Verführung wider Willen //1979

Auf dem Grundstück um das Landhaus befindet sich ein großer Walnussbaum. Heuer hat er außergewöhnlich gut getragen, so dass wir schätzungsweise vier Kilonüsse aufgesammelt haben.

Gelegentlich sitzen wir abends entspannt auf dem Sofa, lassen uns von Fernsehprogramm berieseln, während Carsten Nüsse knackt. Teilweise isst er sie selbst, teilweise gibt er mir welche.
Irgendwann hatte ich genug. „Ich will eigentlich keine Nüsse mehr.“
„Nur noch die zwei hier. Die habe ich schon aus dem Sack genommen.“
„Na gut.“

Carsten knackte weiter, bot mir hin und wieder eine Nuss an, die ich gedankenverloren nahm und aß.
Nach einiger Zeit fiel mir dies auf: „Ich sagte doch, dass ich keine Nüsse mehr will.“
Er hielt mir die Hand mit einer geknackten Nuss hin: „Die letzte.“
Ich seufzte, nahm die Nuss, und verspeiste sie.

Carsten knackte weiter, aß die Nüsse selbst. Etwas später reichte er mir wieder eine Nuss.
„Hör endlich auf, mir Nüsse zu geben!“
„Du isst sie aber doch“, grinste er spöttisch.
Mist! Tatsächlich hatte ich sie mir bereits reflexartig in den Mund gesteckt.
„Ich will aber jetzt tatsächlich keine mehr. Sie reichen mir.“
Er hatte inzwischen die nächste Nuss offen, und hielt mir die beiden Kernhälften hin. Ich zögerte. „Du eine Hälfte, ich eine Hälfte“, schlug er vor.
„OK! Dann ist aber wirklich Schluss. Statt ’ner Nuss will ich ’nen Kuss.“

Er erfüllte mir diesen Wunsch, und kündigte dann an: „Ich werde noch ein paar knacken, bis diese Schüssel voll ist. Die kannst du dann morgen früh essen.“
„Bitte nicht.“ Er hatte nun wirklich genug an den Nüssen herumgedrückt. Jetzt war ich auch mal wieder dran.
„Warum nicht?“, fragte er, legte seine Hand dann plötzlich auf meinen Bauch, „du hast wohl Angst, dass du zu dick wirst?“
„Ja!“, gab ich zu, „denn dann schmeißt du mich ja raus.“
Er zuckte die Schultern: „Ich bin doch nur ein alter Knacker.“
„Knacker jetzt im Moment schon, alt aber nicht.“

Ich drehte mich zu ihm, so dass ich mit jeder meiner Hände eines seiner Ohren erreichte, und begann, seine Ohrränder leicht mit den Fingerkuppen zu streichen und zu massieren.
„Was machst du denn da?“
„Wenn du ein Ferengi wärst, würdest du jetzt alles machen, was ich sage.“
„Was mache ich denn nicht, was du sagst?“
„Du unterlässt es nicht, mich mit Nüssen zu mästen.“
„Wir haben so viele. Jetzt sind sie noch frisch und schmecken am besten.“

Ich setzte mich rittlings auf seinen Schoß, ließ bei meinem Manöver aber seine Ohren nicht los. „Die kann ich dir auch langziehen, wenn du mir weiterhin deine Nüsse aufdrängst.“ Toxische Weiblichkeit kann ich.
Er schmunzelte. „Ist ja schon gut, Samtpfötchen. Heute kriegst du keine Nüsse mehr von mir.“
„Wir werden sehen“, erwiderte ich, „vielleicht hab‘ ich ja doch noch Lust, ‚was zu knabbern.“

Mein innerer Dämon, der u.a. dafür sorgt, dass mein Humor trocken, und meine IO-Kavität feucht bleibt, ließ mich seine Ohren loslassen, um stattdessen seine Hose zu öffnen.
„Sieh an“, meinte ich, „da brauche ich auch nichts mehr langzuziehen. Bist du sicher, dass du nicht doch ein wenig Ferengi bist?“
„Offenbar wohl schon. Woher hätte ich sonst meinen Geschäftssinn?“
Als Transvulkanierin im perpetual Pon Farr leitete ich den Paarungsprozess (jahreszeitlich bedingt war das leider recht umständlich, aber für instant accessibility ist es inzwischen einfach zu kalt) ein, der ohne besondere Vorkommnisse ausgeführt und erfolgreich vollendet wurde.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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27 Antworten zu Verführung wider Willen //1979

  1. transomat schreibt:

    Denkt an die armen Eichhörnchen

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  2. RAID schreibt:

    4000 Nüsse an einen Baum? Hätte nicht gedacht, dass es so viele sind.

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  3. ednong schreibt:

    Oh,
    dann kann man ja noch oft Müsse knacken …

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  4. Pingback: Die Strickjacke //1986 | breakpoint

  5. Pingback: Kleine Festlichkeit //2020 | breakpoint

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