breakplaining: Kommunikation //1920

Kommunikation beruht auf bestimmten Protokollen. Sender und Empfänger tauschen dabei Nachrichten aus.
Üblicherweise beginnt ein Kommunikationsprozess mit dem Handshake, bei dem Sender und Empfänger sich auf bestimmte Bedingungen einigen. Nur wenn z.B. eine Sprache oder konkrete Syntax festgelegt ist, können sie sich eindeutig verständigen.
Die Kommunikation kann auf unterschiedlichen Ebenen (sog. Layers) stattfinden.

Es verwundert mich immer wieder, wenn Personen, die sich selbst als Kommunikationsexperte o.ä. bezeichnen, keine Ahnung vom OSI-Modell haben.

Eigentlich wollte ich über Kommunikation noch viel mehr technische Einzelheiten schreiben, es fehlt mir aber die Inspiration dafür.

Stattdessen beschränke ich mich im folgenden auf Kommunikation innerhalb von Layer 8, und beschreibe aus aktuellem Anlass exemplarisch, dass es auch Kommunikationsschwierigkeiten geben kann, wenn man einander eigentlich gut versteht.
Dazu muss ich erst einmal etwas weiter ausholen.

Grundsätzlich mag ich es, wenn es schön warm ist. 300 Kelvin sind mir angenehm. Viel wärmer muss es aber auch nicht sein. Die derzeitigen Temperaturen sind auch für mich etwas zuviel des Guten, und ich merke, dass sie meinen Kreislauf zunehmend belasten.
Ich kann mich nicht erinnern, dass mir Hitze früher etwas ausgemacht hätte. Aber in der alten Heimat wurde es eh kaum jemals über 30°C warm. Auch während des Studiums wüsste ich nicht, dass ich Probleme mit hohen Temperaturen gehabt hätte.
Aber aktuell halt schon. Carsten dagegen scheint besser mit der Hitze klarzukommen.
Wenn ich abends erwähne, dass mein Kreislauf allmählich schwächelt, dann antwortet er nur: „Nimm halt ’ne kalte Dusche!“
Als ob ich darauf nicht schon selbst gekommen wäre! Ich habe auch schon geduscht, aber das ist nur eine kurzanhaltende Erfrischung, und schon wieder duschen will ich jetzt nicht.
Warum kann er meine Aussage nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen, vielleicht ein wenig Anteilnahme zeigen? Er könnte doch auch sagen: „Ruh‘ dich aus, schon‘ dich. Du brauchst heute nichts mehr zu tun.“ Dann bräuchte ich kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich es nicht schaffe, meine tägliche To-do-Liste abzuarbeiten. Ein wenig Zuspruch, Trost, Motivation oder Aufmunterung wären willkommen. Ich erwarte ja gar nicht, dass er mir anbietet, mir ein Getränk oder ein Eis zu bringen, wie ich es im umgekehrten Fall selbstverständlich täte.
Wenn er sich mal nicht so gut fühlt, dann sage ich etwa: „Tritt mal kürzer, streng dich nicht so an. Lass es langsamer angehen. Kann ich dir irgendwie helfen oder dir etwas holen?“ Ich gebe ihm keine zusätzliche Anweisung, was er machen soll, sondern versuche, mich um ihn zu kümmern.
Aber er fordert mich nur beharrlich auf, eine Dusche zu nehmen! Das ärgert mich durchaus.
Versteht mich richtig: Es ist absolut in Ordnung, mir die Dusche einmal vorzuschlagen. Aber wenn ich diese Option dann ablehne, nervt es, wenn er zehn Minuten später schon wieder mit Dusche anfängt. (Und nein – ich gehöre nicht zu den Leuten die ständig wegen irgendwelcher Kleinigkeiten herumjammern und nerven. Wenn ich schon mal erwähne, dass ich mich nicht richtig wohl fühle, dann geht es mir bereits ziemlich schlecht, und es täte mir gut, wenn er dann etwas fürsorglich wäre, statt das einfach lapidar abzutun.)

So ähnlich war es auch in den Anfangszeiten unserer Beziehung mit der Hausarbeit in der Wohnung. Wenn ich mal erwähnte, dass mir die Hausarbeit manchmal zuviel wurde, hätte er ruhig auch mal mit anpacken können und mir gelegentlich etwas abnehmen können. Ich erwartete ja gar nicht, dass er regelmäßige Verpflichtungen einging. Aber alles, was er jedesmal sagte, wenn ich das Thema anschnitt, war: „Dann such halt eine Haushaltshilfe.“
Da ich keine Fremden in meiner Wohnung herumwerkeln haben will, ist das Ende vom Lied, dass ich jetzt eben das Thema überhaupt nicht mehr anschneide, und mich notgedrungen alleine durch die Hausarbeit quäle.

