, er hat an anderen Menschen meist kein Interesse. Da meckert mich die Dampfwalze an, von wegen, ich solle ja nicht sagen der beißt nicht und sonstwas – dabei war evident, dass der Hund von ihr keinerlei Notiz genommen hat, denn er war schon längst 10 Meter weiter irgendwo am schnuppern, und ist auch nicht näher als einen Meter an sie rangekommen, als er an ihr vorbei lief.
        Mir fiel es in dem Moment nicht ein, aber ich hätte wirklich ganz verblüfft tun sollen, „Ach, echt, hat er Sie im vorbeigehen gebissen? Ist mir ja gar nicht aufgefallen….tut es sehr weh?“ – Ich bin dann einfach weiter meiner Wege gegangen und habe mir gedacht, wie unerträglich es ist, dass in unserer Gesellschaft das Urvertrauen in die Vernunft und nicht-Bosartigkeit von Menschen und anderen Lebewesen so sehr erodiert ist. Dass die Walze 1. in ihrem Film steckengeblieben ist, der Hund täte ihr oder ihrem Balg was, obwohl er an ihr vorbeigelaufen ist, so als wäre sie gar nicht da, und 2. von mir als (wenn auch nur temporärem) Hundehalter annimmt, dass ich einen Hund, der in irgend einer Weise gefährlich ist, nicht an die Leine nehmen würde. Es ist grausam, wie die Menschen immer gleich vom Schlimmsten ausgehen, und dann auch noch nicht mal die Realität es mehr schafft, sie davon zu überzeugen, dass ihre Annahmen gar nicht zutreffend sind.

        Ich weiß, Du hast andere Erfahrungen mit Hunden gemacht, aber wenn so ein Mini-Vieh an Dir vorbeigeht (und es war eine relativ enge Ecke, mit unüblicherweise nur 2m breiten Bürgersteigen), ohne Dich in irgend einer Weise zu beachten, dann würdest Du sicher auch nicht in einen Verteidigungsmodus wechseln…

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        • Mit Hunden, die mich gar nicht beachten, habe ich kein Problem.

          Erst kürzlich ist ein Hund mit seinen Leuten sogar ziemlich nah an mir vorbeigegangen, ohne sonderliche Notiz zu nehmen – so wie man halt an Personen vorbeigeht, die man nicht kennt.
          So ist das völlig OK. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich bedroht gefühlt.

          Schlimm finde ich die, die auf einen zurennen, einen anknurren oder anbellen, oder gar versuchen, an einem hochzuspringen.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    WO WOHNT DU ? In FEMI-TOWN ???

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  4. ednong schreibt:

    Unglaublich. Ich als schlagfertiger Mensch wäre da wohl auch erst mal verblüfft ob der seltsamen Ansichten, die manche Menschen haben. Ich meine, wenn du dich in irgendeiner Weise belästigt gefühlt hättest, hätte sich das sicherlich auch irgendwie geäußert – Körpersprache oder -haltung, verbal oder sonstwie. Wie kann man nur auf so eine Idee kommenm, echt jetzt?

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  5. Mia schreibt:

    Furchtbar, diese permanente Einmischung in die persönlichen Angelegenheiten Anderer! Aber Männer sind da keinen Deut besser und stehen den Belästigerinnen in nichts nach. Ganz schlimm sind diese selbsternannten Helden, die meinen, sie müssten einer vermeintlich wehrlosen Frau zu Hilfe kommen, wenn ein paar Jugendliche um Feuer bitten. Die moderne Frau kann sich sehr wohl selbst wehren, wenn es sein muss auch körperlich. Wozu gibt es Kurse in Selbstverteidigung?

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