Nerdparty ohne Gästinnen //1916

Zur Feier meiner Promotion in spe waren sechs Gäste gekommen. Zwei hatten abgesagt. Einer war zu diesem Zeitpunkt verreist, und bei Frank vermute ich, dass seine Frau ihn nicht ließ. Norbert war nur beim Kaffeetrinken dabei, dann verabschiedete er sich mit der Begründung, noch einen anderen Termin zu haben. Kann auch sein, dass er sich auf so einer Nerdparty nicht so richtig wohlfühlte. Ich hatte ihn ja auch nur eingeladen, weil er mir noch ein paar gute – fachunabhängige – Tipps zum Promotionsverfahren gegeben hatte, als wir eine Besprechung wegen des Medizinerprojektes hatten.

Wir begannen mit einem entspannten Kaffeetrinken in einer schattigen Ecke des Gartens. So ein Glück, dass das Wetter mitmachte (um die Mittagszeit herum hatte es noch etwas gewittert und leicht geregnet, aber das verzog sich dann wieder und ließ die übliche Hitze zurück)! Zwar gab es einige Kuchenreste, aber die werde ich im Laufe der Woche schon schaffen.
Später dann begann Carsten mit Grillen, und ließ sich zwischendurch mal von Thomas und Lukas ablösen. Ich beschränkte mich auf Bratwürste, war aber eigentlich noch vom Kuchen satt.
Wir führten angenehme und interessante Gespräche, nerdeten halt so rum.

Mit einem Doktortitel in Aussicht ist es mir natürlich erst recht wichtig, nicht nur auf meinen Intellekt reduziert zu werden. Entsprechend hatte ich Popmusik ausgewählt, die sich für orientalischen Tanz eignet, und in den Tagen vorher meinen Shimmy noch geübt.
Zwischendurch tanzte und sang ich also, und war auch noch auf der Schaukel.
Anfangs trug ich das „In-Mathe-bin-ich-Deko“-Shirt, aber darin wurde es mir bald zu warm, so dass ich es in einer fließenden Bewegung auszog. Darunter hatte ich ein knappes Top an.

Irgendwann kündigte ich an, dass ich mich jetzt eine halbe Stunde in den Whirlpool setzen würde, und fragte, wer mir Gesellschaft leisten wolle. Als sich niemand spontan meldete, ging ich halt allein. Ich spielte mit dem Gedanken, mein Top und meinen Rock noch im Garten auszuziehen, unterdrückte dann aber diesen exhibitionistischen Impuls.
Ich saß erst wenige Minuten im Whirlpool, als Philipp hinzukam. Er sagte, dass er sich ja auch gerne hineinsetzen würde, aber keine Badehose dabeihätte. Ich meinte, dass er keine bräuchte, ich sei schließlich auch nackt.
Philipp zögerte. Während er noch unschlüssig neben dem Whirlpool stand, kam Carsten ebenfalls herunter. Er zog sich kurzentschlossen aus, und kletterte zu mir in den Pool. Philipp murmelte: „Ich geh‘ wieder nach draußen“, und verschwand.
„Du hast den armen Philipp vertrieben“, tadelte ich, „das ist nicht sehr gastfreundlich.“
„Übertreib‘ es nicht, Anne“, erwiderte Carsten, „wir sind hier nicht bei den Eskimos.“
„Ich halte mich nur an unseren Deal„, lächelte ich ihn an, „du wirst doch nicht etwa last minute noch einen Rückzieher machen wollen?“
Missmutig schwieg er, bis ich einige Minuten später aufstand, da die Osmose sich inzwischen bei meinen Fingerkuppen bemerkbar machte.

Wieder bekleidet ging ich hinauf in den Garten.
Mir fiel auf, dass Thomas und Benjamin sich viel miteinander unterhielten. Die beiden haben wohl einige Gemeinsamkeiten und somit Gesprächsstoff. Ich hoffe ja, dass es Thomas gelingt, Benjamin davon zu überzeugen, Teresa nicht weiter nachzulaufen, sondern endlich zu nexten. Ich weiß allerdings, dass ihm das schwer fallen wird. Nur zu gut erinnere ich mich an meine eigene Überraschung, als ich damals erfahren hatte, dass er geheiratet hatte.

Die Feier zog sich noch einige Zeit hin, bis sich irgendwann kurz hintereinander alle Gäste verabschiedeten.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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43 Antworten zu Nerdparty ohne Gästinnen //1916

  1. Pendolino70 schreibt:

    Eine Blogger-Gartenparty würde wohl ausschliesslich im Pool stattfinden.
    So unterschiedlich sind die Bekanntenkreise 😂

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Carsten beeindruckt mich immer wieder.

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    • Ja, mich auch. 😀

      Aber was fandest du jetzt hier konkret so beeindruckend?

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Er hat einzig richtig gehandelt, denn dein Verhalten war – sagen wir’s mal so – nicht ganz einwandfrei.

        Dreh das Ganze mal herum.
        Carsten lädt sich 6-10 Frauen ein und hüpft dann nackig ins Bassin. Es sind keine Männer der Frauen anwesend und du guckst zu.

        Mal ganz ehrlich, Anne, die Aktion war ja wohl schlicht ein schlechter Witz.

        Insofern: Hut ab, Carsten.

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        • Nun, ich war vielleicht nicht vorbildlich brav, aber immer nur brav zu sein ist langweilig.

