Zeitsprung //1977

So schön hell ist es heute morgen!
Genießt das (UTC+1) noch mal. Wenn tatsächlich die „Ewige Sommerzeit“ (UTC+2) kommt, dann bleibt es künftig im Winterhalbjahr früh eine Stunde länger dunkel. Das heißt, im Dezember wird es dann erst ab neun Uhr (alle Zeitangaben nur ungefähr, hängen auch von der geographischen Position und dem aktuellen Wetter ab) hell. Und von November bis Mitte Februar bleibt es früh bis mindestens acht Uhr dunkel. Wenn das keine deprimierenden Aussichten sind! Schon der Oktober ist immer ätzend.

Der Winter wirkte auf mich schon immer belastend, weil er kalt und dunkel war. Aber bisher war der Dezember das größte Problem. Nur dann war ich gezwungen, den morgentlichen Weg zur Arbeit im Dunkeln zurückzulegen. Mit ewiger Sommerzeit dehnt sich diese Zeitspanne auf mindestens ein Vierteljahr aus. Da ist es mir auch kein Trost, dass es dann bis fünf Uhr hell bleibt. Im Winter mache ich eh nichts draußen, und bislang war die frühe Dunkelheit im Dezember für mich zumindest gelegentlich ein Vorwand, um früher heimzugehen, um noch ein wenig Tageslicht zu erhaschen.
Glaubt nicht, dass ich die einzige bin, die Probleme mit SAD hat. Ohne ausreichend Tageslicht geht es noch viel mehr Personen so, dass sie zu wenig Melatonin produzieren, das sehr wichtig für ein ausgeglichenes Wohlbefinden ist.
Es gibt auch viele Menschen, die früh Schwierigkeiten haben, überhaupt aus dem Bett zu kommen, oder die den halben Vormittag nicht wirklich ansprechbar sind. Für die wird sich das Problem durch die ewige Sommerzeit noch erheblich verschärfen.
Falls die ewige Sommerzeit tatsächlich kommt, werden wir unsere Betriebszeiten im Winter eine Stunde nach hinten verschieben. Das ist dann halt auch wieder ein organisatorischer Aufwand und mit einer ausdrücklichen Umstellung verbunden.

Ich habe die langen Sommerabende der Sommerzeit auch immer sehr geschätzt. Aber im Winter ergibt es einfach keinen Sinn, eine Stunde länger draußen sein zu können.
Die Zeitumstellung zweimal im Jahr nervt. Das stimmt. Trotzdem ist sie wohl das kleinere Übel (vorzugsweise mit Rückstellung bereits Ende September statt Ende Oktober, wie das noch bis Mitte der Neunziger Jahre üblich war). Eine Art „Gleitende Sommerzeit“ will ja auch niemand.
Als Kompromiss könnte ich mir allerdings durchaus auch UTC+1.5 als mitteleuropäischen Standard vorstellen. Das ist immerhin noch eine halbe Stunde besser als osteuropäische Zeit. Und warum sollten eigentlich die Portugiesen die gleiche Uhrzeit haben wie die Bulgaren?

Da gab es ja im Sommer eine Umfrage, wie es künftig in Europa mit der Zeitumstellung geregelt werden soll. Die meisten Leute (zumindest in Deutschland) stimmten für dauerhafte Sommerzeit. Die Umfrage war aber nicht repräsentativ.
Und warum erinnert mich das an den Brexit? Vielleicht weil viele Leute verklärte Vorstellungen haben, und dann ihre Meinung ändern, sobald sie mit der Realität konfrontiert werden. Das hätte man ja nicht voraussehen können.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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44 Antworten zu Zeitsprung //1977

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Moin Anne. Die letzten Sätze sind die Träger der Situation.

    Ich befürchte auch, dass es die Sommerzeit werden wird und man dann realisiert, dass es purer Unsinn ist.

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    • Tja, Plietschi, so ist das wohl. 😦
      Die Leute können sich einfach nicht vorstellen, was eine „ewige Sommerzeit“ bedeutet. Die sehen nur schöne, lange Sommerabende und sind von der Zeitumstellung genervt.
      Welche Implikationen das hat, werden sie erst merken, wenn sie dann im Winterhalbjahr früh die lange Dunkelheit erleben.
      Es hat schon einen Grund, warum die „Winterzeit“ normal ist.

      Inzwischen haben sich ja bereits ein paar Stimmen gemeldet, dass Sommerzeit (im Winter) nicht dem natürliche Rhythmus entspricht.
      Ich kann nur hoffen, dass diese Stimmen in den entscheidenden EU-Gremien Gehör finden werden.

      Allerdings fürchte ich, dass wir erst zwei oder drei dunkle Winter werden überstehen müssen, bevor die Leute einsehen, dass sie das so nie gewollt haben.
      Dabei ist das ja keine Quantenphysik. Jeder sollte eigentlich in der Lage sein, sich die Auswirkungen im Vorfeld überlegen zu können.

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  2. claudius2016 schreibt:

    Naja, es ist halt ein Bestandteil der Demokratie, dass Nichtwähler nicht zur Meinungsbildung beitragen.
    Inhaltlich ist ja noch überhaupt nichts geklärt oder beschlossen, wir werden sicher noch ein paar Jahre die Uhren umstellen müssen (wie das DLR am Wochenende bei fb postete, nicht die Zeit…)

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    • Leser schreibt:

      Es gab und gibt keine Wahl, wo die Menschen befragt werden. Eine Online-Umfrage ist da also sogar noch viel weniger repräsentativ.