Wenn ich schon zugebe, dass ich etwas nicht schaffe, dann will ich dann doch nicht hören, was ich sonst noch tun soll, sondern was ich eben nicht tun muss, und dass es auch nicht schlimm ist, wenn ich die Anstrengung ausnahmsweise bleiben lasse und deshalb Arbeit liegenbleibt.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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15 Antworten zu breakplaining: Kommunikation //1920

  1. idgie13 schreibt:

    Erwartet er denn, dass Du abends noch was tust oder machst Du Dir selber den Stress? Mich schlaucht die Hitze auch (zumal es im Firmengebäude recht heiss ist und mein Büro daheim unterm schlecht isolierten Dach ist und ich abends noch arbeiten muss) – aber was soll denn jemand anders dagegen machen?

    Bzgl. Haushalt habt ihr doch eine klare Regelung: er kümmert sich um den Haushalt im Haus (bzw. lässt kümmern), Du um den in Deiner Wohnung. Wenn Du keine Haushaltshilfe willst, bist Du selber schuld.

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    • Stimmt alles, was du sagst.

      Den Drucke mache ich mir vor allem selbst, vermeide dabei durchaus, abends noch viel tun zu müssen. Nur funktioniert das nicht immer, irgendwelcher Kleinkram bleibt trotzdem noch zu tun.
      Wenn ich dann halt gelegentlich erschöpft bin, dann brauche ich keine Vorschläge, was ich zu tun habe. Selbst wenn die Vorschläge noch so gut gemeint sind.
      Ein kurzes Wort, das anerkennt, dass ich halt auch nicht immer in Topform sein kann, wäre mir viel lieber. Oder am besten (allerdings nicht gerade, wenn mir eh schon zu warm ist), mich einfach wortlos in den Arm nehmen.

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  2. Leser schreibt:

    Zunächst mal kennen „Kommunikationsexperten“ das OSI-Layer Modell nicht, weil sich deren Form von Kommunikation ausschließlich auf Layer 8 abspielt, der nicht mal offiziell zum OSI-Modell dazu gehört, sondern eher als Gag dazugedichtet wurde. Die OSI-Layer sind halt nur für die digitale Komunikation zwischen Computergeräten gedacht, Kommunikation zwischen Menschen ist zu alt, um sie in Layer aufzuteilen, der physical layer wären z.B. die Luftschwingungen, wodurch die Schallwellen zwischen den kommunizierenden Individuen übertragen werden – aber Kommunikation zwischen Menschen gibt es schon länger, als das Wissen darum, wie Schallwellen funktionieren. Und ohne Schallübertragendes Medium um uns herum könnten wir ohnehin nicht existieren. Erst in neuester Zeit ist dem physical layer bei der zwischenmenschlichen Kommunikation eine erhöhte Bedeutung zugekommen, weil es z.B. bei schlechten Fernsprechverbindungen manchmal zu Missverständnissen kommt. Und selbst Kommmunikation über andere physical layer, wie z.B. bei Zeichensprache, ist bereits älter als das OSI-Modell… Und zwischen Layer 1 und 8 passt bei der zwischenmenschlichen Kommunikation halt auch nur noch die Sprache als Protokoll-Layer d.h. es sind in dem Fall eigentlich nur 3 Schichten. (Da sag noch mal jemand, Computer würden alles vereinfachen! ;))
    Aber sonst ist halt alles, was zwischenmenschlich kommuniziert wird, Layer 8, auch das beschriebene Kommunikationsproblem zwischen Carsten und Dir. Darüber haben in den späten 90ern mal viele Menschen mit mir gesprochen, denn es ist ein klassische Phänomen, was damals in einem stark gehypten Buch „Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus“ oder so ähnlich beschrieben wurde: Männer denken und kommunizieren eher lösungsorientiert und geben/erwarten somit dann einen Ratschlag, um das beschriebene Problem zu beheben, während Frauen eher auf der empathisch-mitfühlenden Ebene kommunizieren, d.h. ihnen ist es wichtiger, dass das Gegenüber Verständnis für das Problem zeigt, anstatt eine Lösung zu erwarten. Wenn man sich beiderseitig dieses Umstands bewusst ist (vive la différence), lassen sich solche unzufriedenstellenden Momente leicht umwandeln, indem Frau/Mann dann halt das sagt, was das Gegenüber wahrscheinlicher hören will.
    Ich finde es übrigens interessant, dass Du dies so ansprichst, denn nach allem, was Du sonst so schreibst, kommst Du in der Kommunikation mit Männern besser klar, wärst also eigentlich eher eine (nicht in das „Mars-Venus-Modell“ passende) untypische, lösungsorientierte Frau. Nun schreibst Du, dass dem genau nicht so ist, das ist erfrischend amüsant, zeigt es doch, dass man aus seiner Haut nicht so leicht raus kommt, wie man das denkt 😉

    Gefällt 1 Person

    • Danke für den schönen langen Kommentar.

      Mir ist nur gerade zu warm, um auf die Einzelheiten einzugehen.

      Lösungen zu finden, ist mir schon wichtig. Aber eine kalte Dusche ist hier keine Löung, sondern nur eine temporäre Linderung.
      Ein Lösung wäre etwa: „Hokuspokus – jetzt ist es fünf Kelvin kühler.“
      Das geht nicht, klar. Und wenn es nun mal keine realisierbare Lösung gibt, und ich außerdem echt geschlaucht bin, dann erhoffe ich einfach ein klein wenig Verständnis für meine Situation.

      Und wer sich als „Experte“ bezeichnet, sollte schon über den eigenen Tellerrand hinausblicken können, und sich nicht nur auf zwischenmenschliche Kommunikation beschränken.

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      • Leser schreibt:

        Lösungsvorschlag: Stöber das inzwischen bestimmt 20 Jahre alte Buch auf, und schenk es Carsten, dann weiß er vielleicht besser, was Du in solchen Situationen hören willst 😉

        Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass er Deine Antworten an ihn „streng Dich nicht so an“ etc. auch als wenig hilfreich ansieht (denn so schlimm ist es da ja noch längst nicht, solange er sich noch beklagen kann), d.h. vielleicht wäre da auch irgend eine lösungsorientierte Erwiderung angebracht, um sein in diesen Situationen eingeschränktes Wohlbefinden wieder zu steigern. Ganz schlecht sind sie auch nicht, denn sie sind ja schon im Prinzip lösungsorientiert, nur halt nicht mit einer Lösung, die er für gut befindet, die das Problem (es geht ihm nicht so gut) nicht löst, sondern maximal einen Workaround darstellt.

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        • Vor einigen Jahren habe ich das Buch sogar mal gelesen. Ich glaube aber nicht, dass Carsten sich die Zeit dafür nehmen wollte.
          Und – von einigen schwachen Momenten mal abgesehen – will ich auch gar nicht, dass er mich so anders behandelt.

          Ihm würde es oft gut tun, etwas langsamer zu machen, aber in dieser Hinsicht lässt er sich ja von niemandem etwas sagen.

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  3. Pendolino70 schreibt:

    Ich verstehe Carsten schon, i h würde dich auch dauernd duschen schicken u dich ohne Kleider rumlaufen lassen sei er Gesundheit wegen 😬.
    Die Angst vor der Haushaltshilfe ist unbegründet. Wenn du einmal E
    Eine hattest, möchtest du nicht mehr drauf verzichten.

    Gefällt 1 Person

  4. ednong schreibt:

    Obwohl du ja sonst nicht in Lösungen verlegen bist, habe ich immer mal wieder das Gefühl,dass du von Carsten bedauert werden willst und das wohl nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. So wirkt es jedenfalls. Und du versuchst es durch die Blume, was natürlich schoefgeht. Würde es auch bei mir: Wer etwas von mir will, muss das klipp und klar zum Ausdruck bringen, sonst kommt das nicht an. Vermutlich würdest du den Tipp mit der Dusche von mir bekommen. Und beim zweiten Mal die Frage, was du denn eigentlich willst,da du ja nur rumjammerst.

    Und OSI-Layer 8? Hat das nicht insgesamt nur 7 Schichten?

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    • Ist denn ein banales Statement, dass einem die Hitze zusetzen kann, schon zuviel verlangt? Mehr will ich doch gar nicht.
      Er braucht auch gar nichts zu sagen. Bloß dieses mantraartige Repetieren von Dusche geht mir auf die Nerven.
      Für ihn mag das eine Lösung sein, aber für mich ist es das nicht. Ich wünsche mir von ihm lediglich diese Einsicht.

      Die achte Schicht sitzt bisweilen zwischen Tastatur und Stuhllehne.

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