Lieber gesund als krank //1969

Ja, ich bin auch heute noch daheim.
Ich war ja erst anfang letzter Woche einen Tag daheim geblieben, weil ich mich erkältungsbedingt nicht so ganz wohl fühlte. Zwar hätte ich mich durchaus ins Büro schleppen können, aber davon wäre ich dann vielleicht erst richtig krank geworden, oder hätte möglicherweise sogar Mitarbeiter angesteckt.
Als Chefin kann ich meine Anwesenheiten im Büro grundsätzlich so gestalten, wie es mir persönlich am besten in den Kram passt. Normalerweise ist es schon zweckmäßig, als Ansprechpartner direkt vor Ort anwesend zu sein, aber wenn es sich anders ergibt, kann ich auch schon mal fernbleiben. Ich habe meine Vertreter, und meine Mitarbeiter sind gut instruiert, so dass sie wissen, was sie zu tun haben. Die kommen schon mal einzelne Tage ohne mich zurecht.

Von Mitarbeitern erwarte ich, dass sie sich nicht aus falsch verstandenem Pflichtgefühl in die Arbeit schleppen, wenn sie krank sind.
Wer nicht völlig gesund ist, bringt keine volle Leistung, muss aber dennoch bezahlt werden, als täte er es. Und sicherlich ist es nicht wünschenswert, Krankheitskeime in die Arbeitsstätte einzuschleppen.
Als Vorgesetzte bin ich meinen Mitarbeitern auch eine gewisse Fürsorge schuldig. Ich habe schon mal einen heimgeschickt, weil er offenbar krank war, aber trotzdem ein Problem, für das er zuständig war, unbedingt lösen wollte.

In der Firma ist es so geregelt, dass ein Mitarbeiter, der sich nicht arbeitsfähig fühlt, sich am Morgen bei seinem Vorgesetzten (oder ersatzweise dem Sekretariat) per Telefon oder Mail entschuldigt (bzw. entschuldigen lässt), dass er wegen Krankheit nicht kommen kann.
Zieht sich seine Krankheit länger hin, ist spätestens am dritten Tag ein ärztliches Attest fällig.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn ein Mitarbeiter, auf den man sich verlassen hat, unvorhergesehen ausfällt. Insbesondere wenn Besprechungen stattfinden, bei denen er anwesend sein muss, oder wenn er dringende Aufgaben zu erledigen hat, die eigentlich nicht aufschiebbar sind. Ja, ist ärgerlich, aber das passiert halt.
Jedem vernünftigen Chef ist klar, dass jeder mal krank werden kann. Möglich, dass er im ersten Moment seinen Unmut durchscheinen lässt, weil es schlicht lästig ist, dann umdisponieren zu müssen oder einen Ersatz zu finden. Und wenn wichtige andere Termine daran hängen, und vielleicht deshalb nicht eingehalten werden können, ist das erst recht einfach doof.
Dennoch wird ein guter Chef nicht von Mitarbeitern verlangen, trotz gesundheitlicher Beschwerden zu arbeiten – selbst wenn der Ausfall noch so zeitkritisch ist. Ein Mitarbeiter soll sich auskurieren, und danach gesund wiederkommen, um zügig seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Das kommuniziere ich immer wieder meinen Mitarbeitern. Bei Krankmeldungen nehme ich die schlicht zur Kenntnis, und bestätige sie mit Wünschen für eine gute Besserung.

Manchmal fühlt jemand sich zwar nicht so wirklich fit, aber auch nicht krank genug, um eine Krankmeldung zu rechtfertigen. Ja, das ist manchmal ein schmaler, schrödingerartiger Grat. Es sollte jeder selbst einschätzen können, was er sich zutraut. Eventuell gibt es auch die Möglichkeit, zur Arbeit zu gehen, und sich im Laufe des Tages erst krank zu melden, wenn man merkt, dass es doch nicht so gut geht wie gedacht.
Unwohlsein am Morgen kann nach ein paar Stunden völlig verschwunden sein, so dass es im Rückblick eigentlich möglich gewesen wäre zu arbeiten. Andererseits kann man sich erst richtig krankmachen, wenn man zur Arbeit geht, indem man erste Anzeichen ignoriert.
Tja, wie gesagt, ein schmaler Grat. Pflichtbewusstsein sollte nicht den Ausschlag geben.