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    • Diese Online-Umfrage hat nichts mit Demokratie zu tun. Sie war ganz und gar nicht repräsentativ. Ich glaube, da haben vor allem die Leute abgestimmt, die die Zeitumstellung unbedingt loswerden wollen.
      Viele Personen haben aber kein Problem mit der Umstellung, so dass sie sich gar nicht den Aufwand machten (so wie ich), sich an der Umfrage zu beteiligen.

      Wenn man die Sache demokratisch aufziehen wollte, müsste man ein Art EU-weiten Bürgerentscheid durchführen – am besten gekoppelt an weitere Wahlen, so dass auch eine große Wahlbeteiligung entsteht.

      Ändert nichts an der Sache, dass dei Tageslichtlänge jahreszeitliche Schwankungen aufweist. Über Naturgesetze kann man nicht abstimmen.

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      • Leser schreibt:

        Es wäre absoluter Unsinn, das EU-weit abstimmen zu lassen – wie und wieso sollen sich denn da bitteschön Portugal mit Bulgarien auf dieselbe Zeitzone einigen?

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        • Wenn Abstimmung, dann darüber, ob es weiterhin EU-weit eine Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst geben wird.
          Welche Zeitzone legt jedes Land für sich separat fest.
          Verschiedene Zeitzonen sind wohl kein Problem, unterschiedliche Umstellungsregelungen würden dagegen das Reisen sehr verkomplizieren.
          Große Länder wie die USA haben ja auch mehrere Zeitzonen.

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  3. Pendolino70 schreibt:

    Eine Umfrage ohne Debatte zum Inhalt ist unsinnig und schädlich. Würde die Frage lauten: “Möchten sie die Zeitumstellung abschaffen und wieder die Normalzeit das ganze Jahr über gelten lassen oder sind sie für die dauerhafte Einführung der Osteuropäischen Sommerzeit?“ wäre das Resultat klar für die „Winterzeit“ ausgefallen.
    Ich denke nicht, dass es zur ewigen Sommerzeit kommt, da es wider sämtliche Vernunft wäre.

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  4. Leser schreibt:

    Also ich bin ja generell nicht so ein Freund des frühen Aufstehens – im Winter ist es da aber eh noch dunkel. Dennoch macht es einen Unterschied, ob ich nicht nur im Dunkeln ins Büro fahre, sondern auch im Dunkeln wieder heim, oder ob ich da noch ein paar letzte Strahlen Tageslicht abkriege. Die frühe Dunkelheit am Nachmittag im Winter ist es aus meiner subjektiven Sicht, die zur „Winterdepression“ beiträgt, von daher wäre ich dafür, das Experiment einmal auszuprobieren. Vom Gefühl her denke ich, dass es mir mit einer dauerhaften Sommerzeit besser ginge (auch wenn ich bei der Umfrage der EU nicht mitgemacht habe), doch ich kann mich natürlich irren. So, wie es den meisten Leuten damit geht, sollte dann auch die Zeiteinstellung geregelt werden – kann natürlich sein, dass ich dann in einer Minderheit bin, aber dann ist das halt so.

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    • Die meisten Leute müssen früh morgens zu einer festen Zeit beim Arbeitsplatz oder auch in der Schule sein.
      Sie können sich nicht aussuchen, eine Stunde länger im Bett zu bleiben.

      Für solche „Experimente“ möchte ich nur ungern das Versuchskaninchen spielen.

      Ich habe kürzlich erst gelesen, dass die Spanier sich mit MEZ im Winter gar nicht wohl fühlen.
      Das sollte eigentlich als Beleg reichen.

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      • Leser schreibt:

        Wenn ich um 9 im Büro sein muss, stehe ich um 06:30 auf – inkl 1h Anreise und 1,5h wachwerden + Kaffee, fertig machen etc. – wenn es dann um 9h erst hell wird, passt das zu meinem Arbeitsbeginn, d.h. ich habe damit weniger ein Problem. Auch würde ich in der Sommerzeit nach einem Tag mit 6-7h noch im hellen heim fahren, das käme mir ebenfalls gelegen. Ich kann nur für mich sprechen, aber mir sagt das eher zu. Und jetzt muss ich noch schnell 5,5h Schlaf fangen… (im Sommer bei Normalzeit wäre das tendenziell undenkbar, weil es in 2h hell würde, das wäre nicht OK)

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    • Pendolino70 schreibt:

      Menschen, die eher zu den Spätinsbettgehern zählen, also chronobiologisch „Eulen“ sind profitieren von der Normalzeit und werden von der Sommerzeit schon heute benachteiligt.

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  5. Der Maskierte schreibt:

    Hätten sie bei der EU-Umfrage statt von Winterzeit von Normalzeit gesprochen, ich gehe jede Wette ein, dass die Mehrheit die Normalzeit befürwortet hätte.

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  6. idgie13 schreibt:

    Mir ist das wurscht – ich hab eh keinen Rhythmus und arbeite im Hellen wie im Dunklen. Schlafen kann ich auch, wenn es hell ist und überhaupt würd ich gern in Skandinavien leben 😉

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  7. mrfreeze01 schreibt:

    Ich bin ja der Meinung, man sollte 2 mal im Jahr, die Uhr eine Stunde zurückstellen. Und zwar nicht am Wochenende, sondern unter der Woche, denn da bringt mir eine Stunde Schlaf zusätzlich wesentlich mehr.

    Noch besser: Man macht das jede Woche. Oder vielleicht sogar zwei Stunden…

    🙂

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  8. Pingback: Es getwittert wieder //2175 | breakpoint

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