Divergenz //1985

Mehr und mehr laufen mein Blog und mein Leben auseinander.
Ich habe ja von Anfang an in meinen Blogtexten einige Modifikationen vorgenommen, um nicht so einfach in meiner realen Existenz identifiziert werden zu können. Das funktionierte nicht immer, ohne dass irgendwann Inkonsistenzen auftraten. In gewissem Ausmaß ist das noch akzeptabel.
Aber inzwischen gibt es einige Bereiche in meinem Leben, über die ich nie gebloggt habe. Veröffentlichung würde mein Inkognito zu stark gefährden. Bei einigen Themen reicht es, wenn ich sie erst nach einigen Wochen oder Monaten publik mache, um mich sicher zu fühlen.
Aber es gibt auch ein paar Punkte, die sind für das Blog tabu. Es sei denn, ich würde sie so stark verändern, dass sie kaum noch etwas mit ihrem Kern gemein haben. Weitere Inkonsistenzen früher oder später wären die Folge.
Ich lasse es also besser bleiben, mit der Konsequenz, dass mein Blog mein Leben immer schlechter abbildet. Ursprünglich wollte ich ja mal hier mein Leben dokumentieren.
Somit stellt sich die Frage, ob es sich für mich überhaupt noch lohnt, das Blog weiterzuführen, wenn die Abweichungen zum realen Leben allmählich unüberbrückbar werden.

Das Blog war für mich zeitweise sehr wichtig. Ihr habt es ja sicherlich mitgekriegt, dass es mir oft sehr schwer fällt, mich – abseits fachlicher Nerdgespräche – mit anderen Menschen zu unterhalten. Durch das Blog konnte ich in dieser Hinsicht viel dazu lernen, und meine sozialen Defizite etwas ausgleichen. Auch wenn – oder gerade weil – es eine andere Situation als das Reallife darstellt, unterstützte es mich dabei, Praxis zu erwerben und Konversationen einzuüben.

Als ich mit dem Blog anfing, war es zumindest teilweise ein Schlampenblog. Umso wichtiger war es für mich, nicht mit meinem Realnamen damit in Verbindung gebracht zu werden.
Die Zeit verging. Meine Schlampenzeiten sind längst passé. Dafür habe ich einige andere Themen gefunden, die vorher noch nicht absehbar waren.
Gerne würde ich mich für eines dieser Interessen auch im echten Leben engagieren, aber meine Annenühmität ist mit dem Blog gekoppelt. Sobald ich dies täte, würde ich auffliegen.
Mittlerweile bin ich eine angesehene Geschäftsfrau, und auch darüber hinaus viel zu öffentlich exponiert, um mir das erlauben zu können.

Das Blog hält mich mittlerweile von vielem ab, was ich in realiter gerne tun würde.

Im Rückblick tut es mir um viele Informationen leid, die ich hier ausgeplaudert habe. Aber – hey! – wenigstens wisst ihr nicht, was stimmt, und was nur meiner Fantasie entsprang. Hier ist ja bekanntlich ausnahmslos alles frei erfunden. Schließlich bin ich nur ein Bot und das Blog ist ein Seifenoper-Experiment zur Künstlichen Intelligenz.

Umgekehrt würde ich manches gerne hier niederschreiben. Aber die Vorsicht gebietet mir, es zu unterlassen. Leider habe ich doch schon das eine oder andere offenbart, was ich besser für mich behalten hätte. Ich bin mittlerweile in einer öffentlich sichtbareren Stelle, als ich es früher absehen konnte. Jede unbedachte Information schwächt meine Annenühmität.

Ja, das alles hört sich recht wirr an, spiegelt aber nur mein Dilemma wider.

Wäre es eine Möglichkeit, die Blogs zu löschen, zwei bis drei Jahre abzuwarten, bis Anne Nühm in Vergessenheit geraten ist, um dann neu durchzustarten? Ich überlege.
Ihr braucht keine Bedenken zu haben, dass ich einen Schnellschuss mache und meine Blogs von heute auf morgen verschwinden. Aber ihr solltet euch darauf einstellen, dass dieses Blog voraussichtlich über die Hälfte seiner Lebensdauer bereits hinter sich hat.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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28 Antworten zu Divergenz //1985

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Ich mag Konsequenz.
    Wenn du es dir gut überlegt hast, musst du es tun.

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  2. noch1glaswein schreibt:

    Schade, nun habe ich ihn gerade entdeckt 😦

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  3. transomat schreibt:

    Das jetzt, wo ich Dich gerade erst gefunden habe. All das was ich von Dir gelesen habe ehrt Dich doch. Was könnte man Dir vorwerfen. Offenheit, Ehrlichkeit, Lebenslust. Das sind ja ganz schlimme Charaktereigenschaften 🙂

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  4. ednong schreibt:

    Erwartbar. Leider. 😦

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  5. Pendolino70 schreibt:

    Du bist nun schon lange als brave Bloggerin unterwegs. Glaubst du wirklich, dass die aus dem Blog was auf die Füsse fallen könnte?

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  6. Der Maskierte schreibt:

    Kann dich gut verstehen. Hat ja auch seine Gründe, warum ich das Bloggen eingestellt habe. Irgendwann hat das Bloggen für einen den Zenit überschritten, wenn es nicht gerade die finanzielle Lebensgrundlage darstellt.

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    • Das Bloggen ist jetzt seit etlichen Jahren fester Bestandteil meines Lebens.
      So richtig kann ich mir (noch) nicht vorstellen, es aufzugeben. Aber der Zeitpunkt wird irgendwann kommen.

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      • Der Maskierte schreibt:

        Lass dir gesagt sein: Man gewöhnt sich recht fix dran.

        Ich würde mir nur wünschen, dass du dich bei uns dann abmeldest.

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        • Sofern ich nicht gezwungen bin, das Blog überstürzt dichtzumachen (z.B. weil ich aufgeflogen bin), werde ich euch das schon in geeigneter Form zu gegebener Zeit mitteilen.

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          • Leser schreibt:

            Du hast ja meine (echte) E-Mail-Adresse (nicht die, die ich hier angebe), und vermutlich auch die von einigen anderen Deiner „Stammleser“, d.h. selbst wenn Du auffliegst und es direkt löschen musst, könntest Du Dich auf die Weise verabschieden.
            Ich habe übrigens mal in einem Job gearbeitet, wo ich über Deine E-Mail-Adresse Zugriff auf Deine Kundendaten hätte haben können. Aber da kannte ich Dein Blog noch nicht, und da gab es auch noch keine DSGVO, und illegal wäre es auch da schon gewesen (aber halt möglich)… Zum Glück bin ich da nicht mehr, das war unwürdige Menschenverwurstung.

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  7. Leser schreibt:

    Bitte, bleib noch ein bisschen. Ich lese nicht viele Blogs, und eins davon ist gerade schon am vorüber sein, da wäre es schade, wenn dieses hier auch wegginge…müsste ich mich wieder neu wo reindenken…

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  8. ludwigslustschmerz schreibt:

    Das wäre doch schade. 😦
    Da gibt es ein Sprichwort, was in etwa so geht: Es gibt zwei Regeln für Erfolg im Leben: Regel Nr. 1 Erzähle nicht alles.
    Dass Du noch immer annenühm bloggen kannst und noch nicht aufgeflogen bist, beweist doch eindeutig, dass Du alles richtig gemacht hast.

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  9. ednong schreibt:

    Da wäre es aber schön, wenn man wüßte, wie man dich (per Mail oder sonstwie) erreicht.
    *seufz*

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