Swinging Naughties //1980

Obwohl ich seit mehreren Wochen meine DMs bei Twitter offen habe, habe ich noch kein Dickpic zugeschickt bekommen. Was ist denn da schon wieder mit den Patriarchatsmitgliedern los?
Immerhin habe ich ein paar Nachrichten bekommen, darunter auch eine, die einen längeren Dialog nach sich zog, in dem es vor allem um Erfahrungen bei Swingerclubs geht. Ich nehme das zum Anlass, daraus einen Blogeintrag zu machen, der meine – nicht unbedingt allgemeingültigen – Erfahrungen damit beschreibt.

Mein letzter Besuch liegt inzwischen auch schon etliche Jahre zurück, und war kein Erfolg.
In den Jahren zuvor war ich vielleicht sieben- oder achtmal mit Begleitung dort, zwei- oder dreimal allein. Meine Erinnerungen sind inzwischen schon ziemlich verblasst. Möglicherweise ist es mittlerweile dort ganz anders. Meine Besuche fanden noch vor #aufschrei statt.
Ich kenne eigentlich nur einen Swingerclub. Der ist in der nächstgrößeren Stadt (was bereits Aufwand bedeutet, dorthin und wieder zurück zu kommen). Das heißt, irgendwann war ich noch in einem anderen, aber dort wurde geraucht. Für mich ist das ein No-Go. Bereits nach einer halben Stunde verließen wir das Etablissement, weil der Rauch einfach unerträglich war.
Dann habe ich noch von einem weiteren in der Gegend gehört. Aber der liegt so abgelegen auf dem Land, dass man ihn mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch nicht erreichen kann, und nachts kommt man erst recht nicht wieder von dort weg.
Obwohl erstgenannter Club um 20 Uhr öffnete, war vor 22 Uhr nichts wirklich los. Das lief meinem Tagesrhythmus zuwider. Gegen neun Uhr bin ich müde, und schlaffe dann zusehend mehr ab.
Gelegentlich haben sie auch mal tagsüber offen. Einmal bin ich dann hin, aber es waren fast keine Leute da, und die wenigen waren nur untereinander beschäftigt.

Mit meinem Begleiter verband mich lediglich eine lockere Sexbekanntschaft. Wir trafen uns halt sporadisch zum Sex, und gingen ein paarmal zusammen in den Swingerclub. Da er ansonsten bedeutungslos ist, lohnt sich kein Nickname für ihn.
Ein Problem war, dass die meisten Besucher (größtenteils mittelalt, einige auch schon recht betagt) einander kannten, und in Grüppchen zusammen waren. Als Neuling kam man kaum in solch eine Gruppe hinein. Darüberhinaus wachten die Frauen sehr über ihre Männer, dass diese sich nur ja nicht ohne Erlaubnis mit einer fremden Frau vergnügten. Einzelne Männer gab es nur sehr wenige, da der Eintrittspreis für diese horrend hoch war.
So blieben mein Begleiter und ich meistens unter uns. Allerdings hatte er Probleme damit, wenn andere ihm zusahen. Meiner exhibitionistischen Ader wäre das allerdings entgegengekommen.
Dafür störte es mich, überall die kopulierenden Paare (ob es größere Gruppen gab, weiß ich nicht, weil ich da sofort wegsah) sehen und vor allem hören zu müssen. Für mich ist das ein Lustkiller, und ich fühle mich unbehaglich dabei, wenn ich so etwas miterleben muss.

Wenn ich alleine an der Bar oder sonstwo saß, um etwas zu trinken, wurde ich bisweilen angesprochen (auch von Frauen, die wohl abchecken wollten, ob ich für ihren Begleiter in Frage komme). Ich bin bestimmt nicht dorthin gefahren, um meinen Namen zu nennen und zu erzählen, wo ich herkomme. Erst recht nicht will ich wissen, wo er wohnt oder was er im Urlaub erlebt hat. Wirklich! Wegen Smalltalk fahre ich bestimmt nicht in den Swingerclub. Neugierige Fragen oder langweilige Erzählungen könnte ich auch woanders haben. Ich will dort sicherlich keine persönliche Bindung aufbauen.
Kann man nicht einfach nur miteinander unverbindlichen Sex haben, ohne vorher erst langwierig miteinander herumlabern zu müssen?
Wie deutlich kann man seine Bereitschaft zu Sex eigentlich noch machen, wenn nicht durch die Anwesenheit in einem Swingerclub auf dem Präsentierteller? Wenn „nichts muss“, dann sollte Konversation auch nicht erforderlich sein. Ich steh‘ nun mal auf Männer, die sich nehmen, was sie wollen, ohne dass man sie vorher dazu extra animieren muss, und die auch nicht vorher lange rumfragen.

Außer der Lobby mit Bar gab es auch einen abgetrennten Raum, in dem man etwas essen konnte. Allzu große Erwartungen an das kleine Buffet sollte man nicht stellen, aber es reichte aus, um sich zwischendurch zu stärken.
Sämtliche Räumlichkeiten auf beiden Etagen waren mehr oder weniger abgedunkelt. Es gab auch einen BDSM-Raum. Darin habe ich aber nie jemanden gesehen. Das war allerdings auch noch vor #50sog Graustufen.

