Unfehlbarkeit liegt im Auge des Betrachters //1898

In meinem Heimatstädtchen ist ein Konflikt in der Bevölkerung ausgebrochen, der sich quer durch alle Familien zieht.
Um was es genau geht, das kann und will ich hier nicht erklären. Zum Verständnis genügt es, dass es sich um ein Lokalpolitikum handelt. Es haben sich zwei etwa gleich starke, sich unversöhnlich gegenüberstehende Parteien gebildet, in deren Zentren der Pfarrer und der Arzt stehen.

Im Rahmen dieser Meinungsverschiedenheiten haben sich auch meine Eltern gestritten, und zwar in einem Ausmaß, dass meine Mutter meinte, dass sie so nicht ihren Geburtstag feiern wolle, und die Feier erst mal ausfallen lassen will (um sie eventuell später im Herbst nachzuholen).
Meine Mutter ist auf Seiten des Pfarrers, weil „es doch der Pfarrer so sagt“ (der vom Papst mindestens Unfehlbarkeit geerbt hat). Mein Vater hat sich zur Gruppe des Arztes geschlagen, weil „der doch ein Dokter ist“ (und somit weit jenseits von Irren ist menschlich).
Rein von der Sache her tendiere ich in dieser speziellen Angelegenheit eher zum Standpunkt des Pfarrers, werde mich aber hüten, mich in die Streiterei mithineinziehen zu lassen.

Die ganze Angelegenheit erinnert mich ein wenig an Don Camillo und Peppone, nur dass sie nicht so lustig ist.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Unfehlbarkeit liegt im Auge des Betrachters //1898

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Ich würde mich eher raushalten, den es klingt um zwei veritable Positionen und es geht um Familie.

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  2. keloph schreibt:

    der pfarrer erbt vom papst? uiuiui………ja so ist es auf dem dorf. ich kenne das zur genüge. und am besten hält man (gerade als zugezogener wie ich) die schnute.

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  3. Pendolino70 schreibt:

    Es gibt schon eine richtige Ansicht, so ist es nicht 😉

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  4. Mia schreibt:

    Ein Arzt, ein Pfarrer und eine Dorfsippe, die irgendwo im Morast des 19. Jahrhunderts feststeckt. Fehlt nur noch der verwitwete Großgrundbesitzer, der’s am Ende richtet.
    Der ideale, lauwarme Füllstoff für das Sommerloch in Klein-Bloggersdorf.

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  5. Engywuck schreibt:

    Kenne ich aus Erzählungen meines Vaters. Das Dorf hatte von einem Amerika-Auswanderer eine größere Geldsumme geerbt (Anfang der 1950) mit der Auflage „zum Wohle der Gemeinde“. Der Bürgermeister war der Ansicht, damit könne man endlich die Kanalisation in Angriff nehmen, der Pfarrer meinte, eine Glocke für die Kirche wäre wichtiger. Muss damals echt hoch hergegangen sein.

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