Getürmt //2115

Bestimmt hätten wir den Friedhof nicht betreten, wenn Carsten keine dreckigen Hände gehabt hätte. Er hatte etwas früher auf unserem Weg einen ekligen Käfer aufgehoben (als ob er nicht wüsste, dass Käfer immer noch meiner Herrschaft unterliegen!), so dass ich mich weigerte, mich von ihm anfassen zu lassen.
Als wir an diesem Friedhof vorbeikamen, schlug ich vor, dass er sich dort die Hände waschen soll, denn erfahrungsgemäß gibt es auf Friedhöfen fließendes Wasser, damit die Pflanzen auf den Gräbern gegossen werden können.
Wir fanden dann auch gleich die Wasserstelle, die mit einigen Gießkannen blockiert war. Nachdem Carsten’s Hände wieder akzeptabel gesäubert waren, wollte er auch in die Kirche, weil wir „schon mal hier“ seien.
Ich hatte keine ernsthaften Einwände. Außerdem war es doch recht kühl, und es hatte sogar ein paar einzelne Tropfen geregnet.

Also gingen wir hinein. Eine Dorfkirche wie so viele.
Carsten stieg die Treppe zur Empore empor, ich folgte ihm. Die Orgel war natürlich abgesperrt, aber ganz hinten war die Tür zum Glockenturm.
Ich weiß nicht, ob der Schlüssel immer da steckt, oder er nur zufällig vergessen wurde. Jedenfalls gelang es Carsten nach einigen Bemühungen, die Tür aufzuschließen. Sie klemmte, doch schließlich traten wir ein. Es war dämmerich-dunkel. Kein elektrisches Licht vorhanden. Die schmale Holztreppe war steil und staubig. Carsten zögerte nicht, hinaufzuklettern. Ich folgte schließlich auch.
Balken voller Vogelkot, Staub, Spinnweben, verendete Insekten, Uralt-Devotionalien auf einer Truhe in der Ecke .. da oben war es alles andere als gemütlich. Teilweise waren Balken so niedrig angebracht, dass man nicht nur den Kopf einziehen musste, sondern sich bücken musste, um drunter durch zu kriechen.
Mir gefiel es da oben überhaupt nicht, so dass ich wieder den Rückweg zur Empore antrat.
Etwas später kam auch Carsten wieder herunter.

Die Empore dagegen war durchaus für einen Quickie geeignet.
Diese Gelegenheit ergriffen wir. Das ist meine Art, dem Herrn zu huldigen. Wie immer bin ich auch da pragmatisch.

Werbeanzeigen

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Getürmt //2115

  1. keloph schreibt:

    das ist allerdings selbst für mic hart an der grenze, oder schon eher drüber.

    Liken

  2. Christian_who schreibt:

    Das ist eine tolle Art dem Herren zu huldigen. Wundervoll!

    Gefällt 1 Person

  3. Murdoch schreibt:

    Orlando, Manchester, Bataclan. (Alles Orte an denen getanzt wurde.)
    Für mich hat das ein dem #Tanzverbot sehr ähnliches Geschmäckle.

    Die zu entweihen, die ehrlich gesagt recht harmlos sind, find ich persönlich irgendwie armseelig.
    Ich schätze der Herr wird’s ähnlich bewerten, was den Seelenaspekt angeht.

    Liken

    • Eine Kirche gilt nur dann als „entweiht“, wenn es die Gläubigen mitgekriegt haben.
      Schon aus Eigeninteresse passen wir da gut auf, nicht beobachtet zu werden.

      OT: Deine Nachricht habe ich erhalten, danke, aber vorläufig keine Zeit oder Gelegenheit, das ziemlich lange Video anzuschauen.

      Liken

      • Christian schreibt:

        Sorry, aber Entweihen tut die Handlung. Und hier ist einfach mangelender Respekt vor religiösen Überzeugungen. Ich bin wdamit auch echt menschlich enttäuscht von Dir. Und die Tatsache, dass Du nicht beobachtet werden willst, zeigt ja, dass Dir bewusst ist etwas „Falsches/verbotenes“ zu tun.

        Liken

        • Im Wald, in einem Museum oder sonst einem öffentlichen Ort achten wir ebenso darauf, nicht gesehen zu werden.
          Das hat gar nichts damit zu tun, ob ein Ort „geweiht“ ist oder heidnisch.

          Wir haben niemandem einen Schaden zugefügt.
          Das kann man von vielen im Namen der Kirche tätigen Personen nicht behaupten.

          Codex Iuris Canonici 1211:

          Heilige Orte werden geschändet durch dort geschehene, schwer verletzende, mit Ärgernis für die Gläubigen verbundene Handlungen, die nach dem Urteil des Ortsordinarius so schwer und der Heiligkeit des Ortes entgegen sind, daß es nicht mehr erlaubt ist, an ihnen Gottesdienst zu halten, bis die Schändung durch einen Bußritus nach Maßgabe der liturgischen Bücher behoben ist.

          Das heißt, es muss ein „Ärgernis für die Gläubigen“ gegeben sein. Was sie nicht wissen, kann sie auch nicht ärgern.

          Liken

          • Murdoch schreibt:

            Unterstellt du hast keine Gläubige als Leser. 🙂
            Dem ist aber nicht so.
            Ist jetzt aber auch kein sonderlich großes Fass.
            Ich wollte mit #Tanzverbot (was mich an anderen Stellen viel eher ankotzt, wenn ich’s zB bei Fifies Blog lese, auch als Fefe bekannt) und den genannten Terrororten nur drauf hinaus, dass da auch kaum mehr ein reizvoller Tabubruch drin stecken kann, höchstens ein eingebildeter.

            Klar hat die Kirche schwarze Schafe, aktuell das schlimmste an der Spitze.
            Nur, vieles ist schlicht üble anti-katholische Propaganda.

            Ich mein, gerade wenn man sich mit Feminismus befasst, dann sollte es doch verwundern, wenn die einzige Möglichkeit für einen missbrauchten Jungen Interesse zu erwecken ist, wenn es ein katholischer Priester war.

            Und die konsequente Verschleierung des Schwulenproblems der RKK, indem es dann auf ein mal Kindesmissbrauch genannt wird, die passt ja schon zum eben im Kern anti-katholischen Muster.
            Die würden ja von ihren Anklägern öffentlich zerissen, würden sie korrekt aufarbeiten.

            Ist auch kein Missionierungsversuch oder so.
            Bekanntlich reichen zwölf.

            OT: Cool wenn’s klappt 😉

            Gefällt 1 Person

  4. Mia schreibt:

    😳 Ist heute etwa schon wieder der 1. April?

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.