Vortragsreise, Teil 2 //2027

Um den vorigen Thread wiederaufzunehmen ..

Der kleine Hörsaal war nur spärlich besetzt. Naja, das ist eher kein Thema, das Otto Normalphysiker interessiert. Dafür war das Publikum aber aufmerksam und stellte im Anschluss konstruktive Fragen.
Wenn ich mich in der Thematik vertraut und sicher fühle, kann ich, glaube ich, durchaus begeistert und mitreißend darüber reden. So war mein Vortrag wohl erfolgreich, und wurde aufgeschlossen angenommen. (Dabei hatte ich weniger Zeit zur Vorbereitung, als ich geplant hatte. Die Krankenbesuche bei Sophie und – wieder mal! – ein Zwangsupdate der PHP-Version auf meiner Website waren unvorhergesehen gewesen und hatten mich in der Vorwoche erheblich Zeit gekostet.)

Anschließend stand ich noch mit ein paar Interessierten unten am Podium. Holger hatte mich einem bereits emeritierten Professor mit unaussprechlichem Namen vorgestellt. Dieser fragte mich – auf liebenswürdige und wohlwollende Weise – über meinen Werdegang aus.
Auf seine Frage, warum ich Theoretische Physik bevorzuge, antwortete ich: „Für Reine Mathematik bin ich sonst eigentlich zu pragmatisch, für Experimentelle Physik zu pedantisch. Da bot sich Theoretische Physik an.“
(Als Advocata Diaboli hätte ich stattdessen natürlich auch äußern können: „Theoretische Physik ist ein Hybrid, der weder die strenge, unaufweichbare Stringenz der Mathematik noch die zielgerichtete Effektivität von Experimenteller oder Angewandter Physik aufweist.“)
„Trotzdem bist du inzwischen in der Spitzentechnologie gelandet“, mischte sich Carsten ein.
„Nachdem ich mehrere Jahre Software entwickelt habe“, betonte ich.
„Ja“, erklärte Carsten, „aber das war auch schon für die $Branche.“
„Eine junge Dame mit vielfältigen Talenten“, meinte jetzt der alte Professor, und fügte hinzu: „Eine schöne, junge Dame. Darf man das jetzt noch so sagen? Viele so junge Frauen wollen ja heute keine ehrlichen Komplimente mehr.“
Ich lächelte ihn freundlich an: „Dankeschön, Herr Professor. Mir darf man so etwas gerne sagen. Denn ich weiß ja, dass das meine wissenschaftlichen Leistungen nicht schmälert, sondern sogar veredeln soll.“

Die Unterhaltung dauerte noch ein wenig an, aber schließlich waren nur noch Holger, Carsten und ich da.
Holger wollte uns zum Abendessen einladen, aber Carsten erklärte, dass wir bereits andere Pläne hätten. Davon hatte ich zwar gar nichts mitgekriegt, aber bittesehr.
Ich verabschiedete mich von Holger. Wir werden in Kontakt bleiben.

Carsten und ich aßen dann in einem Restaurant in der Innenstadt. Wir übernachteten in einem Business-Hotel und brachen am nächsten Morgen schon kurz nach dem Frühstück wieder zur Heimreise auf.
Da die Rückfahrt glatt verlief, waren wir am Nachmittag zurück. Carsten ging dann sofort zur Firma, während ich Sophie in der Klinik besuchte.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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5 Antworten zu Vortragsreise, Teil 2 //2027

  1. Engywuck schreibt:

    schon wieder ein Cliffhanger: wie geht es Sophie und was hat sie?

    Liken

  2. Plietsche Jung schreibt:

    Ehrliche Komplimente kommen immer gut. Sie veredeln (schöner Bedriff).
    Es sind die Pedant(inn)en und Zicken, die sie falsch darstellen.

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Januartweets //2236 | breakpoint

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