Ein Personalgespräch //1896

Über die Vertriebsmitarbeiterin, die aus der Elternzeit zurückkehren will, hatte ich berichtet.
Es wäre schon praktisch gewesen, wenn sie die seit längerem vakante Stelle der Sekretärin hätte einnehmen können. Also ließ ich die Personalabteilung nachforschen, ob es für diese Weiterqualifizierung geeignete Fortbildungsangebote gäbe. Es fand sich sogar ein Kurs, der die Qualifikationslücke schließen könnte, auch wenn er zeitlich nicht optimal gelegen war. Aber immerhin war es denkbar, dass die Mitarbeiterin erst einmal nur als einfache Bürokraft einsteigen würde, um sich danach die nötigen Kenntnisse parallel dazu anzueignen. Letztendlich hätte sie dann die Leitung des Vorzimmers übernehmen können.
Es liegt der Geschäftsleitung schon einiges daran, wieder eine festangestellte Chefsekretärin zu bekommen. Derzeit müssen viele büroorganisatorische Maßnahmen noch zusätzlich von der Geschäftsleitung abgesegnet werden, was eine permanente Sekretärin selbständig und in eigener Verantwortung erledigen kann (und sei es nur die zeitgerechte Bestellung von Büromaterial).

Also ließ ich die Personalabteilung einen Besprechungstermin mit ihr vereinbaren. Anwesend sollten außerdem sein der Vertriebsleiter als ihr direkter (Noch-)Vorgesetzter, jemand aus der Personalabteilung, und ich in meiner Funktion als Standortleiterin. Dann noch jemand vom Betriebsrat, so dass insgesamt fünf Personen dabei waren. Ganz schön viele für so eine Angelegenheit.
Ich hatte mir vorgenommen, selbst möglichst wenig zu reden, sondern nur die oberste Aufsicht zu übernehmen, vielleicht mal ein Stichwort einzuwerfen. Die hauptsächliche Kommunikation überließ ich dem Vertriebschef und dem Personaler. Die werden schließlich (im Gegensatz zu mir) dafür bezahlt.

Wie zu erwarten, lehnte die Mitarbeiterin die Vollzeitstelle in der Fertigung ab. Sie wolle Teilzeit, könne nicht den ganzen Tag arbeiten. Bei der Teilzeitstelle bei Herrn Grau schien sie zuerst interessiert, bis ihr klar wurde, dass dies in Standort 4 ist. Dort wolle und könne sie nicht arbeiten, es müsse schon hier, oder zumindest in zumutbarer Entfernung sein.
Ich warf ein, dass es denkbar wäre, dass sie offiziell Standort 4 zugeordnet ist, aber ihr tatsächlicher Arbeitsplatz hier ist. Sie bekäme hier irgendwo einen Schreibtisch mit einem Rechner (welche Resourcenverschwendung für eine Halbtagsstelle!), und würde für das Team von Herrn Grau arbeiten. Remote Zugriff und Telekommunikation machen es möglich, dass sie nicht tatsächlich dort vor Ort sein müsse. Sie meinte, dann könne sie ja auch zu Hause Teleworking machen. Nice try. Für die angedachte Tätigkeit ist Einbindung in die Firmen-Infrastruktur nötig. Das kommt mir nicht in eine Privatwohnung.
Ich erklärte also, dass Teleworking dafür nicht in Frage käme.

Als letzte Option gäbe es noch die Möglichkeit, im Sekretariat zu arbeiten. Zunächst als Bürohilfe, aber nach entsprechender Weiterbildung und Erfüllung einiger andere Bedingungen wäre es denkbar, dass sie mit dieser zusätzlichen Qualifikation die Chance erhielte, die Stelle der Sekretärin fest zu übernehmen.
Sie schien skeptisch, und wollte wissen, was dann ihre Aufgaben seien.
Ich ließ den Personaler die Stellenbeschreibung vorlesen. Sie war nicht begeistert. Ich deutete ihre Reaktion so, dass das viel zu viel Verantwortung bedeuten würde. Sie wolle doch nur ein paar Stunden am Tag hier sein, um am liebsten Routinearbeiten zu erledigen, aber nichts, das in Stress ausarten könne. Einen ruhigen Job also, ohne größeren Anspruch und Anstrengung.
Sie hätte ja gerne ihren alten Job wieder gehabt, aber eben nur halbtags und ohne verreisen zu müssen.