So ziemlich das beste Erlebnis, das ich hatte, lief ungefähr so:
Mein Begleiter und ich hatten uns im großen, halbdunklen Raum auf der Matte vergnügt. Zwischendurch hatte mich irgendsoeine Frau angekrabbelt, aber wenigstens verschwand sie sofort, als ich ihr bedeutete, mich in Ruhe zu lassen.
Als mein Begleiter fertig war, zog er sich zurück. Ein Mann, der uns schon die ganze Zeit beobachtet hatte, ließ sich neben mir nieder, und machte Anstalten, mich fingern zu wollen. Aber wer weiß, wo er vorher schon seine Finger gehabt hatte! (Das ist übrigens exakt die gleiche Begründung, warum ich in der Kirche schon lange nicht mehr zur Kommunion gegangen bin, und warum ich keine Schickimicki-Restaurants mag.) Ich bedeutete ihm also, ein Kondom überzuziehen, und in medias res zu gehen. Nach einiger Zeit kam ich, und etwas später er dann auch. Ein anderer Mann hatte sich inzwischen auf der anderen Seite hingesetzt und gewartet – kann sein, dass er mich zwischendurch ein wenig gestreichelt hatte, ich weiß nicht mehr genau. Der war als nächster dran. Allerdings brauchte er ewig, so dass es sogar mir langweilig wurde. Vermutlich war er nicht an Kondome gewöhnt. Dadurch kann es sich hinziehen. Zwar setzte ich meine bewährten Methoden einige Male ein, um die Sache zu beschleunigen, aber sie bewirkten nichts. Obwohl ich zwischendurch noch einmal gekommen war, hatte ich danach erst mal keine Lust mehr, sondern Durst.
Als ich oben in der Lounge etwas trank, versuchte wieder eine Frau, mich anzusprechen. Echt nervig!
Mein Begleiter hatte inzwischen auch keine Lust mehr, dort herumzuhängen, so dass wir das Etablissement verließen.

Vielleicht wären meine Erfahrungen besser gewesen, wenn ich mich einmal zu einer der seltenen Herren-Überschuss-Party getraut hätte. Aber alleine kann das aus dem Ruder laufen. Insbesondere habe ich dann keine Kontrolle, ob jeder auch schön brav ein Kondom überzieht. Ich hätte jemanden gebraucht, der in dieser Hinsicht auf mich aufpasst. Aber dafür war mein damaliger Begleiter nicht bereit.

Als es ihn beruflich in eine andere Gegend verschlug, brach unser Kontakt schnell ab. Ich weiß nur noch, dass er mir erzählte, dass dort in einer gewöhnlichen Sauna so viel mehr los ist, so dass dieser Swingerclub dagegen klösterlich wirkt.

Man muss wohl ein geselliger Mensch sein, um sich in einem Swingerclub wohlzufühlen. Meine speziellen Vorlieben könnte ich da eh nicht ausleben. Meist fühlte ich mich recht deplaziert – wie bei so manch anderer Veranstaltung auch.
Zumindest im Rückblick habe ich den Eindruck, dass die meisten Gäste gar nicht hingingen, um mal unverbindlichen Fremdenverkehr zu haben, sondern um verbal zu kommunizieren, vielleicht anderen zuzuschauen, und sich ganz cool und hip dabei zu fühlen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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22 Antworten zu Swinging Naughties //1980

  1. transomat schreibt:

    Ich bin ja wirklich kein Kind von Traurigkeit. Aber wenn ich über Swingerclubs nachdenke und die Hygiene mit in meine Gedanken einbeziehe geht gar nichts mehr. Dann lieber im Kuhstall oder sonstwo. Diesen Punkt hast Du bei mir, mit Deinem Bericht sehr getroffen 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Pendolino70 schreibt:

    Interessanter Beitrag. Letztlich hast du festgestellt, dass es nichts für dich ist und es damit abgehakt. Vielleicht wird es wieder mal aktuell, wenn man selbst mittelalt ist oder über was anderes als Sex smalltalken möchte 😁.

    Gefällt 1 Person

  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Hattest Du denn irgendwelche Kriterien, die ein potentieller Beischläfer erfüllen mußte?

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  4. Mia schreibt:

    „Darüberhinaus wachten die Frauen sehr über ihre Männer, dass diese sich nur ja nicht ohne Erlaubnis mit einer fremden Frau vergnügten.“
    Na vielleicht hatten die auch eine sog. „Exklusiv-Vereinbarung“ miteinander abgeschlossen.

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  5. frida schreibt:

    Pfui Teufel nochmal

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  6. Leser schreibt:

    Wie darf ich die Anmerkung am Anfang verstehen – willst Du etwa Dickpics haben?? Das wäre in der Tat sehr ungewöhnlich…

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