Ich tendiere dazu, meinen Mitarbeitern zu raten, im Zweifel lieber mal einen Tag zu viel daheim zu bleiben, als zu wenig. Wenn sie sich fit genug fühlen, können sie ja auch daheim ein wenig Literaturstudien o.ä. betreiben – sofern sie das wollen.
Problematisch wird es halt dann, wenn jemand zu oft der Arbeit fernbleibt. Bei meinen Mitarbeitern besteht die Gefahr des „Blaumachens“ nicht. Das sind Nerds, die gerne arbeiten, weil sie die Fortschritte ihrer Anstrengungen sehen wollen. Ich vertraue ihnen soweit.
In anderen Umgebungen besteht die Gefahr halt doch. Und da kann ich es schon verstehen, wenn ein Chef misstrauisch wird, wenn jemand sich alle paar Wochen mal für ein bis zwei Tage krankmeldet. In so einem Fall ist dann auch ein ärztliches Attest gleich am ersten Fehltag sinnvoll. Manche Leute haben ja eine labile Gesundheit und ständig irgendwelche Beschwerden (das soll hier nicht abfällig klingen – zumindest phasenweise kann das jeden treffen – wer jedoch durch seinen ungesunden Lebensstil seine Beschwerden selbst verursacht, mit dem hält sich mein Mitleid in engen Grenzen). Die jeweiligen Kollegen werden darüber auch nicht froh sein, denn sie trifft es dann ja, seine Arbeit (zumindest teilweise) miterledigen zu müssen.

Es ist nicht schön, krank zu sein. Für den Patienten nicht, aber auch sein Chef und seine Kollegen haben dadurch Probleme, da sie den Ausfall kompensieren müssen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Lieber gesund als krank //1969

  1. keloph schreibt:

    der ewige konflikt, der je nach persönlichkeit ausgenutzt oder ignoriert wird. ich tendiere dazu, trotz krankheit zu arbeiten, allerdings bin ich dann im homeoffice meist und nehme mir eher administrative dinge vor.

    Gefällt 1 Person

  2. Plietsche Jung schreibt:

    Niemand ist gern krank und die Abwesenheit ist ja auch gesetzlich geregelt. Das Problem besteht eher darin, dass viel zu viele Menschen krank oder angeschlagen zur Arbeit gehen und damit ihren Genesungsverlauf real verzögern und andere ggf noch mitnehmen.

    Blaumacher gehören bei Bestehen einer Beweislast abgemahnt, bei Verdacht sollte ein Gespräch zur Aufklärung geführt werden. Montage/Freitage lassen sich prima auswerten, sofern die Abwesenheit gut protokolliert ist.

    Gefällt 1 Person

  3. Irenicus schreibt:

    Ich hab noch nie verstanden was die krankschreibung ab dem ersten tag bringen soll.

    Wenn ich tatsächlich immer mal blau machen würde, würde ich mir einfach nen arzt suchen der ohne zu fragen krank schreibt, oder dem arzt eine chronische Krankheit vorspielen. Das ist total simpel.

    Im Endeffekt, nervt man damit nur Leute wie mich, die wirklich regelmäßig zu krank sind um zur Arbeit zu kommen (ich arbeite dann im homeoffice).

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    • Deswegen verlangen wir ja erst ab dem dritten Tag ein Attest.
      Ich verstehe gut, dass es ungemein lästig und erschöpfend ist, wenn man sich erst schon schlecht fühlt, und dann auch noch schnell den Besuch [bei einem|von einem] Arzt organisieren muss.

      Homeoffice funktioniert in manchen Fällen, ist aber keine allgemeingültige Lösung.

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    • Engywuck schreibt:

      Angeblich erhalten die Firmen, die an der Umlage U1 (letztlich eine Versicherung für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) beteiligt sind nur dann Geld, wenn eine „echte“ Krankschreibung vorliegt.
      Außerdem gibt es Firmen, in denen das ausgenutzt wurde – und verschiedene Abteilungen (oder gar Mitarbeiter) verschieden zu behandeln ist für den Betriebsfrieden unschön.

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  4. Pingback: #Frauenkranktag //2069 | breakpoint

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