Wir verblieben dann dabei, dass sie noch eine Woche Bedenkzeit habe. Wenn sie sich bis dahin nicht anderweitig äußert, setze ich sie erst mal mit ins Vorzimmer (das kann am Vormittag dann eng werden), und wir setzen sie vorläufig ein für geeignete Arbeiten, die halt so anfallen. Vielleicht lässt sich ja doch noch ein Arrangement finden, dass sie zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit dem Team von Herrn Grau zur Verfügung steht. Das würde auch einige andere Probleme lösen.
Ansonsten werde ich sie vielleicht Werner unterstellen. Dann hat der Assistent der Geschäftsleitung halt selber noch eine Assistentin, die ihm einfache Tätigkeiten abnehmen kann. Ich selber habe keine Lust, mich längerfristig mit ihr abgeben zu müssen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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33 Antworten zu Ein Personalgespräch //1896

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich hätte jetzt eher gedacht, dass sie denkt, die angebotene Stelle wäre weniger anspruchsvoll als ihre letzte Position.

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    • Nee, die Sekretärin ist u.a. verantwortlich für die Bürohilfen, muss deren Arbeitszeiten und Aufgaben koordinieren, auch Urlaub bewilligen etc..
      In ihrer alten Stelle hat die Mitarbeiterin nur gemacht, was ihr selbst aufgetragen worden ist.

      Die Art der Tätigkeit ist halt anders. Im Vertrieb gab es einen technischen Bezug, im Sekretariat nicht (auch wenn grundlegende Kenntnisse dort sicherlich nicht schaden).

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  2. stella schreibt:

    wenn man nach der Elternzeit wieder in den Beruf will, muss man Kompromisse eingehen und sich nicht nur die Rosinen rauspicken. (ist unfair den anderen Kollegen gegenüber)
    Wenn sie jetzt schon solche Ansprüche stellt, sehe ich das sehr kritisch, es wird nicht besser,
    da soll sie dann besser Zuhause bleiben.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Warum nicht per VPN auf die Firmen Infrastruktur zugreifen ?

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    • Leser schreibt:

      Von einem Privat-PC aus, der nicht professionell administriert wird, wo irgendwelche Schlangenöl-Software von der Stange läuft, aber sonst keinerlei Schutz besteht? Weißt Du, wie verseucht solche Teile in der Regel sind? Dann müsste man ihr einen Firmen-PC hinstellen, und das würde wiederum bedeuten, die private Nutzung dieses Rechners per Vorschrift zu unterbinden, was sich aber wiederum nicht kontrollieren ließe, oder man müsste den PC so verdongeln, dass nur die Programme ausgeführt werden können, die für die Arbeit nötig sind, und sämtliche Netzwerkverbindungen ausschließlich über das Firmen-VPN laufen, damit der Rechner auch durch die dortige Infrastruktur entsprechend geschützt ist. Wenn es so ein Setup noch nicht gibt, ist es zu aufwändig, das für einen einzelnen Mitarbeiter einzurichten.
      Zudem scheint diese Dame nur „Dienst nach Vorschrift“ machen zu wollen, d.h. im Falle des Teleworkings wahrscheinlich deutlich an Leistung und Effizienz einzubüßen, so dass sie für die Firma eher mehr kosten würde, als ihr zu nutzen.
      Zumindest ist das meine Einschätzung, auch wenn ich null Ahnung habe 😉

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      • Du sagst es. Genauso ist es.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Im Üblichen werden heute jedem Mitarbeiter Firmen-Notebooks bereitgestellt, bei denen Vorenschutz, Gruppenrichtlinien und ein VPN bereitgestellt wird. In den Gruppenrichtlinien werden Benutzerrechte auf ein praktisches Minimum reduziert (USB Sticks, Programm nicht installieren, etc).

        Es ist weder ein Privileg von zuhause zu arbeiten, noch ein technisches Meisterwerk, sondern gängige Praxis.

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        • Notebooks für SW-Entwicklung .. ach, Plietschi ..

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          • Plietsche Jung schreibt:

            Wir sprachen doch von eurer Burotante, oder nicht ?

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            • Von der Vertriebsmitarbeiterin, und zwar im Kontext, dass sie für Herrn Grau arbeiten könnte – das wäre SW-Entwicklung (wenn auch in diesem Fall auf niedrigem Niveau).