          Carsten und ich hatten eine Abmachung, nach der die Party so gestaltet wird, wie ich mir das wünsche. Benutzung des Whirlpools war von Anfang an Bedingung gewesen (Sauna auch, aber da es ohnehin heiß war, hatte niemand das Bedürfnis).

          Es ist nichts wirklich ungebührliches passiert. Carsten kommt damit schon klar, und wenn er ein wenig sauer auf mich ist, so ist unser Sex umso besser.

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          • Plietsche Jung schreibt:

            Ich meine, mit „brav sein“ hat das so gar nicht zu tun. Es hat für mich durchaus etwas mit Respekt zu tun, den du hier ignorierst und dich mit einer Vereinbarung legitimierst, die in meinen Augen schon etwas zweifelhaft ist.

            Es ist gleich, ob etwas Ungebührliches passiert. Nicht der Tatbestand oder Vollzug ist hier maßgebend, sondern schon diese Situation, in die du Carsten gebracht hast. Hast du schon mal darüber nachgedacht, was deine Gäste nun von Carsten denken, geschweige von Dir ?

            Jede Aktion erzeugt eine Reaktion und ich habe großen Respekt vor Carstens Situationslösung. Ich kann für Dich nur hoffen, dass er es dir nicht nachträgt.

            Eine seltsame Beziehung, die ihr führt.

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            • Carsten wollte ein bestimmtes Zugeständnis von mir, und dachte, er kommt da einfach ran, indem er mich mit so einer Feier besticht.
              Aber ganz so billig bin ich nicht. TANSTAAFL

              Die Gäste waren meine engsten Freunde, bei denen ich mir das schon erlauben kann. Hey! – die meiste Zeit verbrachten wir mit allen möglichen Fachsimpeleien.

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Naja, welche Deals ihr in Eurer Partnerschaft macht, ist eure Sache. Übrigens ist es sehr wohl so, dass man etwas „for free“ in einer Beziehung bekommt, das ist üblich und dient der Freude des anderen.

              Deine engsten Freunde …hmm. Die kann ich natürlich nicht beurteilen. Trotzdem wird man sich das Maul zerreißen, dir nur nicht erzählen. Die Außenwirkung dieser doch recht seltsamen Situation ist schon sehr seltsam und passt zum Gendermix der Gäste.

              Na gut. Passiert ist passiert. Hoffen wir mal, dass es ohne weitere folgen bleibt.

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            • Übrigens ist es sehr wohl so, dass man etwas „for free“ in einer Beziehung bekommt

              Klar. Aber die Gegenleistung hier war für ein geschäftliches Arrangement außerhalb der Beziehung.

              Trotzdem wird man sich das Maul zerreißen,

              Das schätzt du hier falsch ein.
              Außerdem: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s frei und ungeniert.

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Tja, es hat nicht nur Vorteile, zusammen in einer Firma zu agieren.

              Dann werden wir sehen, was die Zeit so bringt. Mit dem Ruf meinst du wahrscheinlich deinen Ruf, der dir unbenommen ist. Was meint Carsten dazu. wenn diese Geschichte die Runde macht ? Frag ihn doch mal, wie es auf ihn gewirkt hat.

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            • Carsten ist da längst drüber hinweg. Kurzfristig hat es ihn wohl schon etwas irritiert, aber im Grunde genommen ist er souverän und humorvoll genug, um das gelassen zu sehen.
              Er wusste, worauf er sich mit mir einließ.

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Na, ich weiß nicht. Ich würde eher sagen, das kommt auf den Stack.
              Souverän war zunächst seine Aktion und mit Humor hätte dies für mich nichts zu tun.

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            • Er hat die Angelegenheit aber anschließend mit Humor genommen.
              Naja .. nach einiger Verzögerung.

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        • Mia schreibt:

          Ich muss schmunzeln.
          Denkst du ernsthaft, dass die hier niedergeschriebenen Geschichten wahr sind?
          Sie lässt ihrer Fantasie freien Lauf und will damit ihre Leserschaft doch lediglich unterhalten. Und je aufgebauschter und unwahrscheinlicher es sich liest, umso besser.
          Breakpoint, die Geschichtenerzählerin.

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Es hört sich ein wenig bizarr an. Du hast also für Deine Gäste gesungen und getanzt und hast sie danach zum nacktbaden in den Whirlpool eingeladen? Beim Lesen ist man da schon etwas peinlich berührt und hat Mitleid mit Deinem Mann.

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  4. claudius2016 schreibt:

    Mh, die Zeit scheint seltsam geworden zu sein, was ist denn dabei, sich nackt in einen Whirlpool zu setzen? Oder geht ihr inzwischen auch mit Badekleidung in die Sauna…
    Es gibt (also es gab, als ich jünger war) Orte, an denen Kleidung unpassend ist/war.
    Naja, die Zeiten scheinen sich gewandelt zu haben.

    Gefällt 2 Personen

  5. ednong schreibt:

    LOL.
    Spannend wird es nun.

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  6. idgie13 schreibt:

    Man soll das Bärenfell nicht verkaufen, bevor der Bär erlegt ist… ich bin kein Fan von vorfeiern.

    Ansonsten hat das für mich was von Junggesellenabschied… Ich gönn das jedem, der Spass dran hat – für mich wär das aber nix.

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  7. Pingback: Tweets von der Insel //2123 | breakpoint

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