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Wie auch immer. Im VPN von außen eingelogt, gelten die selben Freigaben wie auch im lokalen Netz.

              Und wenn wir schon beim Thema Notebook und Workstation sind: Der Unterschied ist in der Docking Station und im Preis.. Alles andere ist ziemlich zu vernachlässigen.

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            • Bei uns in der Entwicklung ist nicht nur die IT-Infrastruktur relevant. Bisweilen ist auch Zugriff auf die physischen Geräte nötig. Das geht nicht von daheim.

              Unsere Entwickler haben alle zwei hochauflösende Monitore. Mit so einen mickrigen Notebookdisplay ist Entwickeln eine Qual.

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Ah, verstehe. Das ist natürlich dann Bedingung.

              Monitore ist kein Argument mehr. Auch an einer Docking laufen mehrere Monitoren.

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            • Aber wenn abzusehen ist, dass man für die Arbeit zwei große Monitore braucht, ist ein Desktop-Rechner von vornherein dir zweckmäßigere Wahl.

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Nein. Das stimmt nicht.
              Die Dockings laufen heute über USB 3 und verteilen das Signal wie auch der DesktopPC hochauflösend per DVI, Display Port oder HDMI an mehrere Monitoren.

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            • Klar, rein technisch geht das.
              Ein Notebook ist erste Wahl, wenn man mobil sein muss. Sofern Mobilität aber nicht erforderlich ist, ist ein Desktop-Rechner dennoch vorzuziehen.

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            • Engywuck schreibt:

              da ich unter die tieferen Elemente im Thread nicht kommentieren kann…

              Es gibt zwar heute Laptops, die gleich von vornherein zwei externe Displays ansteuern können (plus DisplayLink etc), aber das Problem ist bei der Heimarbeit der Platzbedarf. So ein 24″-Monitörchen ist schon über 50cm breit, zwei davon brauchen also etwa einen Meter – bei 27″ schon 1,20m. Die DGUV empfiehlt als Mindestmaß einen Schreibtisch von 80x160cm – der wäre mit zwei Bildschirmen schon gut ausgefüllt. Dazu kommt dann noch die Ablagefläche für den Laptop, evtl. ein Drucker, Platz für (Akten-)Ordner oder auch nur Konzeptpapier, … Das ist in den wenigsten Wohnungen mit kleinen Kindern gut realisierbar – das ehemalige „Büro“ ist ja nun meist das Kinderzimmer. Für ein geeignetes Home-Office ist eine Vier-Zimmer-Wohnung also eher Mindestanforderung (Schlafen, Kind, Wohnen, Arbeiten). In den wenigsten kleineren Wohnungen passt ein ergonomischer Schreibtisch so hin, dass er der Arbeitsstättenverordnung genügt (und sicher vor spielenden Kindern ist).
              Das mag anders sein, wenn es nur darum geht, dass der Handlungsreisende seinen Laptop irgendwo balanciert und abends die Verkaufszahlen aktualisiert, aber für einen dauerhaften Arbeitsplatz…
              Außerdem braucht Mami dann ja noch zusätzlich einen Rechner – wenn sie 5 Jahre in Elternzeit war sind die Kinder in einem Alter, in dem sie „auch mal“ wollen. Die Zahl der Laptops mit Kaba in der Tastatur dürfte bei Home-Office mit kleinen Kindern jedenfalls gegenüber „echtem“ Arbeitsplatz kräftig steigen – speziell, wenn es kein „echtes“ Arbeitszimmer gibt…

              Dazu kommt dann noch, dass man mit einem Home-Office ja den Kitaplatz einsparen und das Kleinste dann halt mal „nebenbei“ „bespaßen“ kann. Wieviel dann die Arbeitszeit noch wert ist… (ja, es gibt Leute, die sowas sauber trennen (können), aber auch von Außen heißt es dann oft „ach was regst du dich über den geschlossenen Kindergarten auf, bist doch eh daheim“)

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Wenn ich Programmierer im Home Office bin, hab ich auch zwei Bildschirme an der docking.

              Und ich denke, hier gibt es durchaus falsche Vorstellungen von dem, was heute ein Außendienst alles tun muss.

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            • Ja, genau so ist es. Muss man alles berücksichtigen.

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    • Dieses Privileg ist der Geschäftsleitung vorbehalten